Schön & hässlich

18. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man kann den Sparern nur viel Glück wünschen bei allem, was sie tun. Und bei allem, was sie lassen. Wir leben angeblich in einer neuen Finanzwelt. Diesmal ist alles anders. Wirklich?

Der DAX ist auf 12.000 Punkte gestiegen. Für die letzten 1.000 Punkte hat er gerade mal fünf Wochen gebraucht, für die letzten 100 Punkte eine halbe Stunde. Was kommt als Nächstes? Wir werden sehen. Der Dax passt sich nur diesem kranken Umfeld an und sieht dabei immer besser bzw. gesünder aus wie eine Diva nach einer Frischzellenkur.

Ist das nicht lustig? Früher waren Staatsanleihen der sichere Hafen und heute sind es die Aktien. Wie sich die Zeiten doch ändern. Wieder ist von Alternativlosigkeit die Rede. Dabei gibt es immer eine Alternative, auch wenn diese nicht gefällt. Und wer Aktien hat, warum sollte er raus aus dem plötzlich sicheren Hafen? Und wohin? Die gleiche Frage stellt sich auch beim Gold. Verkaufen heißt… tauschen in…

Wir bewegen uns auf unbekanntem Territorium. Willkommen im Niemandsland und in einer Zeit, in der keiner weiß, was richtig sein könnte. Man hört, dass wir immer auf dem Weg ins Paradies wären, wo es verdächtig nach Pech und Schwefel riecht. Momentan sieht aber die Börse gut aus, so fest und so gesund. Diese Kurse können nicht täuschen. Der „Markt“ hat imer Recht, hieß es früher. Das habe ich lange nicht mehr gehört.

Dauerinjektion

Die EZB hat vorige Woche für knapp zehn Milliarden Euro Anleihen gekauft mit Geld aus dem Nichts. Wie schon vermutet, landet es an der Börse und nicht in der Wirtschaft. Binnen weniger Tage schafft der DAX punkte-mäßig das, wozu er früher jahrelang brauchte. Man kann ahnen, wohin die Reise geht. Manche sagen, es wäre der Beginn einer Katastrophenhausse, Hauptsache Hausse…

Nur weil es viel Geld ist, was ja jeden Tag dazukommt, bedeutet es doch lange nicht, dass man künftig auch viel dafür bekommt. Wer aber auf seinen Euros sitzenbleibt, wird wahrscheinlich noch weniger bekommen. Noch hat sich das nicht herumgesprochen, was auch gut so ist.

Ich habe ja nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich den Euro nicht mag. Er ist politisch motiviert, ein Sammelsurium an Interventionen und letztlich nur Papier mit Zahlen darauf. Er ist eine Illusion. Mit der Teuro-Debatte begann die Problematik, mit der Überschuldungskrise setzte sie sich fort und mit der Druckerpresse will man das Fehlkonstrukt jetzt reparieren. Nein, da vertraue ich doch lieber… na was und wem eigentlich?

… einem ehrlicheren Geschäftsmodell als dem einer Zentralbank. Vielleicht doch den Aktien in Form einer Beteiligung an einem Unternehmen. Aber welchem Unternehmen kann man trauen? Diejenigen laufen an der Börse am besten, die ihre Leute effektiv auspressen, Waffen oder Genschrott verkaufen, die besten Kontakte zur Politik oder zur Zentralbank pflegen. Manche spielen perfekt auf der Tastatur des Marketings und verkaufen einer toten Kuh auch noch ein Ersatz-Euter. Die Auswahl ist ziemlich klein, selbst unter Unternehmen, die sich Nachhaltigkeit und Ethik aus Effekthascherei auf ihre ökologisch korrekt gebleichten Fahnen geschrieben haben. Und woher weiß ich, ob meine Aktien im Depot nicht vom Broker still und heimlich ausgeliehen worden sind, ohne dass ich zumindest eine kleine Leihgebühr dafür erhalte?

