Schäuble und Sinn – Wenn Wollen auf Können trifft

2. August 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble liegt wieder einmal im Clinch, diesmal mit dem Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn – ein ungleicher Kampf – Sinn vs. Unsinn. Wolfgang Schäuble tut, was er gerne tut – er schulmeistert…

Diesmal legt sich Schäuble mit einem der bedeutendsten Ökonomen des Landes, dem Präsidenten des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, an und ist zumindest um seine Hau-drauf-Rethorik nicht verlegen.

„Ich finde, Milchmädchen dürfen Milchmädchenrechnungen vorlegen. Bei Professoren sieht das schon anders aus.“ Was Schäuble so verärgerte war, dass Sinn eine Berechnung vorlegte, bei der herauskam, was nach Meinung der Bettgenossen aus Politik und internationalem Bankwesen auf gar keinen Fall herauskommen durfte – dass ein Austritt Griechenlands billiger käme, als dessen Verbleib in der Eurozone.

Sinn gebührt alleine schon dafür Dank, dass er einmal explizit auch die Kosten des von der EU-Nomenklatura favorisierten Szenarios „Schrecken ohne Ende“ berechnet hat. Denn die Studien, die ansonsten im Mainstream kursieren, bezifferen lediglich die Kosten eines Austritts („Ende mit Schrecken“) mit dem politikfreundlichen Fazit: Bloß nicht!

Wenn man allerdings die Prognosen und Einschätzungen des Dr. Wolfgang Schäuble zur Geld- und Staatsschuldenkrise in den letzten Jahren Revue passieren lässt (z.B. „Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart“, 24.7.2010), dürfte schnell klar sein, wer von den beiden das „Milchmädchen“ ist. Im Gegensatz dazu lag Prof. Sinn mit seinen Einschätzungen, insbesondere auch zur Target2-Malaise, die er frühzeitig – und ebenfalls zum Mißfallen der selbsterkorenen Euro-„Retter“ – auf die Tagesordnung brachte, um Klassen besser.

Und weil Schäubles Argumente so schwach sind, offenbart er im trotzigen Nachsatz eine weitere Facette seines Denkens:

„Mit der Autorität von akademischen Titeln und von wissenschaftlichen Instituten, die mit viel Geld vom deutschen Steuerzahler subventioniert werden ist eine besondere Verantwortung verbunden.“

Offenbar hält Schäuble den alten Duckmäuser-Grundsatz „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!“ für die ultimative Form von Berufsethos. Gleichzeitig irrt er aber auch hier, denn es ist tatsächlich Prof. Sinn, der genau jene besondere Form der Verantwortung gegenüber dem deutschen Steuerzahler zeigt, die wir beim deutschen Finanzminister seit Jahren vermissen.

Dem mag man seine Sorge um die Steuerzahler ohnehin nicht recht abnehmen. Wäre es Schäuble nämlich ernst damit, dann würde er nicht hunderte von Milliarden in der EU-Südschiene verbürgen und vers(ch)enken, sondern sich bei Prof. Sinn für vergleichsweise kleines Geld eine fundierte Lagebeurteilung abholen und diese dann auch beherzigen.

Guter Rat für Deutschland

Aber selbst das, was die Regierung Merkel/Schäuble bereits verbürgt und vers(ch)enkt hat, reicht den Euro-„Partnern“ und „Freunden“ in aller Welt nicht aus. Man kennt die „Kleiner Finger/Ganze Hand“-Problematik zur genüge. Nachdem aber bereits die ganze Hand genommen wurde, geht es nun bildlich um das Herausreißen des Oberarms. Spaniens Europaminister Mendez de Vigo verlangte(!) beispielsweise „mehr Solidarität“ von Deutschland und forderte(!) gleichzeitig Sprechverbote:

„Die Diskussion über einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone muss enden.“

Auch Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker findet nur an der eigenen Schwatzhaftigkeit Gefallen, denn das „Geschwätz“ über den Austritt Griechenlands sei „nicht hilfreich“. Eine Vokabel, die auch von der Kanzlerin gerne verwendet wird, wenn der Wunsch nach einem Maulkorb für Andersdenkende zu bestehen scheint. Luxemburgs Außenminister, Jean Asselborn, sekundierte seinem Chef und warnte sogar vor „höchst gefährlichen“ Gedanken(!). Als „europäischer Bürger“ wolle er kein Deutschland haben, „vor dem man Angst haben muss“.

