Scheitern die Geld-Experimente?

4. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Was für ein Jahresauftakt! Trotz kräftig sprudelnder Notenbank-Liquidität, trotz kollektiv positiver Analysten-Prognosen und trotz des Aktien-sind-alternativlos-Mantras gerieten die Aktienkurse in den ersten drei Januar-Handelswochen weltweit massiv unter Druck…

Der deutsche Leitindex DAX startete so schlecht ins neue Jahr wie zuletzt inmitten der Finanzkrise 2009, während die ersten zehn Handelstage an der US-Weltleitbörse zu den verlustträchtigsten in der gesamten Dow Jones-Historie gehörten.

Die Turbulenzen an Chinas Aktienbörse toppten aber alles, wurde doch nach einem crash-artigen Abverkauf am 4. Januar hier sogar der Handel vorzeitig beendet. Als (vermeintlicher) Grund des Debakels wurde vor allem der weiter drastische Ölpreisverfall (auf zwischenzeitlich sogar unter 30 USD/Barrel) ausgemacht, der – so die zuvor verbreitete Theorie – doch eigentlich ein großes Weltkonjunkturprogramm hätte sein müssen.

Die Inflations-»Sieges«-Zuversicht des EZB-Chefvolkswirts Praet, „Wenn man genügend Geld druckt, bekommt man immer Inflation. Immer!“ und das „Wir kapitulieren nicht“-Versprechen des „keine technischen Grenzen“ kennenden EZB-Chefs Draghi sowie der gegen Ende Januar nun auch seitens der japanischen Notenbank verkündete Einstieg in das große Negativzins-Geldexperiment der Notenbanken sorgten zwar am Ende noch für eine deutliche Reduzierung der Kursverluste, doch alles in allem scheint es nun fast so, dass sich die ungelösten Probleme der Weltwirtschaft nicht mehr länger hinter irgendwelchen Geldexperimenten verstecken lassen.

abnehmendes_Welthandelsvolumen

Immer deutlicher zeigt sich, dass die Gelddruckorgien »nur« beispiellose Finanzblasen erzeugen konnten, während diese der Realwirtschaft kaum zu Gute gekommen sind. So kann es nicht ernsthaft verwundern, dass sich die Weltwirtschaft seit 2009 nur schwach erholte und ihr nun – entgegen der alles-wird-gut-Konjunkturprognosen – sogar ein erneuter Rückfall in die Rezession droht.

Ob die einbrechenden Rohstoffpreise und die sich parallel im Sinkflug befindlichen Frachtraten lediglich auf ein Überkapazitätsproblem oder doch viel mehr auf größere konjunkturelle Probleme hindeuten sei dahingestellt, aber der bereits seit dem letzten Jahr deutlich rückläufige Welthandel sollte den Investoren Warnung genug sein.

Freight_Transportation_Services_Index

Hofften nicht wenige, dass sich die seit nunmehr bereits einem Jahr schwächelnde US-Konjunktur in den Folgemonaten wieder fangen könnte, so zeigt eine Vielzahl von Indikatoren wie z. B. der rekordhohe Lageraufbau, die schwache Kapazitätsauslastung der US-Industrie, das erstmals seit drei Jahren wieder fallende Frachtvolumen oder der zuletzt auf den tiefsten Stand seit Juni 2009 regelrecht abgestürzte ISM-Einkaufsmanagerindex, dass sich die größte und per Ende Januar zugleich auch nun erstmals mit über 19.000 Mrd. USD (!) am intensivsten überschuldete Volkswirtschaft der Welt – allem Vollbeschäftigungs-Statistikzauber zum Trotz – im Abschwung befindet.

Doch auch Chinas beispiellose 21.000-Mrd.-USD-Neuverschuldungsorgie seit 2007, welche das Land zur wichtigen Stütze der verschuldungsgetriebenen Weltkonjunktur machte, erweist sich immer mehr als ein Fluch. Sollte die »Black Box« China, wo die industrielle Produktion zuletzt den zehnten Monat in Folge schrumpfte, entgegen aller 6-7%-Wachstumsprognosen eine harte Konjunkturlandung hinlegen, dann sind die Folgen für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte gravierend.

S&P500_Net_Profit_Margin

Da die schlechten Konjunkturaussichten nun aber mit den rekordhoch bewerteten, den rekordhoch verschuldeten und obendrein auch noch mit rekordhohen Gewinnmargen operierenden Unternehmen zu kollidieren drohen, könnten die angeschlagenen Aktienmärkte nun das vor sich haben, was die Edelmetalle und -aktien bereits hinter sich haben.

Während im Januar nach den Rohstoffmärkten nun auch die Aktienmärkte intensiv in den Baisse-Modus schalteten, werteten – trotz aller sich auch im neuen Jahr fortsetzenden manipulativen Attacken – sowohl Gold als auch Silber gegen nahezu sämtliche Inflationswährungen dieser Welt teilweise sogar deutlich auf.

Obwohl sich die Edelmetallpreise in der Tendenz steigend zeigten, stürzten am 10.01. gleich zur Börseneröffnung dennoch einzelne Goldminenaktien aus nicht erklärten Gründen ab. Deren Markieren neuer Tiefstände erwies sich jedoch als klassische Bärenfalle, legten die ausverkauften Minen doch nach dem mysteriösem Sell off genauso schnell wieder zu, wie sie vorher verloren hatten.

