Sandmännchens Erben: Die Sandstreuer

14. Juni 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Sand, so hörte man, soll derzeit wieder hoch im Kurs stehen. Nicht dass mehr gebaut wird oder die Straßen wie im Winter glatt sind – Politik und Experten kaufen Sand in Unmengen, um ihn dann dem Volk in die Augen zu streuen…Und da war er, der Sandmann in seinem galaktischen Gefährt. Milchstraße an Erde! Lebensmittelpreise werden steigen! Palim Palim!

Wenn Unterhaltung zu Pfingsten einen Namen trägt, dann den von Matthias Horst, dem Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. Aufgefangen hat seine Nachricht aus den Tiefen des Weltalls der „Tagesspiegel“ am Montag. Dass die Preise steigen würden, überrascht ja keinen. Doch was ist das? Ein Irrtum? Eine Warnung?

„Preiserhöhungen sind nach einer achtzehnmonatigen Talfahrt der Preise unvermeidlich.“

Und sofort musste ich an Opa denken. Er hatte von Preisen, Einkaufen und Haushalten keinerlei Ahnung. Ihm wären nicht mal die kleineren Packungsgrößen aufgefallen. Meine Oma hat sich immer um alles gekümmert. Bei Herrn Horst scheint es vielleicht ähnlich zu sein. Hätte er wirklich in den letzten Monaten einkaufen müssen, wäre ihm die Pfingstblamage erspart geblieben, über die man sich in den Kommentaren der Onlinemedien so erhitzt.

Fallende Preise? Dabei zeigen diese in den letzten 18 Monaten steil nach oben. Der FAO-Preis-Index ist von 153 auf 204,4 Punkte gestiegen, wobei in den Unterindizes vor allem Getreide, Zucker und Öle deutlich stärker gestiegen sind. Diese Preise wurden nicht auf die Verbraucher abgewälzt? Wie großzügig…  (Quelle: FAO)

Da werden sich alle wundern, die täglich an der Discounter-Front diesen in „Horst`s Welt“ zu vernachlässigenden „Belanglosigkeiten“ nachgehen. Brot soll jetzt auch wieder teurer werden? Sollte man dann etwa auf Kuchen umsteigen? Als ob ich Schlagzeilen ahnen könnte…

Laut Statistikamt machen Lebensmittel rund zehn Prozent des deutschen Warenkorbs aus. Früher waren es 13 Prozent. Viele, die monatlich weniger als die durchschnittlichen 1.414 Euro zur Verfügung haben, werden protestieren. Nach letzten Berechnungen der 600 DeStatis–Mitarbeiter, die monatlich 300.000 Preise ermitteln, wurde bis auf die technische Dinge, die man ja auch unbedingt braucht, das Alltägliche deutlich teuer. Die Großhandelspreise geben einen Vorgeschmack auf das, was die Verbraucher später noch erwartet. So stiegen diese für Getreide, Saatgut und Futtermittel binnen Jahresfrist um 68 Prozent. Kein Wunder, wenn man daraus ökologisch und politisch korrektes E10 herstellt. Schuld sind immer die Spekulanten – also FED, EZB und BOJ. Da erzähle mir einer, die Preise wären nicht gestiegen. Dies wäre fast schon eine Milchstraßenrechnung… (Seite 2)

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10 Kommentare auf "Sandmännchens Erben: Die Sandstreuer"

  1. samy sagt:

    Hi,

    ich müsste da noch einmal nachfragen, aber ich meine eine Kollegin von mir hat eine Lohnerhöhung bekommen, die im Prinzip nach dem Motto funktioniert „x% Lohnerhöhung+Inflation“, also eine inflationsgesicherte Lohnerhöhung (Deckel war bei ca. 3-5% Inflation).

    Die Kollegin arbeitet für eine Bank.

    Fand ich witzig.

