Rezessionen entziehen sich den Prognosekünsten der meisten Ökonomen

22. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Fallende Kupferpreise deuten auf einen Abschwung hin

Amerikanische Börsianer nennen den Kupferpreis recht gerne Dr. Copper. Und schmunzelnd fügen sie hinzu, er sei der einzige Ökonom, der sich nicht scheue, eine klare Richtung vorzugeben. Tatsächlich gehen steigende Kupferpreise gewöhnlich mit Wirtschaftswachstum einher, während fallende Kupferpreise einen Abschwung signalisieren.

Der folgende Chart zeigt Ihnen den Verlauf des Kupferpreises seit 2008. Sein zyklisches Hoch erreichte er bereits 2011. Und ohne massive geldpolitische Markteingriffe hätte für die Weltwirtschaft wahrscheinlich damals schon die nächste schwere Krise begonnen. So aber gelang es, vor allem den Rezessionsbeginn in den USA hinauszuschieben.

Wir hoch der Preis für diesen kurzfristigen und kurzsichtigen Sieg über die Marktkräfte sein wird, lässt sich leider nicht ermitteln. Der prinzipielle Zusammenhang zwischen Dauer und Ausmaß von Marktmanipulationen auf der einen Seite und den dadurch angestoßenen Fehlentwicklungen und Ungleichgewichten auf der anderen lässt allerdings Schlimmes befürchten.

Kupferpreis in $, 2008 bis 2013

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Die Charttechnik signalisiert weitere Preisrückgänge. Quelle: www.decisionpoint.com

Wie Sie auf dem Chart sehen, ist der Kupferpreis bereits im März dieses Jahres aus einer großen Dreiecksformation nach unten ausgebrochen. Damit signalisiert die Charttechnik eine Fortsetzung des Abwärtstrends. Mit einem Aufschwung in den USA beziehungsweise der Weltwirtschaft passt diese Entwicklung nicht zusammen.

Und was mag der steigende Ölpreis bedeuten?

Im Unterschied zu Kupfer hat der Ölpreis gerade ein charttechnisches Kaufsignal gegeben. Im Wochenchart sehen Sie, dass er seine aus dem Jahr 2008 stammende Abwärtstrendlinie gebrochen hat. Und auf dem hier nicht gezeigten Tageschart sieht man, dass gleichzeig ein Ausbruch aus einer einjährigen Dreiecksformation nach oben stattgefunden hat. Diese Signale deuten auf einen steigenden Ölpreis hin.

Rohölpreis (WTI) in $, 2008 bis 2013

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Der Ausbruch über die vom Allzeithoch des Jahres 2008 stammende Abwärtstrendlinie stellt ein charttechnisches Kaufsignal dar, signalisiert also weitere Preissteigerungen. Quelle: www.decisionpoint.com

Zunächst sind steigende Energiepreise bekanntlich keine guten Nachrichten für die Wirtschaft. Sie sorgen für steigende Produktionskosten und zwingen den Konsumenten, an anderer Stelle zu sparen. Für eine Weltwirtschaft, die sich ohnehin am Rande der Rezession bewegt, kann das nichts Gutes bedeuten. Allerdings passt ein steigender Ölpreis nicht mit der Preisentwicklung der meisten anderen Rohstoffe zusammen, die eher dem oben gezeigten Kupferpreis ähnelt.

Das lässt wohl nur den Schluss zu, dass der Ölpreis derzeit weniger auf die ökonomischen Realitäten reagiert, sondern vor allem die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten widerspiegelt. Beim Ölpreis hinterlässt also das lauter werdende Säbelrasseln, an dem sich jetzt auch US-Präsident Obama beteiligt, seine Spuren. Unter diesen Umständen deutet der mit dem hier beschriebenen Ausbruch nach oben signalisierte Ölpreisanstieg auf eine ernsthafte Zuspitzung der Lage im Nahen Osten hin.

Ich wünsche Ihnen ein fröhliches und sonniges Wochenende,
Ihr
Claus VogtHomepage von Claus Vogt

P.S.: Die Gelddruckmaschine löst keine Probleme, sie schafft sie erst.



