Schon gemerkt? Wir haben wieder „Blase“

21. April 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Es ist schon irgendwie wie beim Kaugummi. Blasen wirken cool. Und wenn sie platzen, wird es irgendwie unangenehm. Nur sind die Auswirkungen an der Börse ein wenig anders. Wenn dort Blasen platzen, verlieren ein Haufen Anleger einen Haufen Geld…

Nicht ganz vergleichbar mit der Konsequenz, sich seltsam verarbeitete Naturprodukte aus dem Gesicht zu pulen. Der entscheidende Unterschied liegt aber auch in der Entstehung. Kaugummiblasen erzeugt man willentlich. Börsenblasen entstehen durch Wegschauen, gezielt geschönte Informationen, Dummheit und Gier.

Die meisten, die an der Entstehung solcher Blasen teilhaben, indem sie Aktien, Rohstoffe, Währungen, Bonds oder was immer kaufen, obwohl jedwede rationale Analyse die Ampel schon längst von Rot auf Purpur springen ließe, sind sich der Gefahren daher nicht bewusst. Aus eigene Fahrlässigkeit blind gegen die Wand zu rennen, bringt keinen Preisnachlass, wenn es gilt, die Wunden zu lecken. Aber irgendwie ist dennoch immer wieder „Blasenzeit“, wenn nur genug Jahre seit dem letzten „Blutrühren“ an der Börse vergangen ist. Seit Anfang der 80er Jahre dauerten die Haussen am Aktienmarkt dreimal fünf und einmal sechs Jahre. Fünf Jahre sind mittlerweile seit den Tiefs aus dem März 2009 um.

Zeit, auf Blasensuche zu gehen. Oh, in den Medien werden sie sofort darauf stoßen, dass die sogenannten Experten darauf hinweisen, dass es längst eine böse, grausam bedrohliche und alles verschlingende Blase gibt: Am Anleihemarkt. Viel zu teuer, die Bonds. Viel zu niedrig, die Renditen.

Es gibt nur eine Rettung. Nicht Gold, ich bitte Sie! Aktien muss man kaufen. Reichlich. Die sind nämlich billig wie nie. Und keine Angst, Sie kommen nicht zu spät. Sie kommen, wenn Sie diesen Sprüchen glauben, nämlich nie zu spät: Aktien sind IMMER billig!

Obwohl, da muss ich mich selbst der Lüge zeihen. Nein, manchmal sind sie laut Experten auch zu teuer: Am Ende von langen Abwärtstrends. DA darf man keine Aktien kaufen. Sonst immer. Und bedenken Sie: Am Hoch, da sind Aktien, wenn man den Expertenratings glauben darf, am allerbilligsten.Wenn sie da einen gewissen Zynismus herauszuhören glauben, haben Sie Recht. Woher der kommt?

Ganz einfach: Ich bin seit 1989 Anleger und berichte seit nunmehr knapp 20 Jahren über die Börsen. Wenn man es sich seit 20 Jahren zur Aufgabe gemacht hat, hinter den Vorhang zu schauen, ist Zynismus die geringste aller Nebenwirkungen.

Es ist schon ein Ding, aber der erdrückenden (bzw. bedrückenden) Mehrheit der Anleger fällt, obwohl das Spielchen seit Jahrzehnten gespielt wird, einfach nicht auf, dass die Ratings der Analysten und deren Kursziele in fast allen Fällen immer mit den Aktienkursen mitlaufen. Solange eine Aktie steigt, bleibt das Rating positiv und die Kursziele werden einfach, sobald erreicht, angehoben.

Und selbstverständlich sind es nicht diese Ratings, die beispielsweise Anfang 2008 zur Wende am Aktienmarkt führten. Als die Börsen kippten, war „Buy“, „strong buy“ oder „overweight“ Standard. Die „sell“-Ratings tauchten erst dann in größerer Zahl auf, als ohnehin alles im Eimer war. Nahe der Tiefs. Und das war bei den vorherigen Wenden nicht anders.

