Schlafschafe aufgepasst!

5. Mai 2016 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Dienstägliche Sonntagsreden

Zum Tag der Pressefreiheit am Dienstag konnten wir erfahren, wie schlimm es doch anderswo um die Presse stehe und wie aufgeräumt unser eigenes Haus doch sei. Wirklich? Die Verfasser dieser dienstäglichen Sonntagsreden versuchten sich in dem Spagat zwischen ein bisschen kritisch, aber im Grundsatz linientreu…

Besonders abstoßend ist das bei den Angehörigen des Staatsfunks („öffentlich-rechtlicher Rundfunk“), die sich Arbeitsplatz und Einkommen von der Politik per Staatsvertrag absichern lassen. Sie sind jener Teil unserer ach so „freien Presse“, der noch nicht einmal Manns genug ist, sich dem freien Markt auszusetzen.

Gangsters Darling

Am Mittwoch war dann wieder „Business as usual“ angesagt. Im „Morgenmagazin“ der ARD konnte man eine Posse der besonderen Art bestaunen. Es ging um die geplante Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Eine Kopie davon wurde in die Kamera gehalten, weil in echt haben den die Moderatoren, wie auch alle anderen anständigen Menschen bekanntlich noch nie gesehen. Nur für Kriminelle und Steuerhinterzieher sei der Schein aufgrund seines geringen Packmaßes überhaupt interessant.

Erwartungsgemäß sparte man nicht an Zoten über Bargeld und Koffer. Das gipfelte in einem kurzen Einspieler: Dort wurde demonstriert, wie mühelos sich mit dem schwerstkriminellen Geldschein sogar eine Million Euro in einem Kleinwagen über die Grenze in Richtung Schweiz oder Liechtenstein bringen ließe. Man durfte sicher sein, dass keines der sorgsam gehegten Klischees ausgelassen wurde. Der Versuch den gleichen Betrag in kleineren Stückelungen zu transportieren, scheiterte dagegen kläglich. Was haben wir gelacht.

Aber was sollten wir aus dieser „Sendung mit den Mäusen“ für Kinder und Kindgebliebene eigentlich lernen? Kriminelle erkennen wir künftig noch leichter an den großen Autos?! Da jubilieren Neidhammel und Klassenkämpfer gleichermaßen. Selbst auf Flugreisen würde den bösen Buben künftig ihr Handwerk erschwert werden: Wo man bisher für die Million ganze zwei Kilogramm seines Freigepäcks opfern musste, ist künftig ein Vielfaches davon einzuplanen.

Reste von Schamgefühl

Hurra, da hat es dann mit Kriminalität und Steuerhinterziehung in Euroland wohl bald ein Ende? Denn wenn jemand Geld ins Ausland schafft, dann macht das doch niemand so professionell wie die Regierung selbst – und zwar nicht lumpige Millionen in windigen Köfferchen oder Kleinwägen, sondern milliardenweise und bargeldlos – wie jüngst an den aufrechten Demokraten und „Humoristen des Jahres“ vom Bosporus. Da erscheinen die Mehrkosten der EZB von 500 Millionen Euro für die kleineren Stückelungen geradezu als Petitesse.

Aber auch hier lieferte der unglaublich infantile Beitrag ein passendes Statement von Prof. Rudolf Hickel, der sinngemäß darauf verweist, dass ja dann auch weniger Steuern hinterzogen würden.

Gerne würden wir Ihnen diese Liebedienerei unserer staatlich besoldeten „freien Presse“ gegenüber der EZB als Link zur Verfügung stellen, aber leider, leider hat es diese „Sternstunde des kritischen Journalismus“ nicht bis in die Mediathek geschafft – dies liegt vermutlich an der dürren finanziellen Ausstattung des ARD-Kombinats „Farbfernsehen“. Möglicherweise hat aber auch ein Rest an Schamgefühl verhindert, dass dieser Beitrag öffentlich für die Nachwelt konserviert wurde.

Gründe? Geht spielen!

Zwar wurde im heutigen Morgenmagazin – wie auch im Rest der „freien Presse“ – richtigerweise darauf hingewiesen, dass heute eine Entscheidung der EZB zum Schicksal des 500ers ansteht. Allerdings wurde nicht hinterfragt, warum die EZB nun bei einem Thema auf die Tube drückt– das noch vor Jahresfrist als „krude Verschwörungstheorie“ abgetan worden wäre – die Abschaffung des Bargelds.

