Risiko muss sein

25. Juli 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Heute greife ich ein Thema auf, das Sie gerade jetzt nicht ernst genug nehmen können: Risikostreuung, und zwar speziell unter dem Aspekt der Geldanlage. Wahrscheinlich fallen Ihnen dazu spontan bestimmte Sprüche ein, zum Beispiel: Je höher die Rendite, desto größer ist das Risiko…

Man soll nicht alle Eier in einen Korb legen. – Am besten investiert man je ein Viertel des Vermögens in Bargeld, Immobilien, Aktien und Gold. – Risiko lässt sich mithilfe mathematischer Formeln berechnen. – Investmentfonds sorgen für den Risikoausgleich.

Gehen wir die Sprüche kurz durch:

Das Verhältnis von Rendite und Risiko lasse ich zwar prinzipiell gelten, aber nur in der Retrospektive. Die Empfehlungen mit den Eiern und der Viertelaufteilung sind statisch, während Vermögen im richtigen Leben je nach Lage der Dinge dynamisch behandelt werden muss. Dass Risiko berechenbar ist, entspringt einer Marotte von Volkswirten, die sich in die Mathematik verliebt haben. Und der Risikoausgleich durch Investmentfonds gilt nicht mehr so allgemein, seit der größte Teil von ihnen sich auf bestimmte Anlagen spezialisiert hat, also das Gegenteil praktiziert.

Wie erreicht man also Risikostreuung bei der Geldanlage? Zuallererst durch die Erkenntnis, dass es hier nicht um eine für jedermann geltende statische Struktur geht, sondern um eine dynamische, höchst individuelle, von den eigenen Anlagezielen und den äußeren Gegebenheiten abhängige Aktivität. Sie erfordert eine intensive Beschäftigung mit den wichtigsten Spielregeln beim Umgang mit Geld in all seinen Ausprägungen, vom Kassensturz und der laufenden Einnahmen-Ausgaben-Rechnung bis zur Umsetzung finanzieller Ziele, wie Vermögensaufbau oder Vorsorge fürs Alter.

Man kann die Individualität in diesem Kontext nicht genug hervorheben. Denn jeder Mensch hat eine eigene Geldbiografie mit einem aktuellen Status, der nur für ihn/sie gilt, für niemanden sonst. Er betrifft alle Arten der Geldanlage, vom Tagesgeldkonto über die gesetzliche Rente bis zur Investition in Immobilien oder zur Spekulation mit Aktien. Daraus folgt: Die Risikostreuung muss diesen Zusammenhang beachten, sonst droht aus ihr im schlimmsten Fall eine Risikomaximierung zu werden.

Auf die eigenen Finanzen bezogen, bedeutet Risiko, dass die Gefahr besteht, Geld zu verlieren. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und weil es hier um die Zukunft geht, fügen wir gleich hinzu: Risiko ist weder vorhersehbar noch messbar. Es entsteht dadurch, dass man bei der Geldanlage Fehler macht, sich zum Beispiel nicht adäquate Finanzprodukte aufschwatzen lässt oder alles auf eine Karte setzt. Es entsteht aber auch durch äußere Einflüsse, etwa indem das niedrige Zinsniveau die Rendite aus Kapitallebensversicherungen schmälert, ein Fondsmanager falsche Entscheidungen trifft oder ein Börsenkrach zu Kursverlusten führt.

Nehmen wir uns dazu noch eine Thema vor, das in letzter Zeit heiß diskutiert wird: die Geldanlage in Aktienfonds, speziell unter dem Aspekt, ob Indexfonds (sogenannte ETFs) besser abschneiden als gemanagte Fonds. Um eines gleich vorweg festzustellen: Es kommt darauf an, und zwar nicht nur auf die jeweilige Fondsperformance, sondern noch mehr auf die beschriebenen individuellen Gegebenheiten der Anleger. Außerdem sei noch daran erinnert, dass Fonds nicht gekauft, sondern verkauft werden. Soll heißen: Aus Anbietersicht steht der Fondsvertrieb über der Anlageberatung. Im übrigen sei noch vermerkt, dass es mit dem Risikoausgleich durch Fonds heutzutage nicht mehr weit her ist.

Wer Geld anlegt, muss ins Risiko gehen. Folglich muss er/sie auch für die nötige Risikostreuung sorgen. Und für das richtige Timing. Es ist ja nicht damit getan, je ein Viertel des Geldes bar, in Immobilien, Aktien und Gold zu investieren. Vielmehr empfiehlt es sich, aus aktueller Sicht bei Aktien und Immobilien etwas kürzer zu treten und den Anlageschwerpunkt sukzessive in Bargeld und Gold zu verlagern, um in einigen Jahren den umgekehrten Weg zu gehen.

Manfred Gburek – Homepage

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