Schauen Sie, was in Japan passiert

17. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Es ist zu früh zu sagen, ob die jüngste Korrektur schon wieder vorbei ist. Und es ist zu spät zu sagen, dass sie noch nicht begonnen hat. Richard Duncan sagte, dass die „Überschuss-Liquidität“ – die Lücke zwischen dem, was Regierungen absorbieren, wenn sie sich Geld leihen, und dem, was die Zentralbanken durch QE und andere Maßnahmen schaffen – im dritten Quartal zu verschwinden beginnen wird…

Dies, so sagte er, würde einen starken Anstieg der Markt-Volatilität verursachen. Wir werden sehen, wie das ausgehen wird…

Die Straße nach Tokio

In den letzten 10 Jahren oder mehr habe ich Japan als nützliches Modell dafür gesehen, um zu bestimmen, wie das Platzen der US-Kreditblase des Jahres 2008 ausgehen würde. Das ist nicht da, wo wir sein wollen… aber wir sind von den Göttern dazu verurteilt, den japanischen Fußspuren zu folgen. Warum? Ich weiß es nicht. Aber in den 1980ern wollte jeder wie die Japaner sein. Zentrales Planen, das funktioniert! Aber 1990 ging die Japan AG Pleite.

Sie bekam das, was Richard Koo vom Nomura Research Institute eine „Bilanz-Rezession“ nannte. Die Unternehmen hatten zu viele Schulden. Sie mussten Schulden zurückzahlen, um ihre Bilanzen zu sanieren. Und weil Individuen und Unternehmen ihre Ausgaben und Investitionen kürzten, führte das zu einer Rezession…zu Deflation…und zu der wirtschaftlichen Flaute, die bis heute anhält.

Das wurde durch zwei Dinge verstärkt:

1. Demographie. Die Menschen in Japan werden älter…und geben weniger Geld aus.

2. Dummheit: Die Politiker gingen mit antizyklischen Maßnahmen gegen die Rezession vor… Defizite… und dann ZIRP.

Die Welt retten

Wir Amerikaner sind diese Dinge auch nicht fremd. Im Jahr 2000 wurde der US-Aktienmarkt hart getroffen. Das war, als die „dotcom“-Blase platzte. Aber die Fed antwortete darauf noch rigoroser als die Japaner. Die Welt zu retten war bereits in den 1990ern unter Volkswirten beliebt. 1999 kamen der Fed-Vorsitzende Alan Greenspan und der US-Finanzminister Robert Rubin sowie dessen Stellvertreter Larry Summers zusammen, um den Globus vor der rapiden Spirale von Pleiten zu retten. Das TIME Magazin brachte diese drei Männer auf dem Cover, mit der Schlagzeile: „Das Komitee zur Rettung der Welt“.

Diese drei gingen mit bekannten Werkzeugen an die Arbeit: Bailouts und billige Kredite. Dies wiederum führte 7 Jahre später zu Problemen, weil es eine erheblich größere Blase in den USA erschaffen hatte, in den Bereichen Immobilien und Finanzen. Die Krise von 2008 zeigte, dass die USA klar auf dem Weg nach Tokio waren. Die Aktienkurse brachen ein. Auch das Wirtschaftswachstum. Und die Geburtenquote fiel in den USA unter das Niveau, welches notwendig ist, um den Bevölkerungsstand zu halten. Die Fed nutzte die Maßnahmen, bei welchen die Japaner Vorreiter gewesen waren – ZIRP, QE, Defizite und Bailouts -, und so schufen sie eine neue Blase bei Vermögenswerten (dieses Mal hauptsächlich bei Aktien und Anleihen).

Aber die „Erholung“ der Wirtschaft war die schwächste, die jemals aufgezeichnet worden war…und wahrscheinlich überhaupt keine Erholung. Simulieren, bis man stimuliert! Was liegt vor uns? Blicken wir nach Japan. Nach 24 Jahren sind die Japaner bereit, etwas wirklich Dummes zu tun.

