Schuld sind nur die Pinguine!

19. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

Gastbeitrag von „The German Perspektive“

Krisen über Krisen – das scheint die Maßgabe unserer Zeit zu sein. Währungskrise, Staatschuldenkrise, Wirtschaftskrise, Ukraine-Krise, Gaza-Krise, Irak-Krisen, Ebola-Krise. Da kann man schon die Krise krisen – doch wer ist Schuld an dem Schlamassel? Pinguine!

Geben Sie es zu – die letzten Jahre waren medial anstrengend. Es wurde für Sie zunehmend schwierig bei all den vielen Krisen den Überblick zu bewahren. Wohin man auch sieht findet man Krisen. Ob Währungen, Staatsschulden, Wirtschaft, Osteuropa, Mittlerer Osten oder Nord- und Westafrika – die Krisen sind vielfältig und sie kommen immer näher. Zwischenzeitlich klopfen nicht nur Staatsbankrotte und Flüchtlingsströme sondern auch die ersten Ebola Verdachtsfälle an die Türen der „Isolierstation Europa“.

Während wir als Westeuropäer dick eingemummelt in unserer Kuscheldecke mit ungläubigen Augen in unseren Flatscreen-LED-TV starren, kommt die Frage auf, wie es nur zu so vielen Krisen kommen konnte und was die Politik des Hosenanzugs gedenkt dagegen zu unternehmen. Weil uns der Gedanke sich nähernder Krisen (und der möglicherweise zu häufige Genuss von zu vielen Kartoffelchips) zunehmend die Kehle zuschnürt, gilt es nun zuerst festzustellen wer schuld ist an der ganzen Misere.

Westliche Politiker und deren Wähler, neigen in solchen Situationen dazu, die Schuld bei jemand anderem und nicht sich selbst zu suchen. Am besten gelingt das durch öffentliche Anschuldigung eines anonymen, nicht greifbaren und doch häufig auftretenden Feindes als Sündenbock für das jeweilige Problem. Gut als Feinde geeignet sind deshalb z.B. aktuell „die Separatisten“, „die Fundamentalisten“, „die Gotteskrieger“, „die Hedgefonds“, „die Reichen“, „die Armen“, „die Schuldner“, „die Terroristen“, „die Banken“ oder „die Viren“ usw.

Die breite Auswahl an potentiellen Feinden demonstriert derweil, dass es völlig irrelevant ist, wer der Feind eigentlich ist, solange sich nur irgendeiner finden lässt. Ein Feind ist aus politischer Sicht etwas sehr praktisches. Ein Feind polarisiert, ängstigt, konzentriert, beeinflusst, verbindet, macht Zwang und allerlei politisch „alternativlose“ Entscheidungen erst möglich.

Hat man erst mal einen Feind gefunden, wird vieles leichter!

Doch der ständige Wechsel des potenziellen Feindbildes kann durchaus verwirrend sein. So hat z.B. allein Deutschland in den letzten 100 Jahren mehrfach aus Feinden Freunde gemacht und andersrum. Da kann man leicht den Überblick verlieren und wer will schon die Peinlichkeit riskieren mit einem „Freund“ zu reden, der jetzt eigentlich schon der „Feind“ sein soll. Nur weil wir also gestern noch mit Russland befreundet waren, müssen wir das morgen schon lange nicht mehr sein…

Um solche Missverständnisse künftig zu vermeiden schlage ich als Praktikabilitätsgründen vor, dass wir uns auf einen langlebigen „Universalfeind“ einigen. So müsste man zukünftig nicht ständig nach einem neuen Feind suchen und die Bevölkerung in brandaktueller und „unvoreingenommener Berichterstattung“ über den neuen üblen Schurken in irgendwelchen fernen Ländern informieren. Das spart Zeit, Geld und Reisekosten. Der Beitragsservice wird es uns allen danken.


Stellt sich also nur noch die Frage, wer sich als Universal- und Erzfeind, Hassobjekt und Widersacher für alle Menschen eignet. Hierzu habe ich natürlich auch einen Vorschlag: Wie wäre es mit „den Pinguinen“?

Pinguine sind zumindest mir schon lange suspekt!

Diesen glitschigen Schergen können wir dann all unsere Probleme in die Schuhe, pardon die Flossen schieben. Bei näherer Betrachtung zeigt sich zudem, dass die Pinguine an sich durchaus schon länger höchst verdächtig sind. So lebt diese nicht flugfähige Vogelart am Südpol und hat sich damit schon geografisch dem westlichen Wertesystem offenbar willentlich entzogen. Ferner treten Pinguine immer in Gruppen auf, tragen scheinbar stets schwarze Anzüge und reden mit keinem Menschen ein Wort, sondern bleiben immer unter sich. Dieser offensichtliche Snobismus und fehlende Wille zur Integration macht die Pinguine wohl zu einer der gefährlichsten Bedrohungen unserer Zeit. Einige der Tiere können bis zu 1,20 Meter groß werden und bis zu 40 Kilogramm wiegen – das ideale Kampfgewicht für einen Vogel. Keine Frage – Pinguine machen Angst.

Welchen Einfluss die Pinguine auf die Destabilisierung ganzer Weltregionen, der Weltwirtschaft, die Eurokrise und die Ausbreitung von Ebola haben, wird gerade durch die NSA und andere westliche Geheimdienste ebenfalls „unvoreingenommen“ untersucht. Da jedoch alle von Krisen betroffenen Weltregionen vom Meer umschlossen sind und Pinguine Seevögel sind die bis zu 500 Meter tief tauchen können, liegt die Vermutung nahe, dass unsere westlichen Kulturnationen längst von entsprechenden Schläfer-Vögeln unterwandert wurden. In keinem Parlament, Börsensaal oder Vorstand eines Pharmakonzerns der Welt würden die stets smart gekleideten Pinguine mit ihren Gelfrisuren wirklich auffallen. Der seit Jahren steigende Fischkonsum in deutschen Chefetagen scheint ein klarer Hinweis für eine beginnende Unterwanderung zu sein.

Gefiederte Agenten leben wahrscheinlich längst unentdeckt unter uns und sind jederzeit bereit zuzuschlagen. Wir alle sollten deshalb wachsam sein, denn der Feind könnte längst hier sein. Sollte Ihr Nachbar also nicht größer sein als 1,20 Meter sein, nach Fisch riechen und auf Ihr freundliches „Guten Morgen“ immer nur schweigend aber leicht watschelnd an Ihnen vorbeigehen, ist er bereits höchst verdächtig. Wenden Sie sich in diesem Fall vertrauensvoll an die an die Redaktion von Rott-Meyer, die nächste Polizeidienststelle oder einen Vogelkundler.

In Berlin – so hört man – wird ob der offensichtlichen Bedrohung durch die expansiv agierenden Pinguine bereits über den Einsatz eines Marineverbandes von Fischkuttern und Vogelbeobachtungsdrohnen im Südpolarmeer unter dem Kommando eines gewissen Kapitän Igloo nachgedacht.
The German Perspective



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