Rezession in den USA?

1. Dezember 2013 | Kategorie: Gäste

von Claus Vogt

Vor drei Wochen habe ich an dieser Stelle das unabhängige US-Wirtschaftsforschungsinstitut Economic Cycle Research Institute (ECRI) thematisiert. Dessen Chefanalyst, Lakshman Achuthan, vertritt bereits seit geraumer Zeit die Meinung, dass sich die US-Wirtschaft schon seit Ende 2012 in einer Rezession befinde…

Die von ihm verwendeten realwirtschaftlichen Indikatoren ließen keine andere Einschätzung zu, so Achuthan.

Ein kritischer Leser meines kostenlosen Marktkommentars, der meine ausführlichen früheren Besprechungen des Themas in Krisensicher Investieren (www.krisensicherinvestieren.com) offenbar nicht kennt, hat daraufhin die Frage gestellt, wie man sich dazu versteigen könne, von einer Rezession zu sprechen, obwohl die Wachstumsraten des US-Bruttoinlandsprodukts (BIP) der letzten vier Quartale mit 0,1%, 1,1%, 2,5% und 2,8% doch mehr oder weniger deutlich positiv waren. Tja, was mag Lakshman Achuthan trotz dieser Zahlen dazu veranlasst haben, bei seiner Lageeinschätzung zu bleiben?

Rezession trotz BIP-Wachstums: Wie kann das sein?

Mir fallen gleich mehrere Antworten auf diese Frage ein, die allerdings nicht alle von Achuthan selbst stammen – wobei ich zugeben muss, dass ich nicht alles verfolge, was er sagt und schreibt, obwohl ich seine Arbeit sehr schätze.
Erstens werden Rezessionen nicht anhand des BIP-Wachstums definiert. Auf diesen Punkt weist Achuthan immer wieder hin. Lesen Sie selbst, was das National Bureau of Economic Research (NBER), das mit der Aufgabe betraut ist, Beginn und Ende von Rezessionen und Aufschwüngen festzulegen, dazu schreibt:

„Das Komitee hat keine feststehende Definition der wirtschaftlichen Aktivität. Es untersucht und vergleicht das Verhalten verschiedener Kennzahlen breiter ökonomischer Aktivität: das reale BIP sowohl auf der Produktseite als auch auf der Einkommensseite gemessen, die landesweite Arbeitsmarktlage und das reale Einkommen. Das Komitee kann darüber hinaus Indikatoren berücksichtigen, die nicht die Gesamtwirtschaft betreffen wie beispielsweise reale Umsätze der Unternehmen oder der Fed Index der Industrieproduktion.“

Achuthans Argumente basieren auf den hier genannten Kennzahlen. Sie würden in ihrer Gesamtheit ein Bild vermitteln, das in der Vergangenheit stets mit Rezession einherging, so der Analyst. Diese Aussage kann ich durchaus bestätigen.

Zweitens verweist Achuthan auf die gerade im Bereich der zyklischen Wendepunkte sehr umfangreichen Revisionen der gesamtwirtschaftlichen Daten. Für die vergangenen drei Rezessionen wurde das US-BIP-Wachstum der ersten beiden Rezessionsquartale um jeweils 2 bis 4 Prozentpunkte nach unten revidiert. Somit können sich sämtliche oben genannten Wachstumsraten von bis zu 2,8% problemlos als trügerisch erweisen und in einen Rückgang revidiert werden. Genau das erwartet der ECRI-Analyst… (Seite 2)

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