Schuldenblasen und Gold

4. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Schenkt man den jüngsten Äußerungen diverser US-Notenbank-Vertretern und den die Markterwartungen stets erfüllenden rosigen US-Konjunkturstatistiken Glauben, dann haben die USA die laut Ex-Fed-Chef Bernanke „schlimmste Finanzkrise in der weltweiten Geschichte, einschließlich der Großen Depression“ endgültig überwunden…

Gleiches glauben inzwischen auch die »Märkte«, deren Zins-„hike“-Erwartungshaltung an das kommende Fed-FOMC-Meeting (15./16.12.) nach über einem Jahr Dauerankündigung (und -enttäuschung) aktuell so stark ausgeprägt ist wie nie zuvor.

Nach fast exakt sieben Jahren »Nullzins-Tanz« und drei billionenschweren „QE“-Fed-Bilanzausweitungen wollen Yellen & Co nun freiwillig die »Musik leiser drehen«. »Dank« der »Finanzierung« mit der Druckerpresse eines hoffnungslos überschuldeten Weltleitwährungs-Staates hat sich nicht nur dessen Verschuldung seit Ende 2008 um 76% auf aktuell 18.827 Mrd. USD erhöht, auch glaubt »Joe Sixpack« nach einer Steigerung seines kreditfinanzierten Konsums um 32% auf einen neuen Rekordwert von 3.499 Mrd. USD (09/2015) sich nun die zweithöchste Gesamtverschuldung – 14.045 Mrd. USD (Q2 2015) – »gönnen« zu können/zu müssen! Dem Lockruf des billigen Kredits sind aber auch die US-Unternehmen gefolgt, die sich unter Verdopplung ihres Verschuldungslevels gegenüber 2007 auf dem Kreditmarkt mit aktuell 8.117 Mrd. USD (Q2 2015) so hoch wie niemals zuvor verschuldet haben!

Verschuldungslevel

Kann die Fed bei einer offiziellen US-Gesamtverschuldung von über 59.000 Mrd. USD nun tatsächlich einen Zinsanstieg verkünden, ohne dass das 2008/2009 bereits schwer erschütterte und unter Nullzins-Bedingungen um rund 5.500 Mrd. USD vergrößerte Kreditkartenhaus abermals ins Wanken gerät?

Obwohl die US-Wirtschaft bereits im Sommer 2009 dank u. a. eines 787 Mrd. USD schweren Konjunkturprogramms bzw. des am 16.12.2008 definierten Nullzinses nach nur 18 Monaten offiziell aus ihrer »Great Recession« herausfand, so kann das seit Jahresbeginn 2009 erzeugte Wirtschaftswachstum in Höhe von 3.485 Mrd. USD im Vergleich zum Aufwand – die Staatsverschuldung wuchs um 8.128 Mrd. USD, die Fed-Bilanz um 2.211 Mrd. USD – nur als Desaster bezeichnet werden. Selbst die inzwischen erreichte Vollbeschäftigung, die so manch einen an das Wunder des Herbei-drucken-Könnens von Jobs durch die Fed glauben lässt, ist nur ein statistischer Witz! Denn weder ist diese angesichts einer auf den tiefsten Stand seit Oktober 1977 notierenden Erwerbsquote (62,4%) glaubwürdig, noch dürften selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten alle die von den Statistikern »ausrangierten« 94,5 Millionen Amerikaner (+13,9 Mio. seit Ende 2008!) die Sonnenseite des American way of life … ohne einen Cent Erwerbseinkommen genießen können.

US-Unternehmen-Ruecklaeufiges_Gewinnwachstum

Das Dilemma der Fed, den »Märkten« einerseits den Glauben an den US-Statistikzauber nicht nehmen zu dürfen/zu wollen und andererseits den wahren Zustand der US-Wirtschaft aber genau zu kennen, wurde durch die jüngste vom »Markt« bejubelte Aufwärtsrevision der Q3-BIP-Daten von 1,5% auf 2,1% p. a. sicherlich nicht kleiner. Denn das, was der »Markt« als Zinserhöhungsargument geliefert bekam, fand seine Ursache vordergründig in der kräftigen Aufwärtsrevision der Lagerbestände, welche die bereits seit geraumer Zeit sichtbare Schwäche der US-Wirtschaft (siehe rückläufige Auftragseingänge oder die stagnierende Industrieproduktion) lediglich bestätigt!

