Schulden-Altmeister im Erregungszustand

4. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Ein hochverschuldeter Nachbar hat seine Vorteile. Ist man selbst geringer verschuldet, steht man im Vergleich gut da. Dennoch empfiehlt sich die Befolgung des alten Ratschlags: „Ein jeder kehre vor seiner Tür, und rein ist jedes Stadtquartier.“ Zu fegen gibt es auch vor den Toren der Posada Alemania genug.

Seit den 60er Jahren steigen die Schulden der Bundesrepublik kontinuierlich an. Auch das Bruttoinlandsprodukt wuchs und gedieh, konnte aber mit der Geschwindigkeit der  roten Zahlen nicht ansatzweise mithalten. Werfen wir einen Blick auf die längerfristigen Verläufe beider Zeitreihen.

Die Grafik zeigt seit Mitte der 90er Jahre beide Verläufe, einmal mit und einmal ohne den Erblastentilgungsfonds. Eines lässt sich auf den ersten Blick erkennen. Die Kosten des Beitritts der DDR für alles Ungemach der deutschen Schuldenlast verantwortlich zu machen, greift deutlich zu kurz, wie auch die folgende Grafik zeigt.

Die Entwicklung der Verschuldung setzte sich auch ohne die neuen Lasten fort wie gehabt. Eine der üblichen politischen Ausreden für die eigene Unfähigkeit, strukturelle Lösungen zu finden und diese durchzusetzen. Nicht neu aber immer wieder beeindruckend ist der Unterschied, den ein Unterschied zwischen zwei Wachstumsraten langfristig bedeutet.

In der aktuellen Debatte zur Eurozone, interessant garniert mit den innerdeutschen Schlachten um den Länderfinanzausgleich, werden häufiger Politiker auf die Bühnen geschleppt, die in der Vergangenheit das Sagen hatten. Viele Dinge, wie Korruption, Lügen oder halbreligiöse Schweigegelübde und andere Rechtsbrüche spielen keine Rolle mehr bei der Beurteilung einiger Personen.

Für Lügen und Ausreden der Vergangenheit ist leider, das zeigen die Geschichtsbücher, selten Zeit. Überraschen kann aber der Inhalt der Interviews mit so genannten elder statesmen. Bei der sicheren Rente werden wir das auch noch erleben, Schuld ist dann wiederum nicht eine dauerhaft nicht finanzierbare Politik sondern irgendein Ereignis, die Pleite eines großen Versicherungskonzerns, ein Energieproblem oder etwas anderes. Das ist das Lehman-Phänomen. Mittlerweile glauben auf Grund der ständigen Wiederholung sicher schon einige, die Finanzkrise sei durch die Insolvenz dieser Bank verursacht worden. Das ist falsch, aber die wirklichen Ursachen sind scheinbar zu schmerzhaft, so dass es nicht opportun ist, darüber zu diskutieren.

Die Ursachen von Schuldenkrisen liegen ja nicht, auch wenn das gerne so eindimensional verkauft wird, in Bankpleiten. Griechenland kann seine Schulden ja nicht deshalb nicht zurückzahlen, weil die Kredite von der Deutschen Bank oder einem anderen Institut kommen, sondern weil es zu viele Schulden hat. Wenn die Bank dann bei einem Zahlungsausfall Probleme bekommt, hat man bestenfalls zwei Schuldige. Der Bank ist Unfähigkeit oder Ignoranz vorzuwerfen. Ein guter Ratschlag wäre es, den Fokus zukünftig nicht auf Risikomodelle und die 78. Variation einer ständig scheiternden Risikomessung gehaltener Anlagen, sondern auf eine sinnvolle Kreditprüfung vor der Vergabe von Geldern zu legen.