Wenn man sich die Entwicklung an den Börsen anschaut, so handelt es sich bei den Pluszeichen lediglich um Buchgewinne. Die Jetons liegen die ganze Zeit auf dem Spieltisch. Was, wenn jeder seine Buchgewinne einstreichen will, warum auch immer, also seine Jetons vom Tisch nimmt? Das wird lustig. Doch warum sollte man? Ist diesmal wirklich alles anders? Und wenn, werden die sich geschädigt fühlenden Kleinaktionäre, von denen es ja immer weniger gibt, vor die Börse ziehen und protestieren.

Protest

Sie sollten vor die EZB ziehen, wie es am Mittwoch einige tausend Leute tun werden. Dort residiert die Quelle des Geldes, festlich eingerahmt heute mit NATO-Stacheldraht um den neuen Turm herum, während man drinnen den Einzug feiert. Eine handvoll ausgesuchter Journalisten darf dabei sein, während draußen 10.000 Polizisten die Feierlichkeiten vor den Protestlern schützen. Die über Frankfurt kreisenden Hubschraubern liefern die musikalische Untermalung bzw. anmutende Grüße aus der Zukunft zu den gereichten Häppchen und wohlklingenden Reden. Der Staatsrat der DDR hätte es nicht anders gehandhabt… als er sich ein neues Volk suchen wollte, aber keines zur Verfügung stand. Pech!



Zurück zur Börse….

Am Montag wurde dort der „Tag der Aktie“ gefeiert. Was für ein Tag! Die Kleinanleger konnten DAX-Aktien ganz ohne Gebühren kaufen. Es war viel los… Da greift man gerne zu, wenn es nichts kostet und kauft DAX-Werte zu Höchstpreisen. Wo sonst kann man so viel sparen? Mit dieser Marketing-Aktion will man den Deutschen die Angst vor der Aktie nehmen.
Als war es ein Spaß der Götter… Am Montag erreichte der DAX bei 12.200 Punkten ein Allzeithoch. Muss man sich Sorgen machen? Solange die Druckerpressen laufen, nein, sagen Experten. „Das kann nicht gutgehen“, sagen Börsenhändler. Ich weiß es nicht, möchte aber anfügen…

…dass man ja hätte erwarten können, dass das mediale Aufgebot beim Knacken der 12.000er Marke weit größer hätte sein können als eine Handvoll Fotojournalisten, die so schlecht bezahlt werden, dass sie sich niemals eine Aktie leisten können. Vielleicht kommt die Euphorie erst, wenn der DAX die 20.000er Marke erreicht hat, wegen der psychologisch wichtigen Marke. Ein Euro ist dann auch noch ein Euro, jedoch gibt es dann für einen Euro nicht mal mehr die Hälfte der Aktienmenge von heute. Aber das ist sicherlich konservativ gerechnet. Vielleicht wird dann das große Geld seine Papiere an die endlich überzeugten Frischlinge verkaufen, denen die Gier sagen wird (und nicht nur die) dass die Kurse noch billiger geworden sind. Was wird das große Geld mit dem Geld dann machen? Es in Sicherheit bringen? Und wenn das keine Anleihen mehr sind mit Negativrenditen von -3 Prozent? Wir wissen es nicht.

Wie es aussieht, ist man derzeit der Idiot, wenn man am Gewohnten festhält. Da ist dennoch enorm viel Kaufkraft auf den Konten, die nur in Bewegung kommen braucht, ob durch Überzeugung oder gesunden Menschenverstand. Wobei sich Letzteres fast ausschließen lässt bei diesem Bildungssystem hierzulande. Bis man vielleicht doch merkt, dass selbst Geld auf dem Konto Ratten anzieht, sie sich direkt oder indirekt daran bedienen – alternativlos und demokratisch legitimiert. Dass es diesmal wirklich alles anders ist, weil die Börse weniger und weniger mit Wirtschaft zu tun hat, sondern mit Geldpolitik?
Wir werden in den kommenden Monaten ein paar Vergleiche erfahren, die es unwiderstehlich macht, auch an die Börse zu kommen. Neugierig?

