Rettungsaktionen + Herabstufungen = Einsparungen und Schmerz

22. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Nomi Prins) Eine Definition von Wahnsinn ist ja, dass man immer und immer wieder dasselbe tut, annehmend, dass das Ergebnis ein anderes sein wird. Insofern ist das, was die US-amerikanische Finanzjournalistin Nomi Prins beschreibt, eine Form von zunehmend verschärftem Finanz-Wahnsinn. Vielen Dank Nomi für die Genehmigung, diesen excellenten Artikel auf deutsch übersetzen zu dürfen… (frei zugänglich auf Metallwoche)

(Übersetzung von Lars Schall)

Die Märkte (sprich: Händler mit großen Büchern bei Mega-Finanzunternehmen und Hedgefonds) waren durch die Welle an stark berichteten S&P-Staatsschulden-Herabstufungen in der letzten Woche nicht sonderlich schockiert. Seit Monaten war die Frage nicht “ob“, sondern “wann“. Sich selber treu, liefen die Gründe von S&P wie schon bei der US-Herabstufung Schlittschuh auf der Oberfläche der vorherrschenden Weisheit – die Staaten haben zu viele Schulden und nicht genug Einnahmen. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der Geschichte.

Heutzutage, wenn irgendein Staat (einschließlich den USA) durch eine Ratingagentur herab gestuft wird, ist es nicht nur, weil seine Schuldenrückzahlungsfähigkeit fraglich ist (die öffentlich Logik der Rating-Agenturen), sondern weil für ihn teurere Schulden anfielen, um das Bankensystem floaten zu lassen. Er entschied sich dazu, die Banken über die Menschen zu subventionieren.

S&P beliebt, sich am Freitagabend zu bewegen. Es war an einem Freitagabend, dass es die US-Schulden auf AA + von AAA herabstufte. Am Freitagabend, den 13. Januar 2012 stufte es Frankreich und Österreich von AAA auf AA + herab, und 7 weitere europäische Länder ebenfalls: Zypern, Italien, Portugal und Spanien um zwei Stufen; Malta, die Slowakei und Slowenien um eine Stufe. Portugal, Zypern, Irland und Griechenland sind auf Ramschniveau. Deutschlands AAA-Rating ist intakt.

Nirgendwo in der S&P-Stellungnahme über die „globale Wirtschafts- und Finanzkrise“ stellte es klar, dass die Staaten wegen der Unterstützung ihrer größten nationalen Banken (und international solchen der USA) getroffen wurden, die sich ein halbes Jahrzehnt in fremdfinanzierte Spekulationen engagiert hatten. Aber hier ist, wie es funktionierte:

1.) Großbanken schleusten spekulatives Kapital und ihr eigenes in lokale Bereiche, indem sie Immobilien und anderen Sicherheiten als Futter für verbriefte Derivategeschäfte verwendeten.

2.) Sie verloren auf diese Wetten und bei den Kreditaufnahmen, die entstanden, um sie zu hebeln, Geld.

3.) Die Verluste fraßen ihr Kapital auf.

4.) Die verbitterten Kapitalmärkte reagierten in gegenseitigem Bank-Misstrauen, so dass sie sich nicht mehr wie zuvor Geld zum Abdecken ihrer Wetteinsätze besorgen konnten.

5.) Somit stiegen ihre Fremdkapitalkosten, was es für sie noch schwieriger machte, ihre Wetteinsätze abzudecken oder ihre eigenen Staatsschuldentitel zu kaufen.

6.) Dies ließ die Nachfrage nach Staatsanleihen zurückgehen, was die Kosten für die Schulden hochtrieb, was sich wiederum in zusätzliche Aufwendungen der Länder verwandelte.

7.) Die Länder mussten zu Rettungsaktionen übergehen, um die Banken glücklich zu machen und ihnen genügend Kapital zu geben.

8.) Als Gegenleistung für die Rettungsaktionen und billigen Kredite opferten die Regierungen die Bürger.

9.) Als die Bürger Arbeitsplätze verloren und die Länder Vermögenswerte verloren, um die international Spekulationswelle zu subventionieren, schwächten sich ihre Volkswirtschaften weiter ab.

10.) S&P (und jeder politische Führer) spielte diese Kette von Ereignissen herunter.

Die Vereinigten Staaten von Amerika

Am 5. August 2011 stufte S&P die US-Staatsverschuldung auf “AA +“ herunter. Das war vier Tage, nachdem der Kongress dafür gestimmt hatte, die US-Schuldenobergrenze zu erhöhen – um eine Herabstufung zu verhindern. Dem waren politische Querelen und eine Bettelei des US-Finanzministeriums und der FED gegenüber dem Kongress vorangegangen, um die Schuldengrenze zu erhöhen. S&P, das Leuchtfeuer mit AAA abgesegneter Gift-Assets, behauptete:

„Die amerikanische Politik und die politischen Institutionen sind in einer Zeit der andauernden steuerlichen und wirtschaftlichen Herausforderungen schwächer geworden.“

Mit anderen Worten… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Rettungsaktionen + Herabstufungen = Einsparungen und Schmerz"

  1. Edwin Glaser sagt:

    7.) Die Länder mussten zu Rettungsaktionen übergehen, um die Banken glücklich zu machen und ihnen genügend Kapital zu geben.

    Mussten? Island hat doch das Gegenteil bewiesen.

    Obwohl die isländischen Banken die katastrophalsten Verluste hatten und der Bankrott der Banken als Staatsbankrott bezeichnet wurde, liegt der isländische HDI immer noch im Spitzenfeld.

  2. […] Nomi Prins: Rettungsaktionen + Herabstufungen = Einsparungen und Schmerz […]

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