Die Verschuldung eines Landes aber, die ist von Politiker zu verantworten, und zwar von allen, die dies in vorangegangen Dekaden eine steigende Verschuldung forciert oder abgenickt haben. (Seite 2)

 

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22 Kommentare auf "Schulden-Altmeister im Erregungszustand"

  1. FDominicus sagt:

    Danke für die „kritische“ Würdigung eines der unerträglichsten Gesichter aus der deutschen „Historie“ Immer wenn ich Schmidt höre und sehe wird mir übel. Ein arrogantes ******* mit seiner endlos schwelenden Zigarette und dann seine „Ratschläge“. Ein Gruselkabinett ist dagegen noch eine Model Schau. Und auch ganz herzlichne Danke für die Übersicht über die Schulden. „Beeindruckend“ nicht wahr? Setzt mal den ESFS mit ein dazu einen Hebel von 8. Dann wird es „richtig“ finster. Aber hey, „wir bezahlen bestimmt nicht mehr….“.

  2. holger sagt:

    Moinsen Herr Vorstand Ponzi

    —>>> Es ist das Prinzip des vorgezogenen Konsums im großen Stil.“

    Nein, nein, nein… ich muss aufs Heftigste protestieren. Man kann aus der Zukunft nichts verkonsumieren, bitte wer das kann… bitte vormachen. Es ist höchstens vorgezogener Profit im Hier und Jetzt. Und auch noch nicht mal das. Die Produktion aller Waren und Dienstleistungen liegen alle in der Vergangenheit. Da rüttelt auch kein Kredit dran. Noch nicht mal die Götter. Das ist ja das Problem eines jeden Kredites, aber nicht des Konsumes. Jeder Kredit finanziert die Vergangenheit, muss aber erst in Zukunft getilgt werden. Wir haben es hier mit einem Monetären-Zeit-Gap zu tun. Aber niemals mit einem vorgezogenen Konsum. Der Blödsinn der Schulden und Guthaben ist eigentlich, dass hier Subjekt (Mensch/“Feine“) auf das Objekt (Materie/“Dichte“) trifft. Wir finanzieren im Grundsatz nur tote Materie aus der Vergangenheit, das Objekt. Haustiere mal außer Betracht gelassen.

    Die Menschheit konnte nur so wachsen, weil wir ständig Überschüsse an Lebensmittel in der Vergangenheit produziert haben und sich andere Umstände zB Wasserqualität und Versorgung verbessert hatten. Die meisten Überschüsse musste man vorfinanzieren. Warum auch immer. Und dieses „Wachstum“ kann/konnte nur Step by Step erfolgen. Weil wir eben am Tag nur 24 Stunden haben, um zu dem „Wachstum“ kommen zu können.

    Jeder Kredit hält nur die Vergangenheit, die Entwicklungsgeschichte, am Laufen. Mehr kann ein Kredit nicht machen. Das er einen Einfluss auf die Zukunft nimmt, kein Thema. Kann ich nicht leugnen. Aber selbst wenn der Punkt da ist, ihn getilgt zu haben, ist es schon längst wieder Vergangenheit. Und ich kann mich nur wiederholen, das Problem liegt an der Verschuldungsmöglichkeit der Teilnehmer und/oder der Bereitschaft dazu. Das Perfide an diesem System ist: Dass das Geld nur dann entsteht wenn eine Sicherheit gegeben ist. Manch einer spricht von der Schuld oder getoppt sogar von der Ur-Schuld. Was aber anthroposophisch gesehen Mumpitz ist. Aber leider noch die Realität. Kann ich auch nicht leugnen.

    Warum nun die Staatsverschuldung immer weiter steigen muss, ist doch klar. Der Staat muss das weiterfinanzieren, was er sich vorher geleistet hat. Tut er es nicht, verrottet die Infrastruktur, die er selbst geschaffen hat. Das er das aber Tilgen kann? Wie sollte das gehen? Dann müsste er die Kunst beherrschen die Vergangenheit zu Tilgen. Das hat noch nicht mal der GröFaZ geschafft. Ergo bleibt nichts anderes übrig, irgendwann mal wieder von Null weiter zu machen.

    Wenn ich nun anfangen würde zu Sparen oder zu Konsolidieren, was das auch immer sein mag, was passiert in diesem Vorgang mit der Zeitschiene denn dann? Oder wenn die Löhne gekürzt werden? Oder was die Troika in Griechenland versucht? Richtig… dann verschiebe ich die in Vergangenheit produzierten Dinge/Infrastrukturen im Eigentumsrecht an die, die in der Vergangenheit ein Vermögen machen konnten. Und wenn die Sahnestücke den Eigentümer gewechselt haben (CBL/PPP) und nicht mehr den Profit abwerfen können, dann kommen wir einem Punkt nahe, der sehr brisant ist.

    Wir verfrühstücken nicht unsere Zukunft, wir zerstören unsere Vergangenheit.

    Und nun könnten wir uns ja mal überlegen, wie wollen wir in Zukunft mit unserer dann gegebenen Vergangenheit umgehen ohne Eigentumsrechte? Muss das Geld unbedingt über ein Schuldverhältnis geschaffen werden oder geht es auch ohne? Wie will ich meine Vergangenheit in 20-30-40 Jahren bezahlen? Ohne Zähne in Altersarmut… siechend etwa? Vor der Zukunft habe ich keine Angst, eher vor der Ver-gangen-heit und der Entscheidungen die dort getroffen worden sind.

    Mein Fazit: Wenn ich die Zukunft rosig gestalten möchte, muss ich die Vergangenheit ändern. Man nennt es auch: Aus Fehlern lernen. Und genau daran hapert es. Besonders im Schuld finanzierten Finanzsystem. Bei bornierten Politikern. Bei dem Bürgen dem Bürger. Deswegen sage ich nur eines, diese Menschheit ist noch lange nicht am Ziel Mensch zu sein. Sie tut nur so, als ob.

    LG wiadG

  3. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo,

    @holger

    Und doch ist es vorgezogener Konsum. Es heißt ja nicht „zukünftiger Konsum“. Vorgezogener Konsum bedeutet, Geld, dass ich hoffe in der Zukunft zu bekommen, bereits in der Gegenwart auszugeben. Das führt zu einem kreditinduzierten Boom, zu den entsprechenden Profiten und natürlich auch zu Überkapazitäten. Kommt es dann zu einem Stillstand der Kreditaufnahme, also einer ausgeglichenen Balance zwischen neuen und fälligen Krediten, so ist Schluss mit dem Fantasiewachstum. Kommt es dann, wie es jetzt der Fall ist, zu groß angelegten Reduktionen der ausstehenden Kredite, so ist das die bekannte balance sheet recession mit den entsprechenen Anpassungen, live in der Gegenwart zu beobachten.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • holger sagt:

      Herr Vorstand sie schaffen mich… 😀

      —>>> Vorgezogener Konsum bedeutet, Geld, dass ich hoffe in der Zukunft zu bekommen, bereits in der Gegenwart auszugeben.“

      Nein, nein, nein und noch einmal nein. Das geht ganz einfach nicht. Krass aber ein Beispiel: Ich nehme mir einen Kredit auf. Baue eine Hütte. Oder lasse diese bauen. Nachdem ich gemerkt habe, dass ich diese Hütte im Debitoren Verhältnis, aus welchem Grunde auch immer nicht mehr bedienen kann, setze ich mich als späterer Personenschaden auf die Schiene und hoffe das der Zug auch pünktlich ist. Soll ja vorkommen. Und meine Erben falls vorhanden, treten das Erbe nicht an, dann kann nur das verwertet werden, was physisch jetzt da ist. Und in den meisten Fällen 50% unter „Verkehrswert“.

      Dh. wenn alle im Kollektiv sich auf die Bahn setzen und nicht auf Geld hoffen, in der Zukunft bekommen zu können. Dann ist das Dingen am Ende. Die Zukunft konnte noch nicht mal die Pest stoppen, deren Überlebende/Nachkommen wir sind.

      Keiner kann die Zukunft aufessen. Auch das Geld-Kredit-Ponzi-System nicht. Ich kann auch nicht jetzt, die Tomate aus 2015 verzehren. Oder die Pizza. Oder den Urlaub verbringen. Das haut einfach nicht hin.

      Jeder aufgenommene Kredit verringert mir das frei verfügbare Einkommen, wenn ich ihn denn bediene. Und das hängt von der Kaufkraft und der Höhe des Einkommens ab. Das hat aber nichts mit DER „Zukunft“ zu tun. Sondern mit der Vergangenheit. Ein Kredit entsteht ja auch nicht in der Zukunft. Beeinflusst aber die Zukunft. Weil mir dadurch etwas im Brustbeutel regelmäßig fehlt, um meine Vergangenheit abzahlen zu dürfen. Von daher ist ein Kredit niemals in Richtung Zukunft gerichtet. Im Gegenteil, er vernichtet das noch zu schaffende in der Zukunft. Wenn ich ca.90% meines Einkommens, in Krediten, für die Vergangenheit aufwenden muss, habe ich ganz einfach keine Kohle mehr für die Zukunft. Je nach Höhe des Einkommens.

      Dh. mit dem Verschuldungsgrad dem „erlaubten“, oder sich in Akzeptanz befindlichen Bonitäten und Sicherheiten, steht und fällt unsere Vergangenheit. Weder haben wir die Zukunft angezapft, noch Gelder aus der Zukunft verwendet. Wie das gehen soll, ist mir unerklärlich. Natürlich geben wir das Geld in der Gegenwart aus, welche aber ein ganz kleinen Tick weiter, schon wieder Vergangenheit ist.

      Und nun komme ich mal zu diesem Phänomen I=S oder S=I (Sparen=Investieren) Man vermutet nur, dass man in die Zukunft investieren kann. Wann ein Investment einschlägt wie eine Bombe. Was aber Blödsinn wird, wenn 90% des frei verfügbaren Einkommens über Kredite und Verbriefungen, Abgaben und Steuer, in der Vergangenheit steckt. Sollte doch verständlich sein.

      Eine Schuld besteht niemals in der ungewissen Zukunft. Eine Schuld kann nur die Vergangenheit darstellen. Alles andere ist wirklich nur Hoffnung und manche gehen sogar dafür in die Kirche und beten. Sollte Morgen oder wann auch immer, wieder eine Pest ausbrechen und 50% Debitoren hinraffen wäre das auch ein Haircut. Und wäre ich darunter, dann würde ich sagen: Super… konntest wenigstens ein paar Momente erleben. Bist nicht schuldig und kack auf die Forderungen. Kreditor leider Pech gehabt in der Pest, such dir einen anderen… „ich bin dann mal weg“.

      LG wiadG

  4. askanier sagt:

    Vorgezogener Konsum gefolgt aus vorgezogener Produktion gefolgt aus Gier nach vorgezogenem Profit?
    Wie schnell muss sich die Erde noch drehen, damit die Gleichung aufgeht?

    Viele Grüße!
    askanier

  5. FDominicus sagt:

    Danke für die *. Es wird mir nicht wieder passieren. Auch wenn ich manchmal meine nur noch
    *********************************************
    *********************************************
    *********************************************
    etc pp

    schreiben zu wollen. Ich bin diese Lügen so leid.

  6. quest sagt:

    Stellen wir uns also vor, Herr Schmidt und sein Nachfolger wären keine Weltökonomen, sondern Ökonomen gewesen. Und auch die Heerscharen in ihrem Gefolge, das Volk, hätte nie kreditfinanzierten Konsum betrieben.

    Dann wären alle (ebenfalls kreditfinanzierten) Waren in den Schaufenstern und Lagerhäusern liegen geblieben.

    Oder all diese Waren und Investitionsgüter wären gar nicht erst hergestellt worden. Sagen wir: Sechseinhalb-Stunden-Arbeitswoche in den Branchen Kammermusik, Philosophie und Umfragenauswertung.

    Nein, auch ich verstehe dieses Mantra des Über-die-Verhältnisse-gelebt-haben-habens hinten und vorn und in der Mitte nicht.

