Retter in Not

26. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Mir bluten noch die Ohren wegen Griechenland. Ja! Nein! Vielleicht ja doch, oder auch nicht. Jein und vielleicht eventuell. Dementi jagt Statement und eine Schlagzeile die nächste bis zum Tinnitus bzw. zur Sehnerv-Entzündung. Wird es ein Junge? Ach, das war ja etwas anderes… 

Das Thema griecht einem förmlich zum Hals heraus. Dabei sollte klar sein: Scheitern ist weiterhin keine Option. Geschätzte 17.000 Schlagzeilen haben allein den Donnerstag verschmutzt wie ein undichter Staubsauger die Zimmerluft. Nur weil Regierungschefs etwas sagen, muss es doch nicht heißen, dass es Inhalt haben muss. Presseagenturen sind in Höchstform aufgelaufen und haben ununterbrochen inhaltslose „Breaking News“ herumgeschleudert, bis man brechen wollte. Vielleicht war das ja Absicht.

Heimlich hofft man ja auf einen Fehler bzw. einen Funken Wahrheit. „Wir sitzen in der Patsche!“ Oder: „Das Geld ist weg! So aber heißt es, man möchte den Griechen helfen. So ein Unsinn! Die „Retter“ wollen sich selbst helfen mit Geld, was sie selbst herstellen. Komischerweise glauben sie, dafür wäre Griechenlands Einverständnis nötig bzw. eine Unterwerfung. Nicht dass der Russe… Oder jemand könnte sagen, das Geld wäre weg, ihr Vollpfosten. Dabei sollte alles nichts kosten. Nur Euro-Kritiker, Verschwörungstheoretiker und AfD-Wähler waren anderer Meinung.

Am Donnerstag um 16 Uhr sollte wieder mal die allerletzte Frist für eine Einigung enden. Wo war eigentlich der Countdown auf den TV-Bildschirmen? Was passierte? Das Übliche: Wie beim Fussball gab es eine Verlängerung. „Wir wollen den Griechen helfen!“ Aber die wollen ja nicht. Warum sollten sie auch?

Natürlich machen die Medien daraus ein Event. Ich warte schon lange darauf, dass Frau Kanzlerin aus Versehen herausrutscht, dass die Bundesregierung 100 Milliarden Euro verzockt habe. Selbst wenn es das wäre, käme das einer Erlösung gleich, künftig damit nicht mehr belästigt zu werden. Dass sich die Steuergeld-Verschwender durch das Eingehen von Bürgschaften jetzt als Retter sehen, hat schon etwas wie die widerliche Werbung, in der sich Banken als Partner, Freund und Helfer darstellen oder Bestatter als Medizinmänner. 

Bundesbank-Chef Jens Weidmann pocht unterdessen auf Verträge. Diese Verträge wurden damals für Schönwetterzeiten geschlossen – für einen Kontinent, über dem bekanntlich nur die Sonne scheint wie zu Zeiten von Ludwig dem XIV. Blöd nur, dass der Euro selbst der Fehler im System war. Statt diesen 2010 zu beheben, also Griechenland die passende Währung zu geben, machte man den Fehler größer. Zudem lieferte er jede Rechtfertigungen für Vertragsbrüche, denn ein Bail Out für ein anderes Euroland war ausgeschlossen. Das stand sogar auf den CDU-Wahlplakaten. Alles Auslegungssache, hieß es später, denn scheitert der Euro, scheitert Europa oder der Frieden. Nein, liebe Politiker. Scheitert der Euro, scheitert ihr. Wo wollt ihr denn dann arbeiten?



Wir wissen nicht, wann weißer Rauch aufsteigen wird, aber ich ahne schon, wie man diese Angelegenheit den Leuten verkaufen wird: Es roch gestern schon so komisch nach etwas Fauligem. Selbst Experten sagen, ein fauler Kompromiss wäre besser als gar keine Lösung. Sie haben mit Gestank viel zu tun und sind daran auch gewöhnt.

Wahrscheinlich wird ein stinkenden Haufen Mist als blumiger Rosenstrauß aus Plastik verkauft – mit Rosenduft beträufelt und fertig ist die gute Laune und die Jobsicherheit für diejenigen garantiert, die die Papiere dann unter Blitzlichtgewitter unterschreiben.

Auf ein Prinzip konnte sich Politik schon immer verlassen: Die Mehrheit der Leute wird alles glauben. Wenn man zudem Lügen permanent wiederholt, werden sie irgendwann zur Wahrheit. Hypnotiseure benutzen die gleiche Methode. Wer eine Lüge verdecken will, benötigt eine noch größere Lüge. Altes Prinzip. Statistisch gesehen, bekommen 80 Prozent der Leute nichts mit. Die anderen 20 Prozent schon, sind aber still. Das entscheidet über Mehrheiten in post-demokratischen Zeiten.

