Rohstoff-Schmerz als Saat des nächsten Booms

23. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nichts hilft so gut gegen hohe Preise wie hohe Preise. Dieser sehr wahre Satz gilt leicht verändert auch für niedrige Preise. Der Kollaps der Investitionen australischer Rohstoffkonzerne belegt eindrucksvoll, wie fallende Rohstoffpreise die Saat für den nächsten Bullenmarkt auslegen…

Vorher bleibt es aber schmerzhaft.

Nun mag die nächste Hausse der Basismaterialien noch eine Weile auf sich warten lassen. Die bemerkenswerten Zahlen der australischen Statistiker sollten aber für einen roten Eintrag im Notizbuch ausreichen.

Bis 2017 wird ein Rückgang der Ausgaben um mehr als 90% erwartet. Zugegebenermaßen fallen die Investitionen von hohen Niveaus, aber ein Kollaps, wie er aktuell zu beobachten ist, führt de facto zu einem Explorationsstop. Wohin eine längerfristige Unterbrechung der Suche nach neuen Erzstätten oder aber alleine die temporäre Stilllegung laufender Projekte führen kann, ist klar.

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Die oben stehende Grafik zeigt der Verlauf der quartalsweisen Investitionen in Australien. Die Ausgaben sind nicht inflationsbereinigt. Die stetige Verteuerung der Exploration und Aufbereitung sind nicht berücksichtigt. Realisiert sich der erwartete 90%ige Rückgang bis 2017, dann finden sich die Ausgaben auf dem Niveau der frühen 80iger Jahre wieder. Damals gab es für den Dollar allerdings noch ein paar Gerätschaften und Kilowattstunden Strom mehr. Zudem waren die Erzgrade deutlich höher, aber an deren Schrumpfung hat man sich ja bereits gewöhnt.

Gerade hat Glencore ein neues Glanzlicht der Fehlinvestitionen gesetzt. Man verkaufte die Cosmos Nickelmine in Australien für 19 Millionen US-Dollar. Erworben hatte man sie im Rahmen der Übernahme von Xstrata. Der Konzern hatte 2007 satte 3,1 Milliarden AU-$ (2,4 Mrd. US-$, kein Schreibfehler) für die Mine auf den Tisch gelegt. Seit Dezember hatte Glencore einen Käufer für die Mine gesucht. Ein Preisabschlag von mehr als 99% war nun offenbar genug.


Bemerkenswert ist die Stabilität der Investitionen für Exploration von Gold.

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Quelle: Mineweb

An überbordenden finanziellen Mitteln der Goldminen kann es nicht liegen. Der Sektor kämpft seit geraumer Zeit mit teils tiefroten Cash-Flows. Einige lassen sich davon nicht beeindrucken, darunter Newmont Mining. Der Konzern lässt gerade 820$ Millionen Dollar für eine Mine von AngloGold Ashanti springen.

(Reuters) Newmont Mining has agreed to buy the Cripple Creek & Victor gold mine in Colorado from AngloGold Ashanti for $820 million, giving the world’s No. 2 gold producer an expanding asset in a mining-friendly jurisdiction. (…) In addition to the cash payment, AngloGold will also receive a net smelter royalty on future underground production at the mine. Newmont will issue 29 million shares in a public offering to help fund the purchase.

Ob diese Transaktion für Newmont oder Anglogold Ashanti der bessere Deal ist, wird die Zukunft zeigen. Anglogold kann sich einiger Schulden entledigen und erhält neben Geld noch einige Förderabgaben. Newmont erhält eine Mine und ärgert die Aktionäre mit einer erneuten Verwässerung. In Kürze werden 29 Millionen neue Aktien unters Volk gebracht. Besondere Jubelstimmung unter den Anteilseigner ist nicht zu erwarten. Der folgende Chart zeigt die laufende Verwässerung der Newmont Aktie. Die Kurven zeigen den Börsenwert des Unternehmens und die Anzahl ausstehender Papiere. Die Nettoverschuldung die vor zehn Jahren noch ein Nettovermögen war, ist mittlerweile halb so hoch wie der Jahresumsatz. Offenbar wollte man sich an dieser Front nicht weiter exponieren.