  7. Bankhaus Rott sagt:

    @holger

    Wie Sie treffend sagen:
    „Jeder aufgenommene Kredit verringert mir das frei verfügbare Einkommen, wenn ich ihn denn bediene.“

    Damit vergrößert jeder Kredit das aktuell frei verfügbare Einkommen, wenn ich ihn erhalte. Heute kaufen, morgen zahlen. Da Staaten per Saldo ihre Kredite nur in der Fantasie tilgen und nur die Zinsen zahlen, kommt es nicht zu der im Falle einer Kredittilgung fälligen Reduktion der Einnahmen.

    Ansonsten sind wir angesichts der Kapazität des Kommentarfeldes überrascht.

    • holger sagt:

      So… nun komm ich vor lauter Arbeit und Kapazitäten auch mal zum Antworten.

      —>>>Damit vergrößert jeder Kredit das aktuell frei verfügbare Einkommen, wenn ich ihn erhalte“

      Yep… „wenn!!! ich ihn erhalte“. Dann erhalte ich die Tilgung meiner Rechnung. Die ich bekommen werde vom Lieferanten. Direkt von meiner Bank, um meine Gläubiger im Glauben zu befriedigen. Damit ist der Kontrakt mit meinem Gläubiger als Lieferant erledigt. Und das Eigentum geht in Händen der Bank über. Als Sicherheit. Mal länger, mal kürzer, oder die Kammern im Amtsgericht werde voll gestopft und evtl. versteigert oder verwertet. Wie oben in den Kapazitäten angedeutet, kann das aber nicht gut gehen. Weil die Amtsgerichte einfach zu kleine Unterstellmöglichkeiten haben, um im Zweifelsfall auch die Akropolis unterbringen zu können. Mir geht es nur um einen möglichen Lösungsweg und nicht um Kapazitäten. Wenn aber eine etwas ausführliche Begründung nicht gewünscht ist, dann werde ich die in Zukunft reduzieren, die Kapazität. Scheint übrigens in Mode zu kommen.

      Danke.

  8. Personenschaden sagt:

    @holger

    Als hinsichtlich Personenschäden erfahrener Bahnpendler grüße ich alle „Wannabee-Personenschäden“ in diesem Blog ganz herzlich.

    Und bitte, es gibt doch ganz andere wunderbare Möglichkeiten, sich durch eigene Hand seiner zukünftigen Kreditverpflichtungen zu entledigen als dem modischen IT-Trend zu folgen, sich bevorzugt freitagsabends irgendwo aufs Gleis zu setzen und dann auf den ohnehin grundsätzlich verspäteten Zug warten zu müssen. Ich stelle mir das ziemlich nervenzehrend vor.

    Und nicht jeder wird in der AWD-Arena am Mittelkreis persönlich von einer Bischöfin bestattet oder erhält in den Blaubeurener Nachrichten einen 4-seitigen Nachruf, weil er sich seiner nicht mehr bedienbarer Unternehmensverbindlichkeiten mittels Freitod entledigt hat, um beim Thema zu bleiben.

    Die Diskussion, ob man nun in Zukunft „nachhungern“ muß, was man in der Vergangenheit „vorausgefressen“ hat, ist eigentlich müßig. Das „herrschende Geldsystem“ ist die wirtschaftliche Umsetzung des Prinzips der schöpferischen Fortentwicklung des Menschen. Wer sich nicht freiwillig bewegt, wird mit Hartz IV abgestraft und gesellschaftlich ausgegrenzt. Wer gesellschaftskonform fleißig im Hamsterrad läuft, lädt sich mit Wohneigentum und Konsum auf Kredit die besten Argumente dafür auf, noch schneller im Hamsterrad zu rotieren. Und wer dann noch meint, nach Abzahlen der Kredite im Alter von Kapital bzw. Rente leben zu können, hat die Rechnung ohne den Steuervogt und die segensreiche Geldvermehrung aus dem Nichts gemacht.

    Das bestehende Ponzi-Schema des Fiat-Money-Systems ist die konsequente Umsetzung des „zivilisatorischen Fortschritts“, des „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Stillstand und Selbst-Genügsamkeit im Status Quo ist der Tod des Systems.

