Russisch Roulette: Rubel und Trubel

21. Dezember 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Papierwährungen sehen so täuschend echt aus. Ihr schöner Schein taugt für Schönwetterzeiten, nicht aber für Stürme und Dauerregen. Nun hat es den russischen Rubel erwischt…

Seine Kaufkraft halbierte sich binnen einer Woche. Die andere Hälfte verschwindet später irgendwann auch. So geht es jeder Währung, auch wenn sie nominal gut aussieht. Der Praxistest zeigt, wie viel man davon auf den Tisch legen muss für eine Einheit an Ware. Die Russen machen damit gerade ihre Erfahrung. Tägliche Dinge werden teurer, was die Presse unter der Rubrik der ewig bösen Spekulanten verbucht.

Papiergeld lebt vom Vertrauen. Wenn dessen Maske fällt, ist es zu spät. Deshalb ist es Unfug, sämtliche Ersparnisse in Papiergeld zu parken, denn es verliert automatisch an Kaufkraft bzw. Vertrauen. Dabei wird geglaubt wie in der Kirche, Papiergeld hätte einen Wert. Im Zweifelsfall testet man Werthaltiges über eine Flamme. Wusch!

Nach der letzten russischen Währungsreform 1997 bekam man für einen Euro noch sieben Rubel, heute schon die zehnfache Menge. Manche werden einwenden, das ist aber eine Gewinnsteigerung von 1000 Prozent! Ja klar. Abwesenheit mathematischer Kenntnisse bedeutet nicht, dass man die Sache versteht bzw. im Griff hat. Beim folgenden Chart (Dollar/Rubel) sieht es nach Hausse aus. Eher das Gegenteil ist der Fall:

rubeleurou

Vor den Wechselstuben gibt es jetzt Schlangen, zeigt das Fernsehen, um den Rubel loszuwerden, solange man noch irgendetwas bekommt. Auch von Hamsterkäufen ist die Rede. Was ist der Rubel wert?

Gold als härteste und beständigste Währung der Welt kostet in Rubel jetzt zehnmal mehr als 1997 bzw. so viel wie noch nie. Dabei ist Gold doch so doof, sagen Experten. Sagen Sie das mal den Russen. Dort ist zwar eine Unze nach wie vor eine Unze, aber für kaum jemanden mehr erschwinglich. Es gibt weniger Gold für einen Rubel…

Goldrubel3

Ach, Russland ist ja zum Glück weit weg. Durchs Fernglas betrachtet, scheitert dort gerade ein weiteres Papiergeldexperiment. Dabei sind Papierwährungen wirklich prima, wenn man sie rechtzeitig für den späteren Gebrauch in etwas Besseres getauscht hat.

Bei Schwierigkeiten setzt erst eine Flucht in vermeintlich stärkere Währungen ein, dann wird in Dollar getauscht, dann ins zweite Auto, die dritte Couch, das vierte Iphone, die fünfte Küche und am Ende wird das Geld weggeworfen, da nicht mehr zu gebrauchen. Dann gibt es Neues. Papiergeld ist Vertrauenssache. Man sollte nie zuviel davon haben, weder Papiergeld noch Vertrauen. Schauen Sie nach Russland oder ins Geschichtsbuch!

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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12 Kommentare auf "Russisch Roulette: Rubel und Trubel"

  1. Helmut Josef Weber sagt:

    Wie kann man nur mit so wenig Worten so viel Wahrheit sagen?

    Viele Grüße
    H. J. Weber

  2. Argonautiker sagt:

    Es ist durchaus richtig, das Papiergeld auf Vertrauen aufgebaut ist, und wenn das Vertrauen weg ist, auch der durch den Glauben an das Geld entstandene Wert verloren ist.

    Allerdings verhält sich das beim Edelmetall nicht viel anders, denn auch bei ihm wird der Wert durch die festgelegt, die ihn dem Edelmetall zubemessen, indem sie an den Wert dessen glauben. So ist es nun mal mit allen Dingen. Glauben wir an den Wert eines Materials, bekommt es den Wert, glauben wir nicht daran, dann nicht.

