Schönen Feierabend, Rick

15. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Frank Meyer

Der gute Rick Wagoner. Er darf im August nach 32 Jahren bei General Motors und im zarten Alter von 56 Lenzen in den Ruhestand gehen. Zumindest kann er keinen weiteren Schaden anrichten. Das die gute Nachricht. 88 Milliarden Schulden binnen fünf Jahren aufzutürmen, ist schon eine beachtliche Leistung, die auch Belohnung finden sollte…

Am Steuer des einst größten Autobauers der Welt suchte Wagoner seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 nach dem Weg, riss den Lenker hin und her, warf zehntausende Autobauer vom Anhänger, verlor Benzin, Öl, Geschwindigkeit und letztlich die Kontrolle. Er hat auf Autos mit Luftwiderständen von Scheunentoren gesetzt, die sich verkaufen ließen wie Kühltruhen am Nordpol. Und dann fuhr General Motors in den Seitengraben, samt der Belegschaft.

Um den Rest kümmert sich jetzt der amerikanische Steuerzahler. Nicht dass dieser gefragt worden wäre, hat er doch selbst kein Geld, um neue Autos zu kaufen, aber Regierungsvertreter, die das für ihn in seinem Namen bewerkstelligen. Was wird Rick Wagoner jetzt denken? Wir wissen es nicht. Er sollte sich aber bestätigt fühlen, schließlich erhält er neben einer lebenslangen Rente von kärglichen 74.000 Dollar im Jahr noch weitere Bezüge in Millionenhöhe. Das müsste für einen netten Feierabend reichen, auch wenn es nicht die ursprünglich vereinbarte Summe war. In seinen Schaukelstuhl sitzend, kann er seinen Enkeln dann aus besseren Zeiten berichten.

Vielleicht empfindet Rick Wagoner auch einen Hauch von Demütigung, vor allem, dass er nicht die vollen Bezüge ausgezahlt bekommen hat. Doch was werden die Geschichtsbücher über ihn schreiben? Er hatte wie so viele in dieser Zeit ein erfolgreiches persönliches Geschäftsmodell, auch wenn dabei die Unternehmen von der Piste abkamen. Das war normal – damals – als vieles ver-rückt war und nicht mehr an seinem eigentlichen Platz stand. Vielleicht schreiben die Historiker aber auch, dass er für künftige Generationen ein Vorbild wurde – als abschreckendes Beispiel.



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