  9. Personenschaden sagt:

    Und noch etwas „straight to the topic“ namens „Staatsverschuldung“ und deren historische Entwicklung:

    Bei allem Wehklagen über die Höhe der ausgewiesenen öffentlichen Schulden mit oder ohne Schattenhaushalte mit oder ohne ungedeckte zukünftige Lasten aus den Sozialversicherungssytemen bzw. Pensionsverpflichtungen: das janusköpfige Gesicht der Enstehung des Schuldgelds besagt immer, dass jedem geschaffenen Euro Schuld bei dem Einen (dem Staat) eben derselbe Euro geschaffenes Guthaben beim Anderen (dem Sparer) gegenübersteht, selbst wenn der Sparer nur mittelbar über das Bankensystem als Transmissionsriemen Gläubiger des Staates ist.

    Und da macht der bundesdeutsche Schuldenturm qualitativ keinen Unterschied zum griechischen, es gibt nur quantitative Unterschiede. Latent insolvent sind beide Staaten, denn nach betriebswirtschaftlicher Denkweise erhält jemand, der seine Zinsverpflichtungen nur mit Aufnahme neuer Schulden bedienen kann, am sog. „freien Markt“ keinen Kredit mehr. Und dennoch gibt es vermeintlich „irre Privatanleger“ (Herr von Dohnanyi ist einer davon laut eigenem Bekenntnis bei Anke Will), die Deutschland „neues Geld“ leihen, Griechenland hingegen nicht trotz exorbitanter Anreize wie zweistelliger Anleihe-Renditen.

    Kann es sein, dass man im Falle Deutschland davon ausgeht, dass man nebst Zinsen auch die Anleihe zurückgezahlt bekommt und bei Griechenland nicht ? Die Denkweise ist an sich schon schizophren, denn das kann auch im Falle Deutschland nur gutgehen, wenn der Schuldner Deutschland zwecks Rückzahlung der „Alt-Anleihe“ einen „greater fool“ für das Weiterrollen derselben Schuld und einer Neuverschuldung zwecks Finanzierung der laufenden Zinsen findet. Das Ganze erinnert stark an Kettenbriefe bzw. Geschenk- oder Freundschaftskreise, die ja auch aus gutem Grund nicht verboten sind.

    Wer nicht schizophren ist, sondern realistisch genug, weiß, dass auch im Falle Deutschland die Staatsverschuldung nie zurückgezahlt werden kann und darf (Stichwort „Janus“). Es gibt also tatsächlich nur eine „Rückzahlungs-Illusion“, die von interessierter Seite natürlich beständig aufrecht erhalten werden muß, obwohl mehr als 60 Jahre „bundesrepublikanische Schuldentradition“ eine andere Sprache sprechen und belegen, dass noch nie ein einziger Euro bundesrepublikanische Verschuldung zurückgeführt wurde, zukünftige verfassungsmäßige Schuldenbremsen hin oder her.

  10. Bankhaus Rott sagt:

    @Personenschaden

    Rückzahlungsillusion ist in der Tat ein treffender Begriff.

    Die aktuellen Stützungkonstrukte führen die Absurdität des Ganzen dann in der Arena spazieren. Auch im Hinblick auf die Quelle der Geldschöpfung ist eine Bankenstützung durch den Staat finanziert mit Krediten, die die Banken den Staaten geben mindestens oskarreif. Dachte der Betrachter dann, die Meldung „Japan kauft europäische Anleihen“ wäre das Sahnehäubchen, wurde erneut der IWF aus der Erde geholt. Wer oder was den IWF konstituiert und wo die Gelder herkommen (sollen), wird durch „Wirtschaftsredaktionen“ leider nicht hinterfragt.

    Beste Grüße an die gesamte Leserschaft
    Bankhaus Rott

  11. holger sagt:

    so, nur noch das noch:

    Nehmen wir uns also einen Kredit für eine Haus vor: Finanzierung 300k oder mehr.

