Rocket Internet: Keine Gnade für Raketenforscher

30. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Rocket Internet. Der Name der diese Woche an die Börse gehenden Firma geistert derzeit durch viele Gazetten. Laut Frankfurter Rundschau schickt sich das Unternehmen sogar an, die Welt zu erobern. Lässt man die platten Werbesprüche beiseite und schaut in den Börsenprospekt des Unternehmens findet man beste Unterhaltung…

In der Frankfurter Rundschau darf man folgendes lesen:

Oliver Samwer macht keinen Hehl daraus, dass er mit Rocket Internet die Welt erobern will. 5,4 Milliarden Menschen gehörten zur Zielgruppe der Rocket-Startups. Rocket wolle mit seinem Geflecht junger Internet-Firmen die größte Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas sein, verkündete er am Mittwoch zum Startschuss für den Börsengang.

Das sind ganz schön viele potenzielle Kunden, die dem Geflecht junger Internet-Firmen Geld in die Kassen spülen sollen. Die mehr als eine Milliarde Menschen, die weniger als einen Dollar pro Tag zur Verfügung haben, hat man offenbar nicht im Visier. Aber wenn die indische Landbevölkerung und die Menschen südlich der Sahara erstmal ihren Tee und Reis über das (geleaste) Smartphone bestellen, geht die Saat der Samwers ganz sicher auf finanziell auf. Ganz sicher …

Abgesehen vom Marketing und altbekannten Internet-Platitüden findet sich im Prospekt zum Börsengang manche wohl ernst gemeinte Anmerkung. Wenn nicht anders erwähnt stammen die Zitate im Artikel aus der deutschen Übersetzung des Börsenprospekts (S-27).

Unsere ausgereiftesten Unternehmen, die sogenannten „proven winners“ (bewährte Gewinner), erwirtschafteten Gesamtumsatzerlöse von € 757 Mio. (ungeprüfter Gesamtbetrag ihrer Umsatzerlöse auf der Grundlage der für die jeweilige Gesellschaft anzuwendenden allgemein anerkannten Bewertungs- und Bilanzierungsgrundsätze, jeweils für das letzte Geschäftsjahr, für das Daten zur Verfügung standen) sowie Gesamtjahresfehlbeträge von € 442 Mio. (…)

Bei diesen Erträgen interessiert den geneigten Leser natürlich die Bewertung.

Die gesamten von der Emittentin, unmittelbar und mittelbar gehaltenen Anteile an allen unseren Unternehmen einschließlich der proven winners, der wachsenden Unternehmen, die bereits eine bedeutende Größe erreicht haben und die wir als „emerging stars“ (aufstrebende Sterne) bezeichnen, unserer regionalen Internetunternehmensgruppen und unserer anderen wesentlichen strategischen Beteiligungen und sonstiger Investitionen haben – basierend auf der jeweils letzten Finanzierungsrunde unter Beteiligung außenstehender Dritter (wie nachstehend unter diesem Element B. 3 näher erläutert) – einen Gesamtwert von € 2,6 Mrd(1).

Klingt beachtlich, die erwähnte Fußnote enthält jedoch folgenden für die Beurteilung dieses „Gesamtwertes“ nicht ganz unwichtigen Passus:

Ungeprüft. Basierend auf Rechnungswesen bzw. Controllingunterlagen der Emittentin berechnet.

Weiter geht’s.

Wir bauen Internetgeschäftsmodelle, die die Grundbedürfnisse von Konsumenten befriedigen, vorwiegend auf drei Kerngebieten auf. Zu unseren Unternehmen des E-Commerce gehören Einzelhandelsunternehmen in den Bereichen Mode, Konsumgüter, Haus und Wohnen sowie Bürobedarf und Lebensmittel. Unsere Marktplatzunternehmen streben danach, herkömmliche Lieferketten zu ersetzen, indem sie Wege eröffnen, mittels derer Käufer und Verkäufer direkt miteinander Geschäfte vornehmen können; dies schließt Immobilien- und Kfz-Internetkleinanzeigen, Reisen und Transport sowie Essenslieferdienste ein. (…).

Beim Lesen mancher Textstellen wird man den Verdacht nicht los, man hat auch das Schreiben dieses Textes bereits über das Internet an Praktikanten ausgelagert. Vielleicht zielten die Verfasser aber lediglich auf schlichte Phrasen ab, die entfernt an TV-Nachrichten für Kinder erinnern.

Schön finden wir auch den folgenden Abschnitt der zeigen soll, was man in der Zukunft anders machen will als bisher.

In der Vergangenheit bedeutete dies, dass die direkten und indirekten Beteiligungen der Emittentin an den Unternehmen im Zeitablauf mit zunehmender Größe und Reifegrad der Unternehmen auf unter 50 % gesunken sind. Daher kontrolliert die Emittentin die meisten unserer Unternehmen nicht. Die Emittentin beabsichtigt gegenwärtig, zukünftig, einen Anteil von mindestens 50 % des wirtschaftlichen Eigentums an den meisten neuen Unternehmen zu behalten. Das bedeutet, dass sich die Kapitaleinlagen der Emittentin in den Unternehmen erhöhen und die Emittentin noch bedeutsamer an deren Entwicklung teilhaben werden.

Man möchte „noch bedeutsamer“ an einer Entwicklung teilhaben. Was mag man damit wohl meinen. Bevor man die Teilhabe an den wundersamen Entwicklungen hochschraubt, sollte man vielleicht in einem ersten Schritt versuchen, ein paar positive Cash Flows zu generieren. An verlustbringendem Umsatzwachstum sind schon viele gescheitert, ein Problem, mit dem bekanntlich auch Amazon kämpft aber nicht von der Stelle kommt. Für Raketenforscher dürfte dieser einfache Schritt vor der „bedeutsameren Teilhabe“ sicher ein Leichtes sein.

Auch der Blick auf die Strategie bietet Unterhaltsames:

Strategie

Die Emittentin strebt danach, die größte Internetplattform der Welt außerhalb der USA und Chinas zu werden. Die wesentlichen Elemente der gegenwärtigen Strategie der Emittentin umfassen: Bewältigung der Vielschichtigkeit unserer Märkte und Lokalisierung in jeder Dimension.

Vielschichtigkeit und Lokalisierung in jeder Dimension. Das klingt wie ein Werbetext zur Verklärung zusammengelöteter Metalltrümmer zu moderner Kunst. Es stellt sich die Frage: „Ist das ein Geschäftsmodell oder kann das weg?“

Abdeckung eines großen Teils der Konsumentenausgaben durch Ausnutzen unseres mobilen Ecosystems, um von der Smartphone-Revolution zu profitieren. Ausbau unseres bestehenden Netzwerks von Unternehmen.

Wie hätten sie ihr mobiles Ecoystem denn gerne? Mindestens 10 Neugründungen pro Jahr in Afrika, Indonesien oder Argentinien?

Behalten von Mehrheitsbeteiligungen an neuen Unternehmen, gezielte Erhöhung der Anteile an emerging stars.

Emerging Stars. Das waren die mit den Verlusten, die man aber eigentlich nicht so recht bewerten konnte.

Verfolgung einer ausgewogenen Strategie anhaltend hohen Wachstums in Verbindung mit im Laufe der Zeit verbesserter Rentabilität für unsere proven winners.

Proven winners. Das waren die anderen mit den Verlusten, die man genauer ermitteln konnte.

Wenngleich wir davon ausgehen, dass unsere proven winners Potenzial zeigen, besteht keine Sicherheit, dass diese tatsächlich zu erfolgreichen Unternehmen werden.

Proven winners, bei denen man nicht weiß, ob sie in der Zukunft einmal erfolgreiche Unternehmen werden. Das ist internetökonomischer Neusprech 2.0. Wie würde man wohl ein erfolgreiches Unternehmen im Hause Rocket Internet nennen?

Mit Ausnahme der proven winners verfügt die Emittentin jedoch nicht über Informationen, die es ihr erlauben würden, den Gesamtverlust der Unternehmen in einer der anderen Kategorien verlässlich zu ermitteln.

Das schafft Vertrauen.

Die proven winners erwirtschafteten Gesamtjahresfehlbeträge von € 442 Mio. (ungeprüfter Gesamtbetrag ihrer Jahresfehlbeträge auf der Grundlage der für die jeweilige Gesellschaft anzuwendenden allgemein anerkannten Bewertungs- und Bilanzierungsgrundsätze, jeweils für das letzte Geschäftsjahr, für das Daten zur Verfügung standen und unter Bereinigung von außerordentlichen Erträgen von Dafiti resultierend aus der Bewertung von Kommanditanteilen). Betreffend die emerging stars verfügt die Emittentin über belastbare und aussagekräftige Finanzinformationen für CupoNation, Lendico, Paymill und Zencap.

Hier einige Finanzdaten zu den bewährten verlustbringenden Gewinnern und denen, die noch soweit kommen wollen… (Seite 2)


 

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12 Kommentare auf "Rocket Internet: Keine Gnade für Raketenforscher"

  1. stonefights sagt:

    „Vielleicht zielten die Verfasser aber lediglich auf schlichte Phrasen ab, die entfernt an TV-Nachrichten für Kinder erinnern.“
    Ich bin davon überzeugt, das ein solches Vorgehen lediglich der Analyse von möglichen Zeichnern ausserhalb des Ariane V88 Projekts geschuldet ist.
    In Zeiten der Metamorphosen Wandlung der menschlichen Spezies vom Orwellschen Grosshirn zum Idiocracy Kleinhirn ist das doch eine durchaus anerkennenswert, derrivative Leistung, wenn auch die Einzigste ?
    lg, stonefights

  2. bluestar sagt:

    Vielen Dank an mein liebstes Bankhaus.
    Wenn man die Dinge mit etwas Abstand betrachtet ist das alles sehr unterhaltsam.
    Der Oliver Samwer ist ein begnadeter Vollblutverkäufer von Visionen, das ist heutzutage ausreichend. Expansion/ Investitionen in die Zukunft, da gibt es natürlich noch keine schwarzen Zahlen, so einfach ist das und alle sind begeistert.
    Ich bin mir sicher, die Samwer-Brüder machen richtig Kasse. Bisher wurde nur Geld von einzelnen Milliardären verbrannt, die brauchen jetzt einen profitablen Exit. Da Dummheit und Gier bekanntlich stärker sind als Vernunft und Lernfähigkeit funktionieren solche Aktionen immer wieder super und es wird genügend Käufer der Aktien geben.
    Erinnert mich alles an Wahlen in Deutschland. Für Versprechungen und Hoffnungen gibt es ein Kreuzchen. Dann wird alles ganz anders wie versprochen oder gehofft. Und: man wählt wieder diesen Einheitsbrei oder verweigert sich vollständig.

  3. Michael sagt:

    Ich würde nicht zuviel auf den Prospekt geben. Die Unternehmen selbst sind schon ok. Irgendwann mal verlieren die alteingesessen Platzhirschen ihr Geweih. Das sich Venture Capitalisten heut eher als ‚Unternehmen‘ ausgeben ist nicht ungewöhnlich.

    Rocket Internet ist ein ‚Venture Capitalist‘. Das ist gutes Business. Es ist vollkommen egal ob die Schuppen positiv fahren, die leben davon dass sie Unternehmen auf die Beine stellen und verkaufen. Das rechnet sich wohl. Wer an der Zukunft teilhaben will der wird mal setzen müssen. Ich warte bis die Kurse unten sind (gierig wie ich bin und streuungsbewußt) … an sich sind solche Unternehmen Ausdruck einer anderen Unternehmer und Finanzierungstradition. Solche Pferde im Stall zu haben kann nicht schaden.

    Der echte Ausschuß bspw. im Valley ist schon weg … die absolut irren Ideen nach 2008 sind schon eher Geschichte.

    Rocket Internet ist ein Element der Creative Destruction, die läuft. Es ist halt der Unternehmer der sich aufmacht am Markt das Monopol zu erringen. Grundlagen Österreichische Schule. Das schaut heut anders aus.

    http://internetdealbook.com/tag/rocket-internet/

    Für mich ist die Häufung der IPOs eher ein Anzeichen, dass die Investoren den Markt als ansprechend bewertet ansehen. Wenn für andere Quelle versiegt haben die alle Zeit der Welt im begrenzten Rahmen die Position zu verbreitern. Das wäre eine Idee die man mitnehmen kann. Dass der Handel im Umbruch ist – ist so. Es gibt einerseits günstigere Gesamtlösungen und eben noch nicht übersättigte Märkte. Da ist noch einiges drinnen. Es darf sich dann auch keiner Wundern, wenn solche Geschäftspraktiken zum Ende von ‚Traditions’unternehmen führen. Die Kunden suchen sich andere Lösungen … das ist so. Das tun sie jetzt.

