Scheinverbesserungen: Aus alt mach neu!

7. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Mack & Weise

„Im Sozialismus sind alle gleich, aber einige sind gleicher“, dürften sich die verbliebenen privaten Investoren Griechenlands wohl gedacht haben, als die EZB ihr auf rund 55 Mrd. Euro geschätztes griechisches Anleihen-Portfolio durch eine nächtliche Umtauschaktion in eine neue Anleiheklasse (!) vor dem drohenden „Haircut“ bewahrte…Bei einer solchen Aktion hilft es einfach, dass EZB-Chef Draghi (früher Goldman Sachs) den griechischen Premier Papademos (bei Euro-Einführung griechischer Notenbankchef) aus alten griechischen-Schulden-verschwindet-Zeiten noch gut kennt.

Nach diesem Coup aber müssen nun alle heutigen und künftigen Besitzer von Staatsanleihen der restlichen Euro-Zone fürchten, dass sich nach dem IWF auch die EZB, die EIB (Europäische Investitionsbank) und wahrscheinlich dann auch noch der ESM per Federstrich Vorrang gegenüber ihren Forderungen einräumen werden. Diese willkürlichen Eingriffe in bestehende Verträge zulasten der privaten Investoren dürften aber mittelfristig allenfalls dazu taugen, dass die so übers Ohr gehauenen CDS-(un-)versicherten „Spekulanten“ die staatlichen Schuldscheine in Zukunft – wenn überhaupt – nur noch mit höheren, dann natürlich wieder um so mehr „gestörten“ Risikoprämien in ihre Portfolios aufnehmen werden. Damit ist der Weg in die planwirtschaftliche Staatsfinanzierung mit einem symbolischen Sozialismus-Zins fest vorgezeichnet.

Gleichwohl wird sich allerdings auch das auf 726 Seiten im feinsten Wirtschaftsenglisch ausformulierte 2. Griechenland-Rettungspaket, welches die deutschen VolksParteivertreter am Morgen ihrer „alternativlosen“ Zustimmung zur Verabschiedung weiterer 130 „Rettungs“milliarden zumindest einmal sehen durften, schon bald auch nur als ein weiterer, maximal kurze Zeit erkaufender, Pyrrhussieg erweisen. Denn obwohl sich Bundeskanzlerin Merkel weiter in ihrer Realitätsverweigerung verliert („Wir weigern uns, die Pleite Griechenlands anzuerkennen. Wir können das nicht akzeptieren.“ 11.02.12), bescheinigt die nur zwei Wochen zuvor bekannt gewordene „streng vertrauliche“ 14-seitige Schuldentragfähigkeitsanalyse der „Troika“ Hellas die … Pleite!

Ungeachtet dessen wird, wie es ifo-Chef Hans-Werner Sinn treffend formulierte, „die griechische Bevölkerung von den Banken und Finanzinstituten von der Wall Street, aus London und Paris als Geisel genommen, damit das Geld aus den Rettungspaketen weiter fließt – nicht nach Griechenland, sondern in ihre eigenen Taschen.“ Ob aber die organisierte Plünderung Griechenlands auf Dauer gelingt, bleibt abzuwarten, denn schließlich könnte die „marktkonforme“ griechische Vasallenregierung samt „Troika“ auch schon vor der (noch nicht als zu erfüllende „Hilfebedingung“ verbotenen) nächsten Wahl im April aus dem Land gejagt werden … alternativlos! Denn davon, dass die soziale Situation in dem sich in die Depression sparen müssenden Land zunehmend außer Kontrolle zu geraten droht, zeugen nicht nur die ca. 20.000 Obdachlosen allein in Athen, sondern auch eine Jugendarbeitslosigkeit von knapp 50 % sowie die zunehmende Zahl von sich selbst kaum noch ernähren könnenden Familien und Müttern, die ihre Kinder zum Wohle europäischen Banken gezwungenermaßen in S.O.S.-Kinderdörfern abgeben müssen! (Seite 2)

Print Friendly, PDF & Email

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , ,

2 Kommentare auf "Scheinverbesserungen: Aus alt mach neu!"

  1. dantak sagt:

    Zinseszinssysteme sind wie die Reise nach Jerusalem. Ein lustiges Spiel, wenn man akzeptiert, dass einer keinen Stuhl findet. Wenn man aber das System begriffen hat findet man anfangs immer einen, bis nur noch ein Stuhl da ist. Da wird’s dann kniffelig.

    In Europa ist vielleicht schon gar kein Stuhl mehr da. Sicher ist aber, dass nicht alle sitzen können.

  2. Marcus sagt:

    Ich habe da mal eine ganz wichtige Frage.

    Wenn die spanischen Banken so schlecht dastehen und noch viele Hypotheken notleidend werden … Wann kündigen die Banken die Kredite an die Fußballvereine in Barcelona und Madrid? Messi und Co. sollen endlich in München, Dortmund oder besser noch inHamburg spielen. Ich faende es unerträglich, wenn wir die Vereine mit Deutschen Steuergeldern finanzieren und die dann 7:0 gewinnen.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.