Schon wieder die EZB!

15. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Die Reaktionen der Finanzmärkte auf die Geldentscheidungen in der abgelaufenen Woche haben einen Vorgeschmack dessen vermittelt, was uns beim nächsten Großereignis in Sachen Währung bevorsteht: Eine spekulative Welle jagt die andere…

War der Auslöser zunächst die Euro-Schwäche gegen den Dollar und dann die überfällige Abkopplung des Schweizer Franken vom Euro, so wird es am kommenden Donnerstag die Ankündigung eines ganzen Bündels von Maßnahmen durch die EZB sein. Und mittendrin: der Anstieg des Gold- und des Silberpreises – mit Aussicht auf noch mehr.

Denken Sie in diesen Tagen nicht auch oft daran, was uns am Donnerstag erwarten könnte? Also an jene Sitzung des EZB-Rats, in der es um Staatsanleihenkäufe gehen soll, ja um den ganzen Knatsch, den uns der Euro bisher eingebracht hat, bis zur sukzessiven Enteignung der Sparer. Egal, wie Sie finanziell aufgestellt sind, auch Ihr Geld wird auf die eine oder andere Art betroffen sein. Zumindest so viel steht fest: EZB-Chef Mario Draghi lässt sich vorher nicht in die Karten gucken. Immerhin hat er in einem Handelsblatt-Interview zur Jahreswende zwei bemerkenswerte Andeutungen gemacht:

1. „Wir sind in technischen Vorbereitungen, um den Umfang, das Tempo und die Zusammensetzung unserer Maßnahmen Anfang 2015 zu verändern, sollte dies notwendig werden, um auf eine zu lange Periode zu niedriger Inflation zu reagieren.“

2. „Ein Auseinanderbrechen der Eurozone? Das wird nicht geschehen. Es gibt deshalb auch keinen Plan B.“

Das heißt doch wohl: Es gibt variierende Maßnahmen und damit offenbar nicht nur einen Plan B, sondern auch einen Plan C, D, E und so weiter. Hinter technischen Vorbereitungen kann sich alles verbergen, weshalb an den Börsen folglich auch auf alles spekuliert wird: auf den weiteren Verfall des Euro ebenso wie auf seine Erholung, auf hohe und auf niedrige Staatsanleihenkäufe, auf ein riesiges Paket zur Stimulierung der schlapp gewordenen Inflation wie auch darauf, dass alles beim Alten bleibt. Börsianer nehmen die Varianten vorweg, indem sie die Aktienkurse abwechselnd mal nach oben, mal nach unten treiben. Am besten, Sie warten erst einmal geduldig ab, was da auf Sie zukommt.

Wobei ich voraussetze, dass Sie Ihr Vermögen gut auf Ihre persönlichen Belange hin strukturiert und dazu einen Schwerpunkt in Gold gebildet haben. Denn sein Preis dreht nach über drei Jahren Abwärtsbewegung wieder kräftig nach oben. Unter den mannigfachen Ursachen sticht eine ganz besonders hervor: das weltweite Weichkochen der Währungen durch die Zentralbanken. Das trifft seit Monaten in erster Linie auf die EZB zu, die sich demzufolge sogar noch rühmen kann, mit dem weichen Euro etwas Gutes für die Exporte aus der Eurozone zu tun. Derweil verfolgen Goldbesitzer, deren Währung der Euro ist, mit großer Freude, dass sie durch den Preisanstieg ihrer Barren oder Krügerrands wie auch durch die Dollar-Aufwertung praktisch doppelt gewinnen, weil der Goldpreis offiziell in Dollar gemessen wird.

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Erfahrene Goldanleger werden nun möglicherweise einwenden: Waren sich Gold und Dollar in der Vergangenheit nicht meistens spinnefeind, das heißt, ging üblicherweise nicht ein starker, sondern ein schwacher Dollar mit steigenden Goldpreisen einher? Ja, vielfach war es so. Allerdings in erster Linie zu Zeiten, als die Bundesbank und später – zumindest hin und wieder – auch die EZB vor allem die Währungsstabilität verfolgten, während die Fed in den USA die Stabilität des Dollars immer schon als Randerscheinung behandelte. Doch die Zeiten haben sich geändert, jetzt ist die EZB primär darauf aus, ihr Inflationsziel von etwas unter 2 Prozent zu erreichen, statt den Euro zu stabilisieren, und daran wird sich so schnell nichts ändern.

Was den Goldpreis betrifft, ist seit Jahresbeginn zweierlei bemerkenswert: Zum einen steigt er etappenweise mit nur kleinen Unterbrechungen, ohne dass größere Versuche zu seiner Manipulation erkennbar sind. Zum anderen folgt er den relativ stark steigenden Kursen der Goldminenaktien, was bedeutet, dass diese eine relative Stärke zeigen. Das lässt erfahrungsgemäß darauf schließen, dass der Preisanstieg im Trend – mit kleineren Unterbrechungen – weiter aufwärts gehen wird.

Falls Sie sich in Minenaktien engagieren wollen oder schon in ihnen engagiert sind, sollten Sie penibel auf einige Details achten. Die Aktien der führenden Gold- und Silberunternehmen sind in den Indizes XAU und HUI enthalten. Sie unterscheiden sich zwar in der Qualität, aber zunächst gilt der alte Börsianerspruch: Läuft Butter, läuft Käse. Also steigen die Kurse von Barrick und Newmont – bei allen Problemen, die diese beiden Großkonzerne mit sich schleppen – erst einmal ähnlich wie die Kurse der besser situierten Goldcorp oder Silver Wheaton. Wer besonders starke Nerven hat, setzt zum Beispiel mehr auf Silber- statt auf Goldaktien und bevorzugt neben Silver Wheaton auch First Majestic. Außerdem kann für nervenstarke Anleger der Ausflug in die zweite Reihe lohnend sein, wo derzeit Goldaktien wie Detour oder McEwen Kurssprünge vollziehen.

Da sich hinter allen Edelmetallaktien spezifische Geschichten verbergen, lohnt allemal der Blick auf die betreffenden Internetseiten. Im Lauf der kommenden Monate dürfte sich die Spreu vom Weizen trennen. Dann gilt es, auf die relative Stärke der Aktien zu achten und nur noch solche zu bevorzugen, die im Vergleich zu den Indizes XAU und HUI überdurchschnittlich abschneiden. Zu guter Letzt: Streuen Sie Ihren Einsatz über fünf bis zehn Aktien.
Manfred Gburek – Homepage


 

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