Schlimmer geht’s immer: Karlspreis 2014

10. Dezember 2013 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Haben Sie am 29. Mai 2014 schon etwas vor? Es ist ein Donnerstag, den Sie sich dringend frei halten sollten. Legen Sie Taschentücher bereit zum Weinen und reichlich Wink-Elemente. Machen Sie ihren Fernsehsessel kuscheltauglich. Und stellen Sie Sekt kalt, denn es wird gefeiert… Der Karlspreis zu Aachen…

And the Winner is… Herman van Rompuy. Applaus! Applaus! Applaus!

Mein Kollege Rott hatte 2011 schon diese Überschrift „Schlimmer geht`s immer“ gewählt. Damals bekam Jean Claude Trichet den Karlspreis für seine Rechtsbrüche in der EZB. Wir waren uns einig, diese Überschrift ab jetzt jedes Jahr benutzen zu können. Voilà!

Wer von diesem Mann „Herman van Rompuy“ noch nie etwas gehört hat, hat viel verpasst. Man sieht ihn selten, aber seine Macht ist zu spüren, ohne dass ihn jemand gewählt hat. Bei Kaiser Karl war das ähnlich. Das ist aber auch die einzige Gemeinsamkeit, was diesen Preis betrifft. Was sagen eigentlich die Leute aus Aachen? Aaaaaach? Sind sie stolz?

Doch diesmal war es anders. Keine Schlagzeilen, keine Breaking News, nichts in Rot, keine Unterbrechung des TV-Programms. Van Rompuy bekommt den Preis. Basta. Ich erzählte es am Wochenende aufgeregt meiner Nachbarin. Sie sagte, sie esse kein Fleisch. Hallo? Van Rompuy ist kein Steak, sondern der Präsident des Europäischen Rates. Also etwas Rätselhaftes und dazu in der Bevölkerung völlig unbekannt. Rätselhaft ist auch, ob diesen Preis überhaupt inzwischen jeder annehmen würde, er sozusagen eine Ehre ist.

Im Kreise von EU, EZB und des Euro scheint man wild darauf zu sein, sich gegenseitig mit Preisen auszuzeichnen. Wofür ist Aachen sonst bekannt außer für Aachener Schokoprinten? Einmal im Jahr schaut man hin. Und dann wieder weg. So ein Preis steigert zudem den Marktwert der Empfänger. Vor allem geht es ja um Krieg und Frieden – oder so ähnlich. Aber sei’s es drum.

Wenn Sie mich fragen, ich hätte diesen Preis dem Ätna dafür verliehen, dass er dieses Jahr nicht ausgebrochen ist. Aber wer ist wirklich gefährlicher?

Vorsorglich hatte ich Tränen in den Augen wie die nordkoreanischen TV-Ansagerinnen. Zugleich fragte ich mich, was diesen van Rompuy auszeichnet. Ich weiß es immer noch nicht. Er wahrscheinlich auch nicht, der arme Mann. Er gilt als stiller Arbeiter im Weinberg der EU und wird zugleich der Gruppe der alternativlosen Weltverbesserer zugerechnet. Doch Moment, das Komitee zur Ermittlung geeigneten Personen für diesen Preis muss doch irgend eine Begründung für die Zusage des Preises geliefert haben. Hier werden wir fündig…

In Würdigung seiner bedeutenden Verdienste als Mittler und Konsensbildner und zugleich als wichtiger Impulsgeber der europäischen Einigung ehrt das Direktorium der Gesellschaft für die Verleihung des Internationalen Karlspreises zu Aachen im Jahr 2014 den Präsidenten des Europäischen Rates Herman Van Rompuy.

Ein Impulsgeber? Die aus der Steckdose sind nun wirklich wirkungsvoller.

Ich weiß nur, dass die EU Geld einsammelt und es dann wieder an andere verteilt. Das mag christlich wirken, hat aber auch sektenartike Züge – versehen mit der Lizenz, sich die eigenen Gesetze zu schreiben und diese später auch wirkungsvoll zu verteidigen. Oder, der EU-Bürger muss einfach nur zu seinem Glück gezwungen werden.

Pragmatisch und handlungsstark, mit großer Integrität und Integrationskraft leistet er durch die Ausfüllung dieses neu geschaffenen Amtes einen maßgeblichen Beitrag zur Konsolidierung und Weiterentwicklung des Vereinten Europas.