Am meisten dürfte dabei das Ausbleiben Berliner Schecks ängstigen. Schließlich meinte er, man könne „nicht nur“(!) die Interessen des deutschen Steuerzahlers beachten. Wann diese im Zuge des ganzen „Rettungs“-Aktionismus überhaupt beachtet wurden, ist unbekannt. Bei soviel „europäischem Engagement“ der beiden Luxemburger wird zumindest die Interessenlage des Zwergstaates, der zugleich ein extrem hochgehebelter Bankenplatz ist, für jedermann sichtbar… (Seite 2)

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10 Kommentare auf "Schäuble und Sinn – Wenn Wollen auf Können trifft"

  1. FDominicus sagt:

    Nun wir haben ein großes Problem, Markt wurde abgeschafft. Nicht de jure nein aber de facto. Die Börsen sind ganz offensichtlich ein Spielball der Zentralbanken geworden. Solange der Zentralbank noch geglaubt wird, haben wir manipulierte Märkte. Wird sich zeigen, daß die Zentralbank nur noch Geld druck und wir über Tender im 10 oder mehr Billionenbereich lesen werden. Ist das Ende absehbar.

    Wo wirtschaftliche Scharlatanerie drin ist kann dauerhaft nichts brauchbares rauskommen. Die Scharlatanerie sind angeblich Werte (Geld) aus dem Nichts. Immer und immer wieder endete dieses Geld aus dem Nichts wieder im Nichts, und zwar mit ganz üblen Folgen für die Bewohner des Landes wo die Zentralbanken „Gott spielten“. Die EZB und Fed sind hier absolut die gefährlichsten Manipulateure. Bei der FED sind nicht nur 320 Mio US-Amerkaner „Opfer“ sondern 8 Mrd Menschen wegen der Schwachsinnigkeit Dollar als Weltwährung anzunehmen.

    In Europa sind es eher 380 oder so Millionen, aber auch der Euro hat schon eine gewissen Stellung im Weltschuldengefüge. Viele viele (zu viele) Leute haben sich in Euro verschuldet…..

  2. Rainer sagt:

    Der Schäuble (auf manchen Seiten auch Gollum genannt) will Welt oder zumindest Europas Super-Finanzminister werden und dafür wirft er mit Billionen Steuergelder (sagte ich Billionen, bald sind es Billionen) um sich. Konkret sollen also 20 Mio Steuerzahler in D. (mehr sind es doch real nicht)Gollums Machttriebe finanzieren. Da kommen Sinn´s realistischen Einschätzungen gar nicht gut, könnten sie doch den ein oder anderen Steuermichel aufwecken.
    Grx, Rainer

    • Avantgarde sagt:

      Nein – nicht auf „manchen Seiten“ sondern nur auf einer einzigen.
      Diese rechtsradikal angehauchte Seite mit menschenverachtenden Meinungen.

      Dessen Betreiber hat es Dank seiner Art geschafft überall – selbst bei „Kollegen“ rauszufliegen.
      Na – wenigstens kann er seine Pamphlete nicht mehr verteilen.
      Die Jünger dort sind inzwischen derart paranoid, daß man eine eigene Rubrik Partnersuche eingerichtet hat.

      Mamamia…

      Wie auch immer man zu Schäuble und seinen schwarzen Koffern und zu der Europolitik steht – so ist es doch unter aller Würde Menschen derart darzustellen.
      Da muß man keinen Beifall klatschen!
      🙁

      • stephan sagt:

        @avantgarde:

        Immerhin hat der Betreiber dieser Deiner Ansicht nach „rechtsradikalen und menschenverachtenden“ Website die Situation und (künftige) Entwicklung seit 2006 in der Tendenz außergewöhnlich zutreffend analysiert. Mancheiner mag aber der Realität einfach nicht ins Auge sehen – gelle?

        Bei Honnecker waren solche Leute, wie der Betreiber der von dir gemeinten Website übrigens „Klassenfeinde“. Aus Sicht von politisch korrekten Zeitgenossen sind Bürger, welche die unbequemen, realen Fakten aufzeigen und öffentlich ansprechen, heutzutage „Rechtsradikale“, wie auch all diejenigen, die dem links-grünen Ökostalinisten-Mainstream-Gedankengut nicht folgen mögen.

        Selbstständig und noch dazu systemkritisch denkende Menschen, sind ja auch echte Feinde von undemokratischen Systemen. Und damit haben wir es in D. unter Führung der neuen SED (Nachfolgename: „CDUSPDFDPGRÜNE“) fraglos zu tun. DAZU sollten man keinen Beifall klatschen!

  3. MARKT sagt:

    @ Stephan

    überlege doch bitte einmal was du schreibst.
    Jeder der nicht gleich Inflation oder besser Hyperinflation schreit, und wagt zu sagen ausschließlich Gold ist die einzig und alleinige Lösung greifst du aggressiv an.

    Ich denke, nahezu alle hier und auf ähnlich kritischen, hinterfragenden Seiten sind dem derzeitigen System und seinen Auswirkungen äußerst kritisch gegenüber eingestellt.

    Doch nur weil es unterschiedliche Denkansätze, Lösungsansätze und wohl auch unterschiedliche Ängste gibt sind wir keine Gegener sondern erst einmal Verbündete gegen das was derzeit passiert.

