Schockstarre inmitten von Irrungen und Wirrungen

16. Mai 2009 | Kategorie: Kommentare

Die Kreditkrise erlebte in dieser Woche einen weiteren Höhepunkt. Am Wochenende werden die Notenbanker zusammentreffen – Was für ein Moment…! Ist es ein historischer Moment?

Alan Greenspan paukte früher die Wall Street mit immer neuem Geld aus einem anstehendem Schlamassel. Jetzt tingelt er als Gast durch die Presse und Fernsehanstalten, weiter auf der Suche nach einer Art Rettung für seine angefressene Reputation. Nein, er hat diese Reputation in dieser Woche durch seine Auftritte nicht wieder erlangt, er wurde einfach in den Schatten gestellt. Was die US-Regierung mit der Schuldenübernahme für Banken plant ist viel gigantischer, als der unter Börsianern bekannte „Greenspan-Put“. Offenbar hat es im System viel heftiger gebrannt als gedacht.

Es ist eine Art Schockstarre mit zwischengeschalteten Hossiana-Gesängen, die mehr Fragen als Antworten aufwerfen. Eigentlich wundert es ja nicht, dass diese „Müllhalden-Lösung“ jetzt daherkommt, nur dass es schon so schnell gehen würde, rückt diese Woche ins Licht einer historischen Dimension. Der Dow steigt in 24 Stunden um 700 Punkte, den Rentenmarkt zerreißt es, die Zukunft des Dollars ist damit auch absehbar. Er war mal so gut wie Gold, nun wird er bald so wertvoll sein wie gerolltes Papier an einer Halterung in einem Raum, wo manche gerne Zeitung lesen. Oder aber es gelänge, andere zahlungskräftigere Staaten an der Bewältigung des Problems zu beteiligen. Machbar? Die Finanzwerte donnerten jedenfalls durch die Decke und werden durch das Verbot des Leerverkaufens zusätzlich unter Artenschutz gestellt, nun auch in Deutschland. Vielleicht wird man die Last bald auch von den US-Autobauern und Fluglinien nehmen müssen. Wer weiß? Charttechniker müssen jetzt eine ganz neue Lektion lernen. Wie verhalten sich Charts bei staatlichen Eingriffen? Was sind ihre gestern gemalten Linien heute noch wert? Ich weiß es nicht. Selbst bei den daueroptimistischsten Experten bringt der gestrige Plan jede der drei Hirnzellen in Wallung. Da kann etwas nicht stimmen.

Der US-Kongress kann die Strategie des Weißen Hauses nachvollziehen, liest man in der Zeitung „Die Welt“ Die Gier der Wall Street werde nur übertroffen durch die Dummheit des Finanzministers, schreibt die Zeitung. Dem könnte man widersprechen, denn Henry Paulson war Chef von Goldman Sachs. Wer glaubt, dass er nicht wusste, wohin die Reise früher oder später führen wird, der glaubt auch daran, dass Zitronenfalter Zitronen falten. Hank Paulson ist ein Fuchs. Nun versucht er nicht nur die Wall Street zu retten, er verschafft sich zugleich bis zu seinem Dienstende Luft und Zeit. Was danach kommt, kann ihm eigentlich schnuppe sein. Während Obama schweigt, spielen die Ereignisse den Republikanern in die Hände. McCain leiert seit Monaten immer die gleiche Platte. Auch am Montag waren für die fundamentalen Daten der US-Wirtschaft „strong“. Diesen Floh hat ihm irgendeiner ins Ohr gesetzt wo er im Stundentakt hustet. (VIDEO) Wäre die Angelegenheit nicht so lustig, man könnte heulen. Apropos Obama: Die Wissenschaftler von GEAB gehen in ihrer 27. Ausgabe davon aus, dass der nächste Präsident McCain heißen wird. Obama hatte nach Ansicht der Beobachter nur die Funktion, Hillary Clinton als Kandidatin zu verhindern. Damit hat er seine Aufgabe erfüllt, außer McCain passiert jetzt noch ein gravierender Fehler. (Nie den Plattenspieler abstellen….!)

Doch die Lage ist ernst und wirft weitere Fragen auf. Was werden die anderen Regierungen unternehmen? Die Banken befinden sich weltweit im Stresstest. Wird es ähnlichen Lösungen nach dem Vorbild USA auch in Europa geben? Wer wird sie bezahlen? Und sind die Zahler damit auch einverstanden? Es geht ja im Grunde nicht um den Zugriff auf den ohnehin leeren Steuertopf – es geht um das Machen von neuen Schulden, die von den nächsten Generationen getilgt werden müssen, wenn es nicht die Wunderwaffe der Inflation gäbe. Schulden machen und weginflationieren ist doch seit Jahren das bewährte Rezept. Doch höhere Schulden bedürfen einer noch höheren Inflation, also einer schnelleren Ausweitung der Geldmenge. Das wissen die Notenbanker und werfen einen Tender nach dem anderen in die Märkte.

Vielleicht sind deshalb am Freitag die Rohstoffpreise gestiegen, Beim Öl ging es fünf Prozent nach oben, obwohl die wirtschaftlichen Rahmendaten eher in Richtung Rezession deuten. Ist es die wieder einsetzende Flucht in Sachwerte, die die Rohstoffpreise beflügelt? Mit einen Sprung von über 100 USD innerhalb eines Tages zeigte auch Gold wieder Stärke. Doch wer sich mit dem für einige verhassten Gold schützen will wird feststellen, dass die Händler meist ausverkauft sind. Vielleicht halten sie ja auch ihre Ware zurück. Wer wollte es ihnen verdenken? Silber scheint es gar nicht mehr zu geben, jedenfalls werden kaum noch Münzen angeboten.

Eine alte Börsenweisheit besagt, man solle 10-20 Prozent des Ersparten in Edelmetallen halten, nur für den Fall der Fälle. Vielleicht ist dieser Fall jetzt eingetreten. Wie sagte einst der Persil-Mann im Fernsehen? „Da weiß man, was man hat. Guten Abend…“

(bzw. schönes Wochenende!)

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