Rettung aus der Druckerpresse

30. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Eine Stimme rief: „Der Euro wäre unumkehrbar!“. Man wird alles tun, um ihn zu retten. Hat da etwa jemand gelacht? Und dann ging die Post ab. Die Moderatorin kämpfte mit ihren Tränen. Experten erstarrten und ich flüchtete mich unter den Schreibtisch, als sich plötzlich die Wolken beiseite schoben und der Regen der Minuszeichen an den Börsen stoppte…

Gottes Stimme war es nicht, denn er meidet dieses Etablissement aus Schwefeldampf. Es war EZB-Chef Mario Draghi. Er klang, als wollte er die Druckerpresse einschalten. Super-Mario hat früher bei Goldman Sachs schon Gottes Werk vollbracht. Mit Märkten und Wundern kennt er sich bestens aus. Jedes Wort von ihm war in dieser Woche Milliarden wert.

Welch eine Draghi-ödie! Seit Monaten schon versuchen die „Retter“ in Sachen Europa die Zahnpasta wieder zurück in die Tube zu drücken, Finanzfeuer mit Benzin zu löschen und Sturzfluten mit Wassereimern. Sie sollten endlich mehr Zahnpasta aus der Tube quetschen. Vielleicht will sie später von ganz allein wieder zurück. Billionen neue Euro hätten keine Wirkung auf die Geldstabilität, sagen sie. Inflation? Ach was!

Die Botschaft war klar: Wenn die Zinsen am Markt zu hoch steigen, wird sie die EZB künstlich nach unten fummeln. Die Märkte reagierten schon mal in die gewünschte Richtung. Diese Verbalinterventionen sind Manipulationen im Zinsmarkt. Doch was ist das? Nach dem LIBOR-Skandal will die EU-Kommission Manipulationen mit Strafen belegen. Ob sich Draghi & Co. irgendwann später vor Gericht verantworten werden? Nein. Diese Interventionen sind ja Rettungen. Na los! Druck! Lasst es uns schnell zu Ende bringen! ©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten


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4 Kommentare auf "Rettung aus der Druckerpresse"

  1. […] viaRettung aus der Druckerpresse » Rott & Meyer. Share| Juli 30, 2012 at 3:14 pm by admin Category: EU-Wahnsinn, EUDSSR […]

  2. 4fairconomy sagt:

    Jede Währung mit einem stets garantierten untersten Zinssatz von nominell 0% für Liquiditätshaltung endet entweder im (vorzeitigen) deflationären Crash, in einer Schulden-, Vermögens- und Geldmengenexpansions-Orgie und/oder im Versuch, mit zentralistischen, planwirtschaftlichen Massnahmen das Ende zu Verhindern. Das Ende einer Währung mit nominell 0% als garantierten Mindestzins ist eine logisch zwingende Gesetzmässigkeit, welche nach 70 bis 140 Jahren eintritt.

    Eine solche Währung funktioniert nur gut, solange es für die Sparer genügend attraktive realwirtschaftliche Investitionsmöglichkeiten gibt. D.h. solange die Ersparnisse problemlos realwirtschaftlich investiert werden können und sie sich dabei nach dem Zinseszinsprinzip vermehren können. Sobald dies nicht mehr möglich ist, steigt zunehmend die Gefahr, dass von den Ersparnissen zuwenig realwirtschaftlich investiert wird. Dies führt früher oder später zu einer deflationären Abwärtsspirale wenn dem nicht mit einer stets steigenden Staatsverschuldung begegnet wird. Am Anschlag angekommen, bleibt dann nur noch die Druckerpresse. USA, Japan, GB und nun der Euro machen es eindrücklich vor. Wir erleben gerade wohl den historischen Moment des schon vor Jahrzehnten voraussagbaren Ende des heutigen Geldsystems, und dies nun bei mehreren Währungen gleichzeitig.

    Zu hoffen bleibt, dass möglichst rasch und ohne Krieg, mit wenig Leid und Chaos der Übergang gelingt zu einem Währungssystem ohne den Fehler eines fixierten Mindestpreis von 0% für die Haltung von Liquidität. Am besten würde man damit beginnen zumindest regional, insbesondere in schon wirtschaftlich verwüstete Regionen, eine solche Parallelwährung einzuführen, damit dort Angebot und Nachfrage wieder zueinander finden können – dank eines funktionierenden Tauschmittelsystems.

  3. MARKT sagt:

    „Zu hoffen bleibt, dass möglichst rasch und ohne Krieg, mit wenig Leid und Chaos der Übergang gelingt zu einem Währungssystem ohne den Fehler eines fixierten Mindestpreis von 0% für die Haltung von Liquidität“

    Grundsätzlich volle Zustimmung, aber und ohne Ihre Einschätzung abzuwerten. Ich bin der Meinung dass dies längst von sehr vielen direkten und indirekten Nutzniessern erkannt wurde aber NIE umgesetzt werden wird. Auch das nächste Geldsystem wird von Nuancen abgesehen dem derzeitigen entsprechen. Die wenigen wirklichen Profiteure haben seit mehreren hundert Jahren ein entsprechendes Interesse.

    Den Sie sagen ja selbst das es eine logische zwingende Konsequenz ist, dass dieses System ab einem gewissen Zeitpunkt (Zyklus) nicht mehr haltbar ist. Es wurde schon X-mal bewiesen und trotzdem wurden immer wieder diesellben „Lösungen“gesucht und gefunden.

  4. Lotus sagt:

    Ich glaube nicht, daß die EZB flutet. Erstens steht Draghi unter Verdacht der Vorteilsnahme, was in politischen Kreisen sicherlich mit Argwohn betrachtet wird. Zum anderen wird die Presse bzw. politische Gegner den Druck des Rücktritts vergrößern. Zur Zeit hört und liest man zwar nichts (9.20 Uhr), jedoch innerhalb der EZB und auch der Notenbank wird dies eine Rolle spielen. Gespannt schaut man auf Donnerstag, jedoch bis dahin könnte Draghi schon weg vom Fenster sein.

    Ich glaube Bankhaus Rott schrieb letzte Woche, die Ankündigung von Draghi könnte ein Flopp sein. Bin der selben Meinung, denn die Ankündigung der EZB kam aus heiteren Himmel. Der Verdacht liegt nahe, daß Draghi die Gelegenheit nutzte, um Monti einen Gefallen zutun (Zinssenkung), ohne wirklich aktiv werden zu wollen. Merkwürdig zudem ist, daß Schäuble und Merkel Urlaub machen, obwohl es an allen Fronten brennt.

    Der Ernst der Lage scheint dadurch abgeschwächt, so daß ich annehmen muß, daß Merkel und Schäuble den ESM schon abgeschrieben haben. Dieses Gefühl werden auch andere in der EU haben. Oder warum bläßt Juncker auf Deutschland/Politiker zum Angriff? Die Sache stinkt zum Himmel.

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