Schmeiß die Glaskugel an…

27. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Zwischen Prognosen, Kurszielen und Astro-TV besteht durchaus eine sehr enge Verwandtschaft. Vieles entpuppt sich dann später als Wunsch und Unsinn. Zudem wird ständig alles korrigiert, weil es offenbar nicht stimmt…

Kürzlich hieß es schon wieder, der Aufschwung würde jetzt richtig Fahrt aufnehmen und spätestens 2015 in den Flüssen dann Milch fließen und von den Bäumen Honig tropfen. Nun aber rechnet die Bundesbank mit einer Stagnation im abgelaufenen zweiten Quartal.

Doch der Spaß geht weiter. Die Konsumstimmung ist weiter geklettert. Diese wird durch die Erwartungen an das Einkommen angefeuert. Laut GfK-Konsumforschung liegt diese Einkommenserwartung der Deutschen auf dem höchsten Stand seit der Wiedervereinigung – wobei Hoffnung hier wirklich angebracht scheint. Am meisten freut dann sich der Fiskus, wenn die Einkommen wirklich steigen sollten.

Und was war das? Hoppla! Der ifo-Index fiel jetzt zum dritten Mal in Folge. Nach alten Lehrbüchern, (wo sind die eigentlich?) bedeuten drei Rückgänge in Folge Rezession in der Zukunft. Die Experten zeigten sich enttäuscht, verständlich, wenn sie sich ständig täuschen. Der Börse war das am Berichtstag aber wie üblich egal. Je mehr sie Mut schöpfte, desto mehr Optimismus fanden auch die Experten. Sei`s drum. Börse hat heute weit weniger als früher mit Wirtschaft zu tun. Sie hängt eher am Geldtropf der Notenbanken.

Haben Sie den Euro gesehen? Wieder wurde ein weiteres Prozent Kaufkraft erfolgreich geschreddert. Einige Rufe nach Schwäche verursachten wahre Wunder. Selbst unser Finanzminister sagte durch die Blume, der Euro wäre zu teuer. Frankreich möchte den Euro gerne zehn Prozent tiefer sehen, so bei 1,20 und damit auf dem Niveau, wo die sogenannte „Eurokrise“ tobte. Damals, bei 1,20 kam der Rettungswagen, allerdings weniger dem Euro zu Hilfe, sondern mehr den Banken.

Dennoch wohnt Prognosen ein seltsamer Zauber inne, vor allem, wenn sie als Propaganda statt Wegweiser daher kommen. Kollektive Täuschungen und lauter Krach gehörten schon immer zum Zeitgeist. In Grimms Märchen gab es wenigstens ein Happy End, im Gegensatz zu Märchen aus der Wirtschaftswelt. Man sollte die Glaskugeln vom Tisch rollen lassen und den vielen Leuten in den Lotto-Abteilungen einen besseren Job geben.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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2 Kommentare auf "Schmeiß die Glaskugel an…"

  1. bluestar sagt:

    Die Prognosen unserer Politiker, Experten und Statistiker waren alle vollkommen richtig. Was will man denn machen, wenn uns und den anderen Staaten der prosperierenden EU dieser Kriegstreiber, Dämon und Diktator Putin völlig unerwartet und überfallartig zu wirtschaftlichen Sanktionen zwingt ?
    Zur Rehabilitation unserer Experten und zur Freude unsere allseits geliebten Besatzungsmacht sollte man weitere Sanktionen prüfen…

  2. Michael sagt:

    Die Kronen Zeitung wird gekauft aus 2 Gründen.
    a) Die zart bekleidete Dame zu Beginn des Hefts
    b) wie alle anderen Zeitungen ob des Horoskops

    Will man Ökonomie breitenfähig machen reicht nicht der Ersteller des Ifo-Index, denn dem fehlen in der Tat zwei überzeugende Argumente. Deswegen ist auch ifo Index nur bedingt aussagekräftig.

    Prognosen sind schwer. Chartechnik ist ein sehr kurzfristig orientierter Ratgeber.