    300k kommen von der Bank als Kredit zur Auszahlung und gehen direkt an die Erbauer des Hauses. Zeitpunkt 0

    Aufgrund der Finanzierungskonditionen fallen in ca. 30 Jahren 300k an Zinsen an. Gleichzeitig wird der Kredit 300k getilgt. Max Mustermann muss also 600k in den nächsten 30 Jahren aufbringen. Sein Einkommen, Max ist Beamter, beträgt 60.000 Netto im Jahr. Die sogenannte „Inflationsrate“ und evtl. Einkommenssteigerung lassen wir einfach mal reibungsverlustfrei außen vor.

    Frage 1: Wie viel Geld muss mindestens im Umlauf sein/kommen, damit Max Mustermann sein Darlehen auch 30 Jahre bedienen kann und sein Lebensstandard gleich bleibt?

    Frage 2: Da Max Beamter ist und nur von Steuergeldern bezahlt wird, wie viel Geld muss mindestens im Umlauf sein, um ihm dem Max sein Einkommen 60.000/anno zu garantieren?

    Frage 3: Wie viel Produkte zu 100 Euro müssten per anno verkauft und verkonsumiert werden, damit Max Mustermann sich seinen Traum des Hauses erhalten kann (bei ca. 15% MwSt)?

    Frage 4: Wie viele Arbeiter, Stundenlohn 20 Euro (zu viel?), müssten her, damit Max nur über die Einkommenssteuer seinen jährlichen, finanziellen Verpflichtungen nachkommen kann ohne an Lebensqualität… Demut üben zu müssen?

    Frage 5: Max kauft sich im Jahr für 6.000 Euronen Silber. Zu einem Preis von 20 Euro/Uz.(gleichbleibend über die 30 Jahre). Max ist nicht alleine, Max hat ca. 10 Millionen Zwillings-Brüder/Schwestern die ebenfalls physisch kaufen. Wie viel Kubikmeter „Erde“ müssen dafür bewegt und bearbeitet werden?

    Frage 6: die vorletzte: Wie viel Barrel Öl wurden in den letzten 30 Jahren zur Silberförderung/Transport/Einlagerung etc.pp. eingesetzt?

    Frage 7: die letzte: Macht es einen Sinn, nur eine dieser Fragen zu beantworten oder ist es Sinn-los?

    Es tut mir ja leid, mal wieder qualitätsfreie Kapazitäten getipselt zu haben, aber ich bitte das zu entschuldigen, ich komme ursprünglich aus der Industrie, bin nur Meister und technischer Betriebswirt, wurde dort getrimmt und musste auch viele Texte für die EN-DIN-ISO 9000 ff. (Handbücher) anfertigen. Da stellt man sich manchmal auch dumme Fragen. Gerade wenn es um die Themen: Geld und Zukunft geht.

    Beste Grüße ebenfalls…

    hohl-gär? Jaha…! sehe zu, dass Du die Koffer packst. 😀 Der Zug fährt los. Mach ich doch Schatzi. 😉

    ciao ciao bis Sonntag.

  12. […] Rott & Meyer: Schulden-Altmeister im Erregungszustand […]

  13. wolfswurt sagt:

    Ursache der aufgemachten Rechnungen in den Kommentaren ist der Mensch der eine Struktur aufbaut und am laufen hält, welche seinen eigenen Verfall widerspiegelt!

    Das Bild der Person neben der Überschrift ist sehr passend.

    Zeigt es doch die Unmöglichkeit mit einem völlig dick gefressenem Pferd über einen 1,60m hohen Zaun zu springen.

    Nein nein nein, Ursache einer kranken Struktur ist und bleibt das kranke Gehirn!

  14. Max Josef Strauß sagt:

    Vielen Dank für das immanente Kompliment an meinen Vater Franz Josef Strauß, der als einziger Nachkriegs-Finanzminister (1966-69) die Schulden gesenkt hat.
    Heute wird das Wirklichkeit, was er Anfang der 70er in den Haushaltsreden gegen den Schuldenstaat prophezeit hat.
    Ich lese seit langen die Analysen des Bankhauses Rott mit großer Begeisterung. Einige davon werden Klassiker zum Thema Niedergang des Finanzmarkts werden.

