Bargeld: Bank Run auf Raten?

3. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Kann man Banken und dem Staat noch trauen? In Schönwetterzeiten schon. Aber diese sind ja irgendwie vorbei. Wahrscheinlich horten die Deutschen deshalb immer mehr Bargeld zu Hause als das Elektrogeld auf dem Konto bei ihrer Bank. Heimholung vor Heimsuchung?

Oha, Jeder Bundesbürger sitzt nun, statistisch gesehen, auf einem Geldhäufchen von 1.800 Euro zu Hause herum. Die Hälfte bespart sogar ein Sparschwein. Irgendwo muss das Klimpergeld ja hin und außerdem: Man weiß ja nie. Das sind 500 Euro mehr als noch vor drei Jahren. Dieser Berg summiert sich laut Daten der Bundesbank auf 144 Milliarden Euro, einem Plus von 40 Prozent binnen drei Jahren. Manche Experten behaupten ja, die plötzliche Liebe zum Bargeld wäre der Ausdruck von Sorgen vor künftiger Strafzinsen auf Erspartes. Wirklich?

Ob die Leute bei Minus-Zinsen im Ernst ihre Konten plündern? Dabei hat man jahrzehntelang mit einem mehrprozentigen Kaufkraftschwund im Jahr ohne Murren gelebt und tatenlos zugeschaut. Oder rüttelt die Idee der möglichen Strafzinsen auf Guthaben an den Grundfesten des gesunden Menschenverstandes und der Gerechtigkeit? Willkommen im zentral dirigierten Zinssozialismus!

Die meisten Experten gehen ja immer noch davon aus, dass das Geschäftsmodell einer Bank aus der sicheren Verwahrung von Geld besteht, welches dann zu einem höheren Zins verliehen wird.

Wenn das mit der Verwahrung so wäre, würde die Bank das Geld im Schließfach bzw. im Tresor für die Kunden bunkern – für ein Entgelt, versteht sich. Warum aber hat der Sparer früher noch Zinsen dafür bekommen? Weil er der Bank (wie heute auch!) sein Geld LEIHT. Nach der Einzahlung besitzt die Bank das Geld und nicht mehr der Sparer. Der Sparer hat jetzt eine Forderung gegenüber der Bank. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied, den ohnehin kaum jemand versteht. Im Falle einer Bankpleite müssen Einleger die Forderungen erst einmal eintreiben. Viel Spaß!

Mit Bargeld zu Hause besitzt man jedoch größtmögliche Handlungsfreiheit, außer das Geld wird von Dieben entführt. Man muss sich nicht sorgen, welche Probleme bei der Bank unter dem Teppich schmoren oder wenn die Aktienkurse ins Bodenlose fallen.

Ja, man könnte ja ein Bankschließfach mieten. Aber ob man da im Fall der Fälle so einfach ran darf? Wir wissen es nicht. Der Fall Zypern lehrte aber eindrücklich, selbst vor Schließfächern macht man nicht Halt.

Apropos Zypern… Nach der Pleite des Inselstaates wurden „Bail in“ – Gesetze erlassen, die ohnehin niemand versteht oder ernst nimmt. Der Raub eines Teils der Einlagen wurde demokratisch legitimiert. Nur in Italien traut man sich nicht, diese auch umzusetzen. Übrigens sah man damals, das eine Bank das Sparergeld eben nicht nur „sicher verwahrte“, als die Gläubiger dran glauben mussten. Seit den Geschehnissen in Zypern müsste man wissen, dass Geld zu Hause wahrscheinlich sicherer ist als bei einer Bank, sofern man es gut versteckt.

Als im Juni 2015 in Griechenland Kapitalverkehrskontrollen eingeführt wurden, man konnte pro Woche nur noch 420 Euro vom Konto abheben, war das ein weiterer Weckruf. Zudem wurden zig Milliarden von den Konten im Vorfeld abgehoben, von denen immer noch 15 – 20 Milliarden Euro irgendwo versteckt sind. Seitdem ist die Zahl der Einbrüche massiv gestiegen, was auch nicht wundert. Nun aber bringen es die Leute wieder zurück zur Bank, selbst wenn diese aus allen Poren riecht.

So sind die Einlagen bei griechischen Geldhäusern um 4,5 Milliarden Euro auf 127 Milliarden Euro gestiegen. In den letzten zwölf Monaten wurden vier Milliarden Bargeld eingezahlt. Manche lernen eben nie oder wiegen sich in Sicherheit, weil das Ausland irgendwelche Sicherheiten gegeben hat.

Welche Vorteile hat es, sein Geld bei der Bank zu lassen? Zinsen gibt es keine mehr. Man ist zudem Gläubiger der Bank. Okay, man ist vor Einbrechern erst mal sicher. Doch auf dem Konto einbrechen, darf dann nur der Staat. Vielleicht ist in dieser Hinsicht das Leben auch in geldlichen Dingen eine Mischkalkulation.

Warum sollte man sein Geld nicht zuhause horten? Man kann sofort zugreifen, kann sich den Weg zur Bank sparen. Sparen? Sonst taugt eine Bank ja nichts mehr und man weiß ohnehin, dass die anderen ohnehin alles wissen, da sie das Bankgeheimnis vor ein paar Jahren schleichend getötet haben.

Doch der Schein trügt, wenn man zu Hause auf diesen schläft oder sitzt. Auch wenn andere behaupten, Bargeld wäre gedruckte Freiheit, so gilt dieser Spruch auch nur in Schönwetterzeiten. Beim genaueren Betrachten steht fest, es ist bedruckte Baumwolle und nicht mehr. Solange aber die Leute glauben, sie würden echtes Geld benutzen, funktioniert die kollektive Täuschung.

Beim Scheitern einer Währung (Wochenenden eignen sich dafür am besten) ist das Häufchen vermeintlichen Glücks auch nur das wert, was man dann dafür bekommt. Man hätte es dann rechtzeitig ausgegeben und damit in etwas Besseres tauschen sollen. Zumindest spart man sich dann das Toilettenpapier, ein paar Quadratmeter Tapete und kann in stillen Zeiten auf dem stillen Örtchen voller Nostalgie über die Sicherheit des Geldes nachdenken. Und wer diese bunten Scheine dann ins Licht hält, darf man nochmal über die Sicherheitsmerkmale unseres Geldes nachdenken und sagen: „Ach hätte ich doch…!“

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar