„Rettungspolitik“ – Euro sogar gegen US-Dollar schwach

17. Mai 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Es gibt ihn also doch, den Erfolg der „Rettungspolitik“ – er sieht nur etwas anders aus, als von unseren „Rettern“ beständig verkündet. Eigentlich ist das EUR/USD-Verhältnis eine belanglose Austauschrelation. Wie bitte? Die beiden wichtigsten Reservewährungen der Welt belanglos?!

Genau, denn hinter den beiden größten Papierwährungen verbirgt sich wenig mehr als nichts. Hüben wie drüben sind sie zudem Spielball immer groteskerer Staatseingriffe geworden, die diese planwirtschaftlichen Geldsysteme letztlich zum Entgleisen bringen werden. Wenn etwa Herr Draghi als EZB-Chef eine Billion Euro aus Luft erzeugt, dann sagt das vor allem etwas über den Wert dieses frisch erzeugten Geldes aus. Betrogen werden durch die staatlichen Frischgeld-Hersteller vom Kaliber Draghis die bisherigen Halter von Geld, deren Besitz immer weiter verwässert wird.

Euro bleibt höchstproblematisch

Der Kursverlauf zwischen amerikanischer und europäischer „Scheinwelt“ (USD vs. EUR) kann derzeit nicht mehr ohne die vielfache politische Einflussnahme gedacht werden. Dass der Euro nun beschleunigt aufweicht, ist nur vordergründig eine unerwünschte Folge des griechischen Dauerchaos. Eigentlich entspricht dies dem Wunsch vieler „Euro-Partner“, ebenso wie die Ankurbelung der Inflation in Deutschland. Entgegen den ursprünglichen Versprechungen ähnelt der Euro immer weniger der DM, und immer mehr der Lira, Drachme oder Peseta. Natürlich mag man dem Wahlvolk der braven Sparer hierzulande nicht recht sagen, dass die Ab- und Entwertung ihrer Guthaben kein Unfall, sondern Teil der Strategie ist. Ein sinkender Euro, so die Hoffnung, werde den wettbewerbsunfähigen Volkswirtschaften wieder etwas Leben einhauchen. Zumindest an den Devisenmärkten zeigt die Strategie Wirkung.

Zu den Märkten

Die Aktienmärkte taten es dem Euro gleich und rutschten ebenfalls weiter durch. Für unsere Leser ist das nichts atemberaubend Neues, denn eine derartige Entwicklung haben wir bereits ausführlich in Smart Investor Ausgabe 4/2012 prognostiziert. Der Mainstream war zu jener Zeit noch voller Optimismus und tut sich mit der Anpassung an das tiefere Niveau und die abwärts gerichtete Tendenz schwer. Aus unserer Sicht ist die Baisse weiter intakt. Charttechnisch befinden wir uns noch immer in dem sich ausweitenden Dreieck, das wir in der Vorwoche beschrieben haben.

Besonders auffällig ist, dass der Kurs zuletzt nicht mehr kraftvoll zurückschnalzte. Die Erholungsbewegung verhungerte noch vor 6.600 Punkten um in der Folge entlang der unteren Begrenzung weiter abwärts zu kriechen. Bedeutsam erscheint uns jetzt die Marke von 6.200 DAX-Punkten, die vermutlich angesteuert wird. Prinzipiell gehen wir davon aus, dass das Abwärtspotenzial für den DAX noch lange nicht ausgeschöpft ist. Zwar ist im europäischen Kontext klar, dass in den Problemländern kaum etwas so ist, wie die Politik es darstellt, die Dramatik der Situation ist in den Kursen jedoch noch nicht enthalten.

Fazit

Aktienmärkte und Euro entwickeln sich weiter abwärts. Erholungen sind zwar jederzeit möglich, jedoch rein technisch bedingt. Für die durch „Rettungsmaßnahmen“ weiter verschärfte Staatsschuldenkrise sind Lösungen nicht in Sicht, zudem brechen beschleunigt die Konflikte zwischen den einzelnen „Euro-Partnern“ auf, was eine Einigung erschwert.

©Ralf Flierl, Ralph Malisch (Homepage vom Smart Investor)

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Ein Kommentar auf "„Rettungspolitik“ – Euro sogar gegen US-Dollar schwach"

  1. mfabian sagt:

    Tja, ich erinnere mich an eine Zeit, da waren die Deutschen, Schweizer, Amerikaner, Briten stolz auf ihre starke Währung und hatten für Länder wie Argentinien, Mexiko oder Italien nur ein mildes Lächeln übrig.

    Heute ist es Mode, dass jedes Land verzweifelt versucht, seine eigene Währung möglichst zu schwächen. „Als Unterstützung der Exportindustrie“, lautet die stereotype Begründung.

    Bis 2000 war der Schweizer Franken noch an Gold gekoppelt. Seit dem 6. September 2011 an den Euro. Und das schlimmste daran: Die Verantwortlichen der Schw. Nationalbank werden für diese „Meisterleistung“ durchs Band weg gelobt!

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