Schon ge-chipt?

25. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Der kleine Schnitt an der Hand tat gar nicht weh, als der Chip unter die Haut geschoben wurde. Nach drei Minuten war der Eingriff erledigt. Diese modernen Chips öffnen ganz ungeahnte Türen…

Viele machen das, seitdem die Kosten für den kleinen Eingriff von Staat und Krankenkassen übernommen wird. Mal ehrlich, wer als modern gelten möchte, brauchte damals das iPhone und heute den Chip. Wer will schon dem Fortschritt im Wege stehen? Nur diejenigen, die ohnehin verdächtig sind… Bargeldzahler beispielsweise.

Die Zeit rennt. Wir sind aber schneller. Vor kurzem noch sind wir mit unseren Mobiltelefonen herumgerannt. Oft war der Akku leer. Manchmal fielen sie runter. Sie sorgten für Beulen in den Hosentaschen. Aus heutiger Sicht betrachtet, lebten wir damals noch im technischen Mittelalter. Heute leben wir nur hip mit Chip.

Und manchmal vergaß man auch das Smartphone zu Hause, was die allgemeine Sicherheitslage gefährden konnte. Es gab Zeiten, da war man ohne ein Handy ein „Nichts“ – und nur mit einem solchen Gerät „Jemand“. Fragen Sie die Funknetzüberwachung! „Diese Milliarden-Investitionen haben sich gelohnt“, sagte der Sicherheitsminister im Wahrheitsministerium bei der Vorstellung seines aktuellen Berichts. Er konnte von großen Erfolgen gegen mutmaßlichen und gedanklich geplanten Terrorismus berichten. Die Auslastungsquote der Mitarbeiter im Überwachungsamt für Falsch-Gedachtes hat im letzten Jahr um weitere vier Prozentpunkte zugelegt.

So ein kleiner Chip kann heute fast alles, sogar den Notarzt herbeirufen, ohne dass man davon etwas merkt. Er meldet alles. Man muss sich um nichts mehr kümmern. Die kleinen Chiphelferlein sind längst dabei, die Handys schon in wenigen Jahren abzulösen. Die Deutschen haben übrigens den Begriff „Handy“ erfunden, was den Rest der Welt zum Schmunzeln brachte. Überall sonst heißt es „Mobilfunktelefon“ – kurz „Mobile“. Ich nannte sie früher auch „Hand-Telefon“ wie ich E-mails als „Elektro-Post“ bezeichnete, damals, als die Wählscheiben auf den Telefonen nach und nach ausstarben. Heute telefoniert man nur noch mit den „Wearables“, also wahlweise mit der Armbanduhr, Unterhemd, Knopfleiste oder Hut – ganz nach Belieben. Vorbei sind die Zeiten, in denen man über die Kopfhörerschnur stürzte oder sich damit strangulierte. Endlich!



Mit dem Chip in der Hand gab es auch eine richtige Revolution in der Geldbörse. Der Geldbeutel ist heute auch so ein altmodischer Begriff. So richtig stylish war so etwas nie, obwohl Frauen oft ein Vermögen dafür ausgaben, um schmutzige Scheine und Münzen aus Blech mit sich herum zu tragen. Ein Bargeldverbot war gar nicht nötig, die Leute schafften es aus Bequemlichkeit selbst ab.

Männer mit viel Geld verzichteten früher auf Münzen als Wechselgeld, wenn sie Stil hatten und trugen nur die Scheine in den Hosentaschen. Aber sonst gab es hinten rechts am Po immer diese dicke Beule aus Kredit – Payback- EC- Bahn- und sonstige Karten…Wie dass aussah! Verlieren konnte man das alles auch noch. Diese Rennerei!

Zum Glück gehört das fast der Vergangenheit an. Der kleine Chip unter der Haut erledigt alles. Männer haben wieder ihren aufrechten Gang gefunden, weil die rechte Seite der Hosentasche nicht mehr die Wirbelsäule belastet und zudem ästhetischer aussieht. Meinen Sie nicht?

Bezahlen mit Münzen und Scheinen hat ohnehin immer gestört. Denken Sie an diese Zeitdiebe, die alle aufgehalten haben, nur weil sie im Supermarkt der Verkäuferin aus Nettigkeit 37 einzelne Cents aus dem Portemonnaie wühlten. Diese Zeit ist vorbei. Endlich. Zudem kann man sein Geld auch nicht mehr verlieren oder es fällt auf den Boden, was die Bandscheiben schont, so die Krankenkasse. Das Argument hat viele umstimmen können, auch im Land der Dichter und Denker.

Nach einer Umfrage nutzen inzwischen immer mehr den kleinen Chip unter dem Handrücken zum Bezahlen. Alle relevanten Daten sind dort gespeichert. Nur noch neun Prozent der Bevölkerung halten krampfhaft am Alten fest wie an Bargeld, sei es aus Unwissen oder Protest und Widerstand gegen den unvermeidlichen Fortschritt. Besonders hier rechnen renommierte Terrorforscher und Steuerfahnder mit spektakulären Entdeckungen von verdächtigen Subjekten, um die Bevölkerung vor Unheil und die Staatskasse vor Minusbeiträgen zu schützen. Durch zusätzliche finanzielle Mittel konnte die Chip-Rate im letzten Jahr von 78 auf 91 Prozent gesteigert werden. Dies gelang auch durch die Zurverfügungstellung weiterer Mittel aus dem Staatshaushalt für gesteigertes Glück und dessen Bonus-Systems, um alte Gewohnheiten verschwinden zu lassen – wie damals die Handys. Die bald noch verblieben drei Prozent der Bevölkerung sind offenbar wirkliche Terroristen. Auf sie! 



