Schulden – sichtbar gemacht

26. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Der Tag X rückt näher. Ab dem 2. August werden die USA nicht mehr alle ihre Ausgaben finanzieren könne Es sei denn, Demokraten und Republikaner können sich doch noch darauf einigen, die Schuldenobergrenze von derzeit 14,3 Bio. USD zu erhöhen…

Wieviel ist das?

Diese zunächst sehr abstrakte Summe lässt sich nummerisch recht einfach darstellen: 14.300.000.000.000. Was man sieht, sind viele Nullen. Aber um zu verdeutlichen, welch eine enorme Summe dies ist, ist diese Darstellung nicht sonderlich hilfreich. Einen etwas tauglicheren Versuch haben die Macher der Website www.wtfnoway.com unternommen. Anhand von 100 Dollarnoten (die Banknote mit dem höchsten Nennwert in den USA), werden jeweilige Summen abgebildet. Besonders erschreckend ist hierbei die Darstellung der impliziten Schulden (also alle zukünftigen Verpflichtungen) der USA: Der Turm aus 100-Dollarnoten ist dabei etwa so groß wie die beiden Türme des ehemaligen World Trade Centers zusammengenommen.

Allerdings erscheint uns auch dieser Versuch irgendwie nicht ganz treffend – denn schließlich handelt es sich bei den 100-Dollarnoten nur um bedrucktes Papier, welches seinen Wert (im eigentlichen Sinne seine Kaufkraft) nur staatlichem Zwang und Gewalt verdankt. In Ein-Dollarnoten wären die Türme um ein Hundertfaches höher, und gäbe es eine 14,3-Billionen US-Dollarnote, dann läge zu Füßen der Freiheitsstatue eben genau ein Schein (Was passieren kann, wenn jemand eine Banknote mit überaus hohem Nominalwert besitzt, erzählt auf unterhaltsame Weise eine Kurzgeschichte von Mark Twain ).

…und in echtem Geld?

Die Tiefe des US- Schuldensumpfs wird erst richtig deutlich, wenn ihm „wahre“ Werte (übrigens die Titelgeschichte der kommenden Ausgabe des Smart Investor 8/2011) gegenübergestellt werden. So entspricht die aktuelle Staatsverschuldung der USA mehr als der fünffachen Marktkapitalisierung des Dow Jones. In Gold ausgedrückt ist es noch dramatischer. Mit den 14,3 Bio. USD ließen sich rund 8.940 Millionen Unzen zu aktuellen Kursen kaufen. Dies entspricht ungefähr 280.000 Tonnen oder, bei einer jährlichen Fördermenge von 2.600 Tonnen, der Gesamtproduktion von mehr als 100 Jahren. Allerdings wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bisher „nur“ 160.000 Tonnen des Edelmetalls gefördert.

Gott sei Dank jedoch gibt es einen gewaltigen Unterschied zwischen Gold und Papiergeld. Letzteres lässt sich recht einfach mittels eines Streichholzes und ggf. etwas Benzin beseitigen. In unserer modernen Zeit werden Streichholz und Benzin einfach durch einen Knopfdruck ersetzt, der den Schuldensumpf, nachdem ihn das (digitale) Papiergeld überflutet hat, mittels einer Währungsreform trockenlegt. Sowohl davor als auch danach jedoch, bleibt eine Unze Gold eine Unze Gold. Und damit zu den Märkten.

weiter geht es zu den Märkten beim Smart Investor

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3 Kommentare auf "Schulden – sichtbar gemacht"

  1. Oddo Wolf sagt:

    „Und gäbe es eine 14,3-Billionen US-Dollarnote, dann läge zu Füßen der Freiheitsstatue eben genau ein Schein.“

    So sieht feiner, subtiler Journalismus aus. Da hab ich nooh viel zu lernen. Und ich zittiere weiter: „. … es sich bei den 100-Dollarnoten nur um bedrucktes Papier, welches seinen Wert (im eigentlichen Sinne seine Kaufkraft) nur staatlichem Zwang und Gewalt verdankt.“
    Staatlicher Zwang? Wer ist der Staat? Vielleicht das Volk?
    Wem gehört der Dollar? Wem gehört der Euro? Wer sind die Gläubiger?

  2. USA: Warum eine Einigung unmöglich ist…

    Im Schuldenstreit der USA bahnt sich keine Einigung an. Während hierzulande noch auf eine Einigung in letzter Minute gehofft wird, könnte folgende Version des Ausgangs dieses Dramas eintreten. Es könnte doch sein, dass die Demokraten und Republikaner s…

  3. sachse sagt:

    WANN PLATZT DIE BOMBE:

    Die 14 Billionen (US:Trillionen) sind nur die Bundesschuld. Hinzu kommen die Schulden der Bundestaaten und der Städte, von denen einige zweifellos überschuldet sind.

    Auf dieser Seite des Atlantiks gibt es auf Seiten der EU eigentlich keine Schulden, nur die einzelnen Bündnisstaaten haben welche, die zum Teil auch wirklich bedrohlich sind. Städte und regionale Gliederungen haben im €-Währungsgebiet nur geringfügige Schulden, in Deutschland fällt mir nur Bremen als echter Problemfall ein, die Departements und Kommunen in Frankreich haben nach meiner Kenntnis keine bzw. unbedeutende Schulden, das gleiche gilt für die Regionen und Städte in Italien, beim Rest bin ich nicht auf dem laufenden.

    Hier explodiert ein Kraftwerk und darauf fällt die Kreditwürdigkeit eines Landes. Anderswo geben 6 Atomreaktoren den Geist auf und verseuchen Landstriche so groß wie bei uns Bundesländer ohne Reaktion. Dort steht ein Land vor einer Jahrhundertaufgabe im Bereich der Energieeffizienz, die eigentlich ein trillionenschweres Investitionsprogramm erfordern würde, um den technologischen Rückstand zu Europa aufzuholen … dies wird nicht einmal bemerkt. Die Rückzahlung der bestehenden Schulden wird nicht wirklich diskutiert. Stattdessen hängt alles an der Frage, ob sich der Schuldner bereit erklärt, noch mehr Schulden aufzunehmen, mit dem kuriosen Ergebnis: mehr Schulden sind positiv für das Rating. Amerika hätte schon längst abgeratet gehört, und zwar seit QE1, denn seit diesem Zeitpunkt hat das Land eigentlich keine Gläubiger für seine Schulden mehr gefunden. Diese hängen bis heute als Luftbuchung zwischen FED und Bundesstaat, es sind inzwischen ca 20% des US GDP!

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