    Werte von Dingen verändern sich aber nicht nur durch unseren Glauben an sie, sondern auch durch ihrer aktuellen Bedarf. Zugegeben die Edelmetalle haben sich über die Jahrtausende gesehen, als am stabilsten gezeigt. Sie sind jedoch trotzdem nichts anderes als Materie, die ihren Wert erst dadurch bekommen, daß wir an sie glauben. Zudem es nichts nutzt, wenn nur wir als Einzelperson an den Wert eines Materials glauben, sondern der übertragbare Wert von Materialien erst dann eintritt, wenn auch Andere ihm diesen Wert zubemessen.

    Ursprünglich entsteht Wert also aus einer Bedürftigkeit. Folglich ist es auch möglich, daß es Bedingungen gibt, die auch Edelmetall zu etwas nahezu wertlosem machen, denn was will man z.B. mit Gold, wenn man nichts mehr zu essen oder trinken hat? Also erst wenn diese unmittelbar zum Leben gehörenden Bedürfnisse befriedigt sind, geht es darum Werte in Materialien quasi zu konservieren, indem wir diesen auserkorenen Materialien mittels Glaubens einen Wert zubemessen, den sie aus sich eigentlich nicht haben. Der Wert von Materialien oder Geld entsteht also aus einer Art kollektiven Glaubens, den man natürlich auch manipulieren kann. Man könnte also sagen, daß wir uns derzeit in einem Krieg um den „richtigen“ Glauben befinden.

    Da tut sich eine weitere Frage auf. Gibt es denn auch Werte, die aus sich einen Wert haben, ohne das wir an sie glauben? Denn eigentlich sind nur diese von einem Glaubenswandel wirklich unbeeinflußt. Edelmetalle gehören sicherlich nicht dazu, auch wenn sie über die Jahrtausende gesehen etwas stabiler im Irrtum sind, als Papiergeld.

    Schönen Gruß aus Bremen

    • Helmut Josef Weber sagt:

      Hallo Bremer.
      Das ich mich damit geirrt habe, den größten Teil meiner Altersversorgung in Gold anzulegen, kann man mir sicherlich noch einreden.
      Aber das alle Zentralbanken der Welt, bzw. deren Verantwortliche, so dämlich sind, dass sie alle so viel Gold horten wie sie bekommen können um ihre Währungen abzusichern und im Notfall noch Reserven zu haben, das kann ich einfach nicht glauben.
      Ich kann nicht glauben, dass die Zentralbanken hunderte von Milliarden Dollar oder Euro an unnützem Metall horten. Warum horten Sie nicht Diamanten oder andere Edelmetalle wie Platin oder Palladium, die in der Industrie benötigt werden und daher immer einen Abnehmer finden.
      Warum dieses „unnütze“ Gold???
      Und das seit tausenden von Jahren, immer dieselben „dummen“ Menschen.
      Viele Grüße
      H. J. Weber

      • Argonautiker sagt:

        Nein sie haben sich sicherlich nicht geirrt, jedenfalls so lange nicht, wie Viele an die Edelmetalle glauben werden, was voraussichtlich auch noch weiterhin, beziehungsweise nach durchstandener Krise irgendwann wieder der Fall sein wird. Die Edelmetalle gehören also sicherlich zu den „Werte Containern“, die am längsten überdauern. Aber auch Gold hat eben wirklich nur dann einen Wert, wenn man daran glaubt. Und ich gönne ihnen auch, daß die Ihren überdauern. Sie kommen bei einer ernsthaften Krise halt meist erst NACH der wirklichen Krise in den Genuß ihrer Edelmetalle, weil einen die eigentliche Krise auch Materiell zunächst auf die wirklich wichtigen Werte, wie Nahrungsmittel, Wasser, und ein Dach über dem Kopf zurückwirft.

        Wasser und Nahrung sichert kurzfristig.
        Silber sichert mittelfristig.
        Gold sichert Langfristig.

        Die Mittel zur Deckung der Grundbedürfnisse bringen sie also erst in die Zeit des Überflusses wo Silber und Gold wieder etwas wert sein werden. Wobei ich mir persönlich Wünsche, daß der Glaube an den Mammon, und dazu gehört meiner Ansicht nach jede Materie, durch die Krise etwas zu Gunsten von Werten korrigiert wird, die für das Leben eben einfach so aus sich bestehen, ohne daß man kollektiv daran glauben muß.