    Jo damals kaufte man die Möbel noch in großen Häusern … sagte der Opa. Jojo. Opa. Du willst uns einen Bären aufbinden 🙂 (neulich in Deutschland, 2027).

    Bankhaus Rott – Glauben sie wirklich, dass die Möbel oder Teppiche im Möbelhaus nicht von Riesenkonzernen stammen (großen Vertriebsorganisationen) das ist heut schon so. Der Kunde geht halt noch ins Geschäft, aber dahinter vertreiben auch schon konsolidierende Strukturen die Produkte vieler Hersteller.

    Der Mann meiner Taufpatin macht auch seit Jahrzehnten, damals als erster der mir bekannt ist, rundum Gesamtlösungen für Spitäler und Arbeitskleidung (inkl. Reinigung usw…) angeboten. Der ist nicht an der Börse notiert, aber der hat schon bald damals den übernommen Betrieb mit CAD/CAM ausgestattet und das Produkt neu überlegt. Der setzt auf qualitativ hochwertige Einsatzstoffe usw…

  4. Michael sagt:

    Es gibt wahrlich einen Unterschied zu 2000. Die Unternehmen sind ganz gezielt aufgesetzt und greifen ganz bewusst Schwächen anderer Absatzstrukturen und deren Teilnehmer an. Das ist zu Beginn etwas intensiv. Klar handelt es sich um ein Art Penetration Strategie. Man erschließt neue Nieschen (global sind Nieschen nicht wirklich klein) oder besetzt alte in dem man einfach bestehende Flutet setzt sich oben in ein Boot und wartet bis die Konkurrenz die Luft ausgeht.

    campus – Business Model Generation sei als Kuschellektüre empfohlen.

    Es war immer eine Frage des Gelds, ob eine neue Idee durchkommt oder nicht. Startups sterben entweder schnell oder nicht. Die meisten in 2k starben da ihnen die Luft ausging sprich die Finanzierung zusammenbrach. Man hat auch im Umfeld 2k Unternehmen abgedreht die Gewinn brachten, so kühn ist man heute nicht mehr. Die verkauft man an andere die eben in der Nische einfach die Unternehmen das letzte Fett vom Körper holen und eben so durch minimalen Kapitaleinsatz die Rendite steigern. Das geht alles.

    Rocket Internet ist der Capitalist. Eine Art Investmentbank wenn man so will. Muss man sich bevor man die Aktie erwirbt halt die einzelnen Beteiligungen ansehen…

    Denke die Message ist eben – die Aktienmärkte sind reif. Wie der Dirk Müller anmerkte in einem Interview. Die Gesichte wiederholt sie nicht, aber aus der Sicht des Anleger kann man durchaus den Vergleich mit der Vergangenheit ziehen. Es ist die Reife des Marktes die uns an sich zu Denken geben sollte und weniger jetzt die Anteilnahme am Chancengenerator Rocket Internet.

    Aus der Präsentation heraus würde ich jetzt mal nichts schließen. IT Konzerne entstehen so. Es ist noch kein Grund anzunehmen, dass da eine Schwindelei dahintersteht. Das noch nicht. Was aber kann blühen ist eben eine Art Wartefrist bis sich die Hoffnungen erfüllen. Ich sehe so etwas als Beitrag zur Modernisierung zur Weltwirtschaft. Aber den Beitrag wie zuvor erwähnt sehe ich eher in der Zukunft zu günstigerem Preis. Wenn man die Deutschen Versorger um günstig kauft kann man ruhig auch Rocket Internet mitaufnehmen. Aber im Sinne der Pensionsvorsorge alles auf diese Karte zu setzen wäre noch nichtmal bei einem deutschen Versorger ein guter Rat.

    Mehr Vision als ein Deutscher Autobauer hat Rocket Internet oder ein ähnliches Angebot durchaus im Moment. Nach dem IPO und ‚Crash‘ an der Börse haben die mit RI verbunden Unternehmen Zeit genug ihre Position zu festigen.

