Rutschpartie am Ayers Rock

3. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Der Preisverfall bei vielen Rohstoffen und die Folgen eines aberwitzigen Investitionsbooms verursachen immer deutlichere Risse in der nach außen noch stabil wirkenden Wirtschaft Australiens. Während sich mancher Erzbaron noch immun gegen den guten alten Schweinezyklus wähnt, fängt es in mancher Bilanz schon mächtig an zu stinken.

Eisenerz war in den letzten Jahren für viele große Rohstoffkonzerne die wichtigste Ertragsquelle. Die Preise haussierten und neue Investitionen ließen sich durch Anleihen prolemlos finanzieren. Anleger rissen den Minenkonzernen die Bonds zu lächerlichen Renditen geradezu aus den Händen. Nun klappt es mit dem Erzpreis nicht mehr so richtig, denn wenn alle großen Rohstoffunternehmen massiv investieren führt dies nicht zu höheren Gewinnen sondern zu Überkapazitäten. Nicht nur für die Unternehmen ist das unschön. Auch die Rohstoffländer bekommen die Folgen zu spüren. Jammern ist allerdings nicht angebracht, da man den Boom sowohl seitens der Unternehmen als auch in der Politik gerne mitgenommen hat.

Ebenso schön wie schlicht beschrieben hat die Zusammenhänge zwischen Rohstoffpreisen, Wirtschaft und Währung kürzlich die Reserve Bank of Australia in einem Bericht zur Entwicklung der Rohstoffpreise und der Abhängigkeit der australischen Wirtschaft.

(RBA) The rise in commodity prices has had many positive effects on the Australian economy. First, the Australian terms of trade increased to historically unprecedented levels. This boosted the purchasing power of domestic income. Also, as usually happens, the terms of trade increase was accompanied by an exchange rate appreciation. This effectively redistributed some of the benefits of the rise in the terms of trade to the broader community in the form of lower import prices. (…)

Recent research by colleagues at the Bank estimates that the total effect of the mining boom boosted living standards, as measured by real per capita household disposable income, by more than 10 per cent over the decade to 2013

Man lese und freue sich: Endlich sagt es mal einer. Eine starke Währung hat Vorteile. Bis die Flaschenpost in Europa angekommen ist, dauert es vermutlich noch eine Weile. In Zeiten, in denen Politiker mit meist juristischem oder pädagogischem Hintergrund dem Bürger den Segen einer schwachen Währung nahezubringen versuchen, wirkt diese Aussage der australischen Zentralbank wie ein frischer Windstoß, der durch einen schlecht gelüfteten Raum weht.

Die australischen Terms of Trade, vereinfacht gesagt, das Verhältnis der Preise von Exporten und Importen, haben sich im Zuge des Investitionswahns in der Tat auf geradezu drastische Weise verändert.

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Die rapide zunehmende asiatische Nachfrage nach Rohstoffen war der Treiber dieser Veränderungen. Auch bei der Erkennung des Preisfindungs-Mechanismus ist die RBA dem schwülstigen Alchimistengeschwafel der EZB um einiges voraus.

The increase in demand for raw commodities from emerging economies over the 2000s took many, including the Reserve Bank, by surprise. However, as many in the audience will know, it takes some time to ramp up large investment projects, so supply could not keep up with the rapid increase in demand and the result was a substantial rise in commodity prices over a number of years.

So sah das aus. Die Wahl der Vergangenheitsform ist von Bedeutung, denn diese Zeiten sind vorerst vorbei. Die sehr hohen Investitionen mit teils überaus hoffnungsfrohen Preisannahmen aber haben Bestand. Das gilt ebenfalls für die Schulden, mit denen sie finanziert wurden und von denen viele Unternehmen heute ein Rekordvolumen in den Büchern haben. Das sind keine guten Voraussetzungen für Zeiten austrocknender Cash Flows.

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Seit Beginn des Jahrtausends kannten die Investionen der Bergbaufirmen nur eine Richtung. Das überproportionale Wachstum zeigt der durch die blaue Linie dargestellte Anteil am BIP, er hat sich im dargestellten Zeitraum mehr als verdreifacht… (Seite 2)



 

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2 Kommentare auf "Rutschpartie am Ayers Rock"

  1. MH sagt:

    An den Worten der RBA sollte man sich dann erfreuen, solange sie noch zutreffen. Ich glaube nicht, dass sich die australische Notenbank auf Dauer der Geldparty enthalten wird. Wenn die wirtschaftlichen Probleme des Landes wachsen, wird es auch in Australien QE geben. Das ist eine ansteckende Krankheit!!

  2. Puhmuckel jun. sagt:

    Hätte Australien nicht China als Investor und Großkunden, der auch
    zukünftig Eisenerz in Unmengen abnimmt, sähe es jetzt schon trübe aus.
    Sollten die Aussies weiter den Amis hinten rein kriechen, wird China
    seine längst gesicherten weltweiten Rohstoffquellen eben ein wenig mehr
    beanspruchen und damit Australien auf den Boden der Tatsachen zurückholen.

    Das dürfte dann aber ein recht unsanftes Erwachen werden.

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