Risse in der Kapitalstruktur

21. September 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Im Dschungel der vermeintlichen Alternativlosigkeit irrlichtert eine wachsende Zahl von Anlegern auf orientierungslos herum. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf…

… sucht man die zukünftige Rendite eben dort, wo sie zwar negativ sein kann, es aber immerhin nicht offensichtlich draufsteht.

Die Finanzwelt ist voll von Akronymen. Ganz beliebt ist derzeit TINA. Was klingt wie das Kürzel eines runderneuerten Handelsabkommens drückt nur die Hilflosigkeit der Branche beim Umgang mit Negativzinsen und albern bewerteten anderen Anlageklassen aus. Wie so viele andere Hoffnungen entpuppt sich auch der Glaube an das Prinzip „Die Notenbanken werden es schon richten“ als ziemlich unbegründet und löchrig. Zuende gedacht wird das meiste leider auch nicht.

Nehmen wir das Beispiel Japan. Die Experimente der japanischen Zentralbank verdienen in der Tat das Attribut beispiellos, denn der Gleichmut und die Konsequenz mit der japanische Institutionen die Nullzinspolitik und die Wertpapierkäufe durchziehen erinnert an die one-way Kamikaze Flieger des zweiten Weltkriegs. Leider bedeutet „whatever it takes“ nicht dass „whatever we want“ dabei herauskommt. So ist es die Mischung aus Umfang und Erfolglosigkeit der Bank of Japan die den Betrachter in Erstaunen versetzt. Man darf gespannt sein, was den handelnden Personen einfällt, wenn die Zentralbank alle Anleihen und Aktien gekauft haben.

Jetzt hauen wir mal richtig auf die Pauke!

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Plöp.

2

Ein abseits der ohnehin zu konstatierenden Sinnlosigkeit gern vergessener Aspekt: Der Vermögenseffekt sinkt mit dem sinkenden Volumen derjenigen Anteile, die noch nicht im Besitz der Zentralbank sind. Einmal angenommen, es gäbe noch eine Aktie in einem privaten Depot. Was soll es bringen, wenn die Zentralbank diese auch noch kauft? Wie vielen Personen soll dieser Kauf helfen? Warum sollte dies der Wirtschaft helfen? TINA könnte in diesem Zusammenhang mit „There is no answer“ übersetzt werden.

Da hilft nur die Erkenntnis nach dem weltbekannten HIKS-Prinzip. Hoffnung ist keine Strategie. 

 

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3 Kommentare auf "Risse in der Kapitalstruktur"

  1. Dagobert sagt:

    …„There is no answer“….!?

    Also wenn „die“ das Ding durchziehen (müssen) – dann steht das Ende fest:

    Lev 25,9 „…ein Signalhorn ertönt und alle sind schuldfrei…“

    • Skyjumper sagt:

      Das, bzw. die, Jubeljahre waren das Gegengewicht zum Zins und Zinseszins. Das war schon clever ausgedacht und konnte in einem wertgedeckten Finanzsystem auch kaum anders funktionieren.

      Aus heutiger Sicht fällt mir allerdings eher der letzte Satz (modifiziert) der Levitenlesung ein:
      „Denn mir gehören die Völker als Knechte, meine Knechte sind sie; ich habe sie hierhergeführt, ich, der Herr, euer Geld.“ 🙂

  2. Lickneeson sagt:

    Die „Geldpolitik“ der globalen Notenbanken erinnert mich langsam an die Feuerwehren dieser Welt im Kampf gegen Buschbrände oder brennende Chemiefabriken. Technisch gesehen ist jede Aktivität des Menschen (Löschflugzeuge, Schneisen schlagen etc.) sinnlos. Die Aktivitäten der Uniformträger dient nur dazu, das Volk zu beruhigen. Es ist nicht vermittelbar nichts zu tun, wenn auch sinnlos.
    In Feuerwehrkreisen heisst es lapidar: „Jedes Feuer geht irgendwann von alleine aus“. Die Natur als „Marktkraft“ regelt das selbst. Unsere geliebten Notenbanken haben aber die Marktkräfte ausgeschaltet und daher müssen sie solange alles aufkaufen, bis nix mehr da ist. Und dann – geht das Feuer aus. Je länger etwas brennt und je mehr Chemie im Spiel ist, desto verheerender das Resultat.
    Erstaunlich ist allein, das die Bürger der Staaten diese Enteignung und Währungsentwertung schafsähnlich begleiten, weiterfressen und blöd glotzen. Aber nehmen Sie mal einem Durchschnittsbürger sein Smartphone weg – Lebensgefahr!!!

    Also, warten wir auf Regen.

    MfG

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