Das alles erinnert mich an die letzten Jahre in der DDR. Kein Ochs noch kein Esel hat die Weltverbesserer dort aufgehalten. Die Mitglieder des Zentralkomitee haben sich gegenseitig Preise verliehen. Alles blieb sozusagen im Kreise der Familie und der Elite, so vermeintlich sie auch war… Sie feierte sich selbst. Und dann gab es heiße, tiefe und nasse Brüderküsse. Das kann ja noch kommen. Marx war damals die gängige Theorie  – und Murx die allgegenwärtige Praxis. Wobei sich an dieser Stelle der Kreis wieder zu schließen scheint… (Seite 2)

 

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9 Kommentare auf "Schlimmer geht’s immer: Karlspreis 2014"

  1. FDominicus sagt:

    Schön, daß Herr Meyer zurück ist. Einfach nur billant. Rompuy vor. Das ist ja „so“ schön.

  2. FDominicus sagt:

    Ich glaube, ich habe etwas aus der Kategorie: „Schlimmer geht immer“ gefunden:
    http://www.ortneronline.at/?p=25895

    Sieht für die „Österreicher“ gar nicht gut aus 🙁

    • stephan sagt:

      @FDominicus:

      Aus dem Artikel: „Die Lobby der von Arbeitslosigkeit bedrohten Politologen hat ihr nämlich mit Erfolg einreden können, dass es „schulautonom“ zu einem eigenen Gegenstand „Politische Bildung“ kommen wird.“

      In der DDR nannte sich dieses Fach „Staatsbürgerkunde“ und wurde kurz und verächtlich „Stabü“ genannt. Ich kenne niemanden, der den Inhalt dieses Unterrichts für Ernst genommen hat. Der allgegenwärtige Eindruck der realexistierenden Missstände war dann doch zu übermächtig.

      Weiter im Artikel: „Es wird einen einzige Effekt haben: Die Linke bekommt einen neuen Hebel zur Indoktrination der Schüler in die Hand.“

      Genau das war ja auch Sinn und Zweck des Stabü-Unterrichts in der DDR: Das versiffte, nicht überlebensfähige, linke System als das überlegene in die unbedarften Kinderköpfe einzutrichtern. Damit diese dann für den sozialistischen Arbeiter- und Bauernstaat kämpfen. Immerhin ist festzustellen, dass der Erfolg damals eher unterdurchschnittlich war: Es gab trotz Stabü nur wenig „rot Verstrahlte“. Bei der heutigen, großteils vollverblödeten Jugend bin ich mir nicht wirklich sicher, ob diese derartige Propaganda-Attacken durchschauen und geistig abwehren kann.

  3. humanearth sagt:

    Vielen herzlichen Dank , Herr Meyer.
    Der Artikel hätte von mir stammen können. Diese permanente Lobhudelei dieser unsäglichen selbsternannten EUkraten ist für mich kaum noch zu ertragen.
    Dieser Apparatschik , der ein Heer von 50.000 Beamten zu den Seinen zählt gehört auf den Scheiterhaufen der Geschichte gebannt. Die sind doch völlig indoktriniert.

    Ich empfinde diese EU in der jetzigen Form als Diktatur einer Clique von Geldhändlern die uns in Geißelhaft genommen hat. Sie werfen eine Münze und bei Kopf gewinnt die Bank und bei Zahl verliert der Steuerzahler.
    Die blaue Fahne mit den 12 Sternen spricht doch Bände. Sie bilden einen Ring uns alle zu knechten. Schuldenvergemeinschaftung zu Gunsten der globalen Hochfinanz. Verschwörungstheorie hin oder her , aber genau so steht es in den Protokollen der Weisen von Zion. So ein Zufall .

    Noch ein Wort zum “ Money-Fest „. Finde ich mutiger als beispielsweise Cash /Crashkurs von Dirk Müller. Meine Hochachtung dafür , die Dinge beim Namen zu nennen.
    Denn wer die Wahrheit spricht, braucht in der Regel ein schnelles Pferd.

    Ich bin euch für eure Seite sehr dankbar , finde ich hier doch regelmäßig Brüder im Geiste. Ihren Artikeln kann ich sehr viel abgewinnen und sie versüßen mir teilweise mein Dasein in einem tristen Europa. ( Frieden und Wohlstand — selten so gelacht )

    Mit besten Güßen
    humanearth

  4. wolfswurt sagt:

    Man kann diese ganze Schimäre nur noch kommentieren mit: Als ich geboren wurde, dachte ich das Licht der Welt zu erblicken. In Wirklichkeit war es das Licht einer Petroleumfunzel.