Seit dem EU-Beitritt Griechenlands vor 26 Jahren wurden dem Land 500 Milliarden Euro überwiesen, schreiben Analysten. Darin enthalten waren Subventionen in Höhe von 220 bis 240 Milliarden Euro. Dazu gab es einen Schuldenschnitt in Höhe von 150 Milliarden Euro. Die gleiche Summe erhielten die Griechen von IWF, EZB und Rettungsschirmen. Letztere sollte es auch nie geben. Macht zusammen eine halbe Billion Euro. Wo ist das Geld geblieben? Es wurde umverteilt und ist jetzt dort, wo man oben nennt. Unter Aufsicht der Troika hatte dieses Geld genügend Zeit, sich ins Ausland abzusetzen.

Der Bundesbank-Chef ohne Weisungsberechtigung, aber Ahnung und deutlichen Worten, unterstellte dem System eine indirekte und verbotene Staatsfinanzierung durch die EZB. Nicht doch! Die EZB stützt doch nur griechische Banken (vom Markt abgeschnitten) und die griechischen Banken stützen den griechischen Staat (vom Markt abgeschnitten) Die EZB tut das in der Hoffnung, es gäbe eine Lösung, auf deren Basis dann die Gelder von ihr an sie wieder ausgezahlt werden. Mitte Juli laufen Kredite aus und Not macht bekanntlich erfinderisch.

Nein, ich finde das schon lustig zu beobachten, wie die Retter versuchen, sich mit neuem Geld selbst zu retten, nachdem, sie den Banken ihre Forderungen abgenommen haben. Das ist wie eine Mischung aus Denver-Clan und Dschungelcamp, wobei Ekel durchaus unterhaltsam sein kann. Blake Carrington und Alexis Colby hatten wenigstens noch Stil. Wenn ich Frau Lagarde sehe, muss ich zwangsläufig an die französische Justiz denken – und bei Herrn Junker an seinen Satz „Wenn es ernst wird, muss man lügen“.

Es nervt! Zudem kann man ahnen, wie es ausgehen wird: Gut für die vermeintlich Guten und böse für die vermeintlich Bösen. Wie im Märchen. Also wenn Sie mich fragen, gebt doch den Griechen die Milliarden, mit denen sie diejenigen bezahlen, die es ihnen borgen. Bleibt doch alles in der Familie, in dieser schrecklich netten…




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10 Kommentare auf "Retter in Not"

  1. cubus53 sagt:

    Während die „Retter“ medienwirksam um weitere 7 Milliarden Euro an Griechenland streiten, erlaubt die EZB im Rahmen des ELA Programms Griechenland, weitere 70 Milliarden Euro zu drucken.

    Dieses Geld fliesst aber nicht in den Wirtschaftskreislauf, sondern die Griechen heben das wertlose Fiatgeld von der Bank ab und tauschen es vermehrt in Gold um.

    Der Deutsche derweil lässt sein sauer verdientes Geld auf dem Sparbuch liegen und wartet darauf, bis Herr Schäuble eines Montag Morgens verkünden wird, jeder müsse aus Solidarität mit der EU auf 10% seines Sparvermögens verzichten. Die entsprechende Überweisung an den Staat übernehmen natürlich die Banken.

    Ganz schön clever … die Griechen.

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Eine deutsche Regierung, die über Jahrzehnte als Vasallen der USA die Kriegsverbrechen der USA fördert und sich an ihnen beteiligt, wird die Weisung aus Washington auch umsetzen Griechenland immer weiter im Euro und in der EU zu halten; „kostet es was es wolle“.
    Marionettenregierungen werden eben auch wie Marionetten benutzt; man zieht einfach die Fäden die gerade notwendig sind.
    Wer den Inhalt der Stasiakte von Frau Merkel (genau so kennt wie den Inhalt ihrer Telefongespräche) hat eben das Sagen.
    Dem deutschen Michel wird man zu 80% die Weiterfinanzierung Griechenlands als Erfolg aufs Auge drücken können, solange bei LIDL und ALDI die Regale noch voll sind und die Glotze läuft; wobei die Propagandanachrichten als Laufband dem Michel als Informationsquelle schon vollkommen ausreichen sich zu informieren.
    Die anderen 20% haben schon längst ihr Geld „unkaputtbar“ angelegt/umgetauscht.
    Zusammenfassend: Die Fäden in Europa ziehen die „Strippenzieher“ die für die Verbrechen, die sie weltweit begehen, einst die Nazis in Nürnberg gehängt haben.
    Unsere Bundeskanzlerin nennt sie unsere Freunde.
    Ich schäme mich für diese Kanzlerin.

