Schmerzen mit Ansage

11. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die letzten Wochen waren nicht nur für Aktienanleger eine wertvolle Erinnerung an die verdrängte aber reale Möglichkeit von Kursverlusten. Investoren, die versuchten, noch die letzten Zentimeter der Rallye mitzunehmen, dürften die Tage nutzen, um ihre Strategie zu überdenken...

In den ersten Quartalen des Jahres setzte sich die Kauflust privater und institutioneller Anleger bei High Yield Papieren munter fort. Jetzt gab es einen ersten mächtigen Dämpfer, der nicht nur Späteinsteiger auf dem falschen Fuß erwischte und die Liquiditätsrisiken mancher Produkte wieder in den Vordergrund rückte. Knapp die Hälfte der Abflüsse im High Yield Sektor ging auf das Konto von ETFs.

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Sollte der Druck anhalten und es nicht zu einer raschen Erholung kommen, dürfte den ETFs und ihren „normalen“ Brüdern und Schwestern eine echte Feuerprobe bevorstehen. Die guten Jahre haben manchen leider vergessen lassen, was ein Fond ist.

Ein Fonds ist nur eine Hülle, die Papiere im Bestand hält. Wenn Kunden aus diesem Produkt Gelder abziehen, müssen die Papiere an irgendjemand anderen verkauft werden. Da die Flows dummerweise für fast alle Vehikel nur eine Richtung kennen, bieten die Vehikel die Preise entweder gemeinsam hoch oder sind als Gruppe unterwegs und suchen Käufer.

Angesichts der immer noch ausgetrockneten Handelsbücher der Banken und der überaus aggressiven Allokation vieler Pensionskassen und Fonds stellt sich die Frage, wer denn als Käufer überhaupt in Frage kommt. Auf dem aktuellen Niveau dürfte es schwer sein, großzügige Abnehmer für nennenswerte Positionen zu finden. Schlussendlich wird diese Frage folglich wie immer über den Preis beantwortet werden.

Wer sich später über Hedge Funds oder gar „Geier“ beklagt, die die Bestände zu deutlich tieferen Preisen erwerben, der muss sich an die eigene Nase fassen und im Brockhaus den Begriff „Eigenverantwortung“ nachschlagen, falls dieser in der deutschen Ausgabe überhaupt noch enthalten ist.

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Der Blick auf die letzten Jahre mit dem drastischen Einbruch der Junk Bonds in den Jahren 2008 und 2009 zeigt die Risiken der Assetklasse, wenn es einmal etwas härter zur Sache geht. Diese Daten sind gratis und öffentlich für jedermann einsehbar.

Die Ausfallraten stiegen auf mehr als 20%, ein Wert der außergewöhnlich ist und nicht in jeder Rezession zu erwarten ist, den man aber auch niemals ausschließen kann. Investoren schnitten übrigens besser ab, als der bloße Kursverlauf vermuten lässt, da die Fonds die laufenden Erträge ausschütten. Ganz so arg hat es die meisten bisher also nicht erwischt, aber die Frage, wie man eigentlich gedenkt, aus der Anlageklasse herauszukommen, steht erst einmal im Raum.

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Der Zeitraum nach dem scharfen Einbruch war nach anfänglicher Zurückhaltung, wie sie typisch für Bodenbildungen ist, geprägt von neuen Emissionsrekorden. Im letzten Jahr konnte dann so gut wie jeder Emittent mit noch so schlechter Kreditqualität seine Anleihen platzieren. Das war kein gutes Zeichen, denn die fehlende Sorgfalt von heute ist stets die Basis der Probleme von morgen.

Auch ETFs haben sich im High Yield Bereich breitgemacht. Die Anbieter werben mit der täglichen Handelbarkeit der Produkte, die oft in der Tat gegeben ist. Niemand sollte sich jedoch dadurch von den immanenten Problemen vermeintlich liquider Anlagevehikel, die auf illiquiden Anlagen basieren, ablenken lassen. Was bei allzu großer Sorglosigkeit passieren kann, sollte Investoren nicht erst seit dem Debakel der „offenen“ Immobilienfonds bewusst sein, von denen einige derzeit abgewickelt werden.

Diese Lektion lernen nun auch Pensionskassen, die auf der Suche nach Rendite in schlechtere Qualitäten und längere Laufzeiten drängten. Rein kommt man in diese Märkte immer, man muss nur genug Geld auf den Tisch legen. Mit dem Herauskommen sieht das schon anders aus. Viele Verantwortliche Kassen dürften nach den Bewegungen der Aktienmärkte und den Liquiditätsproblemen bei illiquiden Anleihen und Kreditprodukten einige Sorgenfalten im Gesicht haben. An Warnzeichen war wie immer kein Mangel (Vor dem Jadgunfall), der Anlagedruck und die positiven Marktbewegungen der Vergangenheit lullten jedoch viele Anleger ein. Die Quittung ist in Vorbereitung… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Schmerzen mit Ansage"

  1. Ankap sagt:

    Man kauft doch einen Bond ETF nicht hauptsächlich wegen den möglichen Kursanstiegen, sondern wegen den Ausschüttungen. Ist jedenfalls mein Vorgehen.

  2. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Ankap,

    das können Sie natürlich tun, allerdings sollte man nicht vergessen, wie groß die Anteile der Kursgewinne und der Ausschüttungen bei Bonds in den letzten Jahren waren. Der Großteil der Gewinne der letzten Jahre basierte auf Kurssteigerungen durch sinkende Spreads und fallende Zinsene. Die Coupons machen nur einen relativ kleinen Anteil aus. Wieviel von den Kursgewinnen bleibt hängt von der Änderung der beiden Parameter und der Liquidität ab. Die Zinszahlungen von mehreren Jahren kann man so innnerhalb von ein paar Wochen locker abgeben.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

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