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Die Vorteile der Finanzierung über Eigenkapital anstelle von Fremdkapital sind klar. Es werden keine Zinskupons fällig, die eine entsprechende Liquidität voraussetzen. Da es keine festen Zahlungsverpflichtungen während der Laufzeit gibt und Aktien bekanntlich nicht fällig werden, hat das Unternehmen Zeit um auf die erhofften Zusatzerträge aus dem Neuerwerb zu warten. Nur Verluste respektive anhaltend negative Cash Flows sollte man sich und den Aktionären besser ersparen. Allem Sparzwang zum Trotz ist bei den australischen Explorationsausgaben im Goldsektor ist bisher kein großer Einbruch zu erkennen. Hier muss die Saat erst noch ausgebracht werden.

Kommt es an den Rohstoffmärkten in den kommenden Jahren zu nennenswerten Defiziten, werden die Preise äußerst sensibel reagieren. Bis die ersten auch nur ausgerechnet haben, wie lange es dauern könnte, neue Produktionsstätten zu erschließen oder auf Eis gelegte Projekte zu beenden, dürften die Preistiefs bereits außer Sichtweite geraten sein. Ein wacher Blick auf die längerfristigen Preisverläufe und die Abschlüsse markanter Bodenbildungen ist daher sinnvoll. Zunächst aber ist Geduld gefragt, denn der letzte Investitionsboom ist ohne Beispiel. Den Tages- oder Wochenchart sollte man also ruhig beiseite legen. Der Monatschart tut’s auch. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis der große Investitons-Brocken verdaut ist.

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10 Kommentare auf "Rohstoff-Schmerz als Saat des nächsten Booms"

  1. Helmut Ott sagt:

    … Ihre Beiträge sind für mich seit Langem die Highlights. Einfach Tacheles. Und fundiert.
    In Bayern dat mer sogn – der scheisst si nix …
    Vielen Dank!

  2. MFK sagt:

    Durch den Zukauf erhöht sich ja die Dividende *Ironie aus*. Immerhin produzierte Newmont in 2014 eine Dividendenrendite von 1,18%. Nicht schlecht für ein Unternehmen, welches davon lebt seine Substanz zu verhöckern. Nach 55 Jahren hat man immerhin den Kaufpreis der Aktie wieder raus. Nur dumm, wenn vorher die Goldvorräte ausgehen.

  3. Sandra sagt:

    Nach meiner Auffassung sind Kredite Entwicklungshilfe und Entwicklungshilfen sind Kredite. OMG

  4. Skyjumper sagt:

    Immer diese Schwarzmalerei 🙂

    Das Geschäft war doch viel viel besser liebes Bankhaus Rott. Beinhaltete der Deal von xstrata damals auf dem Nickel-Peak nicht auch die Sinclair Nickel Mine, zusammen mit der Cosmos Mine? Und die Sinclair Mine hat Glencore immerhin schon letztes Jahr für sagenhafte 10 Mill. $ verkauft, womit der Gesamterlös dann mit dem jetzigen Verkauf auf sagenhafte 29 Mill $ angestiegen ist.

    Manchmal möchte man nur einen Bruchteil von den Reichtümern bekommen den unbedarfte Vorstände regelmässig für nix verpulvern.

  5. Tiannanmen sagt:

    Seit Jahren lese ich mit Freude die Artikel, ganz besonders jene über „optimistische/freundliche“ Darstellungen in Geschäftsberichten.

    Mit der Grafik reiht sich der Herr Vorstand aber in dieser Reihe ein. Die linke Skala ist ein Musterbeispiel im Kapitel Lügen mit Statistik

  6. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo Tiannanmen,

    dann helfen Sie uns bitte auf die Sprünge. Die linke Skala, wir nehmen an, Sie meinen die Anzahl der ausstehenden Aktien von Newmont Mining, gibt eben diese Zahl wieder. Im Chart sehen sie den im Text erwähnten Anstieg der ausstehenden Aktien um rund 6%.

    Sollten Sie etwas Irreführendes oder einen Fehler entdeckt haben, würden wir uns freuen, dies beheben zu können.

    Mit dem Wort „Lüge“ sollte man vorsichtig umgehen, aber das ist natürlich Geschmackssache.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

    • FDominicus sagt:

      Es gibt schon Punkte bei denen der Begriff Lüge angebracht ist, z.B. die sicheren 100 000 € Sichteinlagen. Die „Stabilität“ der Währung, der Mython vom gleichen Recht und Gesetze gelten für alle. Die Liste kann man sicherlich noch meilenweit fortsetzen….

      Lüge ist dort keine Übertreibung sondern Stand der Dinge..

  7. Tollo sagt:

    toll geschrieben, danke

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