Schulden! Schulden! Schulden!

13. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Happy Börsday, Mister Präsident! Seit einem Jahr ist Donald Trump der Chef der Amerikaner. Was hat er ihnen nicht alles versprochen? Kaum auszudenken, was Experten sagen, wenn Trump die USA wirklich wieder „great again“ machen sollte…

Aber es sieht nicht danach aus, obwohl der Dow Jones 23 Prozent höher als damals steht. Um lockere sechs Billiönchen US-Dollar ist die Börse dort angewachsen. Dabei sagten führende Meinungsexperten ein Desaster voraus. Bei Ärzten würde es heißen: „Wer heilt hat recht!“ Aber Trump heilt nicht. Er ist das Ergebnis eines gespaltenen Landes, das ihm hinterlassen wurde. Seine Versprechen aber wirkten wie frischer Wind in einer Kammer voller Mief und leerer Worte vermeintlicher Helden.

Money makes the world goes round…

Seit der Finanzkrise 2007/08 ist der weltweite Marktwert der Börsen von rund 30 auf 100 Billionen US-Dollar angewachsen. Geld drucken macht eben doch reich. Es kommt nur darauf an – wen. Was war so falsch an diesem Mann? Mit der Neubesetzung der US-Notenbank wird er dafür sorgen, dass Wall Street versorgt bleiben und es genügend Geld zu günstigen Konditionen geben wird.

Er versprach sogar, den Sumpf trocken zu legen. Die Frösche protestierten. Dabei lebt er selbst dort und wird wie seine Vorgänger das Geld dorthin pumpen. Was er nicht hat, wird er sich borgen. Fast jeder Präsident schaffte es, mehr Schulden zu machen als all seine Vorgänger zusammen – Hand in Hand mit der US-Notenbank. Ist Trump allmächtig? Oder ohnmächtig Wir werden sehen…

Inzwischen hat der Staat 20 Billionen US-Dollar Schulden. Und wohin floss das Geld? In den Sumpf. Die Kreditlast der US-Bürger wiegt inzwischen so schwer wie Beton an den Füßen in den Mafia-Filmen. Die Amerikaner haben 3,8 Billionen US-Dollar für den Konsum anschreiben lassen. Studenten stehen mit 1,5 Billionen US-Dollar in der Kreide. Die Kredite für Autos und auf den Kreditkarten haben die Billionengrenze überschritten. Damit klappt es auch mit dem US-Aufschwung auf der Basis neuer Schulden.

Bei 65 Billionen US-Dollar Gesamtverschuldung fragt man sich doch, wie diese Summe eines Tages beglichen werden soll. Mit neuen Schulden! Das ist das Geheimnis und das Geschäftsmodell der USA. Wer weiß das besser als Donald Trump und seine Gehilfen?
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

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3 Kommentare auf "Schulden! Schulden! Schulden!"

  1. EWK sagt:

    Wie sollen Schulden denn sonst beglichen werden?
    Wo Geld nur parallel zur Schuld entsteht, also durch Kreditgeldschöpfung (Fiat Money) in die Welt kommt, mindert jede Tilgung die umlaufende Liqudität. Ist die Liquidität (M1) weg , sind die Schulden aber noch lange nicht weg, weil sich Guthaben von Nichtschuldnern und Schulden von Nichtshabern nicht ausgleichen lassen, außer per Schuldenerlass. Ein totaler Schuldenschnitt ist zugleich ein totaler Geldvermögensschnitt und daher äußerst unwahrscheinlich. Sollte er dennoch stattfinden, gäbe es danach kein Geld mehr! Das klingt ziemlich krass, entspricht aber den im „System“ herrschenden Regeln – und die zwingen leider dazu, alte Schulden immer wieder mit neuen Schulden zu bedienen. Das fällt nur nicht auf, weil immer wieder „Neuschuldner“ gewonnen werden können, welche dafür sorgen, dass die Altschuldner ihre Altschulden bedienen können.

    Und sollten Sie das verstanden haben, dann werden Sie entweder dafür eintreten, dieses Geldsystem zu reformieren, oder nie mehr auf so schöne Floskeln wie „Schuldenbremse“, „Schwarze Null“ oder „Schwäbische Hausfrau“ hereinfallen.

    Besser ist, Sie versuchen gar nicht erst, es zu verstehen.

    • Skyjumper sagt:

      Hallo Herr Kreutzer alias @EWK,

      das ist mir, wie so vieles was ich lese, zu platt. Technisch nicht falsch, aber eben auch nie so absolut wie es offenbar wirken soll.

