Schlechte Karten für Crocodile Dundee

25. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Bankhaus Rott) Abwärts immer ist derzeit das australische Zinsmantra. Die letzte Zinssenkung der australischen Zentralbank um ein halbes Prozent ist ein weiteres Zeichen dafür, wie angespannt die Situation down under ist. Der Versuch, einen heiß gelaufenen Immobilienmarkt gesund zu spritzen, wird auch in Australien nicht gelingen. Richtig spannend wird es für Bürger und Banken dann, wenn der nur noch schwach glänzende Lack der Rohstoffexporte stärkere Risse bekommt…

Die Australische Zentralbank senkte den Leitzins am 1. Mai erneut. Die Maßnahme war deutlich, die Bank setzte die maßgebliche Cash Rate um 50 Basispunkte auf jetzt 3,75%. Vom Höchststand der letzten Dekade bei mehr als sieben Prozent ist man weit entfernt. Selbst von den in der kurzen Wirtschaftserholung erreichten 4,75% hat man sich mit dem letzten Zinsschritt nun ein volles Prozent entfernt. Zuletzt gab es eine Zinssenkung von mehr als 25 Basispunkten übrigens im Februar 2009, seinerzeit ging es um ein Prozent runter.

Glenn Stevens, Governor der australischen Zentralbank, begründete die Entscheidung mit einer „schwächer als erwarteten wirtschaftlichen Bedingungen“. Sonderlich überraschend sollte für Herrn Stevens und seine Kollegen zumindest der Abschwung auf dem fünften Kontinent nicht sein. Seit mehr als einem Jahr ist in Australien die Luft raus. Auch der überhitzte Immobilienmarkt bröselt , eine Entwicklung, die nicht nur Banken vor Ort Sorge bereiten wird.

Ob die Zinssenkung den allgemeinen Trend zum Deleveraging bremsen kann, ist fraglich. Der Trend seit Krisenbeginn ist eindeutig.

Probleme australischer Banken träfen nicht nur die Institute selbst, sondern naturgemäß auch die Fremdkapitalgeber, und die sind über den Globus verstreut. Die australischen Institute erfreuten sich bei Anleiheemissionen in den vergangenen Jahren einer regen Nachfrage ausländischer Investoren, die Alternativen zum Kauf europäischer Bankpapiere suchten. Pensionskassen, Versicherungen und Banken im Euroraum saugten sich mit den in Euro denominierten Papieren der australischen Großbanken voll, ungeachtet der im globalen Vergleich niedrigen Risikoprämien. Gut für die Banken, schlecht für die Investoren. Die Aufblähung der Bilanzen der australischen Banken ist nicht zu übersehen.

Auch down under machen die Finanzunternehmen augenscheinlich keine halben Sachen. Das Volumen der Anleiheemissionen des Sektors legte seit dem Jahr 2000 auf dem heimischen Markt um rund 600% zu, auch auf dem Auslandsmarkt war der Zuwachs mit circa 330% beachtlich… (Seite 2)

 

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5 Kommentare auf "Schlechte Karten für Crocodile Dundee"

  1. […] Rott & Meyer: Schlechte Karten für Crocodile Dundee […]

  2. khaproperty sagt:

    Alles richtig und schlecht soweit. Aber:
    Australien ist weder mit USA noch EU oder BRICS zu vergleichen.

    – Eigene und gesunde Währung,
    – relativ tragbare Verschuldung,
    – dünne Besiedlung,
    – riesige Rohstoffvorkommen in der Nähe des größten Verbrauchers China
    – sowie stabile politische Verhältnisse
    – ohne übermäßig hohe private Verschuldung
    – nebst gestandenem Selbstvertrauen der Menschen dort

    garantieren, daß man auch mit ernsteren Problemen fertig werden kann.

    Zwar gehen die exorbitanten Wachstumsraten in China zurück, in Realiter wohl bereits gegen Null (d.h. unter die offiziösen 6%), dennoch werden dort (und anderswo) immer noch erkleckliche Mengen Rohstoffe aus Australien importiert. Konkurrenz aus China etwa ist daher auf absehbare Zeit nicht zu erwarten

    Es ist demnach nur ein Rückgang der riesigen Zuwachsraten zu erwarten, was normalisierende Effekte in der heißgelaufenen Rohstoffindustrie des Landes haben sollte.

    Alles in Allem also eher eine Verschnaufpause mit gesundheitsfördernder Beruhigung. Ein paar Tausend Pleiten und Preisnormalisierungen sind eher kaum der Rede wert und von vorteilhafter Wirkung auf die Psyche.

  3. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo khaproperty,

    die eigene Währung ist in der Tat ein großer Vorteil. Das gilt auch für die Rohstoffvorkommen, selbst wenn – wie Sie ja richtig anmerken – das chinesische Wachstum eher bei Null liegen sollte, als bei den offiziellen Zahlen.

    Bei der Verschuldung allerdings stehen die Australien vielen anderen Ländern in nichts nach.

    Schaut man sich die Gesamtverschuldung aller Sektoren zum BIP an, ist die Lage in Australien ein ziemlich genaues Abbild der Situation in den USA. Das Verhältnis lag per Ende 2011 bei 277% (USA 279%, BRD 278%, Italien 314%, Spanien 363%, UK und Japan > 500%). Die Verschuldung der privaten Haushalte liegt mit 105% zum GDP deutlich höher als in den genannten Ländern, nur in UK liegt sie höher.

    Problematisch wird es für das ökonomisch recht kleine Land, wenn die Banken in Schwierigkeiten kommen, was angesichts des Immobilienmarkes schon begonnen hat.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    P.S: Besonders wacklig ist die Situation in Irland. Der vermeintliche Erholungs-Weltmeister weist eine Gesamtverschuldung von mittlerweile über 650% des BIP auf.

    • khaproperty sagt:

      @ bankhaus rott:

      Schon richtig, daß die addierte Verschuldung recht hoch ist.
      Sie läßt sich jedoch angesichts der relativen Unabhängigkeit vom Ausland sowie der auch daraus resultierenden Gestaltungsfreiheit im Inland leichter in den Griff bekommen als etwa die auswärts recht schuldabhängige USA, die Euro-gelähmte EU oder gar Japan, das zwischenzeitlich (wenn auch vorwiegend binnenverschuldet) auf 8000 Zähler im Nikkei zusteuert und damit die dort notierten Sicherheiten und Rücklagen seiner Ökonomie in Gefahr geraten wegen der dann nötigen Bewertungskorrekturen.

      Also: nur keine Panik in Aussieland.

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Keine Sorge, wir neigen nicht zur Panik und erfreuen uns eines wenig volatilen Pulses. Wenn finanziell betrachtet kein Schönheitswettbewerb sondern ein ugly contest stattfindet, dann darf man auch alleine nach Hause gehen 🙂

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