Schock aus Schottland

13. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

Für die Inflationseffekte der Geldmengenvermehrung wird entscheidend sein, in welchem Ausmaß das QE die Geldmenge M3 ausweitet, denn M3 ist die Geldmenge, die nachfragewirksam verwendet wird.

Kaufen Banken mit dem neuen Basisgeld Euro-Staatsanleihen – neu emittierte Papiere oder Papiere, die von Versicherungen und Pensionskassen verkauft werden –, steigt die Geldmenge M1 und damit auch M3, denn M1 ist ein Teil von M3. Der ABS-Kaufbetrag der EZB schlägt eins-zu-eins auf M3 durch.

Eine Eröhung der Euro-Geldmenge erfolgt auch, wenn Banken ausländische Papiere (zum Beispiel US-Schuldpapiere) kaufen. Hier käme es zusätzlich noch zu einem Abwertungsdruck auf den Euro-Wechselkurs, weil Euro zunächst gegen Fremdwährung getauscht werden müssen.

Die erste Welle des Preisauftriebs als Folge einer Geldmengenausweitung würde sich vermutlich in den Vermögensmärkten ereignen – und zwar dann, wenn das neu geschaffene Geld verwendet wird, um zum Beispiel Aktien und Immobilien zu kaufen.

Die EZB ist in der Lage, die Euro-Geldmenge jederzeit und in jeder beliebigen Höhe auszuweiten. Sie kann damit nicht nur Deflation verhindern, sondern auch Inflation schaffen. Denn die EZB hat das Monopol der Euro-Geldproduktion. Man sollte sich also daher von der „Deflationsphobie“, die immer mehr um sich zu greifen scheint, nicht verwirren lassen.

Nullzinspolitik und unbegrenzte Geldversorgung für Banken lassen sich kaum anders deuten als die Vorstufen einer Inflationspolitik. Schließlich lautet eine berechtigte Einschätzung: Der Euroraum lässt sich nicht zusammenhalten, ohne dass der Euro nach innen und außen entwertet wird.

Euro-Schwäche setzt SNB unter Druck

Das Bestreben der Schweizer Notenbank (SNB), den Frankenkurs von der Aufwertung abzuhalten, kann für die Schweiz ruinös werden.

Um die Aufwertung des Franken gegenüber dem Euro aufzuhalten, hat die Schweizer Notenbank (SNB) bereits am 6. September 2011 einen Mindestkurs von 1,20 CHF pro Euro festgesetzt. Diesen Wechselkurs „verteidigt“ sie, weil sie fürchtet, eine Franken-Aufwertung würde der Schweizer Volkswirtschaft schaden. Wenn sich der Franken im Devisenmarkt aufwertet, kauft die SNB Euro und bezahlt die Käufe mit neu geschaffenen Franken. Durch die Euro-Käufe sind die Fremdwährungsreserven der SNB mittlerweile auf etwa 457 Mrd. CHF angeschwollen – und belaufen sich damit auf etwa 77 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsproduktes! 2007 waren es noch 9,3 Prozent.

Wenn die EZB zur Geldmengenvermehrung schreitet, drfte der Franken wieder stärker gefragt sein. Folglich könnte die SNB in die Verlegenheit geraten, noch mehr Euro aufkaufen zu müssen, um den Franken-Wechselkurs bei 1,20 zu halten. Die SNB hat sich damit auf ein heikles Unterfangen eingelassen. Denn damit ihr Wechselkursziel glaubwürdig ist aus Sicht der Finanzmarktteilnehmer, muss sie die Geldpolitik der EZB quasi bedingungslos mitverfolgen. Kämen (auch nur der leiseste) Zweifel bei den Finanzmarktakteuren auf, dass es den Schweizern irgendwann reichen wird und sie es vorziehen, den Wechselkurs frei zu lassen, um damit einer heimischen Inflationierung zu entgehen, würden spekulative Kapitalflüsse in erheblichem Umfang in Gang gesetzt werden. In der Erwartung einer kommenden Franken-Aufwertung (also des Endes der Politik des Mindestwechselkurses), würden Investoren Franken nachfragen und Euro dafür anbieten. Letztere werden von der SNB gekauft und vergrößern ihre ohnehin schon gewaltigen Euro-Bestände. Bei Freigabe des Franken-Wechselkurses verbuchen die vorausschauenden Investoren Gewinne. Bei der SNB fallen Verluste an, weil die Euro, in Franken gerechnet, dann weniger wert sind. Die Verluste wären von den Schweizer Bürgern zu tragen. Entweder in Form niedrigerer Ausschüttungen der SNB an die Kantone oder in Form einer notwendigen Rekapitalisierung der Bank auf Kosten der Steuerbürger.

Vermutlich rührt das Problem, der sich die SNB gegenübersieht, daraus, dass man Ende 2011 in der SNB glaubte, mit einem Mindestwechselkurs den „momentanen Übertreibungen“ im Franken-Euro-Wechselkurs (und so stufte man es wohl auf Schweizer Seite ein) begegnen zu können. Dabei hat man jedoch die Rechnung ohne die EZB gemacht. Mittlerweile dürfte nicht nur deutlich geworden sein, dass sich die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse im Euroraum alles andere als erfreulich entwickeln, sondern vor allem auch, dass sich die EZB von ihren vertraglichen Vorgaben und Restriktionen losgerissen hat. Nicht niedrige Inflation ist ihr Ziel, sondern der Zusammenhalt des Euroraums. Hätten die Schweizer also 2011 gewusst, von welcher Geldpolitik sie sich abhängig machen, hätten sie sich vielleicht anders entschieden. Wie dem auch sei. Wenn die SNB an ihrem Wechselkursziel festhält und die EZB mit einer großangelegten QE-Politik aufwartet, können die Beträge rasch so groß werden, dass der SNB keine andere Wahl bleibt, als den Franken-Wechselkurs freizugeben.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH



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