      1) Geld entsteht nicht ausschließlich parallel zur Schuld, die Notenbanken könnten und können auch Notenbankgeld ohne entgegenstehenden Schuldtitel schöpfen. Am deutlichsten wird das anhand von Banknoten. Selbst nach einem totalen Schuldenschnitt könnten (so denn gewollt)Banknoten ihren Wert erhalten. Es gäbe also weiterhin Geld. Zwar sehr viel weniger als jetzt, aber eben nicht nichts. Eine solch isolierter Schuldenschnitt ist zugegebenerweise nicht besonders wahrscheinlich, aber nach den Regeln des Systems möglich.

      2) Natürlich lassen sich Guthaben von Nichtschuldnern schwerlich regelkonform mit den Schulden von Nichtshabern ausgleichen. Aber nicht alle Guthaber sind Nichtschuldner, und nicht alle Schuldner sind Nichthaber. Ein Luftablassen wäre also durchaus selbst regelkonform möglich.

      3) Die größten Schuldner sind aktuell Staaten. Die größten Gläubiger genau dieser Schulden sind aktuell die Zentralbanken. Hier wäre, wenn man es denn wollte, durchaus ein gigantischer Schuldenschnitt möglich. Er entspräche nicht den Bilanzregeln, wäre aber ansonsten relativ frei von Kollateralschäden. Das Geld ist eh bereits seit langem im Wirtschaftskreislauf, und der Erlass dieser Schulden würde sehr viel Luft aus der Blase ablassen. Und das wären nun beileibe nicht die ersten Regeln die seitens Staaten und ZB’s gebeugt würden.

      4) Ja, ein Kreditgeldsystem hat ein mathematisch logisches, aber undefiniertes Verfallsdatum. Die Antike kannte daher sowas wie Erlassjahre, in späteren Zeiten regelte sich das durch Staats-, Unternehmens- und Privatinsolvenzen. Erst die letzten 4-5 Jahrzehnte haben so dermaßen am System rumgepfuscht dass nunmehr aus den früher üblichen Salamischeiben-Schuldschnitten ein globaler Megacrash zu werden droht. Weniger ein Versagen des Systems, als vielmehr seiner Akteure. Je höher die Zinsen und je verhinderter die Kleinpleiten, um so schneller ist das System am Ende.
      Ein Kreditgeldsystem hat Mängel, ja. Aber das haben alle anderen Geldsysteme auch. Man muß eben bewußt mit diesen Mängeln umgehen und nicht noch Benzin ins Feuer blasen.

      5) Unser System braucht Nachschuldner, ja. Aber nirgends steht geschrieben dass der Staat ein Dauerschuldner sein muss oder auch nur sollte. Selbst Keynes hat das nicht empfohlen. Systemisch geschehen fällt die Rolle des Schuldners natürlicherweise den Unternehmen auf die Füsse. Schwarze Null und Schuldenbremse (auf Staatsseite) sind daher zunächst nicht so abartig wie von Ihnen dargestellt.
      Staaten sollten im Regelfall dass was sie auszugeben gedenken zuvor ihren Bürgern via Steuern abnehmen. So mancher Bürgerschrei nach „schöner, mehr und toller“ würde schnell verstummen wenn bereits vor der Erfüllung die Rechnung präsentiert würde.
      Wir Bürger sind manchmal wie kleine Kinder vor der lockenden Kuchenteigschale. Und unsere Regierungen sind wie unfähige Eltern die es nicht fertig bringen uns das schützende „nein“ entgegenzuhalten.

      Selbst das beste Alternativsystem (auf welches auch immer man sich einigen würde) müßte und würde im Chaos enden wenn seine Nutzer nicht bereit sind vernünftig und maßvoll damit umzugehen. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Und sei sie moralisch, ethisch und nach Gerechtigkeitsempfinden auch noch so sehr erwünscht.

      P.S. Und ich muss auch nicht zwingend verstehen. Ich muss nur erkennen was an dem was rauskommt falsch ist. Aus dieser Erkenntnis ergibt sich ein Änderungsbedarf. Die, die verstehen, sind häufigst in 2 Kategorien aufteilbar. Diejenigen die das System verstehen weil sie es ideologisch bedingt verteidigen wollen, und diejenigen die das System verstehen weil sie es ideologisch bedingt abschaffen wollen.
      Verstehen ist hilfreich aber nicht erforderlich. Für Details aller Art gibt es Fachidioten aller Art. Man darf aus diesen Fachidioten gedanklich nur keine „Experten“ machen. Das sind Nützlinge, aber keine Halbgötter.

    • Paul Mueller sagt:

      … und nicht vergessen, die Zinsen werden niemals mitgeschöpft. Mittlerweile wird nur für den Zinsdienst gearbeitet. Von Schuldentilgung sind wir noch weit entfernt. Deswegen sind die Zinsen auch fast auf Null, bis genügend Nachschuldner ins Honigtöpfchen gelaufen sind.
      Erst dann lohnt es sich doch die Zinsen schockartig anzuheben. Gib mir die Welt plus 5% , …ja das könnte dabei rauskommen.

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