Zwar arbeitet »man« nun seit Jahren intensiv mit allen (manipulativen) Tricks und noch so fadenscheinigen Argumentationen daran, inmitten der größten Gelddruckorgie der Menschheit ja kein Interesse an der ultimativen Währung Gold aufkommen zu lassen, aber nach einer nunmehr vierjährigen Abwärtsbewegung der Edelmetalle und einem über 80%igen Absturz der Edelmetallminenaktien liefert das gegenwärtige Umfeld genügend Argumente dafür, dass es in diesem Jahr zu einer deutlichen Trendwende nach oben kommen sollte.
© Mack & Weise – Homepage

 

6 Kommentare auf "Scheitern die Geld-Experimente?"

  1. markus sagt:

    2 Kommentare meinerseits:

    „Immer deutlicher zeigt sich, dass die Gelddruckorgien »nur« beispiellose Finanzblasen erzeugen konnten, während diese der Realwirtschaft kaum zu Gute gekommen sind.“

    Wirtschaft lebt von moeglichst starker Teilnahme moeglichst vieler Markteilnehmer. Da ist es doch nur zu logisch, dass einseitige Verteilung von Geldmitteln keine Staerkung der wirtschaftlcihen Aktivitaet nach sich zieht, sondern, im Gegenteil, zu einer ungleicheren Verteilung und damit eher zu einer Schwaechung der wirtschaftlichen Aktivitaet fuehrt…

    „Sollte die »Black Box« China, wo die industrielle Produktion zuletzt den zehnten Monat in Folge schrumpfte,…“

    SCHRUMPFTE die industrielle Produktion in China? Ich dachte, China haette immer noch Wachstumsraten jenseits der 6%?

  2. Insasse sagt:

    „Scheitern ist keine Option.“, hat schon Wladimir Klitschko nach seiner Niederlage gegen den Briten Tyson Fury im November 2015 gesagt. Genau hat er gesagt: „Die Klitschko-Geschichte wird fortgesetzt. Scheitern ist keine Option.“. Dieses Statement kann ohne Weiteres auf die Zentralbanken abgewandelt werden: Die Verschuldungs-Orgie wird fortgesetzt. Scheitern ist keine Option. Die Zukunft wird zeigen, wie es um das Scheitern bestellt ist. Persönlich schätze ich die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns bei Klitschko wesentlich geringer ein als bei den Zentralbanken, die dauerangeschlagen sind. Schaun mer mal…

  3. Falko sagt:

    Danke für diese knappe und klare Darstellung unserer Lage.
    Entgegen der Überschrift „Scheitern die Geld-Experimente?“,
    bin ich der Meinung, daß sie überaus erfolgreich vorangetrieben werden.
    Es läuft die größte und totale Enteignung der Weltgeschichte zugunsten eines winzigen Kreises von -über-dem-Gesetz-stehenden Bankern.
    Staatsschulden, Schulden- na und? Schrottpapiere- prima! Eurokrise- Beifall!
    Die Blase will und wird gefüttert werden, mit unseren tatsächlichen Werten!
    Schaut auf 1928/29.
    Schaut auf den Eurokurs seit seinem Entstehen.
    Schaut auf Griechenland und Zypern. (nur einige Beispiele)
    Wir alle starren wie das Kaninchen auf die Schlange.

  4. fishman sagt:

    Solange man Geld mit Geld verdienen kann oder besser gesagt nur abwarten muss, daß die QE Wellen Geldes angeschwommen kommen, warum dann noch investieren, riskieren und wirtschaften? Solange das Geld nicht bei der Masse ankommt, gibt es nur Asset Inflation. Wenn sich der normale Mensch aber keine Wohnung mehr leisten kann, wird er aufstehen und höhere Einkommen erzwingen. Auch wenn die Gesellschaft zu sehr in arm und reich gespalten wird. Dann werden wir Inflation überall bekommen. Der Weg, über Notenbanken Inflation zu erreichen wird sehr steinig werden. Japan hat uns da einiges voraus, mal sehen…………………..

  5. Tom sagt:

    Hallo. Die seit 2015 durch die UN Resolution 2199 beschlossene #Bargeld Abschaffung wird ihr Übriges dazu leisten. Auch hier wird der Bürger wieder vor vollendete Tatsachen gestellt. http://wp.me/p2KG6k-pz

  6. Lickneeson sagt:

    Die nackten Zahlen der Staatsverschuldung sprechen eigentlich für sich. Das „Experiment“ kann nur schief gehen. Man darf gespannt sein wie lange die Zentralhoudinis das „Spiel“ noch am Laufen halten können. Zahlen wird für das Scheitern natürlich das Publikum, das seit Jahren mit sinnlosen Kommentaren von Politik & EZB auf kleiner Flamme belästigt und bei Laune gehalten werden soll. Der Rest der Bevölkerung beschäftigt sich eh lieber mit Verrückten B-Promis in Dschungellagern, neuen Handys und ähnlichem Käse.

    Und ja, Goldminen sollte man in 2016 eher long sein, auch wenn einige Werte am Rande der Pleite arbeiten. Es sollte nicht überraschen wenn der HUI schnell 40 – 100 % hinlegt.

    MfG

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