Schuldenkrise? Gläubigerkrise!

10. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Die Schulden der einen sind die Guthaben der anderen. Das dürfte bekannt sein. Warum ist aber immer nur von einer „Schuldenkrise“ die Rede, wenn man doch eigentlich die Gläubiger vor einem Schaden beschützt?

Kann ein Schuldner nicht mehr zahlen, bekommt doch der Gläubiger die Krise und muss dran glauben. Oder? Die Rettung europäischer Pleitestaaten ist damit in erster Linie eine Bankenrettung. Ein Gutes hat diese Schuldenkrise in Europa schon: Es wächst zusammen, was nicht zusammen gehört – diesmal aber weniger über einen Maastricht-Vertrag, sondern über finanzielle Abhängigkeiten.

Neulich fand ich beim Aufräumen einen Kontoauszug von 1992. Der Leitzins stand damals bei zehn Prozent. Dass wir das überhaupt überlebt haben! Die Wirtschaft wuchs trotzdem. Banken zahlten auf Termingeld zehn Prozent Zinsen. Das waren Zeiten! Die deutschen Staatsschulden beliefen sich auf 680 Milliarden Euro und haben sich innerhalb von 20 Jahren verdreifacht. Stünde der Leitzins jetzt bei zehn Prozent, Deutschland wäre sofort pleite. Ohne Schulden und Minizinsen läuft heute nichts mehr.

Je höher die Schulden, desto wichtiger sind auch tiefe Zinsen. Nun hob die EZB ihren Zinssatz um ein Viertel auf sagenhafte 1,25 Prozent an. Minizinsen haben im Fall Portugal in den vergangenen Jahren die Verschuldung erst richtig angeheizt. Jetzt ist die Schuldenfalle zugeschnappt. Wie kuschelwarm die Sache doch verkauft wird. Einige Stunden vor dem Finanz-GAU war alles noch super. Das lässt vermuten, die Halbwertszeit kuschelwarmer Aussagen ist kürzer als die von radioaktivem Jod in Fukushima.

©Frank Meyer (Kolumne aus den Lübecker Nachrichten)

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7 Kommentare auf "Schuldenkrise? Gläubigerkrise!"

  1. Stuelpner sagt:

    „Es wächst zusammen, was nicht zusammen gehört – diesmal aber weniger über einen Maastricht-Vertrag, sondern über finanzielle Abhängigkeiten.“
    > Ob es wirklich zusammen wächst ist, ob oder Zwang oder nicht dürfte stark bezweifelt werden. Es sieht doch eher so aus, als würden jetzt alle Völker Europas in den Knast gesteckt und der Knastchef tönt von der Kanzel: Freut euch, ihr seid jetzt eine Familie!
    >
    > Das ist also Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, aha ! Wo sind die Typen die 89 auf der Straße rum geschrien haben: Wir sind die Dummen. Oder hieß es wir sind das Volk. Unterschied? Am Ende glauben die immer noch sie haben sich „befreit“. Für die Nichtmerker: Euer Gorbi hat euch verkauft, nun viel Spass in eurer neuen Freiheit.
    >
    > „Kann ein Schuldner nicht mehr zahlen, bekommt doch der Gläubiger die Krise und muss dran glauben. Oder?“
    > Eigentlich ja, aber was begreift man heute schon noch mit gesunden Menschenverstand.
    > Wäre es nicht gesünder, wenn es so läuft wie bei den islamischen Banken, die tragen (m.W.) genauso das Risiko wie die Gewinnchance. Ist das nicht unheimlich ungerecht und hinterwäldlerisch nach unseren zivilisierten, aufgeklärten und überragenden gesellschaftlichen Denken !? Oder?
    > Wie lange geht das noch so weiter mit diesem grotesken Kasperletheater in Berlin und Brüssel.
    >
    > Zur Ergänzung des Artikels paßt vielleicht ein weiterer Artikel ganz gut:
    > http://www.freitag.de/politik/1114-selbstlaeufer-eurokrise

  2. Robert sagt:

    Dazu fällt mir ein jüdischer Witz ein:

    Der Rabbi kann nicht schlafen. Seit zwei Stunden wälzt er sich herum und jammert. Seine Frau hält es nicht mehr aus.
    „Rabbi, schlaf endlich!“
    „Ach Frau. Ich schulde unserem Nachbarn Menachem 10.000 Euro. Die soll ich morgen zurückzahlen. Ich habe aber kein Geld.“
    „Sag das doch gleich“, sagt seine Frau.
    Sie steht auf, öffnet das Fenster und ruft zum Nachbarn rüber:
    „Menachem! Komm mal ans Fenster!“
    Der Nachbar macht das Fenster auf und fragt schläfrig: „Was ist den los, mitten in der Nacht?“
    „Der Rabbi schuldet Dir doch 10.000 Euro, die er morgen zurückzahlen soll. Kann er aber nicht.“
    Sie macht das Fenster zu und legt sich wieder ins Bett.
    „So, Rabbi, jetzt kann Menachem nicht schlafen.“

  3. mo sagt:

    Hallo Herr Meyer – Michael – Rott,
    ein Gedanke schoß mir gerade durch den Kopf.
    Mir ist heute aufgefallen, das auf Gold Silber und
    Rohstoffe eingeprügelt worden ist. Gleichzeitig aber die
    Zinsen der Staatsanleihen auf der Ganzen Welt massiv gesunken sind.
    Ist das nicht ein Kreislauf, der eventuell eine Weile durchzuhalten ist?
    Die Staatsanleihen werden monetarisiert, dadurch entsteht Inflation.
    Wenn nun die Rostoffe stark gestiegen sind, kann man sie doch verkaufen und wieder in Staatsanleihen investieren.
    Damit ziehen sie doch den Bürgern letztendlich auch das Geld aus den Taschen oder?

    • Frank Meyer sagt:

      Der Kreislauf wurde schon die ganze Zeit durchgehalten. Man macht es jetzt immer offensichtlicher. Und dann sollte man die Staatsanleihen meiden uns
      in andere Dinge wechseln, wenn die Inflation kommt. Jetzt Rohstoffe zu verkaufen und Staatsanleihen kaufen bedeutet, dass die Kurse der Staatsanleihen steigen müssen (noch mehr Inflationieren) und gleichzeitig noch mehr auf EM hauen. Es funktioniert aber immer weniger…

  4. samy sagt:

    Moin,

    ein Paradebeispiel einer Blendgranate und Volksverdummung in Sachen Staatsschulden, ist doch die Berichterstaatung vom 4-Billionen-Dollar-Sparplan Obama’s.

    Der sei „dratisch“ und „gigantisch“. Fakt ist, dass sich das auf 12 Jahre verteilt, also im Schnitt ca. 330 Mrd. $ pro Jahr vom Haushalt und nicht etwa vom derzeitigen Schuldenstand eingespart werden sollen.

    Wir haben aber z.B. dieses Jahr alleine eine geplante Neuverschuldung von ca. 1,5 Billionen $.

    Also kann jemand sagen, wie hoch die Haushalte und somit ggf. die Neuverschuldung denn wahrhaftig und tatsächlich anzusetzen sind, für die nächsten 12 Jahre? Also senken dievdie Haushaltsausgaben von Fantasiehaushalten um 330 Mrd. $ im Jahr und nennen das einen Sparplan.

    Mehr oder weniger wahrscheinlich ist, dass die Ami’s so um 2014 die Masse ihrer Anleihen neu schieben müssen, dass sie um 2015 ca. 20 Billionen $ Schulden haben und das es einen seit dem Jahr 1800 intakten Zyklus für 10-Years-Treasuries gibt (30 Jahre rauf, 30 Jahre runter). Und der sagt, dass die Zinsen eigentlich jetzt wieder steigen müssen und dafür gibt es derzeit tatsächlich genug Gründe.

    Das sich in den USA die Leute derartig ver…. lassen.

    Die Zahlen sind den meisten kritischen Lesern hier bekannt, wollte nur noch einmal Dampf ablassen, so am Morgen.

    VG

  5. Alex sagt:

    Unsere Regierung hat sich ja nun entschlossen Deutschland als das Land für alle Flüchtlinge der Welt zu öffnen. Anstatt Steuererleichterungen wird es zu Steuererhöhungen kommen. Soziale Krisen folgen dann auch bald.

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