    Viele Grüße aus Andalusien
    H. J. Weber

  3. Insasse sagt:

    „Wenn ich Frau Lagarde sehe, muss ich zwangsläufig an die französische Justiz denken – und bei Herrn Junker an seinen Satz „Wenn es ernst wird, muss man lügen“.“

    Gestern Abend habe ich mir doch noch ein paar Minuten Maybritt Illner „gegönnt“ (das reicht dann auch erstmal wieder für die nächsten Jahre). Da hat doch der Buchhändler aus Würselen (Martin Schulz) gesagt, er müsse mal ausdrücklich den Jean-Claude Junker loben, der als EHRLICHER (!!!) Vermittler zwischen GR einerseits und dem IWF und den Gläubigern andererseits zu vermitteln versucht. Spätestens an dieser Stelle der Sendung bin ich heftig ins Grübeln gekommen: Ist die Situation etwa gar nicht so ernst, wie sie nach außen dargestellt? Wenn sie nämlich ernst wäre, würde der Junker ja lügen und könnte dann kein ehrlicher Vermittler sein. Oder hat etwa der Martin gelogen, als er gesagt hat, dass der Jean-Claude ein ehrlicher Vermittler ist? Dann wäre die Situation wohl doch (sehr) ernst. Fragen über Fragen…

    Verwirrte Grüße aus der Anstalt vom Insassen

  4. waltomax sagt:

    Wer kann mir erklären, was es mit den CDS auf sich hat, mit welchen die Griechenland-Kredite angeblich sehr hoch „überversichert“ wurden?

    Kann es sein, dass die DEUTSCHE BANK deswegen im Feuer steht, weil auch sie solche Versicherungen ausgegeben hat?

  5. waltomax sagt:

    @cubus53:
    Ich werde demnach regelmäßig zum Griechen! Jeden Ersten. Es bleibt nur auf dem Konto, was die laufenden Kosten deckt. Fiat money in echte Edelmetalle tauschen? Machen schon mehr, als einigen lieb ist…
    Sogar ich.

  6. JayJay sagt:

    Lassen wir sie doch weiter “retten“ um so schneller fliegt der Laden, genannt EU und dessen Euro auseinander. 🙂

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  7. Alfred sagt:

    Merkel hat in ihrem Statement ganz neulich erst den Vogel abgeschossen, als sie die gotterhabenen Worte aussprach:
    „Es könnte den Eindruck erwecken, wir kämen nicht voran…“
    Nein, nicht wirklich würden wir uns zu solcher Bigotterie versteigen. Die Wahrheit ist, vor gefühlten 100 Jahren konnte beim deutschen Volke schon ein leichtes Gefühl des Unbehagens auftreten – vom griechischen nicht erst zu reden. Wenn die Politiker den Nationen einzubläuen versuchten, sie wären gerade dabei, den griechischen Olymp wieder zusammenzukehren, und vor unseren verdutzten Gesichtern eine Landkarte davon entfalteten, käme es aufs Gleiche heraus, glaubt mir.

    Dass unsere Politiker ein wenig beschränkt seien – habe ich nie geglaubt!

  8. Jan sagt:

    Geht es nur mir so, oder ist dieses Thema mittlerweile so ausgelutscht das man kaum noch hinhört. Ich bin froh wenn es vorbei ist, mit welchem Ausgang ist mir beinahe egal. Ich kann es nur einfach nicht mehr hören.

  9. Argonautiker sagt:

    … Moment, man sagt zwar immer, daß man Griechenland Geld gäbe,…, aber das stimmt ja nicht so ganz. Man hat sich wohl schon so daran gewöhnt, Kredit als Geld anzusehen, daß man den Unterschied schon nicht mehr wahrnimmt.

    Kein Wunder also, daß gerade die Geldhersteller der USA möchten, daß Griechenland gerettet wird, wobei die Rettung wie üblicherweise so aussieht, daß die neuen Kredite in noch größere Abhängigkeiten und Verbindlichkeiten führen, und der Zusammenbruch nur um so umfangreicher ausfallen wird, sodaß man dann, wenn es denn endlich zusammengebrochen ist, alles noch billiger aufkaufen, oder gar einfach einstreichen kann.