    Sollen wir uns jetzt auch noch verbal die Köpfe einschlagen und zugleich zuschauen was unsere „wahren Feinde“ täglich mit uns über unsere Köpfe hinweg veranstalten?

  4. stephan sagt:

    @MARKT

    Meine Äußerung ( du nennst es aggressiven Angriff) zielte allein auf das Statement von avantgarde ab, der seine Meinung zu einer bestimmten Website wiedergegeben hat und weder Denk- noch Lösungsansätze in Sachen Krise geboten hat.

    Dagegen habe ich mich nicht zu den bekannten Theorien geäußert, wie ein solches auf Schulden aufgebautes System kollabieren kann. Und ich werde auch nicht nach einer bestimmten Theorie schreien. Dies erübrigt sich ohnehin, wenn man von den Folgen des derzeitigen exorbitanten Schuldenmachens überzeugt ist: dem Schulden- und damit Systemkollaps. Bezüglich dieser Folge kann man wohl davon ausgehen, dass sich die Leserschaft von rottmeyer.de weitgehend einig ist.

    Letztlich interessant für den Einzelnen, aber auch die Gesellschaft ist, WIE man über die Auswirkungen dieser Krise hinwegkommt. Insoweit kommt der (insbesondere materiellen) Vorbereitung auf diesen Fall eine große Bedeutung zu. An diesem Punkt – also dem WIE – scheiden sich die Geister nun wieder in nicht unerheblichen Ausmaß, so dass letztich jeder für sich – und sei es auch im Rahmen einer bestimmten Community – seine Schlussfolgerungen zieht. Wer sich (einigermaßen) richtig vorbereitet hat, wird die Zeit beweisen. Die Geschichte gibt insoweit aber zumindest ein wenig Hilfestellung.

    Zum Schluss: Meiner Ansicht nach gibt es keinen Grund, einem „wahren Feind“ (wie du die handelnden Akteure selbst bezeichnest) eine entsprechende Bezeichnung zu verpassen. Worauf und warum soll ich insoweit Rücksicht nehmen (nur nebenbei: Die angesprochene Bezeichnung für Schäuble auf der in Bezug genommenen Website stammt nicht von mir.)? Wenn Herr Schäuble den IfO-Chef als Milchmädchen bezeichnet, ist das aus meiner Sicht kein qualitativer Unterschied.

  5. GoldeneRegel sagt:

    ein paar grundlegende Gedanken:

    http://www.freiwilligfrei.info/archives/3154

    Viele Grüße,

    GoldeneRegel

  6. MARKT sagt:

    @ Goldene Regel,

    Danke, du hast es eindeutig besser auf den Punkt gebracht.

    Der Egoismus und die Scheuklappen mit der durch die WElt gegangen wird ist unendlich.

    http://zitate.net/albert%20einstein.htm
    link funktioniert offensichtlich nicht. Meinte meinen „Landsmann“ Albert Einstein.

    Passt alles irgendwie

    @ stephan
    offenbar habe ich mich tatsächlich falsch ausgedrückt. Denn Deiner Antwort ist eindeutig zu entnehmen, dass „man “ meinen KOmmentar offensichtlich nicht so verstehen konnte wie er eigentlich gemeint war.

  7. Avantgarde sagt:

    Na – dann bin ich ja beruhigt, daß der Blogwart Nerven behalten hat.
    Nach dem STOPP hab ich schon gelbe Karten hageln sehen.
    🙂

    Mir geht es schlicht um einen bestimmten Umgang, eine Form, ein Benehmen.
    Es ist einfach unsachlich Menschen über ein gewisses Maß zu diffamieren.
    In Blogs in denen Tiernamen,die Fäkalkiste, Sexismus und tumbe Phrasen Usus sind hab ich nix verloren.
    Ist ganz einfach eine Niveaufrage.

    Selbst wenn jemand eine ähnliche Meinung/Teilmeinung wie ich haben sollte ist es dennoch nicht so, daß ich alles andere ebenfalls teilen muß.
    Begibt sich derjenige dann auch noch auf ein bestimmtes Niveau auf das ich nicht herunter komme dann ist bei mir der Ofen aus.
    Anders herum kann ich durchaus andere Sichtweisen nachvollziehen – ist ja nicht so daß man nicht noch was lernen könnte.
    So einfach ist das.

    Ich denke ich hab hier schon genug auch systemische Fragen beleuchtet und damit hier was beigetragen.

    Bei Gurus wäre ich generell sehr mißtrauisch.
    Könnte ja auch sein der eine oder andere irrt sich einmal – und dann??

    Auch mit „Feinde“ wäre ich vorsichtig.
    Es gibt ganz einfach Sachfragen, die man auf eine bestimmte Weise entscheiden muß – selbst wenn es sich im Nachhinein als Falsch erweisen sollte.
    Bestimmte Systeme laufen unabhängig von bestimmten Personen einfach wie sie laufen.

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