Schlecht ist gut – Wie lange noch?

2. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Claus Vogt – In den vergangenen Tagen und Wochen wurden nahezu weltweit schwache Wirtschaftsdaten veröffentlicht. Sowohl die Unternehmensgewinne als auch die gesamtwirtschaftlichen Kennzahlen enttäuschten auf breiter Front. Jüngstes Beispiel: die Einkaufsmanagerindizes für China, Europa und die USA. Diese wichtigen ökonomischen Frühindikatoren signalisieren für Europa nicht nur eine Fortsetzung der Rezession, sondern ihr Übergreifen auf die bisher weitgehend verschont gebliebene deutsche Wirtschaft…

Für China und die USA deuten die Indikatoren auf einen Abschwung hin, haben aber noch kein Rezessionsniveau erreicht. Ihr deutlicher Rückgang spricht allerdings klar gegen die aktuelle Mehrheitsmeinung, die für beide Länder einen Aufschwung im zweiten Halbjahr erwartet. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren, wird sich diese Erwartung wohl wieder nicht erfüllen.

Aktienmärkte reagieren euphorisch auf schlechte Wirtschaftsdaten

Wer nur auf die Aktienmärkte blickt, bekommt von dieser traurigen Entwicklung allerdings nichts mit. Hier scheint die Welt – mit der bemerkenswerten Ausnahme Chinas – rundum in Ordnung zu sein. Und die Börsen Europas und der USA reagierten auf die jüngste Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes sofort mit einem euphorischen Kursfeuerwerk.
Schlecht ist gut, heißt derzeit offenbar die Parole an der Börse. Denn eine schwache Wirtschaft, so die Logik, wird die Zentralbankbürokraten zu einer Fortsetzung beziehungsweise Ausweitung ihrer ultra-expansiven Geldpolitik animieren. Und das sei rundum bullish für die Aktienmärkte.

DAX, Momentum-Oszillator, 2012 bis 2013

Verkehrte Welt: Der DAX reagierte mit einem Kurssprung auf die Veröffentlichung von Einkaufsmanagerindizes, die sich auch für Deutschland auf Rezessionsniveau befinden. Quelle: www.decisionpoint.com

Die Abkoppelung der Aktienmärkte wird nicht von Dauer sein

Kann diese Logik wirklich stimmen? Wird sich die Börse dauerhaft von der ökonomischen Realität abkoppeln können? Werden die nach bewährten Kennzahlen der Fundamentalanalyse eindeutig überbewerteten US-Aktienmärkte trotz bereits stagnierender Unternehmensgewinne weiter steigen? Wird die US-Wirtschaft, die immer noch die Konjunkturlokomotive der Welt ist, den schmerzhaften Steuererhöhungen trotzen, die seit Anfang des Jahres in Kraft sind? Und wird die in diesem Zyklus auf Rekordniveau gestiegene Gewinnmarge des Unternehmenssektors, die sich rund 70% über ihrem langfristigen Durchschnitt befindet, dauerhaft in diesen luftigen Höhen verharren? 

Ich glaube all das nicht. Denn alle diese Fragen hängen mehr oder weniger eng miteinander zusammen und laufen auf die entscheidende Kernfrage hinaus, die da lautet: Hat sich der hemmungslose Einsatz der Gelddruckmaschine, der in der Vergangenheit stets in der Katastrophe endete, in den Händen Ben Bernankes zu einem wundersamen Allheilmittel verwandelt?

Nein, natürlich nicht, werden die 48 Millionen US-Bürger sagen, die zum Überleben auf staatliche Lebensmittelmarken angewiesen sind.

Ja, natürlich, scheinen hingegen die Aktionäre auszurufen, deren Aktiendepots sich endlich wieder auf dem Stand von 2007 oder 2000 befinden. Diese Echoblase, so müssen sie wohl glauben, wird nicht platzen, weil Bernanke, Draghi, Kuroda und Konsorten den Umgang mit der Gelddruckmaschine mit einer Virtuosität beherrschen wie niemand jemals zuvor… (Seite 2)

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