  15. GrandCru sagt:

    Ein Kredit ist per se nichts Schlechtes. Es ist auch kein vorauseilender Konsum, sondern einfach ein umgedrehter Sparvorgang: Entweder erst sparen, dann Haus kaufen; oder erst Haus kaufen, dann nachträglich die Kosten für Tilgung und Zins vom Mund absparen. Es sind also einfach zeitlich anders angeordnete Zahlungsströme, wobei zunächst mal auch egal ist, wann das Geld aus dem Umlauf herausgenommen wird.
    Am Beispiel des eigenen Hauses lässt sich gut erkennen, wie sinnvoll der Kredit ist. Beim Sparen verzichte ich zwanzig Jahre lang auf KOnsum, zahle Miete und habe das Missvergnügen, mir vom Vermieter die hässliche Gestaltung des Vorgartens oder die unansehnliche Fassade gefallen lassen müssen. Beim Kreditaufnehmen verzichte ich zwar ebenfalls 20 Jahre lang auf Konsum, um die Zinsen zu berappen, genieße aber die ganze Zeit den emotionalen Mehrwert des eigenen Herds, der angeblich Gold wert sein soll.
    Im übrigen haben sich Kredite seit dem 13. Jahrhundert, als zum ersten Mal in Italien Kredite an ganz normale Handwerker durch eine Bank vergeben worden sind, als ein enormer Hebel für die Generierung von Wohlstand erwiesen – in den letzten Jahren auch wieder ganz ähnlich in Schwellenländern.
    Allerdings ist Kredit nicht gleich Kredit. Zwischen einem Investitionskredit und einem Konsumkredit liegen offenkundig Welten. Insofern muss man bei der Staatsverschuldung auch nicht nur fragen, wie hoch die Summe ist, sondern: Was habt ihr eigentlich mit dem Geld angeschafft? Was habt ihr mit dem Geld bewegt und vorangebracht? Wenn man so fragt, enthüllen die Graphiken den eigentlichen Skandal: die außerordentliche Unproduktivität, wenn nicht sogar Anti-Produktivität, der Geldausgaben durch den Staat. Es könnte sogar der Verdacht entstehen: Je mehr Geld der Staat in die Hand nimmt (sei es aus Steuern, sei es aus den Spargeldern per Kreditaufnahme), desto schwerer werden die Bleigewichte an den Flügeln der Wirtschaft. BIP-fördernd war die staatliche Kreditsucht offenkundig nicht gerade.
    Bei diesen langfristigen Entwicklungen darf im übrigen nicht vergessen – es ist ja nicht nur ständig die Kreditaufnahme ausgeweitet worden, sondern auch die Steuerquote ist nach oben geschraubt worden. Nicht auszudenken, wie gut es uns heute gehen würde, wenn wir uns noch die Steuerquoten von 1960 leisten könnten 😉

  16. auroria sagt:

    Ein Panorama Bericht über die verursachenden Finanzminister:
    http://www.youtube.com/watch?v=r3-tXVOXFLE&t=3m24s

    Und hier die Finanzminister mit ihren Versprechungen:
    http://daserste.ndr.de/panorama/media/finanzminister100.html

    Beides aus 2002, wie unschwer an der Schuldenuhr zu erkennen.

    Und noch einer im Erregungszustand:
    http://www.youtube.com/watch?v=23xtl3iV7-0

    Was mich aber wundert, was hat sich denn ab 1971 so grundlegend geändert, dass BIP und Verschuldung auseinander gehen, das Ende vom Goldstandart?

  17. wincor sagt:

    grundsätzlích müssen die schulden (sind ja zugleich guthaben auf der anderen seite der bilanz) aufgrund des zinseszinseffektes (exponentialfunktion) schneller wachsen als das bip. so gesehen ist es notwendig sparen möglichst unattraktiv zu gestalten und für investitionen anreize zu geben. nur so kommt man aus diesem teufelskreis raus. auch die rücklagenbasierende altersvorsorge in den usa ist in diesem fall ein grosses problem. ein bip von 15 bio. kann unmöglich die notwendige rendite für ein gesamtgeldvermögen von 60 bio. erwirtschaften.

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