Zahlenspiele

Der DAX liegt aktuell mit einem 2015er Kurs-Gewinn-Verhältnis von derzeit 14 (nach undurchsichtig verbogener Bilanzierung) vier Prozentpunkte unter dem langjährigen Mittel von 18, also super-dooper-billig-will-ich! Dazu gibt es eine Dividendenrendite von 2,8 Prozent. Anleihen bringen 0,2 Prozent. Das gleicht sich an… Entweder sinkt die Dividendenrendite auf das Niveau der Anleihen oder die Anleihen rentieren in Richtung der Dividendenrendite. Dass die Rendite steigt, ist eher unwahrscheinlich. Deshalb wird der DAX wohl steigen und die Dividendenrendite damit fallen.
Bei KGV 18 wird man dann erzählen, dass aufgrund der Zinslosigkeit auch ein doppelt so hohes KGV gerechtfertigt sein könnte, so wie im Jahr 2000, als der DAX mit 8.000 Punkten überbewertet war. Damals lag die Umlaufrendite noch bei fünf Prozent und auf 0,2 Prozent gedrückt wurde. Würden Aktien und Anleihen gleich bewertet sein, dann könnte der DAX problemlos auf 40.000 Punkte steigen. Die Zinsen steigen ohnehin nicht mehr, heißt es. Na, sehen Sie schon die Eurozeichen im Spiegel?

Es können aber auch nur 22.000 Punkte werden, wenn die Börse die Bewertung von 2000 wieder erreichen würde. Außerdem wird man das Mantra der Neuzeit: „An Aktien kommt niemand vorbei!“ solange wiederholen, bis jeder der felsenfesten kollektiven Überzeugung anheimgefallen ist und selbst meint, Sparen lohne nicht mehr und der Konsum zieht auch noch an und wie gewollt die Preise. Und Sie sind dann vielleicht sogar der letzte Käufer an der Börse, weil die Horde weitergezogen ist, in Richtung Gold – und damit raus aus diesem verrückten Finanzsystem. Viel Glück!



 

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6 Kommentare auf "Schön & hässlich"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Ich kann mit meinen Unzen als Altersversorgung immer ruhiger schlafen.
    Als ich mit meinen Unzen 1986 angefangen bin, habe ich nicht im Traum daran gedacht, was sich einmal für ein Kurs entwickeln würde.
    1986 haben schon alle die Menschen gelebt, die jetzt oder in den nächsten 15 Jahren (während meiner Lebenserwartung) in Rente gehen. Und es haben auch schon sehr viele Menschen 1986 gelebt, die für diese Rentner in den nächsten 15 Jahren zahlen werden.
    Jeder Hilfsschüler konnte sich damals ausrechnen, dass eine Rente, von der man leben kann, nicht mehr möglich sein wird; nachfolgende Rentenreformen, die ja auch nur Kürzungen waren, haben uns dann gezeigt wo es (noch während meiner Lebenserwartung hingeht.
    Wer dann noch in Riester und Co. einzahlt, der kann den Knall nicht gehört haben.
    Aber- es müssen ja eine Menge Papiere vorhanden sein, wenn der Schnitt (egal in welcher Form) kommt.
    Die Beiträge die in die Riesterrente gezahlt werden, werden (wenn einmal ein Vertrag doch eingehalten werden sollte) ja mindestens wieder ausbezahlt.
    Naja- wenn der Euro so weiter fällt, reicht das dann wohl am Lebensabend, für ein Essen am Abend beim Griechen.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. bluestar sagt:

    Klasse Artikel !!! Herzlichen Dank für den geistigen Genuss am Morgen !!!
    Ohne diese Seite wäre dieses Irrenhaus mit dem in den MSM verbreiteten intellektuellen Müll kaum noch zu ertragen.
    Die jetzigen Eliten sind zwar so realitätsfern und korrupt wie das SED-Politbüro, aber dafür entschlossener und skrupelloser in der Verteidigung ihrer Macht – das wird sich alsbald zeigen. Aber wie oben herrlich beschrieben, droht aufgrund unseres Bildungssystems kaum geistiger Fortschritt und deshalb stehen die Chancen für Machterhalt, Chaos, Währungszerstörung, Planwirtschaft und Staatspropaganda aus allen Rohren sehr gut.
    Lieber Frank, Du wirst also noch genügend Stoff für weitere geniale Artikel geliefert bekommen.

    VG und einen sonnigen Tag für die gesamte BHR&FM – Community

  3. FDominicus sagt:

    Ich befürchte solange die EZB noch so Geld druckt, wird es weiter gehen. Wenn interessiert schon das KGV? Wen interessiert es in manchen Städten, wieso man das 20 – fache an Jahresmiete, locker mal hinblättern kann.

    Derzeit fließt das viele schöne bunte neue Zahlungsmittel ganz klar in Aktien aber auch Immobilien. Wie lang es noch so sein wird, kann man nicht wissen.

    Wird es z.B. einen Unterschied machen wenn die ersten Ländern den EUR verlassen? Was wird passieren wenn z.B. Griechenland lapidar die Bedienung der Schulden sein lasen wird? Was wird unseren EUrokraten noch als nächstes so einfallen? Chipping als Menschenrecht? Wird die NATO die Ukraine aufnehmen? Welche Auswirkungen haben Länder wie Brasilien, Kolumbien, Venezuela aber auch Australien, Neuseeland, Japan oder China auf uns? Soviele Möglichkeiten für schwarze Schwäne, diese werden irgendwann „genutzt“ werden – und dann?

    Was können die Notenbanken noch anders machen als mehr und mehr zu inflationieren? Das ging zwar nie gut aber – dieses Mal – ist alles anders. Wie oft haben wir das schon gehört. Wer hatte uns in den 90ern Japan als Vorbild hingestellt. Mit einem Ministerium für wirtschaftlicihe Planung, was ist aus Japan geworden? Was wird aus anderen Ländern wenn dort noch mehr manipuliert wird? Alles unbekannt, nur das Ergebnis weiß man. Zahlungsmittel drucken macht genau nur wen reich?

    • stonefights sagt:

      Hallo Fdominicus,
      innerhalb der Auflistung von Ländern möglicher „Schwarzer Schwäne“ kann ich Australien und Neuseeland nicht wirklich einordnen.
      Sind mir zu diesen Ländern wichtige Informationen entgangen ?
      lg, stonefights

      • FDominicus sagt:

        In Australien gibt es Problem mit den Preisen für Rohstoffe, wie aber hier oder auf Zerohedge geschrieben wurde, ziehen die Preise für Immobilien immer noch stark an. Insgesamt gibt es aber weltweit m.E. ein Problem mit zuvielen Schulden. Sei es privat oder staatlichen. Und NZ ist insgesamt ein kleines Land wo es derzeit wohl ganz gut läuft aber wer will wissen wie es weitergeht. Überall kann im Grunde ein schwarzer Schwan auftauchen. Lass doch einfach mal nur eine der großen Banken in einem Land den Bach runtergehen. Man schaue sich mal die Auswirkungen von gerade mal LB an was ja nicht gar so gigantisch ist wie andere Banken. Weiterhin sind m.E. alle Banken unterkapitalisiert. Sollten irgendwann mal 10 % der Schuldner ausfallen, gibt es kein halten mehr. Und es wird ja durch niedrige Zinsen nicht besser mit den Schulden im Gegenteil – kostet ja nichts….

  4. Michael sagt:

    Ob wir die Spitze des Eisbergs haben erklommen werden wir noch sehen. Mich beschleicht aber doch langsam wieder der Verdacht, dass die Preise im DAX doch eher eine Resultat einer hastigen Fluchtbewegung nach vorne sind. Je eiliger der Anstieg des fröhlicher die Korrektur. In der 5 Jahressicht hat sich das Bollinger Band wieder gehoben in der Sicht auf 10 Jahre spreizen sich die Bänder auf. Die 17k im DOW haben eine gewisse Sogwirkung. Eine Seitwärtsbewegung in solch luftige Höhe ist ein Drahtseilakt. Ob jetzt nicht in der Eile die Schiffe auf hoher See wurden verbrannt … schauen wir mal und der Papagei im gebruzelten Federgewand als schwarzer Schwan aufsteigt.

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