Schöngefärbte Ostereier

16. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Hoppla! Doch kein neuer DAX-Rekord im Osternest? Egal! Wir können trotzdem stolz sein, und wie… denn wir sind Vize-Weltmeister beim Zahlen von Steuern und Abgaben, so eine neue OECD-Studie…

Nur der belgische Staat ist noch raffgieriger. Aber das schaffen wir auch noch. Dabei wird gar niemand zur Kasse „gebeten“, wie es immer heißt, sondern zur Ader gelassen, so dass der Steuerbrunnen in Berlin sprudelt, wohin das Geld auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Statistisch gesehen bleiben einem Single von 100 Euro brutto nur 60 Euro, einem Alleinverdiener einer Modellfamilie 78,70 Euro. Und diese muss er dann auch noch mit den anderen teilen. Hinzu kommen auch noch die vielfältigen indirekten Steuerabgaben und andere Plündereien von Rabenvater Staat. Von dem, was übrig bleibt, soll man dann auch noch für das Alter vorsorgen, was später auch noch versteuert wird. Na Klasse! In anderen Ländern sank die Steuerlast, hierzulande stieg sie. Hurra! Wer mag, darf gerne einwenden, dass man lieber hierzulande arm sein will als woanders auf der Welt.

Keine Sorge, denn Experten zufolge wächst die Wirtschaft in diesem Jahr um 1,5 und 2018 um 1,8 Prozent – wenn nichts dazwischen kommt. Was hat der Einzelne davon? Mitunter nichts außer etwas Stolz in der Brust. Wo soll es herkommen? Wenn zehn Prozent der Leute die Hälfte von allem besitzen, die arme Hälfte jedoch nur ein Prozent, macht der Teufel am liebsten auf den größeren Haufen. Dass die Reichen reicher und Armen ärmer werden, besagt auch der letzte Armutsbericht der Regierung, eine textlich entschärfte Beruhigungspille bzw. ein krachendes Armutszeugnis.

Trotz Dauer-Boom klopft bei 15,7 Prozent der Deutschen die Armut an der Tür – oder wohnt schon bei ihnen. Bis zur Wahl im Herbst gibt es noch einige Täuschungen in Sachen Steuersenkungen, die sich später wohl als noch teurere Ent-Täuschungen herausstellen werden. Aber das war schon immer so – und wird auch immer sein.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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4 Kommentare auf "Schöngefärbte Ostereier"

  1. Prunella modularis sagt:

    Tja, Sozialismus ist nunmal das beste System, was man sich denken kann. Alle haben das Paradies auf Erden.

    Und zwar genau bis zu dem Zeitpunkt, wo die mies bezahlten und offensichtlich unnützen Arbeitnehmer wie Feuerwehrmänner, Polizisten und Sanitäter nicht mehr im Frühtau aufstehen wollen. Weil unterm Strich nicht mehr viel mehr übrig bleibt, als wenn man einfach mal ausschlafen würde und weil man zudem eben nicht riskieren muss, im Dienst angegriffen, zusammengeschlagen oder abgestochen zu werden.

    Oder wenn die gut ausgebildeten und noch klar denkenden Leute keine Lust mehr auf Sozialneid und Bevormundung haben und auswandern. Wenn ich recht informiert bin, wurde in 2015 die Millionen-Marke knapp verfehlt. Kuba oder Nordkorea erfreuten sich dabei allerdings nicht einer großen Beliebtheit. Vielleicht sollte man die Reisefreiheit nochmal überdenken?

    Wenn ich weiter die Zahlen im Kopf habe, liegen wir bei einer implizierten Staatsquote von 70 %. Die DDR lag, zum Vergleich, bei 75%, und die UdSSR bei 85%.

    Reichlich Luft also nach oben (oder unten), bis die Generation Schneeflocke in 5-10 Jahren alles richten wird – sobald die diversen Traumata im Safe Space (speziell eingerichtete Räume in Schulen und Universitäten, die ein Gefühl der Geborgenheit geben sollen) überwunden wurden und solange der Akku vom Smartphone ausreichend Spannung hat.

    Freuen wir uns also auf die Zukunft!

    • Skyjumper sagt:

      „Oder wenn die gut ausgebildeten und noch klar denkenden Leute keine Lust mehr auf Sozialneid und Bevormundung haben und auswandern. Wenn ich recht informiert bin, wurde in 2015 die Millionen-Marke knapp verfehlt.“

      In dem Punkt lässt Ihre Information zum Glück zu wünschen übrig. Bezogen auf deutsche Staatsangehörige (also ohne Rückwanderungsmigranten) sind es zwischen 130 und 150.000 die Deutschland jährlich verlassen. Es kommen allerdings auf bummelig 100 – 130.000 jährlich wieder zurück. Der Saldo ist demnach zwar negativ, aber mit gut 25.000 pro Jahr zum Glück noch halbwegs überschaubar.

      „Wenn ich weiter die Zahlen im Kopf habe, liegen wir bei einer implizierten Staatsquote von 70 %. Die DDR lag, zum Vergleich, bei 75%, und die UdSSR bei 85%.“

      Ich kenne zwar die implizite Staatsverschuldung. Aber es wäre schön wenn Sie mir erklären können, was Sie unter impliziter Staatsquote verstehen. Die offizielle Staatsquote liegt für DE bei rund 45 %, was ich zwar erschreckend viel finde, was im europäischen Umfeld aber sogar ein relativ niedriger Wert ist.