    VG

  2. EXE sagt:

    Ja Sand ist schon schön. Daraus kann man die dicksten Träume bauen.
    Dumm ist nur wen Wasser kommt….
    Ich halte die Inflation immer für so hoch wie die Gehaltserhöhung bei den Politikern oder warum gab es 8-9% mehr im Jahr 2010? gut sie haben schon gut gearbeitet kann man echt nichts sagen.
    Da freu ich mich doch das Silber um 35$ steht da kann man schön nachkaufen.

  3. askanier sagt:

    Ich hatte gerade „Sandsteuer“ gelesen. Hätte ich auch im Rahmen des Möglichen gehalten. 🙂
    Was soll man sagen? Inflation und Vertuschung derselben sind eben „systemimmanent“.
    Vielen Dank für den Artikel!

  4. Jochen sagt:

    Hallo Herr Meyer,

    schöner Artikel (wie immer), vielen Dank.

    Eine ‚Büttenrede‘ möchte ich noch nachreichen, weil ich die besonders lustig finde: Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel.

    Gruß aus dem ‚Bergischen Land‘

  5. wolfswurt sagt:

    Die Preise z.B. für Benzin und Brot sind noch viel zu niedrig!

    Der Geländewagenfahrer und Hundebesitzer fährt mit 10km/h noch seine Hunde spazieren.

    Der Brotkäufer wirft hartgewordenes Brot in den Müll.

    Brot und Energie(Strom, Treibstoff) müssen so teuer werden, daß ein Verschwenden selbiger schmerzt bis in das Rückenmark!

  6. DCWorld sagt:

    @Frank wieder ein lesenswerter Artikel

    @wolfswurt Ich stimme dir zu. Im Winter gab es Trauben aus Argentinien und Chile im Supermarkt zu kaufen. Das Zeug muss über den großen Teich gefahren werden, dann vom Hafen über die Strassen in den Supermarkt und alle Beteiligten verdienen auch noch etwas daran. Was soll das?

    Energie sollte in dieser Hinsicht teurer werden, damit man etwas Wasser (mit einer dünnen Haut) nicht quer durch die Welt schippern kann (darf)

  7. EXE sagt:

    @ DCWorld/wolfswurt
    stimmt nur bedingt Energie ist bei uns teuer im Vergleich zu anderen Ländern. Wen ich z.B. Neuseeland bringen darf dort werden Kiwis nach Europa Verkauft fast 98% vom Anbau. Wiederum kaufen die Neuseelender Kiwis aus Argentinien und Italien. Wäre vllt. besser da eine Stuer drauf zumachen ob es Sinn mach am Winter Trauben zu kaufen sei mal dahin gestellt. Man kann ja auch am Winter Badehosen und Eis kaufen.
    Ich stimme aber zu das das ganze Fliegen für 19€ oder 50€ nur zum Einkaufen nach London oder Paris nicht sein muss. Die Regierung befürchtet wohl das die Jungs von den Versicherungen nicht mehr den Flug nach Prag in den P… leisten können.

  8. Austrian sagt:

    Hallo Herr Meyer, Sie sollten sich einmal eine Homepage anschauen, die mir von einem ehemaligen Schuhverkäufer der Commerzbank empfohlen wurde…
    Tradecentre.de von Simon Betschinger.
    Das ist ein Erlebnis! Der Retter der Witwen und Waisen.
    Vielleicht sollte man eine Betschinger-Kolumne aufmachen, damit der Mann mal so berühmt wird, wie er es verdient 🙂

  9. matt06 sagt:

    Wunderbarer Artikel, der sehr treffend zeigt wie wir alle vera….t werden. Egal ob Metro oder andere Grosshändler ohne Ende versteckte Erhöhungen aber auch deutliche Preissteigerungen von 20% und mehr ,wie bei Molkereiprodukten und Zucker! Ach ja, hab gerade die Preiserhöhung von der Brau AG (Ösiland )zur Hand, Cola, Fanta usw. zur Sommersaison bei Containerware ca. 7-8% teurer. Ich hab mich für weniger in der Tasche entschieden und werde keine Preise erhöhe… oder vieleicht doch für mehr, weil`s noch einer zu zahlen bereit ist. Beste Grüsse, Matt06

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