Schirme die schlauchen

19. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Finanzkrisen tragen verschiedene Gewänder, unter denen sich meist eine Überschuldung versteckt. Solange es Nachschuldner für bisherige Verbindlichkeiten gibt, funktioniert das Prinzip des Schneeballsystems prächtig…

Die Schuldenlawine darf nicht im Tal ankommen – so wie jetzt in Griechenland. Was kann man tun? Nicht viel, außer Dummköpfe finden, die Geldpakete schicken und Zahlungsgarantien übernehmen. Beim griechischen Volk kommt von der Hilfe nichts an. Geholfen wird den Gläubigern, also Banken.

Diese haben ihre Schläuche inzwischen an die Staatskasse und Notenbank anschließen dürfen, was die Frage aufwirft, ob die Ventile bald großzügiger geöffnet werden. Die EZB hat keine Bedenken. Umso erstaunlicher aber ist die zögerliche Haltung der Bundesregierung, die die „Rettungspakete“ schon wieder verteuert. Ist es Absicht? Private Gläubiger zeigen verständlicherweise wenig Interesse, sich an den Schäden zu beteiligen, wohl wissend, dass im Ernstfall alle Ventile geöffnet und neue Schläuche verlegt werden.

Ein alter Spruch sagt, man soll seinen Einsatz an der Börse verdoppeln, wenn man in Panik ist. (If you`re in trouble – than double). Damit scheint sich die EZB anzufreunden, besitzt sie doch Unmengen giftiger Papiere, die nicht ausfallen dürfen. Zynische Börsianer nennen die Zentralbank „allwissende Müllhalde. Es gibt Vorschläge, den Rettungsschirm auf 1,5 Billionen Euro zu verdoppeln – ein besonders dicker und saftiger Schlauch. Gleichzeitig heißt es an der Börse, man sollte schlechtem Geld kein gutes Geld hinterher werfen. Doch was ist gutes Geld? Euronen? Nein, Steuergeld.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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12 Kommentare auf "Schirme die schlauchen"

  1. cubus53 sagt:

    Erst mal vorweg : ich arbeite seit fast 30 Jahren selbständig und habe viel viel Steuern in meinem Leben bezahlt.

    Ab heute rufe ich zum STEUERSTREIK !!!

    Ich zahle keine Steuern mehr

    – für marode Staaten
    – für das Gezocke von Banken
    – für die Politik zu deren Machterhalt

  2. SpanischerGaul sagt:

    Prof. Manfred Spitzer (Psychiater und Neurowissenschaftler) erkennt hier klar das Grundproblem der derzeitigen Situation:

    „Aber wenn jeder für das Risiko, das er eingeht, auch entsprechend haften müsste, dann würde das System ganz natürlich gegensteuern.“

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Kopf-der-Woche-Gehirnforscher-Spitzer-Nur-Schimpansen-sind-immer-rational-1064399

    Aber diese Haftung für eigenes Handeln ist eben ausgeschaltet bzw. wird auf andere übertragen. Letzlich läuft der derzeitige weltweite Schulden-Eiertanz nur auf eins hinaus: Wer Haftet am Schluss?

    Ein Blick in die Geschichte gibt uns die Antwort. Wie so oft.

  3. Robert sagt:

    cubus53, nette Idee, führt aber nur zu Ärger wegen Steuerhinterziehung etc. Auf dem Gebiet ist die Bürokratie stärker und ausdauernder. Zum Schluß kostet das den Unternehmer die Firma und das Personal den Arbeitsplatz.

    Was mir besser gefiele: kleine und mittlere Firmen (die großen machen eh nicht mit) bezahlen ihren Leuten den Bruttolohn zuzüglich Sozialversicherung aus mit dem Hinweis, Steuern und Beiträge je nach Wunsch an die entsprechenden Stellen weiterzuleiten, aus Protest zurückzubehalten oder zu versaufen.

    Begründung: die Firma konzentriert sich auf ihre Kernkompetenzen, zu denen alles mögliche gehört, aber nicht Inkasso für verschiedene Dritte.

    Dann können die staatlichen und halbstaatlichen Stellen zeigen, was sie können und den Millionen Sozialversicherten einzeln hinterherlaufen.

    Netter Nebeneffekt wäre, dass jemand mit 5.000 brutto ca. 6.000 überwiesen bekommt und nach Zahlung von Steuern und Beiträgen deutlich sichtbar nur noch etwas über 3.000 übrig hat.