  5. bluestar sagt:

    „Narren mit selbst ausgestellter Macht“
    Narren ist korrekt, selbst ausgestellte Macht nur teilweise. Immerhin wurden einige der Preisträger vom Volke gewählt. Aber in einem Irrenhaus spielt das auch keine Rolle mehr.

  6. Lickneeson sagt:

    Trauergestalten, die keinen Preis verdienen, gibts ja leider genug. Da ist die Kunst, einen auszuwählen auch beinahe preisverdächtig. Martin Schulz, den Robin Hood , der in Brüssel für die Entrechteten kämpft, oder Markus Lanz, der dafür sorgt, das Millionen von Menschen samstags ab 20 uhr wieder etwas sinnvolleres mit ihrer Freizeit tun als fern zu sehen.

    Der Alltag wird immer mehr zur Ablenkungssoap für uns Dummbürger, man sollte Zeitungen und andere „Infoorgane des Klamauks“ abbestellen und in Griechenland Ziegenkäse herstellen – da is wenigstens das Wetter schön.

    MfG

  7. Rheinaue sagt:

    Gibt es noch Hoffnung, daß die europäischen Völker aufwachen und erkennen, wohin uns all die selbsternannten EU- Eliten führen wollen ? Keiner soll glauben, daß hier nur lupenreine Demokraten am Werk sind. Auch dann nicht, wenn sie mit dem Karlspreis ausgezeichnet werden.
    Dessen Initiator , Dr. Kurt Pfeifer hat die Zielsetzung 1949 unter anderem so formuliert: „Er ( der Karlspreis) zielt auf freiwilligen Zusammenschluß der europäischen Völker, um in neu gewonnener Stärke die höchsten irdischen Güter- Freiheit, Menschlichkeit und Frieden- zu verteidigen, …“ Im krassen Gegensatz dazu steht der nun geehrte EU-Ratspräsident van Rompuy. In seinem Positions- papier von 2012 läßt er wie folgt aufhorchen: „ Die nationalen Parlamente handeln nicht im Interesse der EU und sollten daher in ihrer Bedeutung deutlich zurückgedrängt werden.“ Man staunt über Herman van Rompuy, daß die demokratisch gewählten nationalen Parlamente, die die Interessen ihrer Völker vertreten, nicht im Sinne der EU handelten. Was nimmt sich dieser EU – Bürokrat eigentlich heraus ? Der britischen EU- Parlamentsabgeordneten Nigel Farage titulierte ihn darauf als „ stillen Meuchelmörder der europäischen Demokratie“. Die Souveränität der einzelnen europäischen Staaten wird sukzessive unterhöhlt und abgeschafft und das nicht erst seit dem willenlosen Durchwinken von ESM und diversen Rettungsschirmen. Wenn man näher hinschaut,stellt sich die Frage nach der Demokratie , mindestens in Deutschland bereits bei derartigen Einheitsbeschlüssen des Parlaments. Ist das alles wirklich Volkes Wille ? Der ehemalige Chef der Euro- Gruppe und Kollege von Herman van Rompuy, Jean-Claude Juncker hat sich 1999 sehr treffend geäußert: „ Wir beschließen etwas, stellen das in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ Die Äußerung eines wahrhaftigen Demokraten, Johann Wolfgang von Goethe, sollte uns hier eindringlich Warnung sein: „Wer in der Demokratie schläft wacht in der Diktatur auf.“

    • bluestar sagt:

      Ja, der Spruch vom klugen Goethe gilt heute mehr denn je. Leider scheint das deutsche
      Volk zu schlafen. Während immer mehr Rechte und Freiheiten an das Politbüro in Brüssel abgegeben werden, über den ESM das deutsche Volk in Geiselhaft genommen wird, Enteignungsstrategien durchgespielt werden, Recht und Gesetz nach Belieben gebeugt und gebrochen wird, die flächendeckende Bespitzelung eingeführt wird,
      zeigt sich immer noch keinerlei Widerstand. Was muss eigentlich noch passieren ?
      Um die Masse total zu verblöden und von eigenen Problemen und Absichten abzulenken werden penetrant in den Medien ein Betrüger und Ex-Oligarch zum Helden für die Freiheit hochstilisiert und russische Pussyweiber als Rettung der Demokratie verkauft.

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