Sachwert schlägt Geldwert. Jetzt erst recht!

26. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Wenn ein für seine Offenheit bekannter Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken wie Andreas Schmitz kein Blatt vor den Mund nimmt, ist er es wert, hier mit einigen brisanten Aussagen zitiert zu werden…Zumal seine Amtszeit demnächst ausläuft und er deshalb umso freimütiger über alle anstehenden Probleme und ihre Lösungen reden kann, wie in diesem Fall vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten am vergangenen Mittwoch…

Sein Rundumschlag hat es mehrfach in sich:

Die Krise sei „zum Normalzustand geworden“, so Schmitz, der Interbankenmarkt werde praktisch nur noch von der Europäischen Zentralbank zusammengehalten. Der Sparkurs Griechenlands sei „nicht aufrecht zu erhalten“, die Proteste der dortigen Bevölkerung werden noch zunehmen und auch auf andere Euroländer ausstrahlen. Schmitz nennt das einen „psychologischen Dominoeffekt“. Für die Lösung des Problems der Eurozone gebe es nur zwei Möglichkeiten: Entweder eine politische Union, oder die Währungsunion kann in ihrer jetzigen Form nicht mehr bestehen bleiben. Was die zweite Alternative betrifft, „nehmen die Risiken eher zu“, so Schmitz.

Für Spanien, Portugal und weitere Euroländer sei nie die Integration der Währungsunion das wichtigste Ziel gewesen, „sondern an die Fleischtöpfe der EU zu kommen“. Kanzlerin Angela Merkel habe vor zwei Jahren, nachdem die Griechenland-Krise offen ausgebrochen und das Land dringend auf Hilfe von außen angewiesen war, einen Fehler begangen: Statt Bedingungen auszuhandeln, habe sie einfach „einen Scheck unterschrieben“. Frankreich sei immer noch „der Idee der Grande Nation verhaftet“, stehe aber ökonomisch viel schlechter da als allgemein bekannt. Und Spanien? Dort sind die Risiken, nicht zuletzt auch die der in Spanien über faule Kredite involvierten deutschen Banken, sehr ernst zu nehmen. Und sobald die Konjunktur in Deutschland zu stottern beginnt, besteht die Gefahr, dass die Krise eskaliert.

Was lässt sich dagegen tun, welche Lösungen bieten sich für all diese Probleme an? Klar, dass der Bankenpräsident, ebenso wie viele andere, den derzeit heiß diskutierten Eurobonds eine Absage erteilt. Zumindest so viel steht aber fest: Es wird, wie an dieser Stelle schon prognostiziert, gezielte Wachstumsimpulse geben, die etwa der Infrastruktur, der Bildung, Forschung und Entwicklung zugute kommen. Darauf zielt auch der neue Wachstumsplan der Bundesregierung für den Euroraum ab. An den Details wird gerade tage- und nächtelang gefeilt. Deficit Spending, wie die Finanzierung des erhofften Konjunkturaufschwungs mit der Geldgießkanne über noch mehr Staatsschulden heißt und in Eurobonds münden könnte, gilt – jedenfalls offiziell – als Tabu. Ob am Ende nicht doch noch etwas davon durchkommt, werden wir in den nächsten Wochen erfahren.

In Anbetracht der hier geschilderten Umstände nimmt es nicht wunder, dass die Kurse an den verschiedenen Märkten einerseits kurzfristig wild hin und her hüpfen, andererseits mittelfristig gewisse Tendenzen erkennen lassen. So reagieren beispielsweise die Aktienkurse auf jede Meldung und auf jedes noch so dumme Gerücht hypernervös, ohne allerdings einzubrechen, weil sie ja in jeder Schwächephase von weitsichtigen Fondsmanagern eingesammelt werden… (Seite 2)

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5 Kommentare auf "Sachwert schlägt Geldwert. Jetzt erst recht!"

  1. cubus53 sagt:

    Die Nervosität der Märkte wegen Griechenland kann ich nicht nachvollziehen. Ich glaube nicht an einen Absturz des Euro, weil das nicht im Sinne der USA oder China läge. Würde der Euro abstürzen, würde z.B. die Arbeitslosigkeit in USA weiter steigen, weil die Waren aus Europa konkurrenzlos billig wären. USA und China werden also einen schwachen Euro im Eigeninteresse stützen.

    Schon aus diesem Grund hat sich der G8-Gipfel gegen einen Austritt der Griechen ausgesprochen. Einen Austritt Griechenlands aus der Währungsunion halte ich für sehr unwahrscheinlich. Die griechischen Politiker werden mit Euros bezahlt, und die wollen auch in Zukunft mit Euros bezahlt werden und nicht mit Drachmen.

    Die Zustimmung des „griechischen Bundestags“ zur Währungsunion erfolgte schon allein deshalb wohl mehr aus Eigennutz, weniger zum Wohle des Volkes.

    Wer glaubt, in Deutschland würden die Politiker anders ticken, den frage ich, wer folgenden Satz gesagt hat : „Frau Merkel geht es nur noch um Machterhalt“.

    A) Herr Grossmann (Chef von RWE)
    B) Herr Sarrazin

  2. MARKT sagt:

    der Interbankenmarkt werde praktisch nur noch von der Europäischen Zentralbank zusammengehalten.

    Sie erkennen eine liquiditätskrise und reagieren mit der Flucht in Sachwerte?

    Na, hoffentlich ist die liquiditätsreserve groß genug.

    Denn der Interbankenmarkt wird noch einige Zeit von der Zentralbank zusammengehalten. Genauso viel wie notwendig ist um das Bedrohungsszenario aufrecht zu erhalten und keinen deut mehr.
    Die interessierten haben doch nicht Ihre Handlanger (Draghi, FED/HeliBen)an das Ruder gesetzt um das eigene Kapital zu versenken.

    Sie können ja (warum macht es das große Geld eigentlich nicht?) bei SEB IMMoinvest, CS Euroreal, Kanam Grundinvest, zugreiffen. Da wird einiges an Sachwerten frei. Und zwar zum großen Teil hervorragende Objekte.

    Vielleicht weil alles aufgrund zunehmender Liquiditätsknappheit billiiger und billiger wird.

    Natürlich kann man Sachwerte sukzessive aufbauen, sofern ausreichend zusätzliche Liquidität vorhanden ist. Die Maße ist aber durch die eigene Immobilie (die sicherlich bei den meisten auch unter der Inflationsrate retiert)extrem überinvestiert.
    Und genau aus dieser Ecke Immobilien (Steuern, Umweltschutz, haha) dürften noch einige liquiditätszehrende Überraschungen anstehen.

  3. FDominicus sagt:

    Kleine Ergänzung die 2 – 3 Banken sollte sich nicht alleine im Euro oder Dollar Block befinden….

  4. […] Rott & Meyer: Sachwert schlägt Geldwert. Jetzt erst recht! […]

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