Ruhe vor den Stürmen?

9. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Pünktlich mit den ersten Lebkuchen taucht jetzt auch wieder der Begriff der „Jahresenderallye“ auf. Die Anleger erwarten das, sagen Experten. Na mal sehen, ob es wieder schiefgeht. Wo der DAX am Jahresende steht? Fragen Sie mich am 1. Januar nochmal.

Fakt ist, er kommt nicht voran. Dabei sollte er zum Jahresende bei 11.844 Punkten stehen, meinte die Expertenschaft zum Jahresbeginn, als der DAX bei 10.743 Zählern startete. Erinnern wir uns… Erinnern wir uns: Das Jahr startete verheißungsvoll mit der Jahresanfangsrallye. Die hatte nur ein negatives Vorzeichen. Dann rallyete es vor, während und nach dem Frühjahr, kam im Sommer nicht zum Halten und ging nahtlos in den Herbst über. Gefühlt jedenfalls. Erwarten Sie nichts von Prognosen! Viele werden wohl mit Dartpfeilen geworfen oder ausgewürfelt oder sind schlichtweg Wunsch oder Bankpolitik.

Gleiches gilt für Gold. Das gelbe Blech ist diese Woche um vier Prozent billiger geworden. Nur(!) noch 18 Prozent beträgt der Jahresgewinn – weil die US-Zinsen steigen könnten. Wie oft eigentlich noch? Der Trick funktioniert jedoch noch prächtig.

Als sie das letzte Mal zwischen 2003 und 2006 von einem auf 5,25 Prozent angehoben wurden, stieg Gold um 60 Prozent. Zudem hieß es, die EZB wolle monatlich nur noch 70 statt 80 Milliarden Euro im Monat drucken, was eine Ente war. Manch Knallkopp schwafelte trotzdem von einer Straffung der Geldpolitik.

Und da wäre noch die Deutsche Bank. Nein, lassen wir das! Schließlich hat die US-Ratingagentur Moody`s den deutschen Banken Stabilität attestiert. Vielleicht meinen sie auch die eines Kartenhauses. Moody`s? Haben die nicht damals auf die giftigen Kreditpakete ein AAA-Siegel geklebt, als die stinkende Brühe unten schon heraus tropfte?

Unterdessen stieg der weltweite Schuldenberg auf rekordhohe 152 Billionen US-Dollar. Das entspricht 225 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Tja, wenn die Schulden stärker wachsen als die Wirtschaft, ist das wie ein Auto mit immer mehr PS, welches immer langsamer fährt und dann rückwärts in den Graben rollt. Das ist der Grund, weshalb ich Gold so genau beobachte. Irgendwann gibt es kein Wachstum mehr, sondern nur noch explodierende Schulden. Und da die Schulden des einen die Guthaben der anderen sind, ahnen Sie schon, was dann passiert.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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2 Kommentare auf "Ruhe vor den Stürmen?"

  1. bluestar sagt:

    Klasse Artikel, der Vergleich mit dem Auto ist Spitze !!!
    Vielleicht fällt der Wagen nicht rückwärts in den Graben sondern explodiert unerwartet vorher, von den ständig gesteigerten PS ??? Gruselig ist das ganze Szenario allemal.

  2. Insasse sagt:

    „Wo der DAX am Jahresende steht? Fragen Sie mich am 1. Januar nochmal.“

    Hahahahaha…der ist gut! Mit einer Frage und einer Antwort, wird die ganze Absurdität dieses „Analyse-Rituals“ bloßgestellt. Zu diesem BörsenSPIEL gehören natürlich zwei: Die Fragenden, die wissen, dass sie keine zutreffende Antwort bekommen können, aber trotzdem eine haben wollen und die Antwortenden, welche diese Nachfrage bedienen, wohlwissend, dass sie die richtige Antwort nicht liefern können. Realitätsverweigerung ist ja sooooooo schön…

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