Schickt die Demoskopen in die Wüste!

13. November 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Für den Fall eines Sieges von Donald Trump wurde den Aktienmärkten ein gehöriges Blutbad vorhergesagt, was dann, oh Wunder, aber bei Anleihen passierte. Also ganz knapp daneben. Und sonst war die Woche überaus bemerkenswert…

Der Dow Jones kletterte sogar auf ein Rekordhoch! Nach 800 Pluspunkten im DAX hieß es plötzlich, die Börse feiert Trump. Hallo?

Ein Leben ohne Meinungsumfragen ist möglich, aber sinnlos, sagen führende Demoskopen. Eine frische 890-seitige Studie bekam mein Reißwolf zum Frühstück, worauf ihm übel wurde.

Millionen, wenn nicht Milliarden Leute arbeiten in Callcentern als Callboys und -girls und kramen in den Befindlichkeiten der Leute herum. Wozu? Der Wahlausgang in den USA zeigte wie beim Brexit, wie sinnlos das ist.

Daraus aber orakeln dann noch mehr Experten ihre Verrücktheiten, was ebenso nutzlos ist wie das Stapeln von Sägespänen. Und jetzt am Jahresende werden wir wieder mit Börsenprognosen für 2017 gepiesackt, pünktlich wie Grippe oder Schneefall. In einem Jahr stellt man dann erschreckt fest, dass es wieder mal anders kam. Überraschend natürlich. Irgendwas kommt immer dazwischen. Also lasst es doch! Nur die Narren des Zufalls sind nicht einzuschüchtern, nicht mal durch sich selbst.

Sinnvolle Umfragen sind heute belanglos und belanglose Umfragen sinnlos. Demoskopie ist weniger Wissenschaft, sondern mehr Mittel zum Zweck. Die Politik nutzt sie, wobei machthungrige Politiker lieber auf die eigene Meinung setzen. Wie erklärt man sich, dass man oft das Gegenteil von dem bekommt, was die Umfragen besagten? Weil in der Politik  nichts zufällig geschieht, sagte der frühere US-Präsidenten Roosevelt.

Und weil 2017 auch hierzulande gewählt wird, stelle ich mir vor, Dieter Bohlen wäre Kanzlerkandidat. Bekäme er die Mehrheit, obwohl das im Vorfeld völlig abwegig ist – wie in den USA der Trump? Lieber der, als die anderen? Keine Ahnung, wir wissen nur, Experten und Demoskopen stehen wieder nackig in den Erbsen. Da sollten sie auch bleiben, wobei die Erbsen mein tiefes Mitleid haben.
Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

 

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4 Kommentare auf "Schickt die Demoskopen in die Wüste!"

  1. Frank Frei sagt:

    Ich habe mir mal erlaubt das Wort „Demo skope“ zu zerlegen und daraus zu deuten.
    „scopare“ heisst latainisch „hinwegfegen“
    oder
    „scopa“ hiesse „noch nicht vorhanden“
    „dem“ wäre demnach „ein Volk“
    oder
    „demos“ die „Gemeinschaft“

    So passt es doch wieder mit der Bedeutung von „Demoskopen“? 😀

  2. sawaddie sagt:

    Vor 14 Tagen rief mich die „Forschungsgruppe Wahlen“ (ZDF?) an und wollte meine aktuelle Meinung zu politischen Themen. Denen habe ich ja was erzählt.
    Meine Antworten gingen der Dame merklich gegen den Strich. Zahllose Fragen trieften nur so vor Voreingenommenheit. Eine der Frage war z.B. „Wen hätten Sie lieber 2017 als SPD-Kanzlerkandidat: Steinmeier oder Gabriel?“, keine andere Option, nur Pest oder Cholera. Wenn alle Fragen so sind, dann wundert mich auch die Meldung letzte Woche nicht mehr, dass angeblich 67% der Deutschen sich Merkel weiterhin als Kanzlerin wünschen. Alle, die nicht antworten, fallen unter den Tisch, wie die Nichtwähler bei den „Wahlen“.

  3. FDominicus sagt:

    Ob es wirklich so einseitig ist bezweifele ich. Es steht dahinter immer eine Frage „cui bono“. War es das erklärte Ziel in dieser Wahl der Demoskopen den Ausgang möglichst genau vorherzusagen oder war das Ziel einen Kandidaten zu pushen den man bevorzugen wollte?

    Es gibt inzwischen reichlich VT-Stoff: http://www.zerohedge.com/news/2016-11-12/martin-armstrong-exposes-real-clinton-conspiracy-which-backfired-dramatically

    Und natürlich sind auch mal wieder „die Juden“ dran.
    Betrachten wir die ganzen Sachen vor der Wahl, dann müssen Sie eingestehen. Es sollte nur sein was sein durte (ich behaupte sogar, es war eine Massenhysterie). Es wurde ja alles von Trump behandelt als meinte er es auch so und dann in’s Lächerliche gezogen. Und dabei bestärkten sich Politiker, Bürokraten und die Presse immer und immer wieder.

    Es ist immer einfach sich in der Mehrheit zu irren, dann kann man immer noch sagen „keiner“ hat es vorhergesehen. Ich weiß, daß da so nicht stimmt. Aber m.E. wollte man nicht wissen sondern man wollte „gewinnen“. Das ist schief gegangen und dafür sollte man ruhig dankbar sein.

  4. cubus53 sagt:

    Man sollte einmal hinter die Kulissen der Meinungsforscher blicken. Zunächst wird mit dem Namen hoch gestapelt. „xyz-Institut“ hört sich an wie eine Universität, die zu anstatt medizinischen Studien eben Studien an der Volksmeinung durchführt. Eventuell bei Tee mit Kuchen, mit angeschlossenem Ruhetraum, oder gar Schlafkabine ?

    Die Wahrheit sieht anders aus. Diese Institute werben Befrager ohne spezielle Qualifikation an. Die Umfragen erhält der Befrager per Post oder Email zugeschickt. Für jeden ausgefüllten Antwortbogen erhält man kleines Geld.

    Nun versetzen Sie sich in die Rolle des Befragers. Würde Sie jetzt Klinken putzen gehen oder sich auf der Strasse anpöbeln lassen? Geschweige denn, dass ein Befragter bereit wäre, 10 Fragen konzentriert zu beantworten, denn der steigt doch schon nach der dritten Frage genervt aus. Ich vermute mal, dass die meisten Bögen vom Befrager selbst ausgefüllt werden. Nötige Adressen stehen im Telefonbuch.

    Noch Fragen ?

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