Schreien vor Glück! Alibaba und die anderen Räuber

22. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Sind Sie jetzt auch Aktionär von Alibaba? Ach, Sie kennen Alibaba ist? Macht nix! Aber deren Aktien steigen. Super Aktie, super Start, super teuer? Bald kommt Zalando. Die Börse schreit schon vor Glück!

Alibaba ist der größte chinesische Internethändler, so etwas wie Amazon, nur viel giga-mega-ultra-größer. Ohne den medialen Rummel würde man das Unternehmen außerhalb von China nicht kennen.

Mit 25 Milliarden US-Dollar war es der bislang größte Börsengang der Geschichte. Die Aktie startete bei 68 US-Dollar und ging ab wie ein Zäpfchen. Solche Papiere sind heute wieder gefragt wie schon einmal zur Jahrtausendwende. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Deshalb stehen jetzt im Windschatten von Alibaba auch die anderen Räuber Schlange. Es werden wahrscheinlich mehr als 40 sein.

Apropos Räuber… China-Aktien waren bislang kaum die großen Stars am Frankfurter Parkett. Komischerweise zieht Frankfurt die seltsamen chinesischen Unternehmen an. Die Deutsche Börse hat bis vor einiger Zeit viel getan, um chinesische Firmen am Parkett zu listen. Seit aber die Minuszeichen bei diesen „Läden“ dominieren, hat man das Engagement etwas zurück gefahren. Man war ja auch sehr darauf bedacht, den „Mittelstand“ zu listen, indem man Unternehmensanleihen öffentlichkeitswirksam den Zugang zu einem Platz an der Geldsonne verhalf.

Sicher war nur, dass in Zeiten der Zinslosigkeit jeden Morgen (wahrscheinlich halb zehn in Deutschland) mehr und mehr Dumme aufstehen, die den Versprechen der „Mittelständler“ folgen, mindestens sieben Prozent (!) Rendite auszuschütten. Die ersten Pleiten ließen nicht lange auf sich warten. 2015 wird in der Hinsicht viel spannender bzw. tödlicher. Und jeder wird überrascht sein. Wie konnte man nur. Ich sehe schon die ersten Demonstranten auf dem Börsenvorplatz.

Zurück zu China… Der Stern chinesischer Neulinge aus dem Parkett leuchtete nur kurz zum Börsenstart. Danach sind die meisten von ihnen schnell verglüht. Von den 25 gelisteten Firmen waren viele kurstechnischer Durchfall bzw. drei richtig pleite.

Neulich ist ein Blumen-Händler (CWZ China Flowers) aus dem Reich der Mitte auf dem Parkett gestartet. Freundliche Hostessen reichten den auf dem Parkett Anwesenden rote Rosen, die allerdings aus Holland stammten und nach nichts riechen wollten. Das Unternehmen hatte es wie die Lebensdauer einer Rosenblüte ganz eilig. Um 7:15 Uhr kam eine ad-hoc-Mitteilung, dass CWZ aufs Parkett wollte. (Quelle: dpag.de)  9:15 Uhr waren sie mit dem ersten Kurs da und schepperten mit einem für chinesische Börsengänge extra bereit gestellten Gong durch den Handelssaal und mitten in meine Börsenschalte. Wer die Aktien kaufte, weiß niemand. Wer CWZ ist, schon…

CWZ ist ein schnell wachsender Telefon- und E-Commerce-Anbieter von frischen Schnittblumen in der Volksrepublik China („VR China“). Darüber hinaus ist CWZ auch im Bereich der Anpflanzung, des Marketings und des Vertriebs von Blumen und Pflanzen sowie in geringerem Umfang des Verkaufs von blumenbezogenen Produkten tätig. Die Blumen- und Pflanzenprodukte bestehen aus frischen Schnittblumen, blühenden Zimmerpflanzen, Laub- und Beetpflanzen sowie Sukkulenten, während die blumenbezogenen Produkte insbesondere aus Blumentee und Körperpflegeprodukten bestehen.

Haaaatschi!

Jetzt ist auch noch der Chef der Ultrasonic AG, einer chinesischen Schuhproduktions-Bude verschwunden. Er war so höflich und nahm auch das Geld mit, bevor Ultrasonic den Ultra-Crash erlebte.

ultrasonic

Bei Alibaba ist es etwas anders. Die sitzen ja bereits auf den Cayman Islands, bzw. die Mutter der Alibaba, und es heißt, kein Investor käme an der Aktie vorbei. Wirklich? Also ich kam ohne Alibaba ganz gut aus, aber für andere ist das eine Initialzündung.

In deren Börsenwind haben sich ganz plötzlich auch Zalando und deren Mutter Rocket Internet gestellt. Ob die künftigen Aktionäre auch so vor Glück schreien werden? Oder nur die Altaktionäre? Im außerbörslichen Handel notierten die Aktien von Zalando, die bis 1. Oktober in einer Preisspanne von 18-22,50 Euro angeboten werden, am Freitag bei rund 26,50 Euro. Hier der vorbörsliche Kurs bei Tradegate (Quelle)

zalando-vor-ipo

Damit wäre das Unternehmen gesamt 6,8 Milliarden Euro wert und mindestens ein DAX-Kandidat. Haaatschi!

