Rettet die Glühbirne!

11. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Ja, ich gestehe. Ich benutze Glühbirnen. Nicht nur, dass sie leuchten, ihr Glühdrat heizt nebenbei auch etwas. Ihr Wirkungsgrad liegt meines Erachtens bei 100 Prozent. Zusätzlich verbreiten sie ein Licht, das nach Gemütlichkeit aussieht, und nicht nach einer Atmosphäre in einem Operationssaal. Doch unsere EU-Bürokraten haben da andere Pläne… 

Ich dachte immer, ich unterstütze mit dem Kauf von Glühbirnen die Konjunktur, rette Arbeitsplätze und betreibe sozusagen mein ganz persönliches Konjunkturprogramm. Deshalb sind jetzt alle meine Zimmer, der Keller und auch der Dachboden täglich voll erhellt. Ich renne zudem mehrfach durch das Treppenhaus, um den Glühbirnen Arbeit zu verschaffen. Auch an die armen Stromversorger habe ich gedacht, denen es ja börsenmäßig nicht so besonders gut zu gehen scheint. Und nun das. 130 Jahre hat sie geglüht, jetzt wollen ihr die EU-Oberen den Glühdraht durchschneiden. Und die Sparlampenindustrie ist hellauf begeistert.

Nach Angaben aus dem Europa-Parlament sollen Birnen mit mehr als 100 Watt von September 2009 an aus dem Handel genommen werden. Anfang 2010 folgen dann Birnen mit mehr als 40 Watt und zwei Jahre später auch schwächere Lampen. Dem Beschluss des Regelungsausschusses müssen noch Europaparlament und Ministerrat zustimmen.

Ich bin ja schon etwas irritiert, dass ich zukünftig wieder krumme Gurken und gerade Bananen essen muss. Unsere EU-Chefs, die ich weder kenne noch gewählt habe, kommen bestimmt noch auf ganz andere Ideen, mit denen sie mich irritieren werden. Die Unterstützungsprogramme für die Autoindustrie waren ja schon irritierend genug. Sie entscheiden vielleicht auch bald schon darüber, was ich denken sollte, nachdem sie vorschreiben, was ich essen und womit ich leuchten darf.

Dabei gäbe es doch viel einfacherer Wege, nämlich den Markt entscheiden zu lassen, welches Licht er anzündet und welches nicht. Wenn Steuern wirklich etwas steuern würden, dann könnte man doch so etwas wie eine Glühbirnen-Steuer erheben und damit die energiesparenden Lampen fördern. Romantiker zahlen eben drauf. Der Glühbirne wäre damit das Leben schwerer gemacht worden, doch ich könnte frei entscheiden. Wer die Qual der Wahl vor dem Glüchbirnen-Sparlampenregal hat, würde aber frei entscheiden können. Bald aber nicht mehr. Zudem überlege ich gerade, wie umweltfreundlich die Inhalte der modernen Lampen sind.

Energiesparlampen sind teurer als diese Dinger aus Glas. Und ihr Licht? Es ist hässlich! Schauen Sie den Frankfurter Weihnachtsbaum auf dem Römer an. Er trägt in diesem Jahr Energiesparlampen, als einen kleinen Gruß an die EU-Bürokraten? Selbst die Weihnachtsmänner schreiben schon Protestbriefe. Man favorisiert ja auch die sogenannten LED-Lampen. Deren Licht ist noch grausiger.

Nun braucht man bestimmt ein Gesetz mit 500 Durchführungsversordnungen, geschrieben von 1.000 Beamten und kann zusätzlich 10.000 Kontrolleure beschäftigen, die Abend für Abend von Fenster zu Fenster laufen, um Glüh-Knöllchen zu verteilen. Das nenne ich doch mal ein Arbeitsbeschaffungsprogramm. Morgen kommt man vielleicht auf die Idee, die Kerzen wegen der Klimakatastrophe zu verbieten und später auch das Wetter. Es könnte gefährlich sein.

Doch Dank Euch, Ihr lieben EU-Chefs! Ihr habt mich auf eine leuchtende Idee gebracht: Ich verschenke zu Weihnachten in diesem Jahr nämlich Glühbirnen in Hülle und Fülle und lege einen kleinen Glühbirnen-Vorrat an. Auch wenn Euch das ärgert…

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