Sandmännchens Erben: Die Sandstreuer

14. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

Doch was ist das? Ein Wunder! Nach offizieller Lesart stiegen die Preise im Mai um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nur wo? Haben Sie eine Idee? Supernova hinten rechts um die Ecke?


Der von Prof. Brachinger heraus gegebene „Index wahrgenommener Inflation“ (IWI) schnellte im Mai von 3,4 auf 5,3 Prozent nach oben. Seien Sie vorsichtig! Diese Zahlen sind so gefährlich wie Zigarettenschachteln. Deshalb auch der folgende Warnhinweis: Diese Werte können deutlich vom Verbraucherpreisindex (VPI) abweichen.

Unverhofft passiert oft

Ach, es war wieder Pfingsten. An den Feiertagen ist es in den Nachrichtenredaktionen recht ruhig. Der kleinste Windzug kreiert die dicksten Schlagzeilen. Der eine fordert dies, der andere fordert das. Es gab etliches zum Thema Inflation zu hören. Das erinnert mich doch an eine Sache im Februar. Preisfrage: Von wem stammt dieser Satz?

„Von Inflation zu sprechen, ist doch neurotisch“,

Sie liegen richtig. Das sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger am 11.2.2011 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Ein knappes halbes Jahr später hat sich die Anzahl der „Neurotiker“ deutlich erhöht. Die ganze Nachbarschaft, aber auch Freunde, Bekannte und Kollegen sind offenbar komplett neurotisch geworden. Selbst in der EZB grassiert dieses „Phänomen“.

Schauen Sie, was hier gerade über den Ticker kommt: Jürgen Stark: „Aufwärtsrisiken für Inflation erfordern „hohe Wachsamkeit“. Wenn das nicht die Folgen dieser Geldsaat ist, die so gefährliche Sprossen schieben kann. Doch gleichzeitig legt Peter Bofinger im Handelsblatt nach:

„Für Deutschland besteht auf absehbare Zeit kein Inflationsrisiko, sondern in erster Linie ein ausgeprägtes Deflationsrisiko.“

Das ist interessant und zugleich betrüblich, denn über Einkaufstipps, wo diese Deflationsgefahr grassiert, schweigt  sich Bofinger beharrlich aus..

Keine Angst vor Inflation

Auch Finanzminister Schäuble hat eine Botschaft für die geneigten Leser der „Super-Illu“, die vor allem im Osten dieses Landes auf die als „Gute Nachricht des Tages“ gesendete Depesche mit Verzückung händeringend gewartet haben…

In Deutschland gebe es zwar zurzeit unter anderem aufgrund steigender Rohstoff- und Energiekosten einen gewissen Preisauftrieb. Dies sei aber „wirklich kein Anlass, eine Inflationsgefahr heraufzubeschwören“. (Quelle: Super Illu)

Ach ja, höre ich da meinen Opa sagen. Er verstand nicht viel vom Haushalt, aber von Politik. Wenn Politiker mit Ratschlägen daher kommen, sollte man besonders vorsichtig sein. Für sie ist immer Wahlkampf. Sie sagen viel. Doch nach kurzer Zeit ist oft das Gegenteil passiert. Wenigstens darauf kann man sich verlassen. Die Rente ist sicher, Griechenland bekommt keinen Euro, Bankenrettung ist für den Staat ein Geschäft, mehr brutto vom Netto, niemand hat die Absicht… Opa hätte das Meiste als „verloren gegangene und dann plötzlich wieder aus dem Nichts auftauchende Büttenreden“ bezeichnet… (Seite 3)

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