Trotzdem „fluppen“ die meisten Aktien wie Flummys nach oben, wenn irgendein Bankhaus sein Rating anhebt oder das Kursziel nach oben nimmt. Die Akteure gehorchen wie Gehirn-Zombies. Und sie lehnen sich beruhigt zurück, denn ein ums andere Mal wurden doch gerade die Erwartungen der Analysten hinsichtlich der letzten Quartalsbilanz übertroffen. Das ist doch ein Beweis dafür, dass alles immer besser und besser wird, nicht wahr? Genau. Nicht wahr… (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "Schon gemerkt? Wir haben wieder „Blase“"

  1. bluestar sagt:

    Lieber Ronald Gehrt,

    vielen Dank für Ihren Beitrag mit den einleuchtenden Beispielen von GE und Intel.
    Meiner Meinung ist das aber nicht nur dem zyklischen Herdentrieb geschuldet sondern der Flutung der Märkte mit ungeheuren Mengen an Falschgeld. Blasenbildung durch Falschgeld und einen manipulierten Niedrigzins spielt sich auch in der Immobilienbranche ab. Die Verkaufspreise steigen schneller als die Mieten, was für Kapitalanleger zu erheblich geringeren Renditen führt. Trotzdem wird gekauft- übersteigt die Nachfrage in einigen Segmenten deutlich das Angebot. Da aufgrund der niedrigen Zinsen gern gehebelt wird, werden wir „lustige“ Zeiten erleben falls die Zinsen einmal wieder steigen sollten und es zu Unterdeckungen kommt.
    Ich teile voll Ihre Einschätzung, dass Anleger nur das hören was sie gern hören möchten.
    In Verbindung mit der Fähigkeit des kollektiven Vergessens innerhalb kürzester Zeit wiederholen sich so die unvernünftigen Dinge. Genauso ist es in der Politik. Gebrochene Versprechungen werden von vielen Menschen in kürzester Zeit vergessen und erneuten Versprechungen von den gleichen Leuten vertraut.
    Das Spiel an der Börse und in der Politik beruht auf der Dummheit der Menschen, sehr oft natürlich zu deren Nachteil. Und es wird solange sehr gut funktionieren, solange sich in den Köpfen nichts grundlegend ändert. Das dies nicht eintritt, dafür sorgt die sehr gut organisierte Verblödungsindustrie.

    VG aus Leipzig

  2. Reiner Vogels sagt:

    Sehr geehrter bluestar,

    was Sie über die Manipulierbarkeit des breiten Publikums schreiben, ist sicher nicht falsch. Nicht ganz korrekt ist aber m.E. die Ansicht, dass das mit der modernen Verblödungsindustrie zusammenhänge.

    Schon 1895 hat Gustave Le Bon in der „Psychologie der Massen“ dasselbe geschrieben wie Sie. Damals gab es noch keine öffentlich-rechtlichen Verdummungsstrahler.

    • bluestar sagt:

      Sehr geehrter Herr Vogels,
      das ist vollkommen richtig. Selbst schon in der Antike wurde mit „Teile und herrsche“ „Zuckerbrot und Peitsche“ sowie „Brot und Spiele“ sowie ersten Formen der staatlich gelenkten Unterhaltung die Masse beeinflusst und beherrscht.
      Und noch einmal rund 1700 Jahre davor, wirkte Ramses 2 im alten Ägypten als perfekter Manipulator seines Volkes. Selbst einen mäßigen Waffenstillstand konnte er als seinen Sieg verkaufen.
      Insofern hat sich an der Psychologie der Massen und deren Beherrschung
      zur Machtausübung im Grunde tatsächlich kaum etwas verändert.
      Nur der Einsatz der Mittel verändert sich. Und heutzutage in einer „aufgeklärten“ Welt
      mit gebildeten Menschen verläuft die Manipulation subtiler und auf wesentlich mehr Ebenen.
      Das bezeichne ich sozusagen als Industrie. Alleine darüber gibt es interessante Publikationen.
      Ohne erfolgreiche Manipulation gäbe es keine Wahlen. Und wenn es doch einmal zu überraschenden, den Herrschenden nicht genehmen Ergebnissen kommen sollte,
      gibt es noch CIA, NGOs, Militär, NSA usw. Ich glaube hier keine Beispiele anführen zu müssen,
      die Beweislast ist erdrückend.
      VG und einen schönen Abend für Sie.

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