Schöne Worte! Und wo sind die Taten?

22. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Ob Rede oder Talkshow, schöne Worte sind die Lieblingswährung der Politik: wohlfeil, beliebig, belanglos. Was aber zählt, sind Taten – und die sind ernüchternd. Nun ist es offiziell: Joachim Gauck, bislang Präsident der Herzen, ist unser aller neuer Bundespräsident. Selbst ohne Rede geht ein Ruck durchs Land.

Der letzte Politiker der mit vergleichbaren Vorschusslorbeeren gestartet ist, war US-Präsident Barack Obama…

Wir erwarten zwar nicht, dass auch Gauck ohne eigenes Zutun ein Friedensnobelpreis in den Schoß purzelt, dennoch gibt es weitere Gemeinsamkeiten: Beide Kandidaten wurden als lebendige Gegenentwürfe ihrer unmittelbaren Amtsvorgänger (Bush bzw. Wulff) mit positiven Projektionen regelrecht überfrachtet. Die „Hauptsache anders!“-Kandidaten können angesichts dieser Erwartungshaltung fast nur verlieren, positives Überraschungspotenzial jedenfalls ist kaum vorhanden. Das wird zum Problem, besonders wenn die ersten Amtshandlungen zeigen, dass hier ganz normale Politiker agieren. Gauck hat zumindest den Vorteil, dass von einem Bundespräsidenten im Wesentlichen nicht viel mehr als tadellose Haltung, staatstragende Miene und ab und an eine gelungene Rede erwartet wird.

Das mag den Prozess der Entzauberung weit hinauszögern oder gänzlich verhindern. Wäre da nicht das ESM-Gesetz, das nach dem aktuellen Fahrplan im Juni von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden soll und das anschließend vom Bundespräsidenten zu prüfen und auszufertigen wäre. Man kann uns nur wünschen, dass Gauck seine Amtspflichten ernst nimmt und sich nicht wie sein Vor-Vorgänger Horst Köhler unter (Zeit-)Druck setzen lässt. Gerade dieses buchstäbliche Ermächtigungsgesetz, gegen das schon im Vorfeld erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken geltend gemacht werden, bedarf einer besonders intensiven Prüfung durch den Bundespräsidenten.

Unabhängig von schönen Worten, wird diese Amtshandlung zeigen, ob Gauck ein Bürgerpräsident der Deutschen oder ein „Bürge“-Präsident für die korrupten politischen Systeme anderer Länder sein wird. Wir sind zwar nicht optimistisch, aber mäßig gespannt.

Griechenlands dankbare Profiteure: Anwälte und Banken

Mit einigen Tagen Zeitverzug sind nun die neuen griechischen Anleihen in alle Depots eingebucht worden. Als ob der Schaden durch den Zwangstausch nicht schon groß genug wäre, hatte die eine oder andere Bank noch einen zweiten Schock für ihre Kunden parat: Für die Einbuchung der 24 neuen Papiere wurde zum Teil 24 Mal eine Einbuchungsgebühr verlangt. In Summe kamen dabei – gerade bei Klein- und Kleinstanlegern – Beträge zusammen, die fast den Gegenwert der neuen Anleihen erreichten. Erst nach massiven Protesten der Kunden verzichteten einige Banken auf die Gebühren.

Falls Sie von derartigen Machenschaften betroffen sind, sollten Sie sich gegenüber Ihrer Bank darauf berufen, gegen die Umschuldung gestimmt oder gar keine Weisung gegeben zu haben. Ohne gegebene Willenserklärung sollte es den Bankern schwer fallen zu begründen, warum für dieses ungewollte „Geschäft“ etwas zu bezahlen ist.

Unabhängig davon ist der Gegenwert der einzelnen neuen Griechenpapiere so gering, dass es Anlegern mit sehr geringen Stückzahlen aufgrund der dann fälligen Verkaufsgebühren (die dann natürlich auch für alle 24 Papiere separat zu bezahlen sind) fast unmöglich gemacht wird, diese zu veräußern. Auf alle Fälle wird es ein lohnenswertes Geschäft für die Bankenbranche, die ja beim Aushandeln des Umschuldungsangebotes und dessen Details nicht ganz unbeteiligt war.

Aktionärsschutzvereinigungen wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. (SdK) und eine Hamburger Anwaltskanzlei haben bereits konkrete Absichten geäußert, gegen die Zwangsumschuldung zu klagen. Aus unserer Sicht empfiehlt es sich jedoch, zunächst einmal abzuwarten und gegebenenfalls erst bei absehbaren Erfolgsaussichten auf den fahrenden Zug aufzuspringen. In jedem Fall sollten Anleger die Buchungsbelege bezüglich der Griechenanleihen gut aufbewahren, um im Zweifelsfall den entstandenen Verlust dokumentieren zu können… (Seite 2, zu Hans, dem „Solidarischen“)

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2 Kommentare auf "Schöne Worte! Und wo sind die Taten?"

  1. FDominicus sagt:

    Heute hier, gestern dort 😉

    http://fdominicus.blogspot.de/2012/02/gauck-ist-es-geworden.html
    und
    http://fdominicus.blogspot.de/2012/03/ein-burgerprasident.html

    Warten wir mal den ESM ab. Mein Wettangebot: Er unterzeichnet (ohne großes Bohe)

  2. Linkspartei-Chef Ernst lobt Gaucks Rede als gelungenen Auftritt sagt:

    […] zehn Köpfe vor Schlachthaus Emotionen: 42* | 1* | 1* In Blogs gefunden: Schöne Worte Und wo sind die Taten Rott & MeyerGauck hat zumindest den Vorteil dass von einem Bundespräsidenten im Wesentlichen nicht viel […]

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