Schon gemerkt? Unter der Oberfläche „bärt“ es!

8. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Dumm ist, wer Dummes tut“, lautet einer der unvergesslichen Sprüche im Film „Forrest Gump“. Das ist so, zweifellos. Aber was und wer „dumm“ ist, ist und bleibt immer eine Frage der Perspektive, denn manchmal ist der vermeintlich Weise am Ende auch der Dumme…

 

Für manch einen Investor (mehrheitlich die nominal Intelligenteren) ist der Aufstieg der Börsen seit März 2009 zum größten Teil etwas sehr Dummes gewesen. Und natürlich gehören diejenigen, die den steigenden Kursen gefolgt sind, ihrer Ansicht nach in die Kategorie der Dummköpfe. Einerseits stimmt das, weil das solide Wachstum, die Stabilität der Aufwärtstrends, die Erfolge am Arbeits- und Immobilienmarkt nur marginal realer sind wie eine stabile, geeinte EU, eine solide US-Haushaltskasse oder eine Stromrückzahlung.

Wer an das Getrommel der Finanzindustrie, der Politik und in weiten Teilen der Medien geglaubt hat… und noch glaubt … ohne diese Propaganda zu hinterfragen, tat und/oder tut, so betrachtet, etwas durchaus Dummes. Andererseits ist dumm gelaufen, dass diese angeblichen Dummköpfe öfter satte Gewinne mitnehmen konnten, während die scheinbar Klugen ihr Kapital im stetigen und vergeblichen Kampf der Kurse gegen die Realität mit Baisse-Positionen durch den Schornstein jagten – und somit eigentlich sie die Dummen sind. Aber … wer sich aufgrund monetär angenehmer Erfahrungen nun in der Rolle des dauerhaft bullishen Dummbatzes gefällt, könnte jetzt Gefahr laufen, das als Lemming zusammengeraffte Geld in kürzester Zeit wieder zu verlieren … während die „Klugen“ einen Teil ihrer Verluste zurückbekommen. Denn irgendwann ist mit jeder „Sunshine-Rallye“ mal Schluss. Und die Zeichen mehren sich, dass das sehr bald passieren könnte … bzw. gerade passiert.

Warum ausgerechnet jetzt?

Trendwende? Warum sollte die ausgerechnet jetzt kommen … nachdem die Börse doch allen bisherigen negativen Einflüssen eisern widerstanden hat? Nun, vor allem deswegen, weil sie diesen Einflüssen nicht widerstanden, sondern sie ignoriert hat. Und das ist etwas völlig anderes. Und es war ja auch nicht die Börse an sich, die so tat, als wäre alles in Butter, sondern die Marktteilnehmer. Sie sind die Börse. Die Börse sind die Menschen, sie ist kein abstraktes Gebilde. Das nicht zu realisieren, ist typisch für viele Anleger, die nur sich als Individuum und den Rest der Börse als „Ding“ betrachten … und Basis all der Risiken, denen sie sich jetzt, mit Masse ohne es zu ahnen, gegenüber sehen.

Das dumme an einem stetigen Ignorieren jedweder kritischer Entwicklungen ist nämlich, dass sie dadurch nicht verschwinden. Und irgendwann ist der Punkt erreicht, an denen das Ausblenden allen Unbills nicht mehr möglich ist. Und zwar dann, wenn die ersten unter denjenigen, die dieses Denken und Handeln gefördert und für ihre eigenen Zwecke genutzt haben (sprich die großen Adressen der Finanzindustrie), ihre Zelte abbauen, weil sie merken, dass den Börsen die bullishen Lemminge ausgehen. Was meist dann geschieht, wenn bei den Anlegern das Geld knapper und dadurch der „Nachschub“ in Form von Daueraufträgen in Fonds, Hedge Funds, Versicherungen, Sparplänen etc. dünner wird.

Wir hatten Anfang Mai ebenso wie Anfang Juni vergebens auf die zuletzt öfter aufgetretene Kaufwelle zum ersten Handelstag des neuen Monats gewartet. Eines von vielen Indizien, dass es jetzt für die verbliebenen Bullen mal wieder eng wird. So eng wie seit letztem Sommer nicht mehr. Auch damals hätte es schon zu einer Trendwende bei Aktien und Rohstoffen kommen können. Doch da wurde „quantitative easing“ als Rettungsring aus dem eigentlich leeren Hut gezaubert – und die Bullen, die kleinen wie großen, fanden wieder Argumente und Kapital, um die Märkte noch eine Etage höher zu hieven. Aber …irgendwann ist nun einmal Schicht. In zweierlei Hinsicht…  (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Schon gemerkt? Unter der Oberfläche „bärt“ es!"

  1. SpanischerGaul sagt:

    Gute Analyse Herr Hauptmann.

  2. Stuelpner sagt:

    Prima Artikel, vielen Dank.

    Im Sommer die Wende
    … und im Herbst dann weitere Einschläge, wie sie auch immer aussehen, z.B. noch mehr Wutbürger auf der Straße, weil die Lebensmittel zum Luxusgut werden!?