    BMW ist auch nichts anderes. BMW an der Börse ist genausowenig die konkrete Betriebsstätte. Ein günstiges Goldmünzchen zum bescheidenen Preis ist bestimmt pflegeleichter.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Servus Michael!

      Rocket Internet ist im Vergleich zu anderen Internetunternehmen nicht einmal die Sparkasse um die Ecke. Die Beteiligungen sollte man sich in der Tat ansehen, dann sieht man, dass diese über lange Zeit neues Geld benötigen, sei es über neue Schulden oder Anteilsverkäufe, um lediglich die Nase über Wasser zu halten.

      Von Visionen, abgesehen von großen Worten, vermögen wir nicht viel zu erkennen. Das was man als Vision verkauft ist nichts anderes als viele andere ebenfalls machen, sie folgen einem schon lange anhaltenden Prozess der Verlagerung von Teilen der Konsumwirtschaft ins Netz. Man wird übrigens auch am Beispiel Zalando sehen, wo das hinführt. Ohne Schutz gegen die Konkurrenz (Marke, Marktmacht, o.ä.) endet das Spiel wie immer im Margendruck. Da hilft auch kein lustiges Werbefilmchen.

      Das alles soll nicht heißen, dass die Börse nach dem IPO kollabiert. Aber die Brüder dürften den Gang in den am wenigsten regulierten Teil der Börse, den Entry Standard, mit Bedacht gewählt haben. Keine Quartalsbericht, keine adhoc Verpflichtungen, was will man mehr. So können die Visionen zumindest bei den Anlegern blühen. Wohin das führen kann, durften wir alles schon einmal beobachten. Gute Unterhaltung ist vorprogrammiert, vielleicht wird der Kurs der RI Aktie unten in der Ecke bei den Nachrichten eingeblendet oder in Schulen wird das Pflichtfach Neuemissionen eingeführt (nach dem Pflichtfach Ethik und dem Wahlfach Mathematik).

      Gute Ideen gab es auch um die Jahrtausendwende genug. Gute Ideen und Geld verdienen sind aber zwei Paar Schuhe. Immerhin, ein Trost, wer sich viel Geld beim Börsengang oder über Schulden besorgt, gewinnt erstmal Zeit. Das ganze Geld muss ja erstmal ausgegeben werden. Man darf gespannt sein!

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

      • Michael sagt:

        Ist ein Wort. Es ist bestimmt im Moment von Vorteil nicht nur im sicheren Hafen zu verharren. Mein Einschätzung wäre, dass Geld wird benötigt und nicht anders kann eingesammelt werden. Nach dem riecht es. Stellt sich die Frage – Warum?

        Sie haben heute einfach mehr Vorlaufzeit, gegründet zwischen 2010 und 2013 und nur knapp negativ ist noch kein Hinweis auf potentielle Schwäche. Die Regionalradios in Österreich sind auch lange negativ gefahren bevor sie in Kronehit wurden vereinigt.

        Es geht bestimmt um das Erkaufen von Zeit. Mehr Zeit erkaufen können andere auch sogar länger… schon klar.

        Die Unternehmen treten ja an die Margen zu drücken… das scheint der Sinn dahinter. Infosys in Indien in der Vergangenheit ein Beispiel.

        Lustig wird die Aktie sicher. Einschätzen traue ich mir in diesem Fall gar nichts. Da muss man in die Märkte rein. Die Kommunikation ist bestimmt eher angelehnt an das Wording des Neuen Markts … das schon 🙂 Die ist eher veraltet. <

        Pinky: "Gee Brain, what are we gonna do tonight?"
        Brain: "The same thing we do every night, try to take over the world!"

      • Michael sagt:

        Ich interpretiere die angekündigten GoLives als Zeichen, dass die Börse reif ist. Rocket Internet allein noch nicht. Das ist die Schwalbe die den Sommer bestimmt noch nicht macht.

        Rocket Internet ist eben ein Vertreter der neuen Welt die immer mehr nach Europa auch überschwappt. Das ist die Idee die auch hinter 37 Signals stand – mit 20 Leuten Hunderte von Millionen zu machen. Egal ob die Geschichte ganz so stimmt oder nicht. Das ist das bekannteste Muster. Fixer Preis für Anwendung pro Monat egal wieviele Benutzer (gröbste Kategorisierung).

        Im Handel bspw… Ohne Ware werden solche Business zum Teil der Finanzindustrie bestenfalls Transaktionsbusiness. Traditioneller Zugang über Networking anstatt der von Ihnen genannten Marken und Marktposition. Das zählt in dieser Welt nicht so. Solche Unternehmen stellen die Qualität ihrer Leistung in den Vordergrund und verbinden diese mit den Kunden die diese wertschätzen eben über die Internet Portale. Das Handelsunternehmen ist nicht der Gatekeeper. Das ist eine Entwicklung die in den Aussagen des Prospekts herauszulesen ist. Das wäre jetzt meine Interpretation.

        Wenn sie heut schauen auf das Sortiment eines Möbelmarktes der ihnen die billigen Teppiche aus China zum sündhaft teuren Preis will unterjubeln – diese selbst wieder bezieht von globalen Großhändlern. Wie lange glauben sie kommen die Kunden da nicht drauf… wie lange halten die Marken und die Reputation noch?

        Wer außer der Urli Oma kauft heut noch bei Palmers. Wer kauft bei Loosern?

        Die großen sind Rocket Internet nicht, das stimmt. Das sind Langfristvorstellungen. Ob jetzt der Anleger viel davon hat, wenn Rocket Internet übernommen wird … das sei dahingestellt.

        Was die Zukunft bringt, keine Ahnung.

  5. Michael sagt:

    Ein letztes … die 2014 Top Aquistiion Liste …
    http://internetdealbook.com/2014/09/01/top-20-acquisitions-for-2014-6/

    und die IPOs
    http://internetdealbook.com/category/ipo/

    Darum geht der ganze Rumor im Umfeld IT … und sonst gar nichts.

  6. Lickneeson sagt:

    „…verlustbringenden Gewinnern“.

    Grossartig, ich empfehle diese Phrase für den alljährlichen Wettbewerb in „Verblödungsphrasen“. Schon immer gut gefallen hat mir das „Minus-Wachstum“.

    Ein sehr erheiternder Artikel, wertes Bankhaus. Und auch zur rechten Zeit. Leider durfte ich die Phase am Neuen Markt im „scharfen Handel“ miterleben, somit sind mir auch viele der „bunten Lautsprecher -Gelddruckmaschinen -AGs “ noch bekannt. Biodata? Ricardo TV? Flowtec? etc….
    Mit diesen Erfahrungen kommt einem das „Rocket Internet-Prospekt“ wie ein erster Entwurf aus einer Schülerzeitung vor. Wer sich nach diesen Zeilen tatsächlich für den Kauf des Papiers entscheidet kann auch segeln gehen. Denn wie alte Seebären gerne erzählen ist Segeln wie „unter einer kalten Dusche stehend 100- Euroscheine zerreissen…“. Der Unterschied liegt im Erlebnis.

    Grundlegend passt ein derartiges Prospekt (einer sehr zwielichtigen Internetbude) zur allgemeinen Ipomanie. Hier scheint jemand kurz vorm Markt Burnout nochmal schnell abkassieren zu wollen. Und wahrscheinlich funktioniert es wieder – wie vor 14 Jahren.

    Auch so eine Phrase:“ Nee, dieses Mal ist alles anders…“

    Sail away

  7. crunchy sagt:

    Was ist an diesem Geschäftsmodell unseriös?
    Da werden Unternehmen zusammengekauft, gut gemischt und freihändig bewertet an
    Aktionäre weitergegeben. Geht´s schief schaut der kleine Mann in die Röhre.
    Das kennen wir schon von den ABS´s.
    Die werden sogar von ZB´en gekauft.
    Geht´s schief, fehlt dem Staat Geld für Soziales und der kleine Mann?

    Schön, dass Gold und Silber so aus der Mode gekommen sind.
    Es gibt für den kleinen Mann sogar EM-Sparpläne.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo crunchy,

      „freihändig bewertet“ – wundervoll 🙂

      Das sollte man in das Standardvokabular der Bilanzbuchhalter übernehmen. Klingt viel besser als „ungeprüft“!

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

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