US-Wirtschaftsschwaeche

Angesichts der sich immer stärker aufpumpenden Verschuldungsblasen – nach Abwendung der Ende Oktober akut drohenden Zahlungsunfähigkeit der USA wuchs die Staatsverschuldung allein nur im November um 674 Mrd. USD (!) an – kann kein Zweifel daran bestehen, dass die Fed mit ihrer »Zinswende« schon Jahre zu spät dran ist. Wer aber will schon freiwillig in die Geschichtsbücher als derjenige eingehen, der nicht nur die selbstverursachte US-Verschuldungsblase zum Platzen gebracht hat, sondern obendrein auch noch die Zinsen just im Moment wirtschaftlicher Schwäche anhebt – natürlich niemand!

Obwohl die Geldpolitik inzwischen deutlich an ihre Grenzen gestoßen ist, und die globale Anleiheblase mit inzwischen rund 6.000 Mrd. USD an negativ (und rund 17.000 Mrd. USD unter 1%) rentierenden Staatsanleihen das Endspiel des überschuldeten Kreditgeldsystems ankündigt, initiierten die Papiergold-Derivateplayer mit Verweis auf den nun sicher kommenden (Mini-)Zinsanstieg einen kräftigen Preisrutsch der Edelmetalle Gold und Silber. Angesichts aber der Konsequenzen, die aus einer US-Zinsanhebung, aber auch aus der notwendigen Vertagung auf den St.-Nimmerleins-Tag resultieren könnten, ist und bleibt Gold (und Silber) erste Wahl. Schließlich könnten sich die letzten Jahre des hemmungslosen Aufschuldens und die Verwandlung der Volkswirtschaften in eine zentralgelenkte Kommandowirtschaft jederzeit als Ruhe »vor dem Sturm« erweisen, dem die Notenbanken nur noch problemverschärfende Schuldenmonetarisierungsprogramme (Inflation) entgegenstellen können. „Wir werden das tun“, so EZB-Chef Draghi, „was wir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen“ … und ausgerechnet dann soll Gold keinen Sinn machen?
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4 Kommentare auf "Schuldenblasen und Gold"

  1. hanny sagt:

    sind wir doch ehrlich , wen interessiert schon die USA , sie können nur noch Geld drucken, da kommt es doch nicht darauf an, mit wie viel Bill. Schulden sie in die Depression gehen, oder?

    • tm sagt:

      Das Geldmengenwachstum der USA liegt aktuell mit 5,9% klar unter dem langfristigen Durchschnitt und entspricht recht genau dem Wert, der laut Quantitätstheorie angemessen wäre. So viel zum Thema Gelddrucken.

      Und inwiefern können die USA nicht mehr? Die USA exportieren mehr als Deutschland und nur etwas weniger als China. Der Anstieg der Industrieproduktion seit 2009 ist ähnlich hoch wie in Deutschland.

  2. tm sagt:

    „»ausrangierten« 94,5 Millionen Amerikaner“

    Wie oft wird das noch erwähnt? Die Zahl der „not in labor force“ besteht zur Hälfte aus Rentnern und zur anderen Hälfte aus Hausfrauen und Schülern über 16. Sollen diese Personengruppen ernsthaft als arbeitslos gezählt werden?

    „wuchs die Staatsverschuldung allein nur im November um 674 Mrd. USD“

    ja, nachdem sie von März bis Ende Oktober unverändert geblieben ist. Der Gesamtanstieg lag also von März bis November bei 674 Mrd. USD oder rund 3,7% des BIPs.

  3. tm sagt:

    „Denn weder ist diese angesichts einer auf den tiefsten Stand seit Oktober 1977 notierenden Erwerbsquote (62,4%) glaubwürdig“

    Die Erwerbsquote fällt, weil im Nenner grob gesagt alle Einwohner ab 16 stehen, also auch alle Rentner. Steigt die Zahl der Rentner, sinkt tendenziell die Erwerbsquote, weil Rentner meist nicht arbeiten, aber als erwerbsfähig zählen.

    Aussagekräftiger ist daher die Erwerbsquote der 25-64jährigen. Die ist zwar auch gefallen in der Krise, allerdings von 83% auf 81%:
    https://research.stlouisfed.org/fred2/graph/fredgraph.png?g=2PSm

    Sieht m.E. nicht sehr dramatisch aus. Umgekhert würde bei einer höheren Quote wohl gemutmaßt, dass die so hoch ist, weil jede Hausfrau und jeder Student arbeiten müssen, um überleben zu können.

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