    • MrManhatt0rn sagt:

      Dein Vorschlag hat schon was aber auch so wird es nicht funktionieren. Der Arbeitgeber ist gesetzlich verpflichtet für die rechtzeitige und ordungsgemäße Weiterleitung der Sozialversicherungsbeiträge sowie Lohnsteuer zu sorgen. Wenn somit nicht die gemeldeten Beiträge bei den Krankenkassen bzw beim Finanzamt ankommen wird die Firma sehr bald Besuch bekommen und darf mit Kontenpfändungen rechnen 🙂

      VG

  4. SpanischerGaul sagt:

    Wer mal einen guten Buchtip haben möchte zum Thema Lastenausgleich bei Immobilien, Aktien und Spareinlagen etc. im Falle einer Währungsreform:

    Siegfried Freick – Die Währungsreform 1948 in Westdeutschland

    Da sind selbst für die „alten Hasen“ noch wervolle Informationen drin.

    Hier mal ein Auszug aus einer Buchbesprechung:

    „Das System der Reformmaßnahmen « werden die mit der Währungsreform
    verbundene Geldumstellung, die Umstellung der Aktien, die Sanierung der Banken, die Liquidierung der Staatsschulden, die Steuerreform und der fiktive Lastenausgleich mit ihren jeweiligen Besonderheiten behandelt. Auszüge aus Gesetzen und Statistiken belegen, wer dabei die Verlierer und wer die Gewinner waren. In der Konsequenz wurde das Geldvermögen der Bürger nicht 10 : 1 umgewertet, sondern 10 : 0,58, oder anders gerechnet: »von einem durchschnittlichem Wochenlohn von etwa 20 Reichsmark blieben also 1,16 DM in neuem Geld« (S. 93). Insgesamt hatte die Bevölkerung einen Verlust ihres Geldvermögens von 94,2 % zu tragen. Die Gesetzgebung zur Neufestsetzung des Aktienkapitals dagegen hatte zur Folge, daß sich für den »Durchschnitt aller Aktiengesellschaften … ein bilanzierter Umstellungsverlust des Grundkapitals von 4,8 %« ergab (S. 109). Bei Eliminierung der enormen Kriegs- und Kriegsfolgeschäden erreichten Aktiengesellschaften sogar eine Erhöhung ihres Eigenkapitals um 7,5 % (S. 113). In seinem Fazit kommt Freick zu der Aussage, diese Währungsreform wurde »mit rigoroser Härte gegen die Bevölkerung realisiert und führte so zu Ergebnissen, die für das deutsche Großkapital kaum günstiger hätten sein können« (S. 136).“

  5. exbrainwashed sagt:

    Ich denke Euro und USD sind bald als Leitwährungen neben Franken und dem Rest Japans Geschichte.
    China Blase hin oder her, wenn ich sowas lese wie hier im Spiegel, http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768388,00.html , wirds Zeit sich in Pandas einzutauschen.

    Gruß
    exB

  6. crunchy sagt:

    Mich wundert, warum unabhängige Journalisten nicht endlich mal sagen, was einen sogenannte Transferunion im Kern ist:

    Eine weitere Einkommensquelle, für die (Bankster), die uns den Mist eingebrockt haben. Das Politiker das nicht verstehen wollen, ist mir
    klar, aber …

    Oder habe ich da was falsch verstanden, wenn immer neue Kredite alte ersetzen, verdient die Bank und es verliert der/die beteiligten Staaten und ihre Steuerzahler.

    Nur ganz wenige, wie z.B. die Luxemburger, lachen sich in´s Fäustchen.

  7. SpanischerGaul sagt:

    Jammern hilft nicht. Banker bewegen sich immer innerhalb der gesetzlichen Grenzen. Keine Bank verstößt gegen Gesetze, von Ausnahmen wie Herrn Madoff mal abgesehen.

    Aber wer erlässt denn diesen gesetzlichen Rahmen in dem sich jeder legal bewegen darf. Genau, der Bundestag. Und der Bundestag ist nun mal der verlängerte Arm des Volkes. Denn schließlich wird er alle 4 Jahre gewählt. D.h. wir geben uns unsere Gesetze selbst. Und wenn wir als Volk zulassen das dies was Banken tun legal ist, dann müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Ich finde man sollte das auch einmal so konsequent zu Ende denken.
    Und damit sich etwas ändert muss halt mehr echtes Wissen und Verständnis der Zusammenhänge in die Köpfe der Bürger. Warum soll sich auch ein Politiker ändern und andere Gesetze erlassen, wenn er soweiso permanent wiedergewählt wird?! Da besteht für ihn doch kein Handlungsbedarf. Ohne Druck (durch Wissen) aus der Bevölkerung wird der Bundestag nichts tun.

    Nur meine Meinung.

    Und noch was zum lachen:

    Chuck Norris kann Griechenland retten.

    Peter Zwegat hat Schulden bei Chuck Norris.

    Das einzige Mal, dass Chuck Norris sich irrte, war, als er dachte, er hätte einen Fehler gemacht.

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