 

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7 Kommentare auf "Schon ge-chipt?"

  1. notarfuzzi sagt:

    Mit welcher Jahreszahl könnte man die unterstellte Realität dieses Beitrages verbinden?

    • LePenseur sagt:

      Cher notarfuzzi,

      Mit etwas Pech noch dieses Jahr, vermutlich aber in diesem Jahrzehnt. Sicher vor Ende des nächsten.

      Das Verbot von Bartransaktionen ist bereits ein deutliches Zeichen. Und die Debatte um Zwangsimpfungen & Co. trägt auch ihre Früchte.

      Brave New World …

  2. Avantgarde sagt:

    Ein ganz wunderbarer Artikel. Vielen Dank!

    Gegen das Unwort „Handy“ kämpfe ich übrigens seit Jahren erfolglos. Selbst in den Medien gilt hier das Motto: Man macht es so lange Falsch bis es als richtig erachtet wird – hauptsache irgend ein Begriff unsers Großen Bruders wird verwendet.

    Es gab und gibt wohl in Kaufhäusern und Boutiquen auch noch modische body bags zu kaufen.
    🙂

    Die Endstufe wird wohl die Verchippung sein – wobei man aber nicht auf das „Handy“ wird verzichten wollen. Denn wie bitte sonst sollte man die Überwachungskamera mitführen – oder wird es da auch bald Miniaturausgaben in Form eines Leberfleckes geben ?

  3. Sandra sagt:

    Gott gab uns die Zeit – von Eile hat er nichts gesagt.
    In einem Punkt sind wir uns alle einig: Wer die Zeit aktiv gestalten will, braucht sich nur und ausschließlich um die Bedürfnisnachfrage kümmern, diese setzen und steuern. Der Rest regelt sich von ganz allein.

    Im übrigen sind alle Verben ein anzunehmendes Bedürfnis und entsprechen der freizubelassenden Komplexität. Keine leichte Verwaltungsaufgabe, so man dies verwalten und beherrschen möchte – Wer dies will, der sollte sich demnach wirklich Mühe geben und das Gebot der Eile nutzen, DA DIE GUNST DER STUNDE ABGELAUFEN.

  4. mikeondoor sagt:

    …guter „Aufwecker“. Warum nicht mal sowas auf der Titelseite im Mainstream? …ups, blöde Frage.

  5. stonefights sagt:

    Tja Frank, die Technik ist wohl dem Artikel-Eindruck entgegen gesetzt wohl noch nicht bei der Masse angekommen, aber wie lange hat es vom schwäbischen Konzernchef
    „ah HAN DIE ko kabel droh?“ bis zur Volksmasse gebraucht ?
    Je nach Betrachtungsweise von 1973 – heute bei reinen „Mobiltelefonen“ in DE ?
    Definitiv keine lange Zeit für jemand der von Ewigkeit zu Ewigkeit existiert 😉
    „Offb 13
    16 Und es bewirkt, dass allen, den Kleinen und den Großen, den Reichen und den Armen, den Freien und den Knechten, ein Malzeichen gegeben wird auf ihre rechte Hand oder auf ihre Stirn, 17 und dass niemand kaufen oder verkaufen kann als nur der, welcher das Malzeichen hat …“
    Wer in diesem Bereich aufmerksam bleibt seit Anfang des neuen Jahrtausends (z.B. http://www.out-law.com/page-4978), erkennt die Entwicklung, ob das amerikanische Jugendliche sind, die sich mittlerweile den bargeldlosen Luxus-Disko-Chip von meist
    Verisign – Ablegern stolz implantieren lassen, der Rechenzentrumsmitarbeiter für den Zugang in den Hochsicherheitstrakt oder eben der normale Sparkassen-Kunde im Hamburger Lebensmittel-Discounter mit bargeldlosem RFID Zahlsystem.
    Die ersten Versuchsreihen wurden eben mit Katzen, Hunden und sonstigen Lebenswesen
    im alten Jahrtausend durchgeführt, um jederzeit entlaufene Arten (oder sollte ich schreiben entartetes Laufendes?) zu orten.
    Morgen werden es eben diese komischen orwellschen Nachwuchs-Kreaturen sein, genannt Mensch, die zu ihrer Glückstränke getragen werden wollen.
    Das „beruhigende“ an diesem Thema ist, dass es mittlerweile keine VT mehr ist, sondern Realität. Kann man(n) oder Frau sehr gut recherchieren beim Wellenreiten.
    Lediglich die Zeitstrecke bis zur Massenakzeptanz ist noch ungenau. Aber dafür bekommen wir ja irgendwann auch eine Impfpflicht. Da kann man den heute schon (micro-) Millimeter großen Chip diesen Querulanten und VTlern irgendwann auch gleich mit spritzen.
    Gut Ding braucht Weile.
    Der Trend geht hierbei erst mal zum Zeit-Handy oder dem Handy mit Triple-SIM.
    Danach sind alle Hosentaschen besetzt und die Bequemlichkeit wird sich sehnen nach
    dem unsichtbaren Chip, der alles kann, auch dass was der Träger dann nicht gesehen hat oder sehen will. Ich höre sie heute schon bei der feierabendlichen Diskussion blöken „…und, ist mir doch egal, ich habe nichts zu verbergen…“.
    Schöne neue Welt (Ordnung ….muss sein…).

    LG; stonefights

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