„Was für Optionen hat Japan?“ fragte der Premierminister Shinzo Abe. Was war seine neue Politik? Natürlich mehr billiges Geld! Simulieren, bis man stimuliert. Das mag in einigen Bereichen des Lebens funktionieren, aber nicht in der Wirtschaft. Inspiriert von Greenspan, Rubin und Summers stellte Abe ein Komitee zur Rettung Japans zusammen. Und wie in den 1990ern hatte Abe die Weltpresse hinter sich und die Zentralbank in der Tasche. Er pumpte Billionen Yen an den japanischen Anleihenmarkt…wertete den Yen ab…und schaffte es sogar, dass der risikoaverse japanische Pensionsfonds mit 1,16 Billionen Yen seinen Anteil japanischer Aktien erhöhte.

Jetzt fallen die japanischen Löhne und Einkommen der Haushalte. Die Konsumausgaben fallen. Der Nikkei fällt. Die Industrieproduktion fällt. Und der Konsens ist, dass die japanische Wirtschaft im zweiten Quartal um 7,1% geschrumpft ist. Japan ist kein Beispiel, dem wir Amerikaner folgen sollten. Aber wir werden es dennoch.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Schauen Sie, was in Japan passiert (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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4 Kommentare auf "Schauen Sie, was in Japan passiert"

  1. FDominicus sagt:

    Nun insgesamt geht es aber dort recht gesittet und ruhig zu. Vielleicht sollte man mit soviel Glück für die USA aber auch die EU nicht rechnen. Bisher habe ich aus Japan nicht gehört, daß es a) zu Bürgerkriegsähnlichen zuständen kommt b) auch nicht von diversen Bail-Ins auf Steuerzahlerkosten (mag sein, daß ich auch einfach nicht aufmerksam genug gewesen bin)

    Schaue ich heute auf die USA sehe ich durchaus massive Unterschiede
    a) Die USA inhaftieren weltweit mit die meisten Bürger
    b) In Fergusson gibt es soweit es hier durchkommt bürgerkriegsähnliche Zustände
    c) Der „Notstand“ wird in den USA weitaus regelmässiger ausgerufen

    mit entsprechendem Einsatz des Gewaltmonopols.

    Ich persönlich kann nicht glauben, daß die USA ohne weitaus mehr Lärm und Blut abtritt….

  2. bluestar sagt:

    @FDominicus
    Ich persönlich kann das auch nicht glauben.
    Und als Deutscher kann ich nur fragen, wie blöd oder korrupt muss eigentlich eine Regierung sein um Deutschland da aktiv mit runterzureißen ?

    • FDominicus sagt:

      Vielleicht kommt da etwas mehr zusammen. Blöd, korrupt und womöglich erpressbar. Ich jedenfalls kann nicht sehen, was die Deutschen gegen die Spionage der USA machen. Ob nun die Gegenspionage es reißen wird? Meiner Meinung nach stecken die Regierungen doch mehr oder minder unter einer Decke (lassen wir mal den Putin, derzeit außen vor). Es wird verdächtigt, gelogen und betrogen. Einen großen Unterschied zwischen der EU und den USA kann ich nicht sehen. Tendenziell möchte ich den USA noch einen Vorsprung bei den Gemeinheiten zugestehen. Unsere EU-Granden arbeiten aber hart daran den USA nachzueiffern. Derzeit führen die USA aber noch mit rund 6 – 7 Billionen mehr Betrügereien? Aber auch da arbeiten wir hart dran, speziell auch Spanien, Portugal und Frankreich tun wirklich viel die Schuldentürme noch zu erhöhen ;-(

      Und Draghi über derzeit nur. So viel „easing“ hat die EZB doch noch nicht drauf. Naja, was nicht ist, …..

  3. bluestar sagt:

    Erpressbar ? Sicherlich, da gibt es US-Soldaten mit Atomraketen auf deutschem Boden,
    Goldreserven die von den Staaten „verwaltet“ werden und die NSA-Abhöraktionen waren bestimmt auch nicht umsonst.
    Das Thema Gegenspionage ordne ich dem Bereich Nebelkerzen oder billiger Gag zu.

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