Darauf eine Rettungszangenbowle!

23. Oktober 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Die Abende werden frostiger wie das Vertrauen der Banken untereinander. Was halten Sie von einer Rettungszangenbowle? Nichts? Am Ende müssen Sie sie doch trinken…

Das Rezept probt man noch etwas herum, aber grob aber steht fest: Man nehme hunderte Milliarden, werfe ein paar Nachschuldner in den Topf, schütte zuckersüße Worte und ein paar Drohungen hinzu. Dann hebelt man einen Multiplikator unter und verquirlt alles mit guten Absichten und Nebelkerzen. Garniert werden die Gläser mit Rettungsschirmchen.

Das heizt ein wie eine gute Feuerzangenbowle. Sollte die Schüssel dabei explodieren, gibt es ein Feuerwerk wie bei der Geburt des Euro. Leider war die Feier schnell vorbei. Eine Dekade später steht fest, dass der Euro wohl nur der Export – und vor allem der Finanzindustrie geholfen hat. Ach, vielleicht geht es gar nicht um den Euro?

Rettungsschirme mit Schlag – und Feuerkraft klingen nach militärischem Einsatz mit viel Munition. Wie viel davon braucht man? Auf wen wird gefeuert? Wer liefert die Munition? Schauen Sie ruhig mal in den Spiegel. Eine Billion Euro müsste es schon sein. Das ist eine Zahl mit zwölf Nullen. Noch mehr Nullen beschäftigen sich unterdessen mit der Nachbesserung europäischer Politik ohne die Bürger.

Ach, und was ist das? Im fernen Brüssel will man künftig auch schlechte Ratings verbieten, später vielleicht auch gleich noch sämtliche schlechten Nachrichten. Dabei hätten sich die Eurokraten doch besser weiterhin um die Einführung von geraden Bananen kümmern sollen. Das wäre billiger geworden als ihr derzeitiger Plan. Doch die hohen Leute fühlen sich zu Höherem berufen, höher noch als das ausbleibende Feuerwerk am Wochenende auf dem x-ten Rettungsgipfel.

Frank Meyer, Kolumne in den Lübecker Nachrichten

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7 Kommentare auf "Darauf eine Rettungszangenbowle!"

  1. spanienanna sagt:

    Von einer Rettungszangenbowle halte ich nichts. @@@@@ edit vom blogwart.@@@@@@@@
    Ich bin ein ganz friedliebender Mensch, aber die Wut und der Frust nagen in mir. Warum bin ich so hilflos?

  2. retracement sagt:

    Das mit dem Heizkraftwerk lassen wir besser mal. Kann einem später bei der Aufarbeitung der Geschichte dann wieder übel aufstossen. Freu Dich doch besser an der gekauften Zeit und den vollen Regalen und leeren Gängen im Supermarkt. Da kannst Du friedliebend dahinschlendern und Dir jeden Tag den bereits erbrachten Fleiss, Arbeit und Energie günstigst erkaufen. Komm mir mit meinem Wägelchen vor wie nen HedgeFondsManager auf Rollen. Harhar.

    Es heisst doch immer – billig kaufen!

  3. spanienanna sagt:

    Ja Du hast recht, ich bin ein wenig zu weit gegangen. Vielleicht könnten wir die Eurokraten auf Fließbändern laufen lassen und damit Wärme erzeugen.
    Ich will nur nicht eines Tages von meinen Enkelkindern den Vorwurf hören, Großmutti warum hast Du nicht gedacht und reagiert.
    Übrigens ich hasse große Supermärkte und nur billig einkaufen auf Kosten der Qualität will ich schon gar nicht

  4. stonefights sagt:

    So langsam wird ja eher ein Lustspiel, denn ein Trauerspiel:

    spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793635,00.html

    Da hat man wohl eine Test-Abstimmung vorab im Haushaltsausschuss durchgeführt, und festgestellt, dass den abzustimmenden Inhalt vielleicht sogar verstehen…
    Nun gut, dann halt die 70% Nichtsahnenden, davor noch eine (verwirrende) Regierungserklärung, die Details halt erst 1/2 Std. vor Abstimmung und danach über 5% Abweichler die Nachrichten bestimmen.