Und selbst wenn Bargeld nicht komplett abgeschafft, sondern nur in den Bagatellbereich abgedrängt würde, der Vorgang ist erklärungsbedürftig. Wir haben im Smart Investor immer wieder ausführlich über das Thema berichtet, besonders intensiv in Smart Investor Ausgabe 7/2015, wo wir dem „Bargeldverbot“ sogar unsere Titelstory widmeten. Hier nur so viel: Konkreter Anlass für die Eile der EZB ist die Nullzins- und angestrebte Ausweitung der Negativzinspolitik im Rahmen der Finanziellen Repression. Solange es die (negativ-)zinslose Konkurrenz des Bargelds gibt, sind einer solchen Politik Grenzen gesetzt. Ist dieser Konkurrent aber ausreichend diskreditiert – steter Tropfen höhlt den Stein –, dann lässt er sich mit „guten“ Argumenten vom Tisch nehmen und nicht nur die EZB hat freie Bahn.

Erschreckendes in Serie

Es ist absolut erschreckend, wie willfährig das Gros der Presse hier bis zum heutigen Tag den Boden für die EZB und diverse andere mächtige Interessen bereitet hat – gegen die Bürger. Nicht weniger erschreckend ist, wie sich die Parolen früherer Tage wiederholen: „Niemand hat die Absicht, das Bargeld abzuschaffen.“ Am schlimmsten aber ist die verbreitete „Schlafschaf“-Mentalität im Lande: „500er? Betrifft mich nicht.“, „Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.“

Dieses Nicht-Sehen-Wollen erinnert in fataler Weise an den Satz des evangelischen Theologen Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, …“ Wer sagt eigentlich, dass Parallelen zur Nazi-Zeit ausschließlich von der herrschenden Politik gegen aufbegehrende Bürger gezogen werden dürfen, und nicht auch einmal umgekehrt von aufgebrachten Bürgern gegen die herrschende Politik?! Historisch hat das Wegducken gegenüber einer übergriffigen Exekutive jedenfalls nicht funktioniert. Durch Appeasement kann man sich eben keinen Frieden erkaufen, sondern ermutigt im Gegenteil zu weiteren Übergriffen.

Salami-Taktik

Wer sich heute also in Sicherheit wiegt, weil er schon länger keinen 500er mehr gesehen hat, sollte die angewandte Salami-Taktik nicht unterschätzen: „Erst holten Sie die 500er, dann holten Sie 200er, …“ Zumindest dürfte langsam mehr Menschen dämmern, warum die alten Euro-Serien so quälend langsam – beginnend beim 5-Euro-Schein – ausgetauscht werden (aktuell ist man beim 20er angekommen).

Auch dies war eine „Verschwörungstheorie“, als wir im Smart Investor 4/2013 – also vor mehr als drei Jahren! – die Frage stellten: „Wie weit kommt das neue Geld?“ (S. 48). Über den 100er wird es wohl nicht hinausgehen, falls der überhaupt noch erreicht wird. Logischer Ziel- und Endpunkt dieser Entwicklung ist ein immer intransparenterer Machtapparat auf der einen Seite, dem der total transparente, vollüberwachte und ohnmächtige Bürger buchstäblich ausgeliefert sein wird. Dass auf dessen Konten nach Belieben Negativzinsen, Phantasiegebühren und ebensolche Steuern einfach abgebucht werden können ist dann ebenso Teil dieser schönen neuen Welt, wie dass Bürger dann auch wirtschaftlich „abgeschaltet“ werden können – gewiss, eine Verschwörungstheorie. Betrifft Sie das noch immer nicht?
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Für die Freiheit!

Möglicherweise sind diese Entwicklungen nicht mehr zu stoppen, weil hier mächtige Lobbys mit Parteien und den staatlichen Gewalten zusammenwirken. Aber möglicherweise wchst im künftigen Geldsozialismus und der darin absehbaren allgemeinen Verarmung wieder einmal eine wachere Generation heran, als die bräsigen westlichen Wohlstandsbürger heutiger Prägung. Möglicherweise werden Ihre Enkel Sie einmal fragen, was Sie eigentlich ganz konkret getan haben, als die bürgerlichen Freiheiten zugunsten einer neuen Autokratie immer weiter zurückgedrängt wurden?

Da ist es dann vielleicht ein gutes Gefühl, dass Sie sich zu den immer noch beschämend wenigen Mitzeichnern der Petition „Stop Bargeldverbot“ zählen können. „Beschämend wenig“ bezieht sich allerdings nur auf die Zahl der Bargeldnutzer im Lande, denn das sind wir fast alle. Mit inzwischen mehr als 120.000 (!) Mitzeichnern – darunter die Redakteure von Smart Investor und viele anerkannte Wirtschaftsprofessoren – ist es schon jetzt eine der erfolgreichsten Petitionen überhaupt.