    Das Gemerkel arbeitet schon an dem rettenden „Bringer“:
    – alternat. Energie (Wind, Solar) wie sinnvoll dieses Zeug auch sein soll
    – und das Elektroauto, ganz große Erfindung (seit über 100 Jahren). Jedenfalls werden wieder Mrd. an Steuergeldern ist diesem Quatsch versenkt, bis die Straßen zugeparkt sind mit fahrenden überdachten leeren Batterien oder im Winter erfrorener Autofahrer, weil der Strom im Stau alle wurde.

  3. SpanischerGaul sagt:

    Das das Schiff noch nicht gesunken ist liegt wohl auch daran das die richtig großen fetten Tanker gar nicht so schnell handeln dürfen/können. Ich meine damit z.B. die Kapitalsammelbecken wie Pensionsfonds, Versichererungen etc. Wenn ich das richtig verstanden habe sind die gesetzlich gebunden an bestimmte „sichere“ Anlageklassen und selbst wenn die Fondmanager den Untergang erkennen, können sie nicht handeln oder nur sehr beschränkt.

    Ich glaube es ist ganz gut das viele Leute nicht wissen wo ihr Geld vom Sparbuch oder Lebensversicherung investiert ist. Sonst gäbe es hier viel schneller eine Panik.

    Ich glaub die meisten stellen sich immer noch vor eine Bank ist eine Verwahranstalt für Geld also eine Art Vollgeldsystem wo man sich jederzeit sein Sparbuch auszahlen lassen kann, weil das Geld „liegt ja in der Bank“. Wenn die wüssten das ihr Sparbuch in Griechenland liegt wären einige bestimmt nervöser 🙂

  4. samy sagt:

    Jup, volle Zustimmung. Was soll QE III den USA noch bringen, wenn QE II nicht mal im Ansatz einen Strukturwandel brachte, etwa im Bereich Green Tech usw.? Wie soll überhaupt der Konsum in Schwung kommen, wenn die Leute keine ordentlichen Jobs kriegen und ihr spärliches Salär für inflationsgeschwängerte Energie und Lebensmittel statt von Statussymbolen verwenden müssen?

    Was ist mit der zweiten Geschichte, die alsbald entschieden werden muss, also dem Schuldendeckel? Bisher habe ich mit einem Zerren der Parteien bis zur letzten Stunde gerechnet. Was ist wenn die Republikaner und Demokraten einen schwarzen Schwan ausbrüten?
    Was ist denn, wenn geplante Verhandlungen bis zur letzten Stunde die Anleihen viel früher in den Keller schicken?

    Quelle: http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/dritter-rating-warnschuss-fuer-die-usa/4267388.html

    Hier:
    „Die Rekordverschuldung der Vereinigten Staaten wird zum ernsten Problem für Präsident Obama. Nach Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s hat auch Fitch eine Herabstufung der US-Bonität in Betracht gezogen. … Die USA könnten die höchste Bonitätsnote „AAA“ einbüßen, wenn die Schuldenobergrenze nicht rechtzeitig angehoben werde, …“

    Rechtzeitig? Was genau ist denn rechtzeitig für Fitch und die Börse? Die Mitternacht zum 2. August? Oder besser eine Woche vorher oder doch noch besser gleich einen Monat vorher?

  5. Waldfee sagt:

    ….Nun, vor allem deswegen, weil sie diesen Einflüssen nicht widerstanden, sondern sie ignoriert hat….

    Guten Tag in die Runde,

    ist da jemand enttäuscht, daß „DER MARKT“ nicht auf Ihn gehört hat? Herr Gehrt… das nennt man „der Markt hat immer recht“.

    Da wird auf Signale gewartet, die nicht eintreffen, obwohl sie es doch meistens tun. Da werden Trendlinien durchstoßen und dies wird als Kaufsignal gewertet. Haut’s hin, dann finden es alle toll. Geht’s daneben, dann war’s halt ne Bullenfalle. Das ganze Gerede rund um „den Markt“ geht MIR mittlerweile am Arm vorbei. Wenn ich ne ANALystenmeinung (Volker Pispers) höre, dann denke ich an den Spruch frei nach Waldfee „kräht der Hahn aufn Mist, dann ändert sich der Kurs oder er bleibt wie er ist“

    Und vielleicht noch ne Theorie, warum der Markt manche Meinungen ignoriert. Die wenigen Fachleute gehen in der Menge der vielen Experten einfach unter.

    Freundlichen Tag

  6. Waldfee sagt:

    Vielleicht noch etwas zu China.

    Man findet Berichte, in den geschildert wird, daß China als Partner gerade in Afrika auftritt. „Die Chinesen“ haben es zwar auch anders nach westlicher Manier versucht, sind aber schnell auf den Trichter gekommen, daß das nicht gern gesehen wird. Nun wird ein Land oder eine Region aufgebaut. Man liefert Know-How und das benötigte Fachpersonal und bekommt dafür Rohstoffe. Dagegen plündern westliche Großkonzerne ein Land aus und hinterlassen mit Billigung ihrer Regierungen verbrannte Erde. In einem Kinderreim heißt es schon „… chinese ist nicht dumm….“

    Ende

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