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3 Kommentare auf "Rezessionen entziehen sich den Prognosekünsten der meisten Ökonomen"

  1. crunchy sagt:

    Hi, das mit der „inversen Zinsstruktur“ war so lange ein zu verlässiger Indikator, wie Zentralbanken, vornehmlich die Deutsche Bundesbank, in einem intakten Wirtschaftszyklus ausgleichend eingreifen konnten. – Vergessen –
    Dr. Copper sieht für mich noch immer wie ein zuverlässiger Indikator aus. – Gecheckt –
    Der Ölpreis hat schon lange nicht mehr viel mit Konjunktur zu tun. Er spielgelt die Not, die die vornehmlich arabischen Produzenten haben, die von Inflation geplagte Bevölkerung ruhig zu halten.
    Dort liegt die Lunte für die Implosion der Weltwirtschaft.
    – Panic Button –

    Weitere Indikatoren, die zwischenzeitlich vergessen wurden:
    Baltic Dry und Harpex: – Horror pur –

    Also: Nix für Silber-Investoren im Rentenalter.
    Ergo anschnallen, nur gutes Geld gilt.
    Oder, sorry Frank, wie ich schon immer sagte: Gold ist Geld, Silber Kleingeld.

  2. samy sagt:

    Moin,

    es gibt bekanntlich diesen großen alten Zinszyklus, der seit 1800 intakt ist. Dieser besagt das die Zinsen (10Y) 30 Jahre rauf und 30 runter gehen. Natürlich +/- x-Jahre, ist ja kein schweizer Uhrwerk.

    So, schläft dieser Zyklus seit 2010? Nein, denn ziemlich genau zu diesem Zeitpunkt haben die ZB Anleihen in die Bilanzen genommen, also die freien Marktkräfte betäubt. Somit ist dieser Zyklus für mich vollkommen aktiv, er äußert sich halt nicht in Zinsanstiege, sondern in Bilanzverlängerungen.

    Zu der inversen Zinsstruktur kann man anmerken, dass auch diese seit 2010 verfälscht wurde, nämlich durch „operation twister“. Hier wurden Kurzläufer zugunsten von Langläufern umgeschichtet und das hat natürlich Einfluss auf die Zinsen der Anleihen relativ zueinander.

    Grüße

  3. Michael sagt:

    Den Ben Bernanke verbindet mit dem Che der Optimismus. Wenn man von der Zukunft 0% wissen kann und 100% angibt zu wissen ist die Selbstüberschätzung unendlich. Gilt aber für jeden der prognostiziert. Es dabei unerheblich ob man sich 100% oder 50% sicher ist. Eine Kollege von mir pflegt zusagen – sie wissen nicht was sie tun, aber das mit ganzer Kraft. Das nennt man Optimismus.

    Selbst hätten die U.S. eine Rezession es würde keiner behaupten es gäbe eine. Ist auch nicht sondern nützlich oder hilfreich.

    Ich denke den Amerikanern ist durchaus klar dass 2014/15 der Aufschwung vorbei ist. Dann ist der Aufschwung im Zyklus vorbei.

    Mich stört soweit einmal die Geldmengenausweitung nicht. Die Amerikaner haben die Industrie revolutioniert. Das wir Nordamerika nennen ist an sich bis auf Europa eh schon bald der Rest der Welt.

    http://www.rottmeyer.de/bankenunion-hebelt-die-marktwirtschaft-aus/
    Was steht dahinter. Der Glaube der Anglikaner, dass das Universalbankenmodell keine Zukunft hat. Der Ansatz ist ein anderer. Die in Mitteleuropa noch vorherrschende Idealvorstellung Banken die Sparguthaben der Bürger risiko’los‘ verwalten und Kredit an Unternehmen vergeben – Mittelstandsfinanzierung, die ist Geschichte. Elektronische Zahlung und deren Verwandte sorgen für den Zustand. Wenn man sich von dem Gedanken verabschiedet, dann ergeben sich neue Perspektiven, aber es wäre gut wenn man zu dem Zeitpunkt reich ist an Sachanlagen. Das wäre mein Schluss. Man kann ja an sich, dann in einen Teil der Erde wechseln, der diesen Prozess schon abgeschlossen hat oder noch vor sich hat.

    Wenn man sich die Vorkommnisse in den U.S. anschaut. Die Vorbereitungen zu einer Währungsreform – zu dieser Vorstellung kann ich mich nicht ganz durchringen. Das wäre nicht schlüssig. Ich vermute die Idee ist eher die nachhaltige Mobilisierung. Allein durch die Sozialen Medien haben sie heute die Möglichkeit interessante Partner auf der Welt zu treffen. Wer sagt ihnen, dass es in Indonesien nicht dem ein oder anderen besser gefällt als in .de. Sie gehen einfach hin. Damit gleichen sich die Lebensstandards genauso an. Die armen Regionen werden entvölkert möglicherweise wiederbevölkert später.

    Man wird möglw. in 250 Jahren einen Stamm in Berlin finden die noch von Arbeit mit der Hand sprechen und kleinbetriebliche Strukuturen diskutieren, obwohl der Rest der Welt den Product Mix auf automatisiert herstellbare Produkte umgestellt hat.

    Ich möchte wissen wieviele Schulden Amis per Capita noch haben, wenn man Asien dazurechnet.

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