Oder Sie wollen sogar persönlich Flagge zeigen und kommen zur großen Kundgebung „Finger weg vom Bargeld“ am 14. Mai 2016 an der Frankfurter Hauptwache. Bei dieser Kundgebung unter der Forderung „Bargeld im Grundgesetz verankern“ werden unter anderem Professor Max Otte (Interview im aktuellen Smart Investor 5/2016, S. 74ff), Professor Joachim Starbatty und Thorsten Schulte („Der Silberjunge“) sprechen. Auch Smart Investor-Chefredakteur Ralf Flierl wird vor Ort sein. Weitere Kundgebungen sind am gleichen Ort für den 25. Juni und den 27. August, jeweils um 11:00 Uhr geplant. Die Initiative ist überparteilich. Wer bei der Organisation mithelfen möchte, kann sich unter kundgebungfrankfurt@pro-bargeld.com mit den Veranstaltern in Verbindung setzen. Nähere und laufend aktualisierte Informationen finden Sie auch auf der Website www.stop-bargeldverbot.de.

StopBargeldverbot-Motiv-1

Zu den Märkten

Einen herben Rückschlag erlitt der DAX in den letzten Handelstagen. Damit wurde der jüngst überwundene, starke Widerstandsbereich zwischen 10.000 bis 10.100 Punkten (vgl. Abb., blaue Linien) wieder nach unten durchbrochen. Erschwerend kommt hinzu, dass die beiden schwächsten Handelstage – der Freitag der Vorwoche und der gestrige Dienstag – von deutlich anziehenden Umsätzen begleitet waren (gelbe Markierungen).

2016_05_04-DAX

Charttechnisch sind das durchweg negative Signale. Mit dem heutigen Tage ist nun auch noch die kurzfristige aufwärtsgerichtete Unterstützungslinie verletzt worden (vgl. Abb. rote Linie). Wird diese Linie nicht unmittelbar zurückerobert, wodurch sich der Bruch als Fehlsignal erweisen würde, dann ist aus charttechnischer Perspektive mit weiter fallenden Kursen zu rechnen.

Allerdings solle die Charttechnik bei Anwesenheit eines dominanten Spielers wie der EZB, die zudem über scheinbar unendlich tiefe Taschen verfügt, nicht überbewertet werden. Zum einen lieben Notenbanken keine Trittbrettfahrer, lassen die Märkte also selbst dann, wenn sie einen eindeutigen Bias haben, durchaus ein bisschen atmen. Zum anderen sind es gerade Schwierigkeiten an den Märkten, die die Notenbanken zu weiteren Interventionen auf den Plan rufen. Das ist ja gerade das Wesen eines Crack-up-Booms, der als Kollateralschaden dann entsteht, wenn einer Notenbank die ultralockere Geldpolitik entgleitet. Je desolater die Situation also auf den ersten Blick aussieht, desto wahrscheinlicher werden groß angelegte Interventionen.

Während Aktien allgemein eher als Konjunktur- denn als Krisenprofiteure wahrgenommen werden, ist das bei Gold anders. Das Edelmetall wird üblicherweise favorisiert, um sich vor Ungemach in allen anderen Anlageklassen zu schützen. In einer grundsätzlich eher krisenhaften Umgebung sollte Gold daher weiter ein positives Grundrauschen aufweisen, das es in dieser Form bei Aktien allenfalls abgeschwächt gibt. Derartige Überlegungen bildeten auch den Hintergrund für das Alpha-Zertifikat „Gold/SP500“ (WKN SG6C9T), das die Société Générale in Zusammenarbeit mit Smart Investor aufgelegt hatte. Aktuell steht es bei 111,60 EUR und spiegelt damit das Aufgehen der Schere zwischen beiden Sachwertanlagen deutlich wieder (Auflage erfolgte zu 100 EUR).

Fazit
Unser Fazit können wir heute alleine mit ein paar abgewandelten Zitaten bestreiten:

„Niemand hat die Absicht das Bargeld abzuschaffen!“

„Bürger hört die Signale!“

„Die Freiheit geht stückweise verloren.“

„Wer in der Demokratie schläft, erwacht in der Finanzdiktatur.“

© Ralf Flierl, Ralph Malisch – Homepage vom Smart Investor

 

2 Kommentare auf "Schlafschafe aufgepasst!"

  1. FDominicus sagt:

    Ich schließe mich dem „etwas“ rustikaler an.
    https://www.q-software-solutions.de/blog/2016/05/veraergert-vera-betrogen-aber-nicht-verstaendnislos/

    Das Schlimme ist, ich verstehe zu genau warum es so läuft. Und es mach mich wahnsinnig, daß die Deutschen das „mal wieder“ nicht mitbekommen. Die Deutschen sind einfach für Diktatoren und Diktaturen aber so was von zu haben…

    • Skyjumper sagt:

      „Die Deutschen sind einfach für Diktatoren und Diktaturen aber so was von zu haben…“

      Das Problem ist lange bekannt, schon länger als wir überhaupt Erfahrungen mit Diktatoren haben. Man braucht es nur ein wenig umfassender ausdrücken, dann kommt man zu einer Aussage die bereits seit der Bildung des deutschen Nationalstaates europaweit bekannt ist:
      – Die Deutschen sind Obrigkeitsgläubig –

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