Auch Dank Alibaba können die Gründer einen Teil ihrer Papiere jetzt teuer verkaufen und die Interessierten zumindest auch teuer kaufen. Wie heißt es? Die einen haben Geld und die anderen die Erfahrung. Später haben die anderen das Geld und die Investoren die Erfahrungen. Von daher war Börse schon immer ein Spektakel. Manchmal muss man nur das Hirn ausschalten. Dann klappt das auch. Nur wie lang?

© Frank Meyer, (Kolumne aus den Lübecker Nachrichten, nur etwas länger :-))


 

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Ein Kommentar auf "Schreien vor Glück! Alibaba und die anderen Räuber"

  1. Michael sagt:

    Alibaba und die 40 ‚Strolchi‘ an der Wallstreet oder in der Außenstelle Frankfurt – was nur 40?
    https://www.youtube.com/watch?v=OAFQpV6Zrdw
    Ist halt so wenn Aktien ein Herrchen suchen, bleibt zu hoffen, dass sie nicht ausgesetzt werden. Teils grenzen die Bewertungen an Wunder.

    In der Praxis ist Alibaba Germany noch ein weiter Weg. Ich kenne ein paar Unternehmen die durchaus mit Erfolg Waren aus China schon seit langer Zeit 90er auf jeden Fall importieren, z. B. den Singenden Fisch (so vor 14 Jahren) usw… Kann sein dass Alibaba die Erfahrung aus der damaligen Praxis inbesondere der Zwischenhändler behebt. Erfolgreiche Beispiele waren damals, auf Marktkenntnis (das ist nicht überraschen) im Beschaffungsmarkt und der Vertrautheit mit der Landessprache angewiesen. Sie brauchen dann die Güter schon rechtzeitig. Wenn das reibungslos funktioniert…

    Die Frage ist wie gut das Internet Business für den Anbieter wird der voll auf diese Karte setzt. Hoch qualitative Produkte in die Welt zu schicken ist an sich die bessere Idee. 80:20. Sie kommen ja eben noch weiter hinter den Break Even Point. Das ist eher die Chance in der Breite. Auch bei der Beschaffung – Hardware – bis Güter aus Asien zu uns kamen haben eine Menge Zwischenhändler draufgeschlagen (X00 %) bis zum Container. Und als die Margen sanken Begann der ‚Beschiss‘ auch lokal. Kampfpreise über nicht weitergegebene Garantien und Gewährleistung (vor E.U. Regelung) und Short Selling. Auf ATI Karten hatten sie selbst bei Bulk Ware 3 Jahre Herstellergarantie (zeitweise) 2 auf jeden Fall und 5 falls die Grafikkarte als Packerl (mit Originalverpackung) wurde erworben. Sie bekommen wirklich auch nach 5 Jahren eine relativ gleichwertige relativ in der Produktlinie aber verbessert zum technologischen Fortschritt zumeist ein gediegenes Kärtchen. Die war dann eher lokal. Wurde der geplante defekte Anteil im Bulk mitverbaut usw… und wie dann die Reaktion auf die Reklamation war. Es sind nicht nur die Hersteller es sind auch die Gebräuche und Gepflogenheiten die man versucht hat in Mitteleuropa vor dem Kunden zu verstecken. Irgendwann mal müssen Dinge funktionieren und dann wird das fertig direkt versandte Gerät attraktiv.

    Eines ist klar. Mitteleuropa ist an sich zurecht verwöhnt von Termin- und Qualitätstreue. Deswegen brauchen unsere Unternehmen den globalen Handel nicht scheuen. Wie Steve Jobs mal zurecht bemerkte – Geht nicht davon aus, dass auf der Welt Dinge funktionieren.

    Zalando ist anders gelagert. Aber warum nicht? Es macht für den Kunden kein Unterschied, eher sogar ist das Netz attraktiver, da die Produktpräsentation durchaus gelungen ist (ähnlich dem Schaufenster wenn nicht sogar besser aber für ‚jedes‘ Produkt im Angebot) und man nicht im Neonlicht sich quält von einem Geschäft zum anderen. Der virtuelle Store ist so groß wie der Flatscreen und die Raummiete ist günstig. Stellen wir uns von alle Interessenten kämen in genau einen großen Einkaufstempel der einen ganzen Stadteil müsste ausmachen und der Rest wäre das Lager. Geht gar nicht.

    Ganz so negativ sehe ich die Aktien mal nicht. Aber es ist bestimmt kein Microsoft mehr zum Einstiegstarif damals… der Einsteigstarif kommt heutzutage eher nach einer Durststrecke. Es wird wenn mal die Wirtschaft schwächelt eher das Neue hinterfragt als das Gewohnte. In dem Punkt ist das Warten mit dem Börsegang durchaus mal gerechtfertigt, da Kunden an ein Konzept sind gewöhnt. Die Welt dreht sich nicht rückwärts.

    Die Werte heutzutage. Websites und damit verbunden Statistiken über potentielle Kunden sind aktiviert so mir bekannt ist.

    https://www.youtube.com/watch?v=T9njnYmsvtA

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