Sandburgen im Niemandsland

3. März 2009 | Kategorie: Kommentare

Für die einen ist das Wochenende eine Oase des Ausspannens, andere leisten Überstunden und basteln an Präsentationen und neuen Innovationen. Sie versuchen der Krise etwas entgegen zu setzen: Gedanken und Buchstaben. Andere Buchstaben, die aus den Zeitungen, hüpfen mit Neuigkeiten umher, natürlich völlig überraschend. Und am Montag werden dann die Scherben zusammengekehrt…

Man sollte das Wochenende ohne Zeitungen verbringen, andernfalls wird schon beim Frühstück die Milch sauer. Es spart manchen Euro, den man in eine Eisdiele schaffen kann, vor allem bei diesem Wetter. Und seine Nerven schont man auch. In den Blättern wird von Schwierigkeiten und Betrug berichtet und von Zweckoptimismus verschiedener Damen und Herren, unterbrochen von Beweisen, dass es doch nicht so gekommen ist, wie man es früher gewünscht und vorhergesagt hat. Vielleicht sind es auch nur verklausulierte Entschuldigungen.

Die Commerzbank braucht vielleicht doch mehr Geld vom Staat. Ja, es ist fast schon normal geworden, den Staat anzurufen, wenn Finanzierungen, Beteiligungen oder das ganz normale Geschäft Probleme machen. Bislang hat man 18 Mrd. Euro Steuergelder an den gelben Zwerg mit einem Börsenwert von nur noch 2,4 Mrd. EUR überwiesen. Im Gegenzug wurde Deutschland über Nacht ein Land der Aktionäre, der Coba-Aktionäre. Stückpreis rund 70 Euro. Mit „Ideen nach vorn“ wirbt die Commerzbank. Doch man könne die Aktien vielleicht sogar irgendwann mit Gewinn verkaufen, sagen die, die das Geld überwiesen haben. Vielleicht. Wann, das bleibt offen…

Doch was sind die Probleme der Commerzbank im Vergleich zu denen des US-Versicherungsriesen AIG? Der braucht schon wieder Geld. 30 weitere Milliarden sollen fließen, nachdem der Versicherungskonzern im 4. Quartal 2008 zusammen 60 Mrd. Dollar versemmelt hat. Ein Anruf genügt, denn man ist systemrelevant, heißt es.

Die Cebit, die noch weltgrößte Computermesse beginnt heute in Hannover. Ein Viertel weniger Aussteller finden dieses Jahr ihren Weg in die niedersächsische Landeshauptstadt. Irritierenderweise ist der in Zahlungsnot geratene US-Staat Kalifornien in diesem Jahr das Partnerland. Arnold Schwarzenegger wird eine Runde auf der Messe drehen, zusammen mit unserer Kanzlerin. Vielleicht gibt er Frau Merkel ein paar Tipps, wie der Staat nicht wirtschaften sollte. Doch woher soll „Arnie“ das wissen?

Und der DAX? Er sieht plattgedrückt aus wie eine Flunder. Am Ende einer Täuschung steht die Ent-Täuschung in den Gesichtern. Das ist der Lauf der Dinge. Wieviel Luft noch abgelassen werden muss, das wissen die Götter. Ob alle Luftpumpen der Welt dem etwas entgegensetzen können? Es muss eine besonders große Täuschung gewesen sein, wenn man sich das Spektakel ringsherum anschaut.

Man sollte Überdruckschläuche einsetzen, fordern manche Fachleute. Ben Bernanke sollte endlich ein Blaulicht auf die Hubschrauber montieren und dann noch viel mehr Geld abwerfen, bis es meterhoch in den Straßen steht und die Leute sich nur noch bücken müssen. Wer fragt schon, woher es kommt.

Und so schraubt man weiter an einem festgefahrenen Auto ohne Dach, ölt die Bremsen und erteilt sich gegenseitig gute Ratschläge. Am kommenden Wochenende stehen diese und Berichte über neue Defekte in den Zeitungen. Doch ich bin Eisessen…

Vielleicht hat der DAX bis dahin ein Tief gesehen und ist auf Erholungskurs, so verhungert wie dieses schwarz-weiße Tierchen gerade aussieht. Und vielleicht sehen wir dann etwas im Chartbild, was einer Sandburg gleicht.

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