    Das geschieht natürlich, wie Herr Meier schon erwähnte, mit Geld, was man sich dann einfach druckt, denn die erneute Vergabe von Krediten an die Griechen, rechtfertigt ja dazu neues zu drucken. Das heißt die Rettung der Griechen, verläuft nach Plan, denn die Griechen wollen zwar keine Kredite mehr, das dumme ist bloß, sie brauchen welche, um die Alten zu bezahlen. Was also gar nicht geht, ist, ein Schuldenschnitt, das würde in Spielverderberei enden.

    Es ist natürlich klar, daß wenn die Griechen fallen, und neue Kredite werden dies unzweifelhaft bewerkstelligen, dies auch den Rest von Europa einen Schlag versetzen wird, sodaß auch dieses unbedingt neue Kredite braucht, sodaß es für die Geldhersteller gar nicht besser laufen kann.

    Bei DEM Blatt der Geldhersteller würde ich sagen, ALL IN.

    Was soll passieren, wenn man sich die Karten die man braucht einfach drucken kann, wie man sie braucht. Hat Griechenland vier Asse, dann druckt man sich halt fünf. Also wirklich ein langweiliges Spiel. Aber jetzt will der doofe Putin auch noch mitspielen. Zu früh gefreut, der neue Held hat auch auf’s Geld gesetzt. Und Seins funktioniert auch nicht viel anders, als das Westliche. Und so pokert man, bis einer sagt: „Du schummelst“,…, „nein Du“,…, „nein Du“,…, „nein Du“, und irgendwann erinnert man sich an die glorreiche Zeit des wilden Westens, und ballert drauf los.

    Schönen Gruß aus Bremen

  10. samy sagt:

    Nun glaube ich ja, dass das Pulver der ZB’s nie verschossen ist, solange sich die Eliten in Politik, IWF und EZB miteinander einig sind und/oder innerhalb dieser Institutionen kein Streit aufflammt. Solange läuft das Spiel bis in aller Ewigkeit. Solange sehe ich auch keinen Crash auf dem Anleihemarkt kommen, wie Armstrong meint. Wieso auch? Die einen verschulden sich unendlich, die anderen kaufen unendlich die Schulden auf.

    Aber … ich meine schon ein Knarren im Gebälk zu hören. Herr Weidmann warnt lauter, die Nerven in Brüssel liegen definitiv blank und eine Frau Lagarde tritt mit der typischen Eleganz schwarzer Schwäne auf.
    Und in dieser Situation will Herr Tsipras ein Referendum. Da macht mich etwas hellhörig. Er will sein Volk bitten mit „Nein“ zu stimmen. „Hilfe, hilfe … “ rufen die Eliten, der „Feigling“ ( So betitelt ihn heute DIE WELT) Tsipras versteckt sich hinter der Demokratie. Nicht hinter Mutti? Boah! Der böse Bube! Referendum? Skandal! Wie können wir, die Eliten, da einig sein, wenn der einfache Mann auf der Straße …
    „Nein“ heißt in Griechenland „Oichi“. Einer wichtigsten Feiertage ist in Griechenland der „Oichi-Tag“. Und was wird dort lt Wiki gefeiert?
    Der Ochi-Tag (griechisch Επέτειος του «Όχι», Epétios tou Ochi, Jahrestag des „Nein“) wird jährlich in ganz Griechenland am 28. Oktober gefeiert und erinnert an die Ablehnung des von Benito Mussolini am 28. Oktober 1940 an Griechenland gestellten Ultimatums vor dem Beginn des Griechisch-Italienischen Kriegs.
    Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ochi-Tag
    Es geht also um ein Ultimatum und die Unabhängigkeit. Es geht um WK II.
    Ja, 70% der Griechen wollen im Euroraum bleiben. Aber 100% wollen unabhängig sein und feiern das Prinzip Jahr für Jahr. Eigentlich schon seit der Perserzeit. Und das Kalkül des Herrn Tsipras könnte aufgehen und das Volk sagt „Oichi“. Und geraten die Institution über das Ergebnis in einen Streit, dann ist das Pulver wirklich verschossen. Dann steigen die Zinsen auf Anleihen recht zügig. Weil die einen wollen vielleicht nicht mehr alles kaufen und die anderen nicht mehr die Schuldenlast der anderen mittragen.
    Übrigens, das Referendum soll am 5. Juli durchgeführt werden. Ein Sonntag. Mit etwas Geschick wird das Ergebnis erst Montag bekannt, wenn die Börsen öffnen.
    Man mag das ganze Schauspiel zum Kotzen finden, aber spannend bleibt ist es. Ja, es hat was vom Dschungel-Camp. Auch hier kommt beim betrachten die Faszination am Ekel zum Zug…

    VG

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