      • Prunella modularis sagt:

        Guten Tag,
        in Bezug auf die Auswanderung beziehe ich mich hier auf statista.
        https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157440/umfrage/auswanderung-aus-deutschland/
        Bezüglich der Höhe war ich allerdings auch überrascht, und andere Zahlen habe ich nicht gefunden. Würden Sie bitte Ihre Quelle ebenfalls veröffentlichen?
        Ich persönlich würde nicht unbedingt zwischen Leuten, die hier schon länger und denen, die hier kürzer leben und arbeiten unterscheiden, da diese Unterscheidung dem BIP ebenfalls egal ist. Dort zählt nur die Wertschöpfung.

        Offensichtlich habe ich mich verschrieben, danke für den Hinweis! Ich werde einfach „tatsächliche“ oder noch besser „reale Staatsquote“ schreiben.

        Die offiziellen 45% sind mir bekannt und stehen vielleicht ja auf der gleichen Seite, die offiziell ungefähr sechs Prozent Arbeitslosigkeit in Deutschland angibt.

        Die reale Staatsquote inkludiert versteckte Steuern und Abgaben wie GEZ und IHK sowie für Monopole wie Apotheken, Notare, Schornsteinfeger, Arbeitnehmerkammern (Beitragspflicht z.B.in Bremen) usw.
        Beispiel Behördengänge: Ich bin z.B. gesetzlich verpflichtet, einen gültigen Personalausweis bei mir zu haben, muss aber für die neuen, vorschriftsmäßigen Fotos ebenso wie für die Ausstellung selber bezahlen.
        Die quasi-Enteignungen, die durch Einführung ständig neuer Gesetze und Verordnungen immer wieder durchgeführt werden (Fahrverbote für Diesel-Pkw – nicht für Diesel-Lkw – in Innenstädten, Nachdämmung von Gebäuden bis hin zur Verschärfung von Waffengesetzen) zählen für mich dazu wie mögliche Zwangsabgaben oder Zwangsenteignungen für Wohnraum, den der Vermieter – aus welchen Gründen auch immer – nun mal leer stehen lassen möchte. Ist mein Partner in der Kirche und ich nicht, zahlt dieser für mich ein Kirchengeld, obwohl ich damit absolut nichts am Hut habe. Alles staatlich geregelt.
        Jeder der darüber nachdenkt, wird sicherlich weitere Beispiele finden. Und ich möchte betonen, dass ich nicht alles schlecht finde, was monopolisiert wurde. Die Kosten habe ich trotzdem.

        Ein Blick in die Zukunft der Staatsquote: Unser Gesellschaftssystem geht von der Annahme aus, dass der BIP ständig steigen wird. Da die Staatsquote im Verhältnis zur wirtschaftlichen Leistung steht, wird es ein kleines Problem geben, wenn dieses Wachstum einmal ausbleiben sollte. Es sei denn, die Ausgaben werden sofort den Einnahmen angepasst. Frage: Ist das realistisch? Und sind wir denn wirklich führend in den Zukunftsbranchen mit hoher Wertschöpfung?

      • Skyjumper sagt:

        Hallo @Prunella modularis

        Dann ist Ihre Einwanderungszahl genau die, die ich schon vermutet hatte. Meine Quelle war für die Auswandererzahl diese heir: https://auswandern-info.com/statistiken.html
        Die Rückanderungszahl stammte aus einem Zeitungsartikel. Handelsblatt oder Welt, da bin ich mir nicht mehr sicher. Es gibt aber diverse Quellen, u.a. wird sich wohl auch bei Destatis was finden.
        Hinsichtlich Ihrer Anmerkung dass Sie unserer Kulturbereicherer nicht mitzählen, weil das schließlich für’s BIP egal sei, stimme ich Ihnen bedingt zu. Bedingt deshalb, weil unter den Rückwanderungsmigranten (analog zu den Zuwanderern) nur ein kleiner Teil von hochqualifizierten ist. Die meisten die es dann doch wieder in die ursprüngliche Heimat zieht haben hier nicht unbedingt viel zum BIP beigetragen. Ich würde den ganz überwiegenden Teil daher als nicht zu Ihrer Definition: „Oder wenn die gut ausgebildeten und noch klar denkenden Leute keine Lust mehr auf Sozialneid und Bevormundung haben und auswandern.“ passend betrachten.

        Vielen Dank für Ihre Erklärung hinsichtlich der impliziten Staatsquote. Ja, so wie Sie es verstehen kann das vielleicht schon hinkommen mit den 70 %. Sie könnten es noch geringfügig ausweiten und einfach auf die Industriequote abstellen. Die liegt für DE mit ~ 23 % immer noch recht hoch. Frankreich und Großbritannien dümpeln da nur noch bei ~ 15 % rum. Ihre Besorgnis stimmt natürlich trotzdem. Nicht umsonst wird mittlerweile aller mögliche Quark ins BIP einberechnet. Hauptsache die Fiktion einer steigenden Wirtschaftsleistung lässt sich aufrecht erhalten.

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