    lg, stonefights

  5. Hans im Glueck sagt:

    Es ist doch alles zum …..!
    Die meisten der €rokraten haben doch null Ahnung 🙂

    Besonders lustig fand ich die Koch-Mehrin, wie der Plasberg Sie fragte:
    Die Gäste sollten am Ende der Sendung einen Tipp abgeben, um wieviel Euro die Staatsverschuldung im Laufe der 75minütigen Sendung gestiegen ist…
    Dazu muss man noch sagen, dass Frau Koch-Mehrin promovierte Volkswirtschaftlerin ist. Das nenne ich Wirtschaftskompetenz der FDP!

    Antwort Koch-Mehrin: 6000€ hahahahahaha

    Richtig: 20 Millönchen

    youtube.com/watch?v=Pt8zp3AKPac

  6. auroria sagt:

    „Den neuen Planungen zufolge soll der Bundestag am Mittwoch nach der für 12 Uhr geplanten Regierungserklärung Merkels zur Euro-Rettung über die _Eckpunkte_ zur Stärkung des EFSF befinden.“

    Na super, Angie holt sich vom Bundestag Mittwoch morgen eine Blankovollmacht für den Hebel, ködert die Abgeordneten mit dem Versicherungsmodell „keine zusätzliche Haftung“ und am Abend wird dann das EZB-Modell oder eine andere Sauerei beschlossen.

    Diesmal wird man den Abgeordneten nicht mal vorwerfen können, dass sie nicht wissen, worüber sie abstimmen. Es wird ihnen bewusst vorenthalten.

    Auf die Formulierungen des Gesetzes zur zusätzlichen Haftung bin ich gespannt. Wetten, die Schreiben das so, dass für den Bundeshaushalt keine zusätzliche Haftung dazukommt und die Haftung die uns über die EZB erreicht dann als eine Art unvorhersehbare Naturkatastrophe verkauft wird.

  7. DonTrader sagt:

    Rettungszangenbowle? Hahaha … Schluck … Heul!

    Also, ich kann da nicht mehr lachen. So langsam scheint es ernst zu werden.
    Noch im Frühjahr hatte die Italienische Zentralbank eine Forderung aus Target2 gegenüber den anderen EWU-Zentralbanken. Im Sommer wurde daraus eine Verbindlichkeit. Seit September ist die Veränderung dramatisch.

    05/2011 + 13,866 Mrd. €
    06/2011 + 5,997 Mrd. €
    07/2011 – 16,312 Mrd. €
    08/2011 – 57,469 Mrd. €
    09/2011 – 113,511 Mrd. €

    Quelle der Daten:
    http://www.querschuesse.de/target2-nachschlag/

    Wer immer noch glaubt, Italien habe eine starke und wettbewerbsfähige Wirtschaft, werde kein Problemfall im EWU-Raum, präsentiere ich hier einen interessanten Vergleich.

    Italien: 22.000 Mitarbeiter produzieren 650.000 Autos
    Polen: 6.100 Mitarbeiter produzieren 600.000 Autos

    Quelle der Daten:
    http://www.bloomberg.com/news/2011-10-20/fiat-strikers-make-marchionne-vow-to-leave-italy-to-rescue-automaker-cars.html

    Übrigens, steht nach Griechenland schon der nächste Pleitekandidat in der Startlöcher: „Die portugiesische Regierung korrigierte gerade ihre Wachstumsprognose für das Jahr 2012 auf eine Schrumpfung von -2,8%, nach vorherigen -1,8%. Die Bruttoanlageinvestitionen sollen 2012 um -9,2% schrumpfen, der private Konsum um -4,8% und die Konsumausgaben des Staates um -6,2%. Selbst dieses Szenario könnte noch positivistisch getüncht sein!“

    Quelle:
    http://www.querschuesse.de/portugal-folgt-griechenland/

    Die Regierungen der EWU-Länder hebeln nicht nur den EFSF, sondern hebeln gleich den ganzen Euro aus den Angeln der Stabilität heraus.

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