Rien ne va plus

6. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise Homepage
Kaum eine Notenbanksitzung wurde in den letzten Jahren mit so viel Spannung erwartet, wie die der US-amerikanischen Fed im September. Schließlich hatten Yellen & Co die »Märkte« nicht nur außergewöhnlich lang – knapp zwei Jahre – auf die erste Zinsanhebung seit fast zehn Jahren vorbereitet, sondern auch die Fed-eigene Konjunkturprognose schien die Frage nach dem „Wann, wenn nicht jetzt?“ klar beantwortet zu haben.

Denn schließlich rechnet die Fed für das Jahr 2016 mit dem Erreichen der Vollbeschäftigung, einem robusten realen Wirtschaftswachstum von 2,3 % und einer in der Nähe des 2-%-Fed-Zieles liegende Kerninflationsrate. Was will man mehr?

Doch statt auf diese »rosigen« Aussichten wenigstens mit einer Anhebung des US-Leitzinses um die vom Fed-Vize Stanley Fischer angedachten „25 Basispunkte“ zu reagieren, und so von einer „extrem expansiven“ Geldpolitik zu einer »nur« noch „sehr expansiven“ überzugehen, kamen die Zins-Hohepriester plötzlich zu ganz anderen Erkenntnissen.

Eigentlich entwickle sich die US-Wirtschaft ja sehr gut, aber eben noch nicht gut genug. Auch sei ja da noch das Problem mit der chinesischen Konjunkturabkühlung, und dann mache die jetzige Marktvolatilität natürlich auch ein kluges Risikomanagement erforderlich, und außerdem wolle die Inflation auch nicht so richtig ins Laufen kommen. Und da zudem der Konjunkturausblick für die Weltwirtschaft schwach sei, musste man nicht nur die Zinswende vertagen, sondern auch erstmals die Möglichkeit von … Negativzinsen in den USA diskutieren?!

Einmal mehr probten die offenbar an kognitiver Dissonanz leidenden »Währungshüter« den Spagat, den statistischen Erfolgsmeldungen zur US-Konjunktur und ihren eigenen Prognosen … selbst doch nicht zu glauben, und die dauerangekündigte Zinswende doch nicht so zu meinen, nur um keine Verantwortung für das zu übernehmen, was die Währungskrieger längst angerichtet haben! Was für eine Farce, was für ein Offenbarungseid, was für ein Nachweis des Scheiterns der gefeierten Geldpolitik, und was für ein Beweis dafür, die Folgen selbst einer »Mini-Mini-Mini«-Zinserhöhung nicht ansatzweise abschätzen oder beherrschen zu können!

Wenig überraschend verbreitete die Fed-Chefin Yellen dann zwar eilig und zur Aufrechterhaltung des Spannungsbogens die frohe Kunde einer „später in diesem Jahr“ stattfindenden Zinswende, doch nach fast zwei Jahren Zinswende-Dauerabsage fehlt immer mehr Marktteilnehmern nicht nur der Glaube daran, sondern inzwischen auch gleich das Vertrauen in diejenige Institution selbst, für die Vertrauen – in einem ungedeckten Geldsystem – existenziell ist!

Fed-VertrauensverlustEine (freiwillige) Normalisierung der Fed-Geldpolitik ist angesichts der in den letzten Jahren erzeugten totalen Abhängigkeit der Finanzmärkte von der Null-Zins-Kredit-Droge längst nicht mehr vorstellbar, eine Intensivierung des geldpolitischen Wahnsinns – so wie ihn auch schon längst die EZB oder die Bank of England kommunizieren – jedoch schon.

US-Einzelhandelsumsaetze

Die sich jetzt schon deutlich abzeichnende Rezession, und die dann erwartungsgemäß folgenden noch größeren Gelddruckprogramme und weitere Negativ-Zins-Experimente werden endgültig offenbaren, dass die »allmächtigen« Notenbanker mit ihrer Politik, ein Überschuldungsproblem mit neuen Schulden und rotierenden Druckerpressen lösen zu wollen, auf ganzer Linie gescheitert sind.

Goldnachfrage_Chinas

Im Gegensatz zum (noch) grenzenlosen Vertrauen der westlichen Bevölkerung in die Heilsversprechen der Zentralbankbürokraten war dieses in Asien nie besonders ausgeprägt. Während Gold nach einer dreijährigen Baisse und einem rund 40%igen Verlust (auf USD-Basis) im Westen zweifellos zum meist gehassten Investment avanciert ist, kaufen die Inder und Chinesen seit Jahren unbeirrt Gold, und je tiefer der Preis dafür ist, umso mehr! Weder interessieren dort Charttechnik, noch Kursziele, noch »flash crashs«, einzig der Besitz des ultimativen Zahlungsmittels erscheint bedeutend. Trotz aller staatlichen Gängelei summiert sich die physische Nachfrage in Indien seit Jahresbeginn auf nun schon bereits rund 666 t (+69 % zum Vorjahreszeitpunkt), während die Chinas – allen Unkenrufen zum Trotz – mit aktuell 1.957,6 t hingegen sämtliche zuvor gemeldeten Rekorde förmlich pulverisierte. Lässt die Nachfrage der Bevölkerung dort im Jahresverlauf nicht noch plötzlich nach, dann werden allein diese beiden Länder die auf etwa 3.200-3.500 t geschätzte Goldminenproduktion des Jahres 2015 vom Markt nehmen!

Zwar könnte an den Papiergoldmärkten noch der ein oder andere Goldpreisabsturz initiiert werden, aber angesichts der weltweit hohen physischen Nachfrage und des jetzt geleisteten Offenbarungseides der bedeutendsten Notenbank der Welt könnten sowohl Gold als auch die vom Hoch um 85 % (!) gefallene Edelmetallminen in den nächsten Monaten vor einem fulminanten Richtungswechsel stehen.

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2 Kommentare auf "Rien ne va plus"

  1. Lickneeson sagt:

    „Was für eine Farce, was für ein Offenbarungseid, was für ein Nachweis des Scheiterns der gefeierten Geldpolitik, und was für ein Beweis dafür, die Folgen selbst einer »Mini-Mini-Mini«-Zinserhöhung nicht ansatzweise abschätzen oder beherrschen zu können!“

    So isses! Mit ihrer letzten Sitzung haben sich „Währungshüter“ endgültig auf das Niveau von Sepp Blatter begeben. Glaubwürdigkeit – Nullkommanull. Ich habe mir fest vorgenommen ab sofort nie wieder ein FED – Statement zu kommentieren oder überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Ich hoffe es gelingt mir.

    MfG

  2. waltomax sagt:

    Aktien waren mal eine gute Geldanlage. Sicher gibt es auch heute noch das eine oder andere Unternehmen, dessen Aktien zu kaufen sich lohnt.
    Insgesamt aber scheinen Zentralbanken und einige Konsortien heute regelmäßig die Aktienkurse zu pushen. Gerne zum Wochenende. Warum nur?
    Hilft man den „Kollegen“, Dumme in den getürkten Aktienmarkt zu ziehen, um diese ordentlich abzuledern? Hat man das nötig? Leider wohl ja…

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