        Schönen Gruß

    • samy sagt:

      Marktrelevante Werte?
      Nein.

      (Unter der Bedingung das wir ausreichend Wasser haben, Kleidung, satt sind und beim Schlaf ein Dach über dem Kopf finden. Die Märkte hassen so Typen wie Diogenes. Insbesondere die Immobilienmärkte. 😉 )

      VG

      • Argonautiker sagt:

        Den Diogenes hab ich immer gern gemocht. Und Huckelberry Fin, der da sagte, Geld macht einen Mann unfrei, auch.

        Wenn man mal in den Genuß gekommen ist, so viel Vertrauen zu haben, so zu leben, und gemerkt hat, daß das geht, ist alles Andere meist nur unnützes Blendwerk 😉

        Leider will man die Welt, die sich einem eigentlich täglich schenkt, halt nur noch kaufbar machen. 🙁

  3. samy sagt:

    Und die Moral von der Geschich’t?
    Tja, halbe Rubbel, die rollen nicht.

    😉

    Was würde eigentlich geschehen, wenn RUS festlegt, dass bei einem Ölpreis von unter ca. 80 Dollar das Öl in Rubbel bezahlt werden muss. Dann würde doch eine natürliche Rubbelnachfrage ausgelöst, sobald Öl als Waffe eingesetzt würde. Außerdem wäre es ein erster smarter Zug, um den Dollar ein wenig weiter abzulösen.

    VG

  4. hanny sagt:

    bei dem vielen Geld was gedruckt wird und weiter gedruckt werden wird, kann ich mir keine sichere Art als Gold und Silber vorstelle. Für mich wäre es die beste Lösung für den Rubel einen Teil mit Gold zu decken, wenn es auch weh tut aber wir brauchen eine sichere Währung und dafür wäre der Rubel doch ideal und die Währung würde viele Probleme lösen.

  5. hanny sagt:

    alle anderen Metalle sind wertlos, schauen wir uns Platin an, kaum einer hat noch das Geld sich ein Neues Auto zu kaufen also was soll das Metall, wir sind doch schon in einer Depression, es wird nur verschwiegen !!!

  6. Berufsinkontinent sagt:

    Die Russen haben ein ernstes Problem, sie haben sich mit 120 Mrd. Dollar in Fremdwährung verschuldet, vor allem die STAMOKAP-Öl-und Gas-Industrie. 40 Mrd. Dollar müssen kurzfristig „umgerubelt“, pardon „refinanziert“ werden. Und da die Russische Zentralbank keine Dollars drucken darf, muß man die Dollars von westlichen Banken bekommen, die diese aber dank (bzw. undank) westlicher Sanktionen nicht mehr an russische Schuldner rausgeben dürfen. Die sog. russischen Währungsreservern von 400 Mrd US Dollar (gehalten in grünem Papier) sind auch ein recht „übersichtlicher Schatz“, wenn börsentäglich 500 Millionen auf den Devisenmarkt geworfen werden müssen, um den Rubel zu stützen. Das ist nur eine Frage der Zeit, wann sich diese Reserven „verflüchtigt“ haben.
    Es kündigt sich ein Poitikwechsel in Rußland an hinsichtlich „Neu-Rußland“ und vielleicht sogar Krim. Der Wirtschaftskrieg erweist sich als viel wirkungsvoller als der klassische „konventionelle Krieg“.

  7. bluestar sagt:

    @Berufsinkontinent
    Das sich Wirtschaftskrieg als wirkungsvoll erweist, spüren vor allem schon viele ostdeutsche Unternehmen. Aber wenn die eigene Wirtschaft und Währung vor Stärke nur so strotzt, dann kann man sich so etwas natürlich locker leisten.
    Lustig dürfte es noch mit der CIA-Regierung der Oligarchen in der Pleite-Ukraine werden, denn die eifrigen EU-Vasallen haben noch nicht begriffen, das dieses Land der teuerste und US-Stützpunkt wird, den es jemals gegeben hat.
    Vorausschauendes Denken ist nun einmal nicht die Stärke von Politbüros, sondern konsequente Realitätsverweigerung und Fahren auf Sicht mit der Stange im Nebel. Aber zumindest spielt noch die Kapelle unter Deck für das unterhaltungshungrige Volk.

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