    Ich such mir Charts auf 10 Jahres Sicht – Linien. Suche mir 2 annähernd gleich hohe Tops hintereinander. Nenne das Häschenohrenformation und male lustige Augen rein. Schauen die Augen nach links ist es zumeist ein Anstieg, das Häschen schaut runter in die Vergangenheit. Bei Aktien in 2008 und jetzt auch im DAXK eher der Blick gegen Westen, das Häschen schaut in die weite Ferne den Anstiegen in 7 Jahren entgegen oder weiter in die Ferne. Zumeist geht es runter, man kann erst nach ein paar Prozent Korrektur Augen reinmalen zumeist ist dann bereits der Abwärtstrend intakt. Wenn der bullische Investor bereits der Gehörnte ist, wäre meine Interpretation. Der Bulle im Geröllfeld wehrt den Bären im Runterrutenschen noch ab respektive versucht dies. In Aktienkursen gibt es kein Häschen das jemals runter schaute gegen Westen.

    Aber der EUR ist 2008 hat so eine Formation ausgebildet und jetzt in 2014 genauso wie der DAX-K.

    In Wahrheit braucht man allein die Mengen zu kennen und dann gilt an sich noch immer der Zyklus vom Kostolany. Geringe Umsätze stagnierende Kurse und die Preise gehen gemütlich runter mit zunehmenden Mengen. Muss man halt den automatisierten Handel rausrechnen. Schwer einzuschätzen ist das große Bild. Das scheint verzerrt.

    Auf Ebene der Volkswirtschaft ist schätzen eher schwer. Die Wachstumsprognosen je nach Ermittlungsart inbesondere jene bei der ein Quartal wird ersetzt und Vergangenheit schwächer gewichtet hängt immer von den Quartalanstiegen der Vergangenheit auch mit ab. Politisch wird die passende Zahl losgelöst von der angewandten Methodik kommuniziert. Da gibt es interessante Spielereien.

    In einem Unternehmen, selbst bei einem kleinem ist der Umsatz ist nicht konstant verteilt auf 12 Monate auflaufend aber erstaunlich stabil über die Jahre.

    Die Schlechterverdiener brauchen ein höheres Einkommen die haben mehr Bedarf oder Schulden. Da soll sich ja keiner beschweren, denn es ist schon die Wirtschaft die die Zeitpräferenz versucht zu manipulieren und die Banken die damit ein Geschäft machen. Irgendwann müssen die zurückgeben. Es reicht nicht ein Finanzierungsangebot für jene zu machen die bis dato nicht die Möglichkeit hatten zu sparen. Das Pferd am falschen Ende aufgezäumt. Der Mensch wird sich nicht an Überflussproduktion anpassen, das wären die Flüsse in denen Milch fließt und der Honig ergänzt um die Taube die in den Mund fliegen auf Kredit. Der Mensch denkt in Mangel und wer das nicht tut.

    https://www.youtube.com/watch?v=bb6cBKE3WzQ

    Eine Zeitpräferenz die eher davon ausgeht, ‚Später ist besser‘ ist durchaus attraktiv. Sie kaufen sich die Produkte, wenn sie reifer sind. In dem Punkt unterscheiden sich Elektronikgeräte und Äpfel auch wenn man von beiden die Fingern lassen sollte wenn sie noch zu frisch sind. Erst dann hat man die Auswahl, da man auch selbst die Wahl hat ob des gesparten, und die ist weniger ‚falsch‘. Wer zu bald kauft, beißt in einen wenig sauren Apfel aber nicht unbedingt in die reife Frucht.

    Der Säuregehalt des Apfel nimmt bei Aktien gemessen auf den letzten Tiefpunkt mit der Zeit zu. In dem Fall ist die Reife der günstige Preis, da die Frucht erst kurz zuvor vom Baum fiel. Wer Aktien zu spät kauft klettert weit nach oben und erwischt den sauren Apfel in den er beißen muss, da ihm die Früchte nach dem Fall zu